HEGESCHAU 2017 IM BEZIRK BRUNECK

 

Eröffnung durch die Luttacher Jagdhornbläser

 

Der Bezirksjägermeister Gottfried Hopfgartner eröffnete den offiziellen Teil mit der Begrüßung an die Festgäste:

Geschätzte Ehrengäste, liebe Jägerinnen und Jäger, werte  Besucher, im Namen des Südtiroler Jagdverbandes Bezirk Bruneck darf ich Sie alle zum Offiziellen Teil dieser Hegeschau herzlich willkommen heißen.

Begrüßen möchte ich auch die Luttacher Jagdhornbläser, die für die Schneidige Eröffnung gesorgt haben, und die diesen Offiziellen Teil weiterhin musikalisch umrahmen und auflockern werden.

 

Wir freuen uns, dass eine Reihe von Ehrengästen unserer Einladung gefolgt ist und möchte – stellvertretend für alle – einige unter ihnen namentlich begrüßen:

Den BM der Gemeinde Percha Joachim Reinalter, eine besondere Ehre ist es, dass auch Arnold Schuler, LR für Forstwirtschaft und somit sozusagen oberster Jagdherr bei uns ist, Herzlich willkommen heißen möchte ich den Bezirksobmann des SBBes Anton Tschurtschenthaler + Viktor Peintner,  Vielen Dank für sein Kommen auch unserem LJM Berthold Marx, der den weiten Weg aus dem Vinschgau nicht gescheut hat,   obwohl er erst gestern Abend bei der Hegeschau im Bezirk Unterland gesprochen hat, LtgsAbg. Kuenzer + Wurzer

                    

Aus terminlichen oder gesundheitlichen Gründen entschuldigt haben sich:     Landeshauptmann Arno Kompatscher,   Landesrätin Martha Stocker,   Die Abteilungsdirektoren Paul Profanter und Markus Joos,   Alt-LJM Oswald Galler

 

Heuer zum zweiten Mal findet unsere Hegeschau hier in Percha statt.

Der SJV Bezirk Bruneck bedankt sich bei der Gemeinde Percha für die Bereitstellung des Vereinshauses für diese Veranstaltung.

Ich bitte nun Joachim Reinalter und Paul Steiner, ans Pult zu treten und ein Grußwort an die Gäste und Besucher zu richten.

Joachim Reinalter als Bürgermeister und Paul Steiner als Vizebürgermeister der Gemeinde Percha und zugleich Revierleiter des veranstaltenden Revieres.

Der Bürgermeister von Percha Joachim Reinalter hieß alle Ehrengäste und Teilnehmer herzlich willkommen, bedankte sich bei der Jägerschaft von Percha für die gelungene Veranstaltung und sagte:"Es ist schön, wenn man sieht wie viele Jagdbegeisterte nach Percha gekommen sind um diese Hegeschau in unserer Gemeinde mit  330 Quadratkilometer zu besuchen. Ich glaube in der jetzigen instabilen Zeit, wo die Jagdgegner immer mehr mobilisieren,  werden auch die Herausforderungen der Jägerinnen und Jäger immer mehr, nicht zu unterschätzen die Rückkehr der Großraubtiere Wolf und Bär stellen uns vor einer neuen Herausforderung, so der Bürgermeister. Wer in der Natur und in unserer schönen Landschaft unterwegs ist und die Natur beobachtet,  der weiß, dass ein Gleichgewicht ohne Jagd nicht möglich wäre, ohne Jagd wird dieser Wildbestand so wie wir in haben nicht weiterbestehen. Ich bin sehr erfreut, dass die Jäger dieses Gleichgewicht erhalten. Die Jagd ist eine wichtige Aufgabe zum Aufbau und Erhalt eines gesunden Wildbestandes. Mit diesen Worten beendete der Bürgermeister seine Rede und wünscht allen ein kräftiges Weidmannsheil.
Der Revierleiter von Percha Paul Steiner begrüßte im Namen seines Reviers die zahlreich anwesenden Ehrengäste, die Jägerinnen und Jäger und bedankte sich bei allen Personen die bei der Hegeschau mitgeholfen und einen Beitrag dazu geleistet haben. Ein besonderer Dank an den BJM Gottfried Hopfgartner, und dem Leiter der Hegeschau Hubert Tschaffert für die gute Zusammenarbeit.  Ein Dank auch an die Sponsoren die es ermöglicht haben diese Hegeschau zu realisieren. Zum Schluss wünschte der Revierleiter noch allen einen angenhmen Aufenthalt und verabschiedetet sich mit einem kräftigen Weidmannsheil

 

Der Bezirksjägermeister: Traditionsgemäß wollen wir nun zunächst unserer Jagdkameraden gedenken, die uns seit der letztjährigen Hegeschau für immer verlassen haben.

 

Fabio De Bettin              Revier Bruneck

Erich Falkensteiner        Revier Kiens

Robert Mair am Tinkhof Revier Mühlwald

 

 

Die Südtiroler Jägerinnen und Jäger gehören naturgemäß allen drei Sprachgruppen unseres Landes an.

Um eine angemessene Vertretung in der jagdlichen Verwaltung zu gewährleisten, wählten die Jäger italienischer Sprachgruppe eigene Vertreter in den Landesjagdausschuss des SJV, die ladinischen Jäger einen eigenen Vertreter.

Im Rahmen der Neuwahl der Verwaltungsorgane des SJV wurden heuer vor kurzem auch diese Sprachgruppenvertreter  neu gewählt. Der Revierleiter aus Sterzing, Sandro Covi, folgt nun auf Sandro Eccher, den Revierleiter aus Bruneck.

Dieser hat über 30 Jahre lang die italienischen Jäger der östlichen Landeshälfte im LJA vertreten.

Die Wahl der Ladinischen Jäger ist auf Eduard Winkler (siehe Foto links) aus dem Revier St. Martin in Thurn gefallen, der Eduard Ellecosta aus Enneberg in dieser Funktion ablöst.

 

Der Bezirksjägermeister Gottfried Hopfgartner weiter: Ein fixer Bestandteil jeder Hegeschau ist der Bericht des zuständigen Bezirksjägermeisters. Diesen Bericht, der sich natürlich nur auf den Bezirk Bruneck bezieht, möchte ich heuer bewusst ans Ende setzen und zuerst einige unserer Ehrengäste ans Pult bitten.

Sie werden in ihren Ansprachen sicher die aktuelle Situation der Jagd in ganz Südtirol beleuchten und dabei (leider) auch die staatsweiten Bezüge und Verflechtungen nicht ganz außer Acht lassen können. Deshalb ersuche ich unseren geschätzten LJM Berthold Marx und anschließend unseren Landesrat  Arnold Schuler um  ihre Beiträge.

 

Berthold Marx:  Der frühere Jagdaufseher von Sand in Taufers Strobl Anton hat uns zwei Erinnerungsfotos geschickt. Von der ersten und zweiten Hegeschau des Bezirkes Bruneck. Austragungsort war das Hotel Post in Bruneck.

Stattgefunden hat die erste Schau am 20. März 1955, also vor genau 62 Jahren. Und die zweite zwei Jahre später am 24. Februar 1957. Und aus der Jägerzeitung März/April 1955 lese ich, was damals der Bezirk an Trophäen vorzulegen hatte. Es waren 313 Rehgewichtln und 43 Gamskrucken. Der Bezirk war, besonders beim Rehwild, in einer Spitzenposition.

Liebe Jägerinnen und Jäger, verehrte Gäste.

Damals wurden landesweit 200 Gämsen erlegt, 750 Rehe, allerdings auch über 7000 Hasen. Die Wildzählungen ergaben damals 5000 Gamsen landesweit, 18.000 Rehe und 4900 Murmeltiere. Der Gamsabschuss ist heute 17 Mal höher, der Rehabschuss zwölfmal höher und Murmeltiere zählen wir heute zehnmal mehr in unserem Land als vor 60 Jahren. Wer hat dazu beigetragen, dass der Wildbestand heute so gestärkt ist?

 Diesen Verdienst haben einzig und allein die Jägerinnen und Jäger unseres Landes, die Jägergenerationen unserer Väter und Großväter. Und weder  Verwaltung noch Grüne und schon gar nicht Tierschützer haben sich um den Aufbau und die Festigung der Wildbestände und die Regelung der Jagd gekümmert. Wir Jäger haben uns im Laufe der Zeit - und die Zahlen beweisen es – als Anwälte des Wildes bewährt und werden das auch weiterhin tun. Und deswegen können wir mit gutem Gewissen alle Kritik und Vorwürfe zurückweisen, die auf die Jagd insgesamt und die Jägerschaft im Besonderen zielt. Die jagdlichen Probleme in unserem Land sind heute, wenn, dann völlig anderer Natur. Wir müssen uns mit Wildkrankheiten beschäftigen, alten und neuen. Und niemand anderer kümmert sich darum als die Jägerinnen und Jäger. Und gerade in eurem Bezirk, wo verständige Leute am Werk sind, hat man die besten Maßnahmen zu setzen gewusst. Ein Kompliment für euer Geschick liebe Revierleiter und lieber Bezirksjägermeister und ein Dank für euren Einsatz, liebe Jägerinnen und Jäger. Inzwischen werden möglicherweise neue Herausforderungen auf uns zukommen. Uns hat vor wenigen Wochen die Meldung über Wölfe im Gadertal überrascht.

Wir bringen uns in die Debatte um das Großraubwild mit aller gebotenen Vorsicht ein, weisen aber darauf hin, dass ein Managementplan dieser Wildarten nicht wie bisher den absoluten Schutz dieser Wildtiere vor Augen haben kann, sondern auch berücksichtigen muss, ob für bestimmte Wildtiere im Gebiet noch Platz ist.

Südtirol ist diesbezüglich anders als ein Großteil des italienischen Staatsgebietes, wo die Landwirtschaft aus den Berggebieten abgewandert ist, wo es weite Lebensraumbereiche gibt, aus denen sich der Mensch zurückgezogen hat. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir glauben an die Berglandwirtschaft, unser Land braucht den Tourismus und wir wollen unser Land in seiner Schönheit und Vielfalt bewahren,  dazu gehören die Almen, die Weiden, die bewirtschafteten Höfe, die Wälder. Zu unserem Land gehören aber vor allem die Leute, die auf alles schauen, die hier arbeiten, eine traditionelle Nutzung betreiben, ohne den Naturgütern zu schaden. Zu diesen Leuten zähle ich auch und vor allem unsere Jägerschaft, weil wir eine nachhaltigen Nutzung nachwachsender Naturgüter betreiben.

 

Landesrat Arnold Schuler: auch er unterstrich die Bedeutung der Hegeschauen für Land und Leute, nicht nur für Jäger. Die Jagd muss positiv dargestellt werden, es reiche nicht, wenn nur Jäger miteinander reden. Jagd ist laut Landesrat notwendig, gehört zur Wirtschaft und zur Kultur des Volkes. Der Wildbestand gehört sinnvoll geregelt und Wild soll maßvoll herausgenommen werden. Die Jäger sind verpflichtet, auf einen gesunden Wildbestand zu achten. Tatsache ist, dass bei uns in Südtirol das Wild stark zugenommen hat und dies auch dank der strengen Abschussplanung. Diese Notwendigkeit, muss der Gesellschaft immer mehr erklärt werden, denn viele verstehen die Notwendigkeit der Bejagung nicht. Die Jagd wird immer mehr durch Gesetze geregelt, durch nationale und internationale Bestimmung, durch Landesgesetze und durch interne Regelungen der einzelnen Reviere. Wenn ein Tier durch eine solche Bestimmungen einen Schutz bekommt ist es hinterher sehr schwer einen solchen Schutz wieder aufzuheben oder zu lockern, obwohl sehr viele unter Schutz gestellte Wildarten in großen Mengen vorkommen und manchmal auch zum Probleme werden.

Der Landesrat erwähnte noch ganz kurz die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Jagdausübung in der Naturparks und beendete mit einem Lob an die Veranstalter der Hegeschau seine Rede.   

 

Bezirksjägermeister Gottfried Hopfgartner hielt die obligate Rückschau auf das vergangene Jagdjahr und kleidete die Bilanzzahlen in einen ethischen Jagdvortrag. Seine Worte:

Werte Zuhörer, ich komme nun sozusagen zum Pflichtteil der Hegeschau, zur Berichterstattung über die Situation und Entwicklung der Wildbestände. Dieser Bericht fußt hauptsächlich auf der Analyse der  Abschussergebnisse des vergangenen Jahres und  der Schwankungen dieser Abschusszahlen über längere Zeit betrachtet.

In erster Linie werden darin die Bestände jener Wildarten unter die Lupe genommen, für deren Bejagung es behördliche Vorgaben in Form von verbindlichen Abschussplänen gibt.

Diese abschussplanpflichtigen Wildarten sind Rehwild, Rotwild und Gamswild sowie Spielhahn, Schneehuhn und Steinhuhn. 

Beginnen möchte ich mit jener Schalenwildart, die in unserem Bezirk mit den höchsten Streckenzahlen aufscheint, dem Rehwild:

Insgesamt wurden im Vorjahr 1.639 Rehe erlegt, davon waren  783 männlich, 856 weiblich.

Es fällt auf, dass beim Rehwild und eigenartigerweise nur beim Rehwild die Abschussplan-Erfüllung beim weiblichen Wild deutlich höher ist als bei den Böcken

 

Bei Rot- und Gamswild verhält es sich nämlich genau umgekehrt.

Nach dem Tiefpunkt von 2009 steigt die Strecke beim Rehwild wieder langsam an, die Zahlen bis 2003 scheinen aber nicht mehr erreichbar zu sein. Dafür mag zum Teil sicher auch die Zunahme des Rotwildes ein Grund sein.

Rehe sind im gesamten Bezirk flächendeckend ziemlich gleichmäßig vertreten, wenn auch in unterschiedlicher Dichte, je nach Qualität des Lebensraumes und je nach Konkurrenz durch das Rotwild

Rehe vermehren sich schnell, sie haben die höchste Zuwachsrate der heimischen Schalenwildarten.

Rehbestände reagieren kurzfrisig auf günstige bzw. ungünstige Witterungsverhältnisse.

In diesem Sinne ist eine positive Auswirkung der letzten relativ milden Winter auf die Bestände zu erwarten und auch schon deutlich erkennbar. Etwas höhere Abschusspläne und Mut zu intensiverer Nutzung erscheinen also durchaus angeraten!

Zur größten unserer Schalenwildarten, dem Rotwild:

Im abgelaufenen Jagdjahr konnten 412 Stück davon erlegt werden, die sich folgendermaßen auf die Geschlechts- und Altersklassen verteilen:

Zur Strecke kamen 173 Hirsche davon waren 63 einjährige, also sogenannte  Schmalspießer,  und 110 mehrjährige Hirsche

Mit 98% liegt die AP-Erfüllung in dieser Klasse sehr hoch!

Beim Kahlwild – darunter versteht man die weiblichen Tiere und die Kälber beiden Geschlechts – gelang die Erfüllung des Abschussplanes nicht in so hohem Maße:

Von den genehmigten bzw. zum Abschuss vorgeschriebenen 326 Stück konnten nur 239 Stück auch erlegt werden.

Dies kommt einer Erfüllung von 73% gleich.

Eine vollständige Erfüllung der Abschussvorgaben ist aber beim Kahlwild in unserem Bezirk grundsätzlich fast unmöglich, da in den Rotwild-Randgebieten nördlich der Rienz verhältnismäßig wenig weibliches Rotwild steht, die Abschussplanung aber trotzdem nach den landesweit geltenden Richtlinien zu erfolgen hat.

In den Rotwild-Kerngebieten des Gadertales wurden allerdings auch beim Kahlwild die Abschussvorgaben fast zu 100% erfüllt. Die Wirksamkeit des Abschusses beim Kahlwild – Wirksamkeit im Sinne  von Bestandskontrolle, also von Vermeidung eines weiteren Ansteigens der Bestände  - diese Wirksamkeit hängt aber nicht nur von der Zahl der erlegten Stücke ab, sondern von deren Verteilung:

Vor allem in den Kerngebieten ist es wichtig, nicht nur stark in den Zuwachs – also sprich: in die Kälber – einzugreifen, sondern vor allem auch in die Zuwachsträger, die Tiere.

In unserem Bezirk stehen den 113 erlegten Kälbern 126 erlegte Tiere gegenüber, die Vorgaben der Hegerichtlinien und der AP-Kommission wurden in diesem Punkt also deutlich erfüllt bzw. sogar übertroffen. 

In der Streckenentwicklung des Rotwildes über die letzten 20 Jahre fallen zwei Punkte auf: Erst zweimal wurden im Bezirk Bruneck mehr als 400 Stück Rotwild erlegt: 2010 und eben im vergangenen Jahr 2016

Dem Anstieg der Strecke beim Rotwild entspricht im selben Zeitrahmen ein Rückgang der Strecke beim Rehwild.

Ein Zusammenhang dieser beiden Trends ist nicht ganz unwahrscheinlich.

Tatsache ist jedenfalls, dass im Vinschgau, wo es die höchste Rotwilddichte Südtirols gibt, seit Jahren beim Rehwild nur noch halb so viele Stücke  erlegt werden wie beim Rotwild. 

 

Eine überraschende Entwicklung ist im Gebiet nördlich der Rienz feststellbar– wie schon erwähnt eigentlich ein Rotwild-Randgebiet mit geringer Wilddichte:Die starke Zunahme bei den erlegten Hirschen auf mehr als das Doppelte war allerdings durchaus zu erwarten: Die Abschussplankommission hatte nämlich im Vorjahr jedem Revier in dieser Zone den Abschuss eines zusätzlichen schwachen Hirsches gestattet, um den Überhang an männlichem Rotwild abzubauen.

Insgesamt wurden also über 20 zusätzliche Hirsche - ohne Kahlwildbindung - freigegeben und zum Großteil auch erlegt.

Die Überraschung besteht nun aber darin, dass gleichzeitig auch die Zahl des erlegten Kahlwildes ebenfalls fast im selben Ausmaß angestiegen ist.

 

Zum Gamswild: Hier die  Strecke des letzten Jahres: Von den 943 im Abschussplan freigegebenen Gamsen wurden 807 erlegt. Dies bedeutet eine Erfüllungsquote von gut 85%.

Wobei folgendes auffällt – und auch etwas bedenklich stimmt: Am höchsten ist die AP-Erfüllung bei den Böcken, am niedrigsten bei den Geißen. Bedenklich deshalb, weil in manchen/vielen Revieren nach wie vor zu wenige reife und alte Gamsböcke stehen und deshalb eigentlich mehr Zurückhaltung beim jagdlichen Eingriff in diese Klasse geboten wäre.

Vor allem sollten weniger starke mittelalte Böcke dem Bestand entnommen werden!

Es gibt  bei uns zwar hervorragende Gamslebensräume, sowohl im Dolomitengebiet wie auch am Alpenhauptkamm und in der Rieserfernergruppe. Leider haben aber die Gämsen in beiden Bereichen stark unter der Räude gelitten oder noch zu leiden. Besonders in den Zillertaler Alpen breitet sich die Seuche weiter nach Westen aus und strebt anscheinend einem neuen Höhepunkt zu.  Im Bereich des Alpenhauptkamms sind 2016 etwa 150 Fälle bekannt geworden. Im Bereich der Dolomiten gab es 2016 etwa 110 Fälle. In den meisten Revieren des Gadertales, wo das Gamswild inden letzten 15  Jahren von der Räude arg heimgesucht wurden, ist es schon wieder gelungen, Bestände mit nahezu idealer Altersstruktur aufzubauen. Dies könnte und sollte auch für andere Gebiete ein Ansporn sein, dieses Ziel konsequent anzustreben.

Nach diesem unerfreulichen, aber notwendigen Einschub hier noch eine Zusammenfassung des Jahres 2016 aus einem anderen Blickpunkt: Im vergangenen Jahr gingen im Bezirk Bruneck 57 Jägerinnen und 833 Jäger – also knapp 900 Personen dem Weidwerk nach.

In den 26 Revieren und den 10 Eigenjagden des Bezirks wurden über 1.600 Rehe, gut 400 Stück Rotwild und mehr als 800 Gamsen jagdlich entnommen, das entspricht einer Gesamtstrecke von fast 2.900 Stück Schalenwild.

Im Durchschnitt entfielen also im vergangenen Jagdjahr mehr als 3 Schalenwildabschüsse auf jeden Jahres- und Gastkarteninhaber und somit mehr als in manchen anderen Jagdbezirken des Landes.

Kurz möchte ich auch auf das Steinwild zu sprechen kommen, obschon es als einzige der heimischen Schalenwildarten laut Gesetz nicht jagdbar ist.

Vielleicht ist einigen schon aufgefallen, dass trotz dieses Umstandes ein paar Gehörne dieses Wildes an den Tafeln ausgestellt sind. Dabei handelt es sich um Trophäen solcher Stücke, die von Räude befallen waren und aufgrund des Dekretes für sog. „Sanitäre Abschüsse“ auch von Jägern – und nicht nur vom JA – erlegt werden konnten.

Insgesamt wurden im Revier Luttach/Weißenbach im letzten Jahr 5 Fälle von Räude beim Steinwild bestätigt, die befallenen Stücke wurden dem Bestand entnommen. Ein räudiger Steinbock wurde auch im Revier Pfunders erlegt.

Es ist zu befürchten, dass weitere Fälle folgen werden und sich die Seuche wie auch beim Gamswild nach Westen und somit ins Herz der Steinwildkolonie Eisbrugg ausbreiten wird. Leider erlaubt der aktuelle rechtliche Rahmen keine Abschussplanung für das Steinwild, wie sie für die übrigen Schalenwildarten angewandt wird. Neben den drei Schalenwildarten Reh- Rot- und Gamswild gibt es auch drei Federwildarten, die nur im Rahmen von genehmigten Abschussplänen erlegt werden dürfen.

Beim Schalenwild – und hier vor allem beim Rotwild - schreiben die Pläne  in erster Linie das Mindestmaß an Abschüssen vor, das notwendig ist, um die Bestände zahlenmäßig unter Kontrolle zu halten sowie das Geschlechtsverhältnis und die Altersstruktur zu steuern.

In der Planung für  Spielhahn, Schnee- und Steinhuhn geht es dagegen um die Festlegung der Höchstzahl an Abschüssen, die für diese Wildarten verträglich - und deshalb auch vertretbar! - ist.

Um eine eventuelle Übernutzung dieser Arten auf jeden Fall zu unterbinden, ist einer Abschussfreigabe zusätzlich noch die  Verträglichkeitsprüfung durch das Amt für Jagd und Fischerei vorgelagert.

Unter Mithilfe der Jagdaufseher werden die Bestände dieser Hühnervögel  jährlich erhoben, und in der Folge legt die Behörde fest, ob eine Bejagung bestandsverträglich ist oder nicht. Nur bei einem positiven Ausgang dieser Verträglichkeitsprüfung kann die Kommission Abschusspläne für diese Wildarten überhaupt genehmigen. 

Beim Spielhahn sind die Abschusszahlen in unserem Bezirk über die letzten Jahre relativ konstant geblieben.

2016 wurden 86 Hahnen erlegt.

In gar einigen Revieren gelingt es, die bewilligten Abschüsse in sehr kurzer Zeit durchzuführen, obwohl die Herbstjagd auf den Spielhahn nicht so leicht ist wie die traditionelle Balzjagd im Mai, wie sie bis 1989 praktizert werden konnte. Diese schnelle Erfüllung der Abschusskontingente muss durchaus auch als Beleg für gute Bestände verstanden werden.

Gesunken sind die Abschusszahlen in den letzten beiden Jahren beim Schneehuhn: 37 waren es 2015, 47 im vergangenen Jahr. Der Grund dafür liegt aber nicht in einem Rückgang dieser Art, sondern im Verbot der Schneehuhnjagd in den Naturparken. Die Naturparke sind bei uns nämlich fast flächengleich auch als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen und als BSG eingestuft. Deshalb musste die Abschussplankommission vor zwei Jahren einer staatlichen Bestimmung Rechnung tragen und die schon genehmigten Abschusspläne für Schneehühner in diesen Gebieten widerrufen. Natürlich konnten auch 2016 keine Abschusspläne für das Schneehuhn im Natura-2000-Gebiet genehmigt werden, und daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. 

Für das Steinhuhn werden in unserem Bezirk seit einigen Jahren keine Abschusspläne genehmigt, weil eben die Verträglichkeitsprüfung des Amtes negativ ausfällt. 

Noch ein kurzer Blick auf die Strecke beim Fuchs und bei den Hasen, die ohne die Vorgabe eines Abschussplanes bejagt werden dürfen. Erlegt wurden in unserem Bezirk 472 Füchse, drei Viertel davon allerdings nicht in der vom Gesetz vorgesehenen Jagdzeit, sondern im Rahmen der Fuchsregulierung, die durch ein Dekret des Landesrates ab Ende Juli möglich gemacht wurde. Dieses Dekret hat erfreulicherweise der Anfechtung  durch durch Jagdgegner und Tierschützer standgehalten, wohl auch weil sich der SJV in das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht erfolgreich mit eingelassen hat.

Weitaus geringer als beim Fuchs ist die Strecke bei den Hasen ausgefallen: Sie macht nur ein gutes Drittel der Fuchsstrecke aus. Zwei von vielen möglichen Gründen: Die meisten – vor allem jungen - Jäger widmen sich heute fast ausschließlich der Jagd auf das Schalenwild, auch weil dort der Druck zur AP-Erfüllung groß ist.

Unbestritten sind aber auch die Bestände vor allem des Feldhasen zurückgegangen, bedingt unter anderem durch die intensivierte Landwirtschaft.

Nachdem ich mich bis jetzt in meinem Bericht dem Wildbestand und  seiner Bejagung gewidmet habe, wende ich mich noch kurz dem Bestand der Jägerinnen und Jäger zu.

In den ersten Monaten dieses Jahres wurden die Verwaltungsorgane des Südtiroler Jagdverbandes auf Revier- und Bezirksebene neu bestellt. In 7 der 26 Reviere im Bezirk Bruneck musste ein neuer Revierleiter gewählt werden, da sich die bisher aktiven nicht mehr der Wahl stellen wollten oder konnten.

Revier Abtei/Badia hat Paul Valentin,  Hubert Fistill als Revierleiter abgelöst, in Wengen/la Val folgt Davide Frenes auf Michael Nagler, in St. Martin in Thurn Alfred Erlacher auf Hermann Costabiei.

Einen neuen Revierleiter hat nach Josef Niederkofler auch das Revier Percha, es ist der Vizebürgermeister der Gemeinde, Paul Steiner.

Franz Steinhauser, der bisherige RL in Kematen, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl antreten, sein Nachfolger ist Johann Stocker.

Auch in den Revieren Sand in Taufers und Luttach/Weißenbach gibt es mit Josef Gruber und Ignaz Kirchler neue Männer an der Spitze, sie lösen Hermann Röd und Helmuth Außerhofer ab.

Den scheidenden Revierleitern möchte ich für ihren langjährigen Einsatz in der jagdlichen Verwaltung den Dank unserer Jägerschaft aussprechen.

Allen amtierenden Revierleitern, den bestätigten und ganz besonders den neu gewählten, möchte ich an dieser Stelle herzlich zu ihrer Wahl bzw. Wiederwahl gratulieren und eine glückliche Hand bei ihrer nicht immer leichten Aufgabe wünschen.

Es ist mir ein persönliches Anliegen, einen unserer Revierleiter namentlich zu nennen und hervorzuheben, der heuer zum 9. Mal bestätigt wurde. Josef Kronbichler ist also seit 36 Jahren Revierleiter in Gais und tritt nun seine 10. Amtsperiode an.

Am Ende dieses Offiziellen Teiles der Hegeschau möchte ich nun allen danken, die sich für die Organisation und das Gelingen dieser Veranstaltung eingesetzt haben und noch einsetzen. Einige davon möchte ich besonders hervorheben und  namentlich nennen:

    Den RL Paul Steiner, den Ausschuss und alle Jägerinnen und Jäger des Jagdreviers Percha Percha

    Die Revierleiter unseres Bezirks

    Den Bezirksausschuss

    Die Jagdaufseher der Reviere und des Verbandes, vor allem dem Hauptverantwortlichen und Koordinator Hubertus    Tschaffert

     Die Luttacher Jagdhornbläser unter Hornmeister Michael Kirchler

       Ihnen und allen fleißigen Helfern gilt unser aufrichtiger Dank!

 

Für den heutigen Tag wünsche ich Ihnen allen noch viel Freude beim Betrachten und Analysieren und bei angeregten Gesprächen. Für die kommende Zeit erlebnisreiche Stunden in der freien Natur unserer Reviere, den Jägerinnen und Jägern unter uns Viel Erfolg im jagdlichen Einsatz und Gute Kameradschaft! 

In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und grüße alle mit einem kräftigen  „Waidmannsheil“!

 

                                                                                                 

                                                                                                 Bericht: WP - Jagdportal

                                                                                                 Fotos:   WP - Jagdportal