HEGESCHAU 2017 IM BEZIRK OBERPUSTERTAL IN WELSBERG, MEHR ZUSAMMENARBEIT GEFORDERT

Oberpustertaler  Jäger halten Rückschau – der neu gewählte Bezirksjägermeister Günther Rabensteiner zieht Bilanz und möchte mehr Zusammenarbeit mit  den 15 Revierleiter, gemeinsames Auftreten, bessere Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Jagdverband und mehr  Öffentlichkeitsarbeit.

Große Sorge und Mahnungen über die vielen Dekrete und Jagdordnungen die immer wieder  angefochten werden.

Im Vereinshaus und Raiffeisensaal des Paul-Troger-Haus von Welsberg fand am 18.- und 19. März 2017 die diesjährige Hegeschau vom Bezirk Oberpustertal statt, Die Jagdhornbläsergruppe "Amperspitz" aus Taisten umrahmte den Festakt musikalisch.

Der Bezirksjägermeister beschränkte seine Rede auf das Wesentliche. Dem neu gewählten Bezirksjägermeister ging es einerseits darum, den obligaten Rechenschaftsbericht seiner Reviere zu präsentieren, er scheute anderseits nicht davor zurück, die Landesregierung und alle Politiker aufzufordern, sich für Südtirols Jagdautonomie einzusetzen. Er begann seine Präsentation mit der Begrüßung der Ehrengäste:

Landtagsabgeordneter Dr. Albert Wurzer, Dr. Bernedikt Terzer Vertreter des Südtiroler Jagdverbandes, Dr. Agreiter Vertreter des Amtes für Jagd und Fischerei, Covi (italiniescher Vertreter für die Bezirke Sterzing, Brixen, Unter- und Oberpustertal), Vize-Obmann des Südtiroler Bauernbundes Viktor Peintner, Anton Tschurtschenthaler, Obmann des Südt. Bauernbundes,  Bezirk Pustertal, Forstinspektor Dr. Pörnbacher, Bürgermeister Albin Schwingshackl, Vize-Bürgermeisterin Paula Mittermair, Bezirksjägermeister, ,alle Revierleiterinnen und Revierleiter und  Freunde der Jagd und Naturliebhaber!

BJM Günther Rabensteiner Begrüssung:

Herzlich Willkommen zur Hegeschau des Bezirkes Oberpustertal 2017 in Welsberg! Nach 51 Jahren ist es wieder soweit:  die Hegeschau des Bezirkes Oberpustertal wird erneut  in Welsberg ausgerichtet. Es ist uns eine große Freude und Ehre, diese wichtige Jahresveranstaltung hier bei uns im Raiffeisensaal des Paul-Troger-Haus organisieren zu dürfen. Dass wir diesen Zuspruch erhalten haben, verdanken wir ganz besonders dem Bezirksauschuss des Oberpustertal. Keine kleine Aufgabe für unser Revier, doch wir haben die Herausforderung gerne angenommen und es ist uns auch bestens gelungen, Ihnen heute  eine musterhafte Hegeschau hier in Welsberg zu präsentieren.

Das Revier Welsberg mit seinen nur 1200 Ha, mit 2 Jägerinnen und 14 Jägern, ist eines der kleineren Reviere im Bezirk Oberpustertal. Unsere durschnittliche Jahrestrecke der letzten 10 Jahre kann mit 12/13 Stück Rotwild und mit 30 Stück Rehwild pro Jagdjahr mehr als  zufriedenstellend sein.

Doch nun zum heutigem Ereignis:
für die Organisation einer solchen Hegeschau bedarf es der Mithilfe vieler freiwilliger Personen. Ich nutze nun die Gelegenheit  meinem Jagdausschuss, sowie allen Jägern und deren Frauen, der freiwilligen Feuerwehr, dem Gemeindepolizist und allen anderen Helfern ein großes Lob und einen herzlichen Dank auszusprechen. Für die kulinarischen Vorbereitungen geht ein  Vergelt' s Gott  an den Catering Service Hell Werner, für den tadellosen Bedienungsservice ein Dankeschön an Holzer Toni von der Hotelfachschule mit seinen Mitarbeitern. Für die musikalische Umrahmung sei den Jagdhornbläsern "Amperspitz" aus Taisten gedankt. Für die Bühnen- und Saaldekoration, sowie dem wunderschönen Natur Habitat mit Tieren und Vögeln unserer Umgebung,  geht ein riesiges Kompliment und Dankeschön an unseren Jagdaufseher Peter Burger. Für die "weidmännische" Tischdekoration danken wir unseren lieben Frauen. Ein weiterer Dank ergeht an die Firma K&S , die uns einen Arbeiter zur Verfügung gestellt  und den Transport und Rücktransport der Wände und Bretter durchgeführt hat. Zum guten Schluss danke ich noch dem Hausmeister des Paul-Troger-Hauses Trakofler Siegfried für seine Mithilfe, den Sponsoren, allen voran der Raiffeisenkasse WGT, der Getränkefirma F. Harpf und der Metzgerei Hell aus Welsberg.

Als neu gewählter Bezirksjägermeisters begrüße ich Sie alle und heiße ich Sie recht herzlich willkommen zur Hegeschau im Bezirk Oberpustertal!

Für den heutigen Festakt haben sich Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher, Landesrat Dr. Arnold Schuler, der Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei Dr. Luigi Spagnolli,  der Landesjägermeister Berthold Marx, der Direktor der Domänenverwaltung Dr. Josef Schmiedhofer, sowie der BJM des Unterpustertales Gottfried Hopfgartner und der BJM vom Unterland Herr Dibiasi entschuldigt.

Im Jagdjahr 2016 sind  einige Jägerinnen und Jäger leider von uns gegangen und ich ersuche Sie freundlichst, sich nun kurz zu erheben,  um den Verstorbenen eine ehrende Gedenkminute zu widmen, während die Jagdhornbläser das große Hallali blasen.

Wie Sie wissen, wurden vor kurzem Neuwahlen durchgeführt. In unserem Bezirk Oberpustertal gibt es 3 neue Revierleiter, es sind dies Ploner Kurt für das Revier Niederdorf, Benno Leimgruber für das Revier Antholz und Heinrich Steinmair für das Revier St. Magdalena. Den neu gewählten Revierleitern gratuliere ich recht herzlich: ich wünsche ihnen ein gutes Gelingen und hoffe auf eine gute Zusammenarbeit im Bezirk Oberpustertal!  Danken möchte ich aber auch allen ehemaligen Revierleitern für Ihre bisher geleistete Arbeit.

Ein Dankeschön ergeht auch an alle Jagdaufseher des Bezirkes für Ihren jährlichen Einsatz in den verschiedenen Revieren.

Auch die Bezirksrevierleitung wurde neu gewählt und ich stelle mich mit großer Freude und Begeisterung dieser mir neu anvertrauten Aufgabe.

Was erwartet man nun von einem neu gewählten Bezirksjägermeister?

Ich habe mir 3 große Aufgaben und Ziele gesetzt: an erster Stelle steht wohl das Zusammenwachsen der 15 Revierleiter, die Kameradschaft, die es gilt untereinander regelmäßig zu pflegen,  das Miteinander-reden und dann, ganz wichtig,  das gemeinsame Auftreten.  Dabei betone ich, dass ich das Gespräch mit allen Revierleitern suchen werde, denn nur dadurch kann man vieles erreichen und auch eventuelle Probleme lösen!

Wir müssen gemeinsam auftreten, in einem Waggon sitzen, nur damit werden wir als Bezirk stark und verdienen somit die notwendige Aufmerksamkeit.

Die zweite Aufgabe wird es sein, alle Informationen vom Landesjagdauschuss an die Revierleiter und Jäger im Bezirk weiterzuleiten. Die Informationen müssen offen und transparent sein und direkt an die Basis des Bezirkes weitergegeben werden.  Erfolge werden nur eingefahren werden können, wenn wir von „unten nach oben arbeiten“, d. h. wenn die Basis, die Jäger in den einzelnen Revieren und dann die Vertreter in den Bezirken in die Vorbereitungsarbeiten des Landesjagdausschusses mit eingebunden werden. Somit wird erreicht, dass die gesamte Jägerschaft hinter den zu treffenden Entscheidungen,   Abänderungen und Neuerungen steht und Konflikte bereits im Vorfeld so weit als möglich vermieden werden können.

Und als dritte Aufgabe sehe ich die Wichtigkeit der Öffentlichkeitsarbeit. Das Jagdwesen  muss der Bevölkerung unbedingt noch näher gebracht werden. Es gibt so viele Mitbürger, die eigentlich sehr wenig Bezug zu Themen wie „Hege und Pflege“ haben, und so haben wir anlässlich unserer Hegeschau am Freitagvormittag 4 Klassen der Volk-und Mittelschule Welsberg zur Hegeschau eingeladen. Auch der  Besuch von über 40 Senioren und Pensionisten aus Welsberg hat uns sehr gefreut: es war interessant zu sehen, mit welchem Interesse und mit welcher Wissbegierde sie bei der Sache waren. Von Jagdaufseher Burger Peter und Verbandsaufseher Reinhard Pippberger wurden nämlich Führungen durch die gesamte Hegeschau gemacht, wobei das Wesen der Jagd, das Wild und die Wichtigkeit eines rücksichtsvollen Umgangs zwischen Mensch und Natur den Besuchern bestens erklärt und nahe gelegt wurde. Für diese Besucher erscheint die Jagd nun vielleicht in einem neuen Licht, sie können sich etwas darunter vorstellen und viele sind der Jagd nun freundlich gesinnt. Das erscheint mir besonders wichtig, denn Themen wie Beziehung Mensch/Natur und dazugehörend auch die Jagd muss schon bei den Jugendlichen Boden fassen, denn schließlich sind sie unsere Zukunft und sie müssen das Erhaltene nach uns weiter pflegen.

In diesem Sinne, auf dass mir meine Vorhaben gut gelingen mögen, werde ich meine Tätigkeit als Bezirksjägermeister nun angehen.

 

Nun zur Jahresstrecke 2016:

1051 Trophäen können sie heute hier bei unserer Hegeschau in Welsberg besichtigen!

 

REHWILD

Es wurden 452 männliche von 463 bewilligten und 474 von 464 bewilligten weibliche Rehe erlegt. Dabei wurde der Abschuss zu 98% beim männlichen, sowie 102% beim weiblichen bestens erfüllt. Etwas bedenklich und zum Nachdenken regt die Tatsache an, dass bei den T-Böcken 210 junge und nur 42 reife und 12 alte erlegt wurden.

 

ROTWILD

Beim RW 272 Stück erlegt. Das sind 102 von 97 bewilligten bei den männlichen, sowie 170 von 186 bewilligten bei den weiblichen. Auch hier wurde der Abschussplan mit 105% bei den männlichen, sowie mit 91% der weiblichen erfüllt.

 

GAMSWILD

Wurden insgesamt 479 erlegt. 149 Böcke von 168 bewilligten; 106 von 169 bewilligten weiblichen und 224 von 225 bewilligten Jährlingen. Das sind 89% Erfüllung bei den Böcken, 63% bei den Geißen und 100% bei den Jährlingen. Anzumerken ist dazu der geringe Geißenabschuss, welcher zu überdenken wäre.

 

NIEDERWILD

82 Feldhasen, 34 Schneehasen, 193 Füchse, 30 Spielhahnen, 18 Schneehühner, 3 Ringeltauben, 40 Stockenten, 44 Waldschnepfen, 4 Amseln, 56 Wacholderdrosseln, 3 Singdrosseln, 25 Rabenkrähen, 33 Eichelhäher und  2 Elstern.

Soviel zur Jahresstrecke…

 

Nach dieser Festrede und einer musikalischen Einlage der Jagdhornbläsergruppe  "Amperspitz" aus Taisten, sprach der italienische  Stellvertreter Herr SANDRO COVI ein paar Grußworte zu den Jägerinnen und Jäger und bedankte  sich bei allen Anwesenden für die gute Zusammenarbeit.

 

Auch der Hausherr und Bügermeister von Welsberg Albin Schwingshackl sprach über die Wichtigkeit der Jagd und freute sich über die Anwesenheit der Ehrengäste und Anwesenden in Welsberg.  Der Bürgermeister weiter: Die Hegeschau ist die Ernte des vergangenen Jagdjahres und wie jeder sehen kann ist dies eine beträchtliche Ernte Ein großes Lob an die Veranstalter, Jagdrevier Welsberg und allen Mitwirkenden. Durch die Jagd haben wir auch die Möglichkeit die schöne Natur zu erleben, dort zu verweilen und auch Zeit und Ruhe genießen zu können. Jagd wird auch sehr viel und vielleicht auch immer mehr unbegründet kritisiert, auch viele Medien berichten zu schnell über Unwahrheiten und stellen die Jagd ins schlechte Licht. Ich finde es sehr wichtig, dass auch schon die Kinder mit der Jagd involviert- und auch von Fachleuten aufgeklärt werden nur so können wir die Vorurteile über die Jagd abbauen.           

 

Anschließend referierte Dr. Benedikt Terzer vom  Südt. Jagdverband über die derzeitige rechtliche Situation,  über die entzogenen Waffenpässe,  neue Dekrete und Jagdordnungen. Dieses Referat möchte ich wegen der Wichtigkeit, schriftlich und auch in MP3 wiedergeben:

 

REFERAT IN MP3 ( Bitte haben Sie ein wenig Geduld die Datei muss geladen werden)

 

Was ist das wichtigste Anliegen der Jäger?

Jäger wollen sicher sein, Rechtssicherheit haben und von der Gesellschaft akzeptiert werden.

kann es sein, dass wir Jäger, die jahrzehntelang vorbildlich gejagt haben, verlieren, weil ihnen der Waffenpass plötzlich nicht mehr verlängert wird?

kann es sein, dass man uns verbieten will, bestimmte Wildarten zu bejagen?

kann es sein, dass wir in bestimmten Gebieten nicht mehr jagen dürfen?

 

Sehr geehrte Ehrengäste, liebe Jäger,

ich bin mir sicher, dass jeder von euch in seinem Bekanntenkreis mindestens einen Jäger kennt, dem der Waffenpass nicht mehr verlängert wurde.

Seit dem Jahr 2014 wird Artikel 43 des Einheitstextes der Sicherheitsgesetze streng ausgelegt. Das hat zur Folge, dass all jene, die wegen bestimmten Straftaten verurteilt worden sind, keinen Waffenpass mehr erhalten. In den letzten Monaten sind Fälle bekannt geworden, die gelinge gesagt, absurd anmuten.
-   Einem Jäger wurde der Waffenpass nicht verlängert, weil er vor Jahrzehnten eine Tanne gefällt hat, um sie als Christbaum zu verwenden.
-   Zwei Jägern wurde der Waffenpass nicht verlängert, weil sie wegen Stromdiebstahl im Jahr 1984 verurteilt worden sind.
-    Einem Jäger wurde der Waffenpass nicht verlängert, weil er außerhalb der Jagdausübung ein Taschenmesser bei sich trug.
Diese Liste ließe sich noch weiter fortführen.
Aber bereits hier erkennen wir: Wir Jäger brauchen Rechtssicherheit.
Weil diese Situation nicht akzeptabel ist, haben wir schon vor über einem Jahr damit begonnen, nach Lösungen zu suchen.
Es gibt zwei mögliche Auswege:

Eine politische Lösung, d.h., man versucht das Staatsgesetz zu ändern;

Eine juridische Lösung, d.h., man zieht vor Gericht.
     Was die politische Lösung anbelangt, hat es in den letzten Monaten mehrere Anläufe in Rom gegeben. Bis jetzt hat es noch keinen Durchbruch gegeben, aber die Bemühungen laufen weiter.

Man muss an dieser Stelle auch hervorheben, dass sich besonders die Südtiroler Parlamentarier in Rom für eine Lösung einsetzen. Wir haben die Parlamentarier mehrmals um Unterstützung gebeten und angeschrieben. Entstanden ist ein reger Austausch zwischen den Parlamentariern und dem Jagdverband. Hervorzuheben ist in erster Linie der Einsatz des Kammerabgeordneten Albrecht Plangger und der Senatoren Karl Zeller und Hans Berger.

Plangger, Zeller und Berger haben erst vor wenigen Wochen einen neuen Abänderungsantrag in Abgeordnetenkammer und Senat eingebracht, der die alte Situation wiederherstellen soll.

In der Zwischenzeit haben sich auch die Landeshauptleute Kompatscher und Rossi für das Anliegen der Jäger eingesetzt, indem sie beim Innenminister für eine Lösung in der Waffenpass- Angelegenheit vorgesprochen haben.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob eine Lösung auf politischer Ebene gelingt.

Die Sache ist nicht einfach. Wer nur ein wenig das politische Tagesgeschehen verfolgt, weiß, wie schwierig der Kampf in Rom ist. Die Politiker, die der Jagd freundlich gesinnt sind, kann man an wenigen Fingern abzählen. Wenn es darum geht, sich offen zur Jagd zu bekennen, bleiben von den rund 1000 Parlamentariern kaum 10 übrig.

Zu groß ist die Angst, durch ein offenes Bekenntnis zur Jagd, in der eigenen Wählerschaft in Missgunst zu geraten.

Dass wir Jäger im Parlament eine vergleichsweise schwache Lobby haben, liegt natürlich in erster Linie daran, dass wir sehr wenige sind: Nur 1 % der italienischen Bevölkerung geht zur Jagd. Neben der politischen Lösung, steht auch eine juridische im Raum.

In den letzten Monaten hatten wir mit circa fünfzig Jägern Kontakt, die Schwierigkeiten bei der Verlängerung des Waffenpasses haben.

Unter den Betroffenen sind einige Fälle, die schier unglaublich anmuten.

Wir haben einige Fälle, die besonders gut für einen Gerichtsstreit geeignet sind, ausgesucht und den Betroffenen einen Rekurs vor dem Verwaltungsgericht nahegelegt. Gleichzeitig haben wir mit mehreren renommierten Anwaltskanzleien, die auf Verwaltungsrecht spezialisiert sind, eine Zusammenarbeit begonnen.

In der Zwischenzeit sind mehrere dieser ausgesuchten Fälle bereits vor dem Verwaltungsgericht, mit ersten Urteilen wird noch innerhalb April zu rechnen sein.

Alle Rekurse haben etwas gemeinsam: das Ziel ist, die Sache mit den Waffenpässen bis vor das Verfassungsgericht nach Rom zu bringen und dort die strenge Auslegung zu Fall zu bringen.

Es kann nämlich nicht sein, dass in unserer Gesellschaft mit zweierlei Maß gemessen wird. Ein Richter, der als einer der größten Waffenrechtsexperten in Italien gilt, hat das Ganze gut auf den Punkt gebracht:

Wer vor Jahrzehnten eine kleine Straftat, z.B. einen Diebstahl begangen hat und anschließend rehabilitiert wurde, kann in Richter oder Staatspräsident werden. Auf die Jagd gehen, kann man aber nicht. Damit ist alles gesagt.

Wie wichtig, eine gute politische Vernetzung ist, haben wir vor einigen Wochen im Zusammenhang mit der Jagd in den Naturparken erfahren.

Wenn die Zusammenarbeit und das Verhältnis zwischen Jägerschaft und Politik nicht so gut wäre, hätten wir die Jagd in den Naturparks begraben können.

Die Ausnahmeregelung, die Südtirol und Trient für die Jagd in den Naturparken erhalten haben, ist der wichtigste autonomiepolitische Forstschritt für die Jagd in den letzten 25 Jahren.

In ganz Italien darf in den Naturparken nicht gejagt werden. Nur Südtirol und Trient haben eine Ausnahmeregelung. Dass die Jagdgegner dagegen Sturm laufen, versteht sich von selbst.

Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass es die Jagdgegner waren, die mit einem Rekurs die Jagd in den Naturparken zu Fall bringen wollten. Und es ist ihnen beinahe auch geglückt.

Doch die Rekurse der Jagdgegner richten sich nicht nur gegen die Jagd in den Naturparken, sondern in erster Linie gegen Abschussdekrete.

In den letzten Jahren haben wir das leidige Spiel zig-Mal miterleben müssen: Der Landesrat für Forstwirtschaft erlässt ein Abschussdekret, kurz darauf reichen die Jagdgegner Rekurs vor dem Verwaltungsgericht ein. Nur wenige Tage später stoppt das Verwaltungsgericht die Abschüsse.

Im letzten Jahr hat sich das Blatt aber gewendet.

Während bisher jedes Dekret ausgesetzt wurde und das Land die Prozesskosten tragen musste, wurden im Jahr 2016 die Jagdgegner in drei Prozessen dazu verurteilt, die Gerichtskosten zu übernehmen.

Der wichtigste Erfolg wurde jedoch im August 2016 im Zusammenhang mit dem Fuchsdekret eingefahren. Nachdem die Liga gegen Tierversuche das Fuchsdekret angefochten hatte, hat sich erstmals der Südtiroler Jagdverband in das Gerichtsverfahren eingeschaltet um das Land zu unterstützen.

Der Jagdverband hat eine sofortige Anhörung beim Gerichtspräsidenten beantragt, die dann umgehend gewährt wurde.

Einen Tag später erteilte der Gerichtspräsident den Jagdgegnern eine Absage: Zum ersten Mal in der Geschichte des Jagdgesetzes hat das Gericht nein zur Aussetzung gesagt.

Daraufhin konnte die Fuchsregulierung weiter stattfinden und so landesweit insgesamt 1.700 Füchse erlegt werden.

Mit diesen ersten Erfolgen aus dem Vorjahr ist der Weg aber noch lange nicht geebnet. Die Jagdgegner sind finanziell gut aufgestellt und werden auch weiterhin unzählige Rekurse gegen die Jagd einbringen.

Wir werden uns auch in Zukunft, wo möglich, vor Gericht einschalten. Das alles ist natürlich mit Kosten verbunden, aber diese Spesen dürfen wir nicht scheuen, wenn wir auch morgen noch gut dastehen wollen!

Entscheidend für den Fortbestand der Jagd ist in erster Linie das, was in Rom und in Brüssel entschieden wird.

Erst in der letzten Woche hat das Europäische Parlament eine neue Waffenrichtlinie verabschiedet. Der ursprüngliche Vorschlag der EU- Kommission hätte neue, massive Einschränkungen für Jäger und Sportschützen bedeutet.

Dass mit der neuen Richtlinie keine neuen Einschränkungen auf uns Jäger zukommen, verdanken wir dem beherzten Einsatz jener Parlamentarier, die sich für die Anliegen der Jagd einsetzen. Dazu gehört auch der Südtiroler EU- Parlamentarier Herbert Dorfmann, der unser Ansprechpartner ist und stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Jäger hat.

Wir Jäger sind gut vernetzt. In Europa gibt es 7 Millionen Jäger. Der Dachverband der europäischen Jagdverbände FACE steht mit Michl Ebner unter einer Südtiroler Führung und vertritt die Interessen aller Jäger auf EU- Ebene.

Netzwerke und Partner, das sind die Schlüssel der Zukunft.

 - Deswegen arbeiten wir eng mit dem Südtiroler Bauernbund zusammen,

 - Deswegen arbeiten wir gut mit dem Amt für Jagd und Fischerei zusammen,

 - Deswegen arbeiten mir gut den politischen Interessensvertretern zusammen,

 

Wir Jäger haben bisher gute, sehr gute Arbeit für das Wild und für die Natur geleistet. Diese Verdienste lassen wir uns nicht so leicht absprechen. Wenn wir weiterhin kompakt und geschlossen zu unserer gemeinsamen Passion stehen, brauchen wir niemanden zu scheuen. Mit den Worten: „Die Jagd wird bestehen bleiben!“ verabschiedete sich der Jurist Dr. Terzer vom Rednerpult.

 

Dr. Andreas Agreiter stellvertretend für das Amt für Jagd und Fischerei berichtete über die derzeitige Situation vom Südtiroler Jagdwesen und ist bemüht einen Ausgleich zwischen Jagd und Landwirtschaft zu finden, er meint: Zur Zeit haben wir sehr bewegte Zeiten rund um die Jagd, meistens geht es um unterschiedliche Interessen und mit diesem Thema müssen wir uns jedes Jahr wieder aufs neue zusammensetzen. Wir haben die Aufgabe immer wieder einen Ausgleich zwischen Jagd, Landwirtschaft und Interessengruppen zu finden. Die Abschussplanung wurde auch im Oberpustertal fast zur Gänze erfüllt, aber es gibt auch Wildarten die uns Sorgen bereiten und auch nicht bejagt werden dürfen. Mit dieser Aufgabe ist vor allem die Verwaltung und auch die Landesregierung gefordert um zwischen Jagd und Landwirtschaft zu vermitteln. Auch die dauernden Rekurse der Türschützer bereiten uns Kopfzerbrechen, denn ihnen geht es nicht um eine verträgliche Nutzung der Wildbestände, sondern sie wollen jegliches töten von Wild unterbinden.

Auch in den Naturparks sollte die Jagd erlaubt sein, denn die Jagd sollte überall nachhaltig ausgeführt werden, aber dies ist in Italien nicht erlaubt.

Die Jagd darf den Wildbestand nicht gefährden,  darum ist der Gedanke in Zukunft 15% der Naturparks zu Wildruhezonen zu erklären, um dort vor Störungen durch Jagd und Mensch entgegenzuwirken. Auch der ständige wachsende Tourismus bringt das Wild arg in Bedrängnis, denn die Zonen wo sich das Wild zurückziehen kann, wird immer kleiner, das bringt mit sich, dass es dem Wild weniger gut geht und immer mehr gestört wird. Sehr sensibel durch Störungen reagieren unsere Rauhfusshühner, die teils gar nicht mehr vorzufinden sind. Weiteres ist die Landesregierung bemüht zusammen mit den Interessengruppen ein 5 Jahres Programm über den Steinbock und Murmel auszuarbeiten und dem Ministerium zur Begutachtung vorzulegen um nicht immer bei einer Bejagung mit Rekursen rechnen zu müssen.  

Zum Schluss dieses Festaktes gab es eine Ehrenscheibe für den früheren Bezirksjägermeister  Christian Töchterle der über 20 Jahre die Geschicke im Bezirk Oberpustertal leitete. Der neugewählte Bezirksjägermeister Günther Rabensteiner bedankte sich im Namen des neu gewählten Bezirkvorstandes für seine Arbeit und überreiche ihm als Dank und Anerkennung diese Jagdscheibe. 

Unter dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ wurde der festliche Akt in weniger als 1 Stunde erfolgreich mit einem kräftigen Weidmannsheil beendet, alle Ehrengäste wurden um 12 Uhr zum Mittagessen im Hotel Weisses Lamm eingeladen.  

                                                                                                 

                                                                                                 Bericht: WP - Jagdportal

                                                                                                 Fotos: WP - Jagdportal und Grossalber H.

                                                                                               

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