Bericht 114:  Der „passende Hirsch“

Heuer war es wieder mal so weit, mein Großvater Josef Kargruber war wieder an der Reihe, einen T-Hirsch im Jagdrevier Taisten zu erlegen. Nach einigen erfolgslosen Jahren waren wir nun wieder bereit, den  „passenden“ Hirsch zu suchen. Schon am Freitagabend versuchten wir unser Glück in der Ortschaft „Peatobrunn“. Dieser Pirschgang endete jedoch sehr bescheiden. Kein einziges Stück Schalendwild sollten wir zu Gesicht bekommen. Auch die Hirschbrunft hatte noch nicht so richtig eingesetzt, zumindest konnten wir keinen Hirsch röhren hören. Wie immer kamen wir dann beim Wildraum mit anderen Jägern zusammen und besprachen den Verlauf des heutigen Tages. Der Sohn Robert konnte uns mitteilen, dass er in der Ortschaft der "Rudlgräben 3 T-Hirsche gesehen hatte. Von diesem Bericht angespornt, begaben wir uns am nächsten Tag wieder auf die Pirsch. Ursprünglich suchten wir den Hochsitz aus, von welchem Robert die 3 Hirsche gesehen hatte. Da mein Großvater aber nicht überzeugt war, den Weg in der Dunkelheit zu bestreiten, beschloss er, auf den Hochsitz nahe der Stadelwiesen zu wechseln. Auf meine Frage, ob es nicht gescheiter wäre, auf den Hochsitz zu gehen, von welchen am Vortag die Hirsche gesichtet wurden, antwortete er nur kurz: „Ohh, dei kem schon dou a!“ Ich bestieg mit dementsprechend gedrückter Laune den Hochsitz und schaute mich um. Anfangs fanden sich nur einige Rehe auf dem nahe gelegenen Wiesenstück ein und der Nebel verdeckte uns die Sicht. Allmählich klärte es aber auf und plötzlich ging alles ganz schnell. Ich bemerkte einen Hirsch, welcher gerade versuchte, auf die gegenüberliegende Seite zu wechseln (Richtung Rudelgräben). Sofort informierte ich meinen Großvater, der den Hirsch nur kurz betrachtet hatte und sagte: „Der passt mo“. Kurz entschlossen entsicherte er die Repetierbüchse und wartet darauf, dass sich der Hirsch sich wieder blicken ließ. Es vergingen keine 10 Sekunden als der Hirsch versuchte eine Riese zu überqueren. Da diese aber nur sehr schmal war hatten wir keine Zeit… Da der Hirsch nicht anstand, platzierte er den Schuss noch im Lauf. Der Hirsch zeichnete Anfangs kaum, er sprang ein Stück hinunter und schaute sich um. Doch an seinem Verhalten bzw. seinem Gang konnten wir feststellen, dass der Hirsch schwer getroffen war. Er bewegte sich langsam Richtung Wald, wo wir ihn anschließend nicht mehr sehen konnten. Nach einer kurzen Wartepause begaben wir uns Richtung Anschuss… Doch weder war Schweiß noch eine Kugelspur zu sehen. Auch vom Hirsch war keine Spur! Doch plötzlich, inmitten von jungen Fichten, konnte ich einen roten Spiegel erkennen. Der Hirsch war gerade dabei Richtung Rudelgräben zu wechseln. Ich schaffte es jedoch nicht mehr meinen Großvater zu informieren und der Hirsch brach schon in sich zusammen. Nach einem kräftigen Weidmannsheil transportierten wir den Hirsch in Richtung Tal ab.
Ich als Jungjäger habe wieder mal gelernt, dass man den alten Hasen nichts vormachen kann und dass die Hirsche „dou a kem“! Hiermit wünsche ich meinem Opa Josef Kargruber ein kräftiges Weidmannsheil und hoffe, dass wir auch weiterhin tolle Jagderlebnisse miteinander teilen können.
Ein kräftiges Weidmannsheil und Dankeschön geht auf diesem Wege auch an Günther (Rabe), welcher sich sofort bereit erklärte uns beim verladen bzw. Abtransport des Hirsches zu helfen.  Allen weiteren Jägern wünschen wir auf diesem Wege ein kräftiges Weidmannsheil und einen Guten Anblick…
 
                                                                           Bericht: Michael Hellweger und Fotos:  Günther Rabensteiner

 

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