|

Heuer
war es wieder mal so weit, mein Großvater Josef Kargruber war wieder an der
Reihe, einen T-Hirsch im Jagdrevier Taisten zu erlegen. Nach einigen erfolgslosen
Jahren waren wir nun wieder bereit, den „passenden“ Hirsch zu
suchen. Schon am Freitagabend versuchten wir unser Glück in der
Ortschaft „Peatobrunn“. Dieser Pirschgang endete jedoch sehr
bescheiden. Kein einziges Stück Schalendwild sollten wir zu
Gesicht bekommen. Auch die Hirschbrunft hatte noch nicht so
richtig eingesetzt, zumindest konnten wir keinen Hirsch röhren
hören. Wie immer kamen wir dann beim Wildraum mit anderen Jägern
zusammen und besprachen den Verlauf des heutigen Tages. Der Sohn
Robert konnte uns mitteilen, dass er in der Ortschaft der
"Rudlgräben 3 T-Hirsche gesehen hatte.
Von diesem Bericht
angespornt, begaben wir uns am nächsten Tag wieder auf die
Pirsch. Ursprünglich suchten wir den Hochsitz aus, von welchem
Robert die 3 Hirsche gesehen hatte. Da mein Großvater aber nicht
überzeugt war, den Weg in der Dunkelheit zu bestreiten,
beschloss er, auf den Hochsitz nahe der Stadelwiesen zu
wechseln. Auf meine Frage, ob es nicht gescheiter wäre, auf den
Hochsitz zu gehen, von welchen am Vortag die Hirsche gesichtet
wurden, antwortete er nur kurz: „Ohh, dei kem schon dou a!“ Ich
bestieg mit dementsprechend gedrückter Laune den Hochsitz und
schaute mich um. Anfangs fanden sich nur einige Rehe auf dem
nahe gelegenen Wiesenstück ein und der Nebel verdeckte uns die
Sicht. Allmählich klärte es aber auf und plötzlich ging alles
ganz schnell. Ich bemerkte einen Hirsch, welcher gerade
versuchte, auf die gegenüberliegende Seite zu wechseln (Richtung
Rudelgräben). Sofort informierte ich meinen Großvater, der den
Hirsch nur kurz betrachtet hatte und sagte: „Der passt mo“. Kurz
entschlossen entsicherte er die Repetierbüchse und wartet
darauf, dass sich der Hirsch sich wieder blicken ließ. Es
vergingen keine 10 Sekunden als der Hirsch versuchte eine Riese
zu überqueren. Da diese aber nur sehr schmal war hatten wir
keine Zeit… Da der Hirsch nicht anstand, platzierte er den
Schuss noch im Lauf. Der Hirsch zeichnete Anfangs kaum, er
sprang ein Stück hinunter und schaute sich um. Doch an seinem
Verhalten bzw. seinem Gang konnten wir feststellen, dass der
Hirsch schwer getroffen war. Er bewegte sich langsam Richtung
Wald, wo wir ihn anschließend nicht mehr sehen konnten. Nach
einer kurzen Wartepause begaben wir uns Richtung Anschuss… Doch
weder war Schweiß noch eine Kugelspur zu sehen.
Auch vom Hirsch
war keine Spur! Doch plötzlich, inmitten von jungen Fichten,
konnte ich einen roten Spiegel erkennen. Der Hirsch war gerade
dabei Richtung Rudelgräben zu wechseln. Ich schaffte es jedoch nicht mehr meinen Großvater zu informieren und der Hirsch brach
schon in sich zusammen. Nach einem kräftigen Weidmannsheil
transportierten wir den Hirsch in Richtung Tal ab.
Ich als Jungjäger habe wieder mal gelernt, dass man den alten
Hasen nichts vormachen kann und dass die Hirsche „dou a kem“!
Hiermit wünsche ich meinem Opa Josef Kargruber ein kräftiges Weidmannsheil und
hoffe, dass wir auch weiterhin tolle Jagderlebnisse miteinander
teilen können.
Ein kräftiges Weidmannsheil und Dankeschön geht auf diesem Wege
auch an Günther (Rabe), welcher sich sofort bereit erklärte uns
beim verladen bzw. Abtransport des Hirsches zu helfen. Allen
weiteren Jägern wünschen wir auf diesem Wege ein kräftiges
Weidmannsheil und einen Guten Anblick…
Bericht:
Michael Hellweger und Fotos: Günther Rabensteiner |