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Bereits
im Vorjahr war ich gemeinsam mit unserem damaligen
Revieraufseher Ignaz auf der Spielhahnjagd, doch leider hatte
ich dabei kein Jagdglück. Deshalb wollte ich es heuer erneut
versuchen und so war ich bereits einige male vorher im Revier um
einen guten bekannten Balzplatz zu beobachten. Als dann endlich
der 15. Oktober da war, starteten wir früh morgens ins Manaidtal,
um den uns bekannten Balzplatz aufzusuchen.
Nach einer guten halben Stunde
Autofahrt, begann der kurze aber recht anstrengende Aufstieg zum
Balzplatz. Da logischerweise kein Steig dorthin führt und es
zusätzlich ca. 20 cm Neuschnee hatte, war es ein mühsamer Weg
dorthin, aber die Mühe sollte sich lohnen.

Als wir gegen 6.30 Uhr unseren Platz erreicht hatten, richteten
wir uns unter einem Zirm und warteten gespannt ob der Spielhahn
einfliegen würde. Es vergingen ca. 10 Minuten und der Hahn kam
wie ein Blitz eingeflogen und tat knapp 20 Meter oberhalb von
uns bei einem kleinen Zirmbaum nieder. Ich spürte wie sich mein
Puls schlagartig erhöhte und die Spannung in uns stieg. Wie „angwurzelt“
saßen wir an unserem Platz und versuchten so ruhig wie möglich
zu sein um den Hahn bei seiner Balz
beobachten zu könne. An einen
Schuss war noch nicht zu denken: erstens hatte ich mein Gewehr
neben mir liegen und der Hahn hätte es wohl kaum zugelassen,
dass ich meine Bockbüchse in Anschlag gebracht hätte und
zweitens war es noch zu dunkel, man konnte nur die Umrisse des
Hahns erkennen. Es dauerte nur wenige Augenblicke und der Hahn
begann mit seinem einzigartigen Balzgesang, immer wieder hörten
wir das Blasen und Kullern des Hahnes. Es war ein einmaliges
Erlebnis, den Hahn aus nächster Nähe balzen zu hören und zu
sehen, ein Anblick den ich sicherlich nie mehr vergessen werde.
Es dauerte etwa 10 Minuten als der Hahn ca. 50 Meter weiter zu
einem anderen Zirm flog, diese wenigen Augenblicke nutzte ich um
meine Bockbüchse auf meinem Rucksack in Anschlag zu bringen.
Doch irgendetwas musste der Hahn bemerkt haben, den anstatt
neuerlich mit seinem Balzgesang zu beginnen flog er wieder
weiter und tat hinter einigen Almrosen nieder. Nach wenigen
Augenblicken hatte ich den Hahn im Zielfernrohr, spannt und
wartete gespannt ob der Hahn sich rechts oder links aus den
Almrosen begeben würde, denn so war er fast zur Gänze von den
Almrosen verdeckt. Ich spürte meine Aufregung, denn so einen
Anblick hat man nicht alle Tage.
Doch
anstatt aus den Almrosen hervorzukommen flog der Hahn auf und
ich konnte im Zielfernrohr beobachten wie er Richtung „Ochsenbichl“
flog. Im ersten Moment hatte ich mit der heutigen Spielhahnjagd
abgeschlossen, dachte aber sofort an den nächsten Tag wo wir es
erneut versuchen würden. Doch plötzlich sah ich den Hahn noch
einmal zu Boden gehen und wie auf einem Gemälde saß er auf einem
Stein, rundherum Schnee und Almrosen. Nach wenigen Augenblicken
hatte ich den Hahn im Fadenkreuz und ließ den Schuss brechen.
Der Hall durchbrach die einsame Stille im Revier, ich sah gerade
noch wie der Hahn leicht verdreht abhob und Richtung Tal segelte
und hinter einigen Bäumen verschwand. Ich war zwar der Meinung
gut abgekommen zu sein, jedoch ist das Leben des Hahnes sehr
klein und mit meinem Vollmantelgeschoss hoffte ich dass ich den
Hahn auch tödlich getroffen hatte. Mein Begleiter Ignaz der etwa
2 Meter neben mir lag, konnte jedoch sehen, wie der Hahn ca. 150
Meter unterhalb des Anschusses zu Boden fiel und somit war er
sich sicher dass ich den Hahn gut getroffen hatte. In meinem
Kopf kreisten tausend Gedanken: die Vorfreude auf den Hahn, oder
hatte ich in doch nicht so gut getroffen oder was war wirklich
geschehen? Es ging alles so schnell, als Jungjäger im zweiten
Jagdjahr am ersten Jagdtag gleich einen Hahn zu erlegen, sollte
ich wirklich dieses einmalige Glück gehabt haben? Ignaz
beruhigte mich, denn man konnte mir förmlich die Aufregung
ansehen. Wir packten unser Zeug zusammen und marschierten in die
Richtung wo wir den Hahn vermuteten. Dort angekommen legten wir
unser Zeug unter einen Baum und suchten das umliegende
Almrosenfeld nach dem Hahn ab. Es verging eine knappe
dreiviertel Stunde und wir hatten den Hahn leider immer noch
nicht gefunden. Die Angst den Hahn „krankgeschossen“ zu haben
und ihn dann nicht zu finden wurde immer größer und ich machte
mir bereits große Vorwürfe, so ein edles und wunderbares Wesen
angeschossen zu haben und trotzdem keinen Hahn zu haben - es
wäre sehr schade gewesen. In Gedanken sendete ich ein Stossgebet
zum Heiligen Hubertus und als wäre es gerade bei ihm angekommen,
hörte ich einen Freudenschrei von Ignaz, der etwas unterhalb von
mir die Almrosen durchsuchte. „Do lieg er, i honen“ waren die
Worte die mein Angstgefühl in Sekundenschnelle in ein gewaltiges
Freudengefühl umwandelten. So schnell es ging marschierte ich zu
Ignaz und sah dort den verendeten Spielhahn unter den Almrosen
liegen. Ich konnte es kaum glauben, ich hatte wirklich einen
Hahn erlegt, ein Traum war in Erfüllung
gegangen.
Vorsichtig befreiten wir den Hahn aus den Almrosen, denn er war
total verkeilt in den kleinen Ästen der Almrosen. Wir betteten
den wunderschönen Hahn auf meinen Rücksack, erwiesen Ihm mit dem
letzten Bissen die Ehre und Ignaz wünschte mir ein kräftiges
Weidmannsheil. Es war ein wunderschöner, guter Hahn und sein
bläulicher Glanz schimmerte in den ersten Sonnenstrahlen. Ich
setzte mich neben meinen Hahn und lies alles noch einmal in
meinen Gedanken passieren. Ich konnte es noch immer nicht
richtig glauben, welch Jagdglück ich heute hatte. Doch so
langsam ordneten sich meine Gedanken wieder und die Freude wurde
immer größer. Das Stamperle Cognac schmeckte uns doppelt so gut
wie sonst, denn so einem Abschuss tätigen zu dürfen ist alles
andere als eine Selbstverständlichkeit. Anschließend packten wir
unser Zeug zusammen und kehrten zurück zum Auto. Dort blickte
ich noch einmal hinauf zum Balzplatz, wo der edle Hahn sein
uraltes Ritual Jahr führ Jahr aufführte. Ich war mir sicher dass
ich auch in den nächsten Jahren immer wieder diesen Ort
aufsuchen werde, nicht um einen weiteren Hahn zu erlegen,
sondern vielmehr um dieses einmalige Naturschauspiel miterleben
zu dürfen. Anschließend verstauten wir alles in meinem Auto,
betten den Hahn mit einigen Zirmästen in den Kofferraum und
fuhren los. Im Dorf angekommen musste ich erstmal meinen Vater
verständigen, der voller Freude mir ein kräftiges Weidmannsheil
wünschte. Nachher fuhren wir zum Revierleiter Berthold, um den
erlegten Hahn vorzuzeigen. Auch er freute sich mit mir über den
erlegten Spielhahn und wünschte mir ein herzliches
Weidmannsheil.
Dass am Abend in unserer Jägerstube eine kleine Feier mit
einigen Jagdkollegen nicht fehlen durfte war logisch. Bei einer
guten Hirschwurst und einem guten Bier saßen wir recht lange
beisammen und ich weiß gar nicht mehr wie oft ich wohl mein
Erlebnis erzählt habe. Jedenfalls war ich überglücklich über
meinen ersten Spielhahn und möchte mich dafür mit einem
Weidmannsdank bei meinem Begleiter Ignaz bedanken.
Weidmannsheil und Weidmannsdank!!
Bericht und Fotos:
Martin Höllrigl, Jagdrevier Schlanders |