Bericht 128:  Mein erster Spielhahn!

 

Bereits im Vorjahr war ich gemeinsam mit unserem damaligen Revieraufseher Ignaz auf der Spielhahnjagd, doch leider hatte ich dabei kein Jagdglück. Deshalb wollte ich es heuer erneut versuchen und so war ich bereits einige male vorher im Revier um einen guten bekannten Balzplatz zu beobachten. Als dann endlich der 15. Oktober da war, starteten wir früh morgens ins Manaidtal, um den uns bekannten Balzplatz aufzusuchen. Nach einer guten halben Stunde Autofahrt, begann der kurze aber recht anstrengende Aufstieg zum Balzplatz. Da logischerweise kein Steig dorthin führt und es zusätzlich ca. 20 cm Neuschnee hatte, war es ein mühsamer Weg dorthin, aber die Mühe sollte sich lohnen.

Als wir gegen 6.30 Uhr unseren Platz erreicht hatten, richteten wir uns unter einem Zirm und warteten gespannt ob der Spielhahn einfliegen würde. Es vergingen ca. 10 Minuten und der Hahn kam wie ein Blitz eingeflogen und tat knapp 20 Meter oberhalb von uns bei einem kleinen Zirmbaum nieder. Ich spürte wie sich mein Puls schlagartig erhöhte und die Spannung in uns stieg. Wie „angwurzelt“ saßen wir an unserem Platz und versuchten so ruhig wie möglich zu sein um den Hahn bei seiner Balz beobachten zu könne. An einen Schuss war noch nicht zu denken: erstens hatte ich mein Gewehr neben mir liegen und der Hahn hätte es wohl kaum zugelassen, dass ich meine Bockbüchse in Anschlag gebracht hätte und zweitens war es noch zu dunkel, man konnte nur die Umrisse des Hahns erkennen. Es dauerte nur wenige Augenblicke und der Hahn begann mit seinem einzigartigen Balzgesang, immer wieder hörten wir das Blasen und Kullern des Hahnes. Es war ein einmaliges Erlebnis, den Hahn aus nächster Nähe balzen zu hören und zu sehen, ein Anblick den ich sicherlich nie mehr vergessen werde. Es dauerte etwa 10 Minuten als der Hahn ca. 50 Meter weiter zu einem anderen Zirm flog, diese wenigen Augenblicke nutzte ich um meine Bockbüchse auf meinem Rucksack in Anschlag zu bringen. Doch irgendetwas musste der Hahn bemerkt haben, den anstatt neuerlich mit seinem Balzgesang zu beginnen flog er wieder weiter und tat hinter einigen Almrosen nieder. Nach wenigen Augenblicken hatte ich den Hahn im Zielfernrohr, spannt und wartete gespannt ob der Hahn sich rechts oder links aus den Almrosen begeben würde, denn so war er fast zur Gänze von den Almrosen verdeckt. Ich spürte meine Aufregung, denn so einen Anblick hat man nicht alle Tage. Doch anstatt aus den Almrosen hervorzukommen flog der Hahn auf und ich konnte im Zielfernrohr beobachten wie er Richtung „Ochsenbichl“ flog. Im ersten Moment hatte ich mit der heutigen Spielhahnjagd abgeschlossen, dachte aber sofort an den nächsten Tag wo wir es erneut versuchen würden. Doch plötzlich sah ich den Hahn noch einmal zu Boden gehen und wie auf einem Gemälde saß er auf einem Stein, rundherum Schnee und Almrosen. Nach wenigen Augenblicken hatte ich den Hahn im Fadenkreuz und ließ den Schuss brechen. Der Hall durchbrach die einsame Stille im Revier, ich sah gerade noch wie der Hahn leicht verdreht abhob und Richtung Tal segelte und hinter einigen Bäumen verschwand. Ich war zwar der Meinung gut abgekommen zu sein, jedoch ist das Leben des Hahnes sehr klein und mit meinem Vollmantelgeschoss hoffte ich dass ich den Hahn auch tödlich getroffen hatte. Mein Begleiter Ignaz der etwa 2 Meter neben mir lag, konnte jedoch sehen, wie der Hahn ca. 150 Meter unterhalb des Anschusses zu Boden fiel und somit war er sich sicher dass ich den Hahn gut getroffen hatte. In meinem Kopf kreisten tausend Gedanken: die Vorfreude auf den Hahn, oder hatte ich in doch nicht so gut getroffen oder was war wirklich geschehen? Es ging alles so schnell, als Jungjäger im zweiten Jagdjahr am ersten Jagdtag gleich einen Hahn zu erlegen, sollte ich wirklich dieses einmalige Glück gehabt haben? Ignaz beruhigte mich, denn man konnte mir förmlich die Aufregung ansehen. Wir packten unser Zeug zusammen und marschierten in die Richtung wo wir den Hahn vermuteten. Dort angekommen legten wir unser Zeug unter einen Baum und suchten das umliegende Almrosenfeld nach dem Hahn ab. Es verging eine knappe dreiviertel Stunde und wir hatten den Hahn leider immer noch nicht gefunden. Die Angst den Hahn „krankgeschossen“ zu haben und ihn dann nicht zu finden wurde immer größer und ich machte mir bereits große Vorwürfe, so ein edles und wunderbares Wesen angeschossen zu haben und trotzdem keinen Hahn zu haben - es wäre sehr schade gewesen. In Gedanken sendete ich ein Stossgebet zum Heiligen Hubertus und als wäre es gerade bei ihm angekommen, hörte ich einen Freudenschrei von Ignaz, der etwas unterhalb von mir die Almrosen durchsuchte. „Do lieg er, i honen“ waren die Worte die mein Angstgefühl in Sekundenschnelle in ein gewaltiges Freudengefühl umwandelten. So schnell es ging marschierte ich zu Ignaz und sah dort den verendeten Spielhahn unter den Almrosen liegen. Ich konnte es kaum glauben, ich hatte wirklich einen Hahn erlegt, ein Traum war in Erfüllung gegangen. Vorsichtig befreiten wir den Hahn aus den Almrosen, denn er war total verkeilt in den kleinen Ästen der Almrosen. Wir betteten den wunderschönen Hahn auf meinen Rücksack, erwiesen Ihm mit dem letzten Bissen die Ehre und Ignaz wünschte mir ein kräftiges Weidmannsheil. Es war ein wunderschöner, guter Hahn und sein bläulicher Glanz schimmerte in den ersten Sonnenstrahlen. Ich setzte mich neben meinen Hahn und lies alles noch einmal in meinen Gedanken passieren. Ich konnte es noch immer nicht richtig glauben, welch Jagdglück ich heute hatte. Doch so langsam ordneten sich meine Gedanken wieder und die Freude wurde immer größer. Das Stamperle Cognac schmeckte uns doppelt so gut wie sonst, denn so einem Abschuss tätigen zu dürfen ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Anschließend packten wir unser Zeug zusammen und kehrten zurück zum Auto. Dort blickte ich noch einmal hinauf zum Balzplatz, wo der edle Hahn sein uraltes Ritual Jahr führ Jahr aufführte. Ich war mir sicher dass ich auch in den nächsten Jahren immer wieder diesen Ort aufsuchen werde, nicht um einen weiteren Hahn zu erlegen, sondern vielmehr um dieses einmalige Naturschauspiel miterleben  zu dürfen. Anschließend verstauten wir alles in meinem Auto, betten den Hahn mit einigen Zirmästen in den Kofferraum und fuhren los. Im Dorf angekommen musste ich erstmal meinen Vater verständigen, der voller Freude mir ein kräftiges Weidmannsheil wünschte. Nachher fuhren wir zum Revierleiter Berthold, um den erlegten Hahn vorzuzeigen. Auch er freute sich mit mir über den erlegten Spielhahn und wünschte mir ein herzliches Weidmannsheil.

Dass am Abend in unserer Jägerstube eine kleine Feier mit einigen Jagdkollegen nicht fehlen durfte war logisch. Bei einer guten Hirschwurst und einem guten Bier saßen wir recht lange beisammen und ich weiß gar nicht mehr wie oft ich wohl mein  Erlebnis erzählt habe. Jedenfalls war ich überglücklich über meinen ersten Spielhahn und möchte mich dafür mit einem Weidmannsdank bei meinem Begleiter Ignaz bedanken.

Weidmannsheil und Weidmannsdank!!

 

                                                                                        Bericht und Fotos:  Martin Höllrigl, Jagdrevier Schlanders

 

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