Bericht 133:  Kahlwildabschuss im Revier Montan

Das Rotwild zählt bereits seit vielen Jahren zum Standwild in unserem Revier. Es gab Jahre wo  sogar kleine Rudel von Basthirschen   Ihre Feistzeit bei uns verbrachten. Es ist sehr unterschiedlich,  oft steht  im Frühjahr starkes Rotwild in unseren Reihen und im darauf  folgenden Jahr kommen Sie erst im Sommer oder im Herbst ,oder stehen das ganze Jahr über nur sporadisch in unseren Wäldern. Tatsache ist, sie sind da. Aber vor allem im Herbst, wenn die Brunft Ihren Höhepunkt erreicht, finden sich ganze Rudel in unserem Revier ein. Natürlich ist da auch mancher guter Platzhirsch und dementsprechende Beihirsche mit dabei. Um das Brunft Geschehen nicht negativ zu beeinflussen und die Trophäenhirschjäger bei der Jagdausübung nicht zu stören, haben wir bereits vor Jahren beschlossen in dieser kurzen Zeit (Brunft) , das Kahlwild nicht zu bejagen.

Seit meinem letzten Abschuss sind nun schon Monate vergangen und ich habe mich eigentlich nur mehr auf das Begleiten von Jagdkollegen konzentriert. Mit dem „Jakob“ haben wir immer wieder versucht einen passenden Hirschen in Anblick zu bekommen . Aber wie es auf der Jagd so ist, wollte es auch heuer nicht klappen. Ein starker Hirsch war einige Tage bevor der Letzte gestreckt wurde, kurz ausgetreten um nach dem Kahlwild zu schauen das in einer kleinen Lichtung stand. Leider ließen die Lichtverhältnisse einen sauberen Schuss nicht mehr zu und so Genossen wir den Anblick von dem wenigen was uns die einbrechende Nacht zu sehen gab.

Als dann das Kahlwild nun endlich wieder jagdbar waren, stieg bei den passionierten Rotwildjägern das Jagdfieber und so auch bei mir. Ich habe mir vorgenommen die ersten 5 Tage niemanden zu begleiten oder zu einem Abschuss zu verhelfen um nun selbst wieder mein Glück zu versuchen. Am zweiten Tage war der Jakob mit von der Partie doch wir beschlossen verschiedene Hochsitze zu beziehen. Bereits bei der Anfahrt auf einer Forst Straße  hatten wir ein Tier und ein Kalb ganz unerwartet vor uns, welche dann aber gleich erschrocken wie die beiden Jäger sofort absprangen.

Der Ansitz verlief erfolglos und in meinen Gedanken beschäftigte ich mich mit den zwei Stück Rotwild. Wieso sind die so früh auf der Straße? Von wo kamen die denn her und welche Einstände werden sie wohl am Morgen aufsuchen? Leider war in der Örtlichkeit der Sichtung kein passender Hochsitz und so beschloss ich mich am nächsten Abend für einen Pirschgang. Langsam und leise bewegte ich mich auf der Forst Straße vorwärts. Der Wind blies mir ins Gesicht und ich war guter Dinge. Die Pirsch hatte aber schon bald ein Ende. Nach etwa 200m Fußmarsch wurde ich durch einen wunderbaren Anblick bei super Lichtverhältnissen gestoppt. Unter mir in einer Schneise äste sorglos ein Tier welches ich aber auch mit dem Glas nicht zuordnen konnte. War es das Tier von gestern oder gar nur ein Schmaltier? Aber wo steht das Kalb? Haupt und ein Teil des Wildkörpers waren immer wieder verdeckt. Bevor es in den Jungwald wechselte entschloss ich mich für den Schuss. Von oben steil nach unten in einem sehr unwegsamen Gelände spielte ich immer noch mit dem Gedanken es könnte ein führendes Tier sein und versuchte einen wirklich sicheren Schuss anzubringen, damit Letzteres auch im Feuer liegen bleibt. Als der Schuss brach und das Tier zu Boden Riss sah ich noch in meinem Zielfernrohr wie das Kalb absprang. Es ist gesetzlich erlaubt auch das Tier alleine zu erlegen und Studien belegen das das Kalb bereits in der Lage ist für sich selbst zu sorgen. Aber moralisch, ich weiß nicht!? Ich fühlte mich ehrlich gesagt schlecht dabei und  dachte bereits wie ich nun an das Kalb ran komme. Erstmal einen neuen Patrone einlegen und sich fertig machen. Und da stand es auch schon wieder!! Nur einige Meter vom erlegten Tier. Erst jetzt war mir klar wie hoch der Staudenwuchs dort war! Das Kalb war nur ab und zu sichtbar und an einen Schuss von dieser Position aus nicht zu denken. Zudem fing es nun auch noch an zu dämmern und mir lief im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit davon. Jetzt hieß es handeln!! Ich ließ alles Liegen und nahm nur die Waffe an mich. Hundert Meter zurück über die Straße und dann nochmals hundert durch den Hochwald steil hinunter. Mit großen Schritten versuchte ich nun von unten an das erlegte Stück ran zu kommen in der Hoffnung das Kalb noch vorzufinden.  Dem  Reh das unter mir nun schreckte wie verrückt schenkte ich keine Aufmerksamkeit . Hier müsste ich richtig sein! Ich schulterte  meine Merkel denn ich musste erstmal einen kleinen Felsvorsprung empor klettern.

Langsam  nahm ich jetzt die BBF herunter und bewegte mich langsam durch das Gebüsch in die Richtung einer kleinen Lichtung bzw. Schneise. Kurz habe ich freie Sicht! Das Licht war bereits schlecht aber der Leuchtpunkt im Glas welches ich auf 6fach herab gedreht habe brennt. Und da war Sie! Die Bewegung die ich erhofft habe noch vorzufinden. Es war eindeutig das Kalb welches mich zwar war genommen hatte aber noch nicht genau wusste wer oder was ich war.  Ich spannte die Waffe und fuhr mit. Bevor es die Dickung erreichte platzierte ich den Schuss hinters Blatt und auch das Kalb blieb im Feuer liegen. So, jetzt war ich erst mal erleichtert und meine Hände fingen vor Aufregung an zu zittern als ich in den Himbeerstauden nach dem Tier suchte. An eine Bergung in diesem Gelände war jetzt wohl auch nicht mehr zu denken und so verrichtete ich die rote Arbeit an Ort und Stelle und spreizte die Wildkörper auf damit sie auskühlen konnten . Noch schnell ein Kleidungsstück hinterlegen damit der Fuchs meine Beute nicht anschneit und dann hörte ich auch schon das Auto vom Jakob kommen. Dort wo ich den ersten Schuss abgefeuert hatte, hinterlies ich vor meinem Abstieg Jägerstock und einen Tannenzweig als Bruchzeichen und genau dort stoppte nun das Auto.

Schweißgebadet stand ich Minuten später vor Ihm und berichtete  von meinem Jagdglück. So, jetzt aber schnell runter ins Dorf wo die heutige Jagd-Ausschusssitzung auf mich wartete. Natürlich wurde der Vorfall erst mal gefeiert und die Sitzung viel ins Wasser. Schließlich mussten wir uns ja Gedanken über die Bergung machen. Wir hatten eine neue Seilwinde für solche Fälle angekauft und schnell war klar das dies der Moment war Sie zu testen! Am nächsten Morgen stand mit dem Jagdaufseher eine nette Bergungstruppe an der Forststange bereit zum Einsatz und nach erfolgreicher Arbeit genossen wir eine zünftige Brotzeit auf der Jagdhütte .

Die Winde hatte gute Arbeit geleistet und den Helfern möchte ich auf diesem Wege nochmals aufrichtig danken.

 

                                                                                               Bericht und Foto:  Lindner Christian, Revier Montan

 

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