Bericht 158:  Die Alte vom "Kondlkopf", kapitaler Gamsabschuss im Revier Gais

Bild: Der Schütze Werner mit dem kapitalen Gamsabschuss und Hündin "Sina"

E

s war der 27. September – ein frischer Morgen.  Mein Bruder Werner und ich hatten uns zur Gamsjagd verabredet. Ich war schon am Vorabend zu unserer Jagdhütte am Kondlkopf -  am Hausberg von Uttenheim- aufgebrochen, wo Werner gegen 5 Uhr nachkam.

Bereits vor mehreren Wochen hatten wir eine Gamsgais ausgemacht, die wir bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr beobachten konnten. An diesen Morgen sollte das Glück aber auf unserer Seite sein...........

Wir brachen um 6 Uhr von der Jagdhütte Richtung „Kondlkopf“ auf, wo wir dann abseits eines Rudel Gämsen eine alleinstehende Gämse beobachten konnten. Nach genaueren Hinschauen erkannten wir die verlorenen gegangene Gais. Wir pirschten uns auf ca. 160 m an. Ich sprach sie kurz an und erkannte sie sofort an der abgebrochenen „Kruke“. Ich schätzte sie auf ca. 12 – 15 Jahre. Sie stand spitz auf einen Felsvorsprung. Da Nebel aufzog beschlossen wir sofort zu schießen. Werner legte an und schoß, doch die Kugel verfehlte ihr Ziel! Mein Bruder war tief enttäuscht. „ Was nun“, fragten wir uns. Nach kurzer Überlegung, schlug ich vor, das Gamsrudl zu umgehen und später noch mal unser Glück zu versuchen. Beim Umgehen des „Kondlkopfes“ konnten wir von Weitem das gesamte Gamsrudel mit unserer Gais sehen. Nun kam uns der Nebel zu Gute. Wir konnten uns unbemerkt näher heranpirschen. Die Gams stand 210 m vor uns. Ich sagte zu Werner:  „Jetzt muss der Schuss aber genau passen, sonst fällt die sie ins benachbarte Eigenjagdrevier! Sollte sie dort abstürzen, bleibt von ihr nicht mehr viel übrig.“ Werner legte sich sein Gewehr zurecht, überlegte noch kurz und schoß.

Nach dem Schuß konnten wir nichts mehr sehen. Wir wußten nicht, ob sie getroffen  und wenn ja, hoffentlich nicht abgestürtzt. Wir warteten einen Moment und gingen dann in Richtung der Stelle wo sie stand. Mein Hund Sina lief voraus und von Weiten hörten wir sie lautstark die Gams verweisen. Ich rief zu Werner: „Beeil dich, sie liegt dort oben!“ Bei ihr angekommen, konnten wir nicht glauben was wir sahen. EIN KAPITALER ABSCHUSS!

 Wir sahen uns an und dachten beide, mit Tränen in den Augen, an unseren Vater Toni, der 3 Wochen vorher nach längerer schwerer Krankheit, gestorben war. Die Jagd war sein Leben und wir verbrachten so viele Stunden beim gemeinsamen Jagen. Wie gerne hätte er noch diese Gamgais geschossen,

Bild: Elmar Niederbrunner- Bruder vom Werner und Pirschführer mit Hündin "Sina"

doch es war ihm nicht vergönnt. Wir beschlossen diesen Abschuss unserem Vater zu widmen.
Mit der Gais stiegen wir zur Jagdhütte hinunter, wo wir uns erstmal hinsetzten und sie genauer anschauten. Immer und immer wieder zählten wir die Jahresringe und kamen zum Ergebnis, dass  sie unglaubliche 18 Jahre alt sein mußte. Voller Stolz und Freude telefonierten mit unseren Familien und verabredeten uns im Dorf unten. Mit großem Erstaunen wurden wir mit unserem Abschuss in Empfang genommen. Keiner der Anwesenden konnte sich erinnern, dass in den letzten 25 Jahren in diesem Gebiet eine solch kapitale Gais abgeschossen wurde. Miteinander tranken wir auf diesen Jagderfolg und ein wunderschönes Erlebnis.  

                                                                                               Bericht und Fotos:  Elmar und Werner Niederbrunner

 

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