Bericht 165:  Der Wanderweg Gamsbock

Am Sonntagabend nach der ersten Hochjagdwoche, war ich mit dem Spiegel und Spektiv unterwegs. Ich musste nicht lange warten trat auf der andern Talseite ein Gamsbock auf die Abendwaid, der müsste wohl anzupirschen sein, dachte ich zu mir, streifte aber mit dem Glas weiter im Hang entlang. Ein Rotwild, schnell richtete ich mein Spektiv, ein Achter mit recht hellen Gabelspitzen zupfte keine 50 M vom Posten entfernt Erlenblätter ab. Zwischen Bock und Hirsch konnte ich im letzten Licht noch eine Gamsgeis erkennen.
Jetzt war es aber Zeit, unser Jagdkoch hatte sicher schon das Nachtessen bereit, was er wohl heute auf den Tisch zaubert?
Auf halben Weg stieg noch Toni dazu, beide berichteten wir was wir gesehen hatten. Den Gamsbock und die Geis hatte er ebenfalls beobachten können. Bei der Hütte angekommen, steigerte sich der Hunger noch, denn ein würziger Duft empfing uns beim öffnen der Hüttentür, Schweinshaxen, Polenta und Gemüse wurde uns vom Uli aufgetischt. Nach dem Essen wurde abgesprochen wo Jeder am andern Morgen auf Jagd gehen wollte. Kollege Hans sollte gemeinsam mit Sherpa Uli beim von mir gesichteten Achter ansitzen, ich wollte den Gamsbock am Wanderweg angehen. Fünfuhr in der Frühe war Tagwacht, nach der üblichen Morgentoilette, wurde noch gemeinsam eine Tasse Kaffee genossen, mit einem Waidmannsheil wurde von jedem sein Weg eingeschlagen. Nach kurzer Autofahrt unterhalb des Dorfes, schulterte ich nun meinen Rucksack und die Büchse, gemütlichen Schrittes hatte ich einen Aufstieg von einer Stunde vor mir. War der Anfang des Weges recht Steil, konnte ich nach der ersten Hälfte, den
Serpentinen Artigen Weg mit leichtem Anstieg geniessen. Als ich an meinem Ziel den Rucksack abnahm vernahm ich ein warnen von einer Gams, leider konnte ich bei dem noch schlechten Licht nicht sicher ansprechen, keine Hundert Meter ob mir bewegte sich die Gams auf das Schutzgebiet zu. Als die Gams dann in diesem war, konnte ich den Bock vom Vorabend erkennen. Zuspäht für heute morgen. So verschob ich mich langsam pirschend in die Richtung wo der Hans auf den Achter lauerte, jedoch ohne Erfolg, der Hirsch wurde vorerst nicht mehr gesichtet.
Am Abend wollte ich wieder auf dem Posten auf den Bock ansitzen, bereits um 17.30 Uhr war ich zur Stelle. Die Wanderer kehrten jetzt langsam von Ihren Touren heim, niemand vermerkte mich gut 150 M unterhalb des Wanderweges, gegen 19.30 Uhr hoffte ich dass dies das letzte Paar war das lauthals den Schnee vom letzten Winter überquerte, noch während ein paar Minuten vernahm ich das lustige Lachen der Beiden, die haben den herrlichen Tag am Berg so recht genossen. Jetzt müsste aber bald einmal der Gamsbock auftauchen dachte ich, mit meinem
Glas schaute ich immer wieder in den grünen Fleck oberhalb des Schneefeldes, nichts.
Wie von Geisterhand hergestellt stand auf einmal eine Ricke keine 10 m ob mir im Graben, auch von Ihr wurde ich nicht vermerkt. Wieder ging mein Blick nach Oben, jetzt stand er da, der Bock. Noch stand er im Schutzgebiet, schnell tauschte ich das Glas mit dem R 93, durch das ZF bat ich den Bock, doch die wenigen Schritte, ins Jagdgebiet zu gehen. Da war ja die Äsung noch viel grüner und saftiger. Kurz sicherte er nach Unten, mit 2 Gängen überquerte er den Bach und verhoffte kurz, im allerletzten Licht krachte der Schuss, beim nächsten Blick durch die Zielvorrichtung sah ich nur noch Läufe die durch die Luft wirbelten. Schnell staute ich Alles in den Rucksack und stieg zum Wanderweg auf, hier musste ich wieder vorbei kommen also liess ich den Rucksack hier zurück.
Nach ein paar Minuten fand ich den Gamsbock unter der abgeschmolzenen Schneezunge.
Im Dunkeln konnte ich das Alter nicht feststellen, jedoch musste der Bock an die 30 Kilo ausgenommen wiegen.
Schnell wurde den Jagdfreunden bescheid gegeben, waren wir doch zum "Raclett" eingeladen. Nach Büro im Schein des Natels wurde die Rotarbeit bei Finsternis  erledigt. Gegen 21.15 Uhr erreichte ich mein Auto. 30 Kg auch Bergabwärts drücken, als würde ich schwerelos sein stieg ich ins Auto. Der Bock war 5 1/2 Jährig. Bei den Freunden angekommen, rann als erstes ein Schluck Bier. Ich hatte ja noch eine Stunde zu gut, "Raclett" einen guten Weisswein und meine Erzählung von der erlebten Jagd auf den Wanderwegbock, liessen den Abend im nu verrinnen.
Der Achter wurde am letzten Hochjagdabend von meinem Jagdfreund Toni in Begleitung von seinem Sohn Julian im letzten Licht erlegt.
 

Waidmannsdank
                                                                                                                        

                                                                                                                               Bericht und Foto:  Kari Schmid - 

 

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