| Bericht 83: Abschuss einer kapitalen Gamsgais im Pfossental |
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Heuer traf es mich, durch Losentscheid, dass ich anstatt im eigenen Revier eine Gamsgeis im Pfossental erlegen durfte. Meine Geschwister haben mir zum 40.sten die Differenz dazuspendiert, um die Geis zu erlegen mit nach oben offenen Grenzen. Das heisst ich konnt die beste Gamsgeis erlegen die uns unterkommt. Natürlich freute ich mich darüber. Am Freitag den 07.August 2009 sollte es so weit sein. Um 5.00 Uhr sollte ich Moritz abholen. Mein Freund Patrick und Rocky mein Bgs sind auch mit von der Partie. Bis zum Eishof können wir fahren. Moritz möchte wissen ob ich denn lieber steil oder weniger steil aufsteigen möchte. Meine Antwort hatte „schlimme“ Folgen: Ich meinte, dass ich dahin wollte, wo man eine alte Gamsgeis erlegen könnte. Also wählte Moritz jene Talseite, die es in sich hatte. Ein extrem steiler Aufstieg stand uns bevor. Das schlimmste an der Sache ist, dass man keine Ahnung hat, wie weit es noch ist. Bald wechsle ich auf kurze Hosen und T-Shirt, die Temperatur liess dies zu, zumal ich bereits nach kurzer Zeit ins Schwitzen kam. Die Auslands-Jagd-Woche die ich bei Freunden verbracht hatte rächte sich nun. Man hatte sich ja viel zu erzählen, der Schlaf kam zu kurz und das Bier mundete, dazu kamen noch die lange Fahrt und zwei Nachsuchen. Das allerschlimmste aber sind meine nahezu 100 kg Körpergewicht, die ich den Berg hinaufwuchten musste. Patrick, von Beruf Gams (!!!) schulterte meine Sauer und dann ging es leichter. Beim Aufsteigen haben wir zwei Feisthirsche entdeckt, was für mich immer ein besonderer Anblick bedeutet, da wir im Revier äußerst selten Rotwild sehen. Nach 2 Stunden Aufstieg haben wir dann unseren Zielort erreicht. Das Auto hatten wir auf 2070 Höhenmeter abgestellt, wir befanden uns nun auf knappe 3.000 Meter. Nun wurde zunächst einmal die Umgebung abgeleuchtet. Vor uns befand sich ein Kar und oberhalb davon sind nur „Knotten“. Also extrem unwegsames Gelände. Dort sahen wir die ersten Gams: 2 Geisen mit deren Kitze. Ein Bock äste unterhalb von uns. Steinwild kam auch in Anblick, so an die 15 Stück Scharwild. Mehr tat sich nicht, was eher ungewohnt ist, denn in diesem Tal gibt es einen sehr guten Bestand an Gamswild. Patrick entfernte sich um die hintere Seite abzusuchen. Er kam dann zurück mit der Meldung, dass dort auch „nur“ 2 Böcke zu sehen wären. Das Gamsrudel, das hier normalerweise zu sehen ist scheint unauffindbar. In diesem Rudel wäre eine alte Gamsgeis, auf die michr Moritz zum Schuss bringen wollte. Aber meistens kommt es anders als man denkt: Inzwischen hat Moritz auf ca. 800 Meter eine einzelne Gams ausgemacht: Eine Gamsgeis wie es scheint! Mit dem Spektiv erkennt er bald eine „alte“ Bekannte – Was mein Jägerherz zu wilden Sprüngen verhilft. Es ist ein „Einhorn“ und er kenne sie seit ca. 12 Jahren mit nur einem Horn. Das andere wurde wohl durch einen Steinschlag oder einen Absturz verloren.. Die Gams wurde inzwischen von uns dreien durchs Spektiv beobachtet und wir kamen zum Schluss, dass sie ca. 14 Jahre oder älter sein musste. Also alt genug! Die Krucke gefällt mir auch. Moritz gibt mir den Abschuss frei, meint aber zugleich, dass die Geis derzeit erstens viel zu weit weg wäre und zweitens dort nicht beschossen werden könnte, da sie sonst in freiem Fall abstürzen würde. Das Wildbret wäre somit kaum mehr verwendbar und wohl die zweite Krucke dann auch verloren…. Das wollten wir nicht riskieren. Ausserdem müssen wir sowieso noch auf eine gerechte Entfernung heranpirschen. Aber wie? Die Gams steht oberhalb eines Kares und wir mussten ungedeckt durchs Kar! Wir warteten, da sich die gams oft umstellt und es theoretisch auch möglich wäre, dass sie sich in unsere Richtung bewegt. Dies war nach ein paar Stunden und entsprechender Augenpflege nicht der Fall. Also entschieden wir dann am Nachmittag, der Gams einfach entgegenzupirschen, auch auf die Gefahr hin, dass sie uns entdeckt. Die Gams aber begab sich genau in diesem Augenblick in ein kleines Tal, von wo sie uns nicht sehen konnte. Dies nutzen wir aus und konnten das Kar durchqueren. Nun mussten wir nur noch ein Stück „klettern“. Für mich als „Nicht-Schwindelfreier-Jäger“ ein zittriges Unterfangen. Aber ohne Waffe und mit Hilfe des Bergstockes und unter Anweisung des Erfahrenen Gamsbegleiters wurde auch dieses Hindernis bewältigt. An den Abstieg wollte ich einfach nicht denken.
Da kommt sie schon, immer noch an der gefährlichen Stelle oberhalb einer Wand. Wir müssen warten, wenn wir noch etwas von der Gams haben wollen. Aber sie macht uns den Gefallen und zieht äsend immer weiter in die Richtung in der wir die Gams haben wollten. Der Entfernungsmesser zeigt 275 Meter an. Eine „normale“ Entfernung bei der Gamsjagd. Patrick filmt die Gams durchs Spektiv, er will alles auf Band bannen.
Endlich bekomme ich Schussbefehl. Ich atme durch – die Gams steht breit – ich will abdrücken – sie zieht weiter – ich muss nachrücken. Dann endlich steht sie wieder breit – ich muss schießen sonst kommt sie wieder in unwegsames Gelände und die Entfernung wird auch wieder weiter – ich bleibe mitten auf der Gams im oberen Drittel – Rrrrrrrummmmmmsssss! Die Waffe hebt sich und ich sehe gar nichts. Mein Begleiter jedoch meint sofort „Hinterlaufschuss“ genua im Schuss ist sie weitergewechselt – schnell nachladen! Was ich jedoch sowieso gleich erledigt habe. Nur jetzt finde ich vor lauter Aufregung das Ziel nicht mehr um den Fangschuss zu tätigen. Endlich habe ich das Absehen auf der Gams – ich muss noch warten bis sie breit steht – ich schieße erneut, aber keiner kann mir sagen ob sie den Schuss hat – die Schockwirkung auf verletztem Wild fehlt. Also entscheide ich mich für noch einen Schuss! Dieser wäre jedoch nicht notwendig gewesen, denn die letzten beiden lagen ca. 3 cm nebeneinander da wo sie sein sollten- hinterm Blatt! Die Gams rutschte nun erlöst ein Stück uns entgegen. Zum Glück bleib sie kurz vor einem kleinen Überhängenden Felsen liegen, denn unter diesem war ein Tal voll Schnee, das sich ungefähr 200 Meter ins Tal streckte. Wäre die Gams dort hinauf geraten, wäre sie in Höllentempo abwärts gerast und irgendwann an den Felsen „zerschellt“. Das Schneefeld war von uns aus nicht einsehbar… Wir verwendeten es später für ein Stück Talfahrt mit dem dritten Fuß der Bergjagd, dem Bergstecken! Nun stand ich da vor meiner Gamsgeis! Mit zittrigen Händen nahm ich das Haupt und begutachtete die Gams! Ich begann zu zählen, was mir in der Aufregung nicht so gelang. Wir kamen dann gemeinsam zum Schluss: 15 Jahre! Weidmannsdank! So und nun ging’s an die rote Arbeit: Unter Argusaugen wurde dies von mir erledigt. Noch ein paar Fotos und dann bereiteten wir uns auf den Abstieg vor – Das Jägerrecht kam in eine somit zweckentfremdete Brotdose. Die Gams kam in meinen Rucksack. Der Inhalt meines Rucksackes wurde auf die beiden Begleiter verteilt. Dann ging es abwärts! Zuerst übers Schneefeld, was sich zwar lustig anhört, aber extrem gefährlich ist. Denn ein Ausrutscher kann mit einer Talfahrt mit unfreiwilligem Bremsen im Geröll enden! Nicht auszudenken, vor allem wenn man das Gewicht einer Gams im Rucksack hat! Es ging aber alles gut. Wirt mussten dann noch ein paar kleine Flüsse bzw. eine Art Gletschermoräne überqueren. Vorbei an Edelweiß und Murmeltieren brachte ich die Gams mit nur einem Sturz ins Tal! Ein Stein löste sich und das Gewicht der Gams nahm mir das Gleichgewicht. Ein paar Abschürfungen waren das Ergebnis, was jedoch nicht so schlimm war. Im Tal wurde die Gams dann zum Auskühlen aufgehängt, während wir unseren Durst löschten und dem Magen das seine zukommen liessen. Bei „Bockenem“ (Ziegenfleisch) und „Kaiserschmarrn“ und Erzählen mit den Almhirten rasteten wir uns aus. Ein schönes aber auch anstrengendes Erlebnis – Das Resultat: Meine beste Gamstrophäe!
Weidmannsdank Bericht und Fotos: Diehter Platzgummer |