Bericht C:  Der Hirsch vom Latschenwald

Den Hirsch hot mir bestimmt mein verstorbener Vater zum heurigen geraden Geburtstag geschenkt“, so die ersten Worte die die Jägerin Hilde Oberhöller von den Lippen brachte, als sie vor dem kapitalen,  Zwölfender stand, den sie am Sonntag, dem 13. September 2009, im Jagdrevier Barbian erlegt hatte.

Die Jägerschaft in Barbian wusste, dass sich seit Jahren in der Gegend rund um das Rittner Horn und der Schwarzseespitze mehrere kapitale Hirsche aufhalten. 

Auch dieses Jahr haben einige Barbianer Jäger rund um die Uhr das Gebiet abgepirscht. Das war kein leichtes Unterfangen, denn die Hirsche hatten den Einstand in einem mehrere Hektar großen Latschenfeld, wo die Latschen 2 – 3 Meter hoch standen. Sich dort zu orientieren oder gar durchzukommen ist schier unmöglich, es sei denn,  jemand ist wirklich ortskundig. Außerdem muss man den Pirschsteig kennen um überhaupt hinein zu gelangen bzw. herauszufinden. 

Am Mittwoch in der 37. Kalenderwoche war die Jägerin Hilde Oberhöller bei einer Almhütte am Bischofleger und suchte mit dem Fernglas die Gegend ab. Auf einmal hatte sie einen kapitalen Hirsch im Glas. Anfangs glaubte sie, sie wäre im falschen Film, sofort nahm sie das Spektiv und beobachtete den Hirsch, der gegen 18.00 Uhr samt Tieren mitten in den Latschenfeldern stand. Das Jagdfieber schlug ihr durch den ganzen Körper. Hilde hatte keine Chance den Hirsch anzugehen, denn in dieser Gegend führt nur ein Pirschsteig in das Latschenfeld, den nur wenige Jäger kennen. Hilde wollte den Hirsch nicht vergraulen.

Am Freitag begleitete der Revierleiter die Jägerin zum Einstand. Nichts, rein gar nichts war zu sehen.

Am Sonntag früh, noch in der Morgendämmerung, suchte Hilde Oberhöller mehrfach die Gegend ab, wo sie schon am Mittwoch den Hirsch gesehen hatte.  Sie sah einige Jäger, die ebenfalls in dieser Gegend auf den  Hirsch anhockten.  Plötzlich konnte die Jägerin ein Tier und einen Spießer ansprechen. Franz meinte: „Wir müssen sofort los und den Einstand durch den Pirschsteig anpirschen“. Gesagt getan. Hilde und Franz pirschten bis zu  einem, schon früher errichteten Bodensitz.  An dieser Stelle kann man durch eine Schneise bis zur Schwarzseespitze sehen, Nichts bewegte sich. Inzwischen war es bereits 7.30 Uhr geworden. Franz wollte zur Almhütte zurückgehen, aber Hilde meinte: „Heute haben wir ja nichts zu versäumen, bleiben wir noch eine Weile“.  Gegen 8.00 Uhr sah die Jägerin eine Bewegung hinter einer Latschenstaude. Am Anfang glaubte sie, sie habe sich getäuscht. Es dauerte keine 5 Minuten, da stand der kapitale Hirsch neben dem Latschfeld, nur ein kleiner Ast verdeckte ihn. Hilde richtet sofort eine Gewehrauflage zurecht, visierte durch das Zielfernrohr auf ihrer Blaser Kal. 270 den Hirsch, der Schuss brach.  Noch im Zielfernrohr konnte die Jägerin das Zucken ihres Opfers erkennen. Der Hirsch sprang sofort ab.

Getroffen oder nicht, das war die Frage. Die Unsicherheit stand Hilde in allen Gliedern. Franz meinte: „Hoffentlich hast Du nicht den Ast getroffen.“ Die Minuten vergingen wie ein Jahr, jede Sekunde wie ein Tag.

Nach einer Weile ging Franz zum Anschuss, die Jägerin blieb zurück und visierte ihren Freund per Telefon zur Anschussstelle.

Dort angekommen konnte Franz eine Menge Lungenschweiß finden.  Der kapitale, 12 Ender lag im Latschenfeld. Franz schrie der Jägerin sofort ein Weidmannsheil zu.

„Ich war einfach überglücklich und dachte sofort an meinen verstorbenen Vater, der über 60 Jahre die Jagd mit Passion ausübte und  mir immer ein solches Jagdglück gewünscht hatte. Die Freunde war unbeschreiblich. Hätte ich diesen Hirsch verfehlt,  hätte ich garantiert die ganze Woche geweint“, meinte Hilde, den Freudentränen nahe.

Es dauerte nicht lange, bis auch jene Jagdkollegen hinzu kamen, die sich in unmittelbarer Nähe befunden hatten.

Vor Ort wurden eine Menge Fotos gemacht und natürlich wurde den ganzen Tag gefeiert und immer wieder das Jagderlebnis erzählt.

Dieser Hirschabschuss sprach sich sofort auch in den Nachbar-Revieren herum. Immer mehr Jäger kamen, um mit der Jägerin Hilde anzustoßen. 

An dieser Stelle sei dem Revierleiter Josef Psenner, den Jägern Franz Saur, Martin Penn, Engelbert und natürlich Franz Hofer recht herzlich gedankt, die mit Rat und Tat beim Abtransport in dieser fast unberührten Latschengegend behilflich waren.

 

„Das Jagdglück steht heuer ganz auf meiner Seite“,  meinte die Hilde. Kürzlich hatte sie auch im Revier Barbian einen kapitalen Rehbock und einen 6 Jahre alten Gamsbock erlegt. 

                                                                                                          Bericht: Jagdportal WP und Fotos: Franz Saur

 

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