| BERICHT 107: Gamsjahrling zum Abschluss |
Gar
einige Pirschgänge hatte mein Freund
Ginetto mit meinem Vater getätigt, aber
den von ihm erworbenen Gamsjahrling zu
erlegen ist ihnen nicht gelungen, es
wollte einfach nicht sein! Es ist
verhext, denn in unserem Revier einen
Gamsjahrling zu erlegen, ist meistens
nicht allzu kompliziert! Aber eben nur
meistens…
Da der 15.
Dezember immer näher rückte und Ginetto
aus beruflichen Gründen einen weiteren
Pirschgang nicht mehr unternehmen
konnte, beschloss er, den
Gamsjahrlingsabschuss entweder mir oder
meinem Vater zu überlassen. Ich hatte
die Gamsjagd 2011 - außer dem
anstehenden Begleiten von Jagdkollegen -
eigentlich schon im Hirnordner
„Erinnerungen“ gespeichert, hatte ich in
diesem Jahr doch schon meine 2 Gämsen,
einen 5jährigen Gamsbock und eine
13jährige Gamsgeiß erlegt und somit
meinen Abschussplan schon am 13.
November erfüllt.
Mit meinem
Vater und meinem Kollegen und
Käsemeister „Milla“ Stefan machten wir
uns also am 13. Dezember, um 13 Uhr auf
ins Innerfeldtal, wo die Gämsen zu Hause
sind. Nach kurzer Zeit konnten wir weit
oben unter dem Haunoldgipfel, im „Kegelbrenntal“,
einige Gämsen in den letzten Latschen
ausmachen. Mit dem Spektiv erkannte ich
Geiß und Kitz, dann zwei junge
Gamsböcke, welche noch Brunftgedanken
hatten, und schließlich wenige Meter
oberhalb sah ich in den Latschen
plötzlich das Haupt eines Jahrlings. Der
Aufstieg zu diesen Gamsen war steil und
weit, und die Zeit war auch schon
fortgeschritten, in wenigen Stunden
würde es finstern, aber trotzdem
entschieden wir uns aufzusteigen. Nach
etwa einer Stunde waren wir gedeckt bis
kurz vor den Latschenkopf gekommen, von
welchem aus man Einsicht in das Gelände
hatte, in welchem wir die Gams
vermuteten. Langsam krochen wir nach
vorne, und trotz aller Vorsicht konnte
uns eine Geiß erspähen und schon kam
Bewegung in das Rudel. Ich erkannte im
12fachen Zielfernrohr meiner „dicken
Berta“ den Bockjahrling, einer Geiß
dicht folgend, und als er kurz anhielt
und Breit stand, flog das Geschoss und
traf die Gams auf 297 Metern Entfernung.
Kurz taumelte sie und fiel in eine
steile Rinne, wo sie hinter einem
Felsbrocken liegen blieb. Nach dem
Schuss standen plötzlich 3 Gamsböcke in
der Rinne, welche den flüchtenden Geißen
samt Kitzen hinterher schauten. Ein
herrlicher Anblick bot sich, aber die
Zeit spielte gegen uns, und wir mussten
weiter, die Gams zu bergen. Diese Rinne
erreichten wir nur nach sehr
anstrengendem queren eines
Latschenfeldes und nach einigen
Klettermetern über luftige „Felswantlan“,
in welchen ein Ausrutschen wohl schlimme
Folgen gehabt hätte. Während der
Verrichtung der roten Arbeit dämmerte es
schon, aber die Gams war uns sicher. Der
Abstieg verlangte uns auch noch einiges
ab, aber bei stockfinsterer Nacht kamen
wir schlussendlich heil aber durchfroren
im Talboden an.
Der
Bockjahrling brachte schwache 12 Kg auf
die Waage, weshalb ich mit diesem
Abschuss eine besondere Freude habe. Ein
wirklich schönes Erlebnis, für welches
ich Ginetto, meinem Vater und auch
Stefan noch einmal danken möchte!
Bericht: Fabian FERRARI – Jagdrevier Innichen Foto: Andreas Kusstatscher |