BERICHT 26: Drei Südtiroler auf Auslandsjagd.

Bereits Wochen zuvor haben der Walter und ich uns immer wieder telefonisch kontaktiert um die Details für die anstehende Auslandsjagd zu klären. Eines war schon mal klar, die Aufregung bzw. Begeisterung war schon deutlich zu spüren. Zum einen hat so eine Jagd einen gewissen Reiz, da jagdlich in solch wunderschönen Revieren wie im jenen vom Stefan, so einiges geboten wird. Schwarzwild, reichlich Rehwild und Flächen wie man sie in Südtirol nicht findet. Aber nicht nur jagdliche Gründe waren für unsere Vorfreude verantwortlich. Da wir ja schon mehrmals bei Stefan und Silvie eingeladen waren, kennen wir mittlerweile nicht nur das Revier, sondern auch alle Jäger und Jagdfreunde sowie Freunde des Hauses. Die Vorfreude all diese netten Bekanntschaften wiederzusehen, ein paar nette Gespräche zu führen, das eine oder andere Jagderlebnis auszutauschen und natürlich ein Bierchen zusammen zu trinken war natürlich schön. Endlich war das Pfingstwochenende da und die Rosmarie war die Letzte im Bunde, welche in Sterzing in den voll bepackten Wagen stieg. Anfangs war ich ja etwas skeptisch. Eine Frau mit auf die Jagd und dann noch im Ausland. Heute kann ich der Rosmarie nur ein großes Kompliment für ihr kumpelhaftes und nettes Verhalten aussprechen.

Aber nun zurück zur Fahrt welche über den Fernpass mit Navigation bis Gornbach etwa sieben Stunden dauerte. Angekommen im Gasthof Mona Lisa wunderten wir uns erstmal, dass der Kari Schmied noch nicht da war und begrüßten schon mal die Maria und den Francesco. Die Zimmer waren schnell bezogen aber dann ließen wir erstmal Ruhe einkehren und legten uns eine Stunde flach. Am frühen Nachmittag suchten wir dann den Treffpunkt  (Grillplatz) mitten im Revier auf, wo bereits eine kleine Gruppe Jäger um ein Lagerfeuer versammelt waren. Und da war auch der Gastgeber Stefan Möndel, der uns schon erwartete. Nach einer netten Begrüßung und einem schmackhaften Bierchen wurde ich aber schon aus der Gruppe gerissen und durfte mit dem Jagdaufseher Wolfgang noch schnell die Kirrungen abfahren. Als wir am Abend wieder zu der Gruppe stießen, waren bereits die meisten Jagdgäste anwesend und der Stefan hat auch schon für die passende Jagdeinteilung gesorgt.  Ich musste einige Jäger zum Ansitz bringen, mit einem ehrlichen Weidmannsheil verabschiedete ich mich inzwischen und wartete noch bis sie Ihre Kanzeln bezogen hatten, dann gesellte ich mich noch zu den anderen am Grillplatz. Leider waren fast alle bereits ausgeflogen. Zusammen mit dem Stefan und den ein oder anderen Jäger wurde noch die mitgebrachte Mortadella und der Gorgonzola angeschnitten und mein Ansitz geplant. An einer Schneiße im Wald sollte ich mein Glück auf Rehwild versuchen, und dann beim Eindunkeln einen Alu-Leitersitz beziehen. Letzterer stand bei einer Suhle an welche die Kirrung seit Tagen gut angenommen war. Laut den Aussagen von Wolfgang war dort ein Überläufertrupp  zu Fährten. Rehwild bekam ich keines zu sehen, aber zur besten Zeit einen Spaziergänger mit Hund der freundlich winkend an dem offenen Bock auf dem ich mich eingerichtet hatte vorbeizog. Egal dachte ich und bezog etwas früher den Sitz an der Kirrung. Als es dunkel wurde und die Spannung stieg kam auch schon mein Feind: "der Wind". Einige Regentropfen fielen, aber ich ließ mich nicht entmutigen. Die Augen wurden schwer und ich musste schon fest damit kämpfen wach zu bleiben. Dann endlich schreckte ein Reh genau aus der Richtung aus welcher die Sauen in der Regel  anwechseln. Regungslos saß ich die nächste Stunde aber es tat sich nichts. Der Wind drehte in alle Richtungen und ich gab die Hoffnung bereits auf, als ich hinter mir etwas Ziehen hörte. Sauen?? Mein Puls stieg,  aber jetzt hieß es Nerven bewahren und sich nicht bewegen. Der Wind drehte in allen Richtungen, um 3.40 Uhr kletterte ich total erschöpft, erfroren und müde von der Kanzel, ohne eine Sau in Anblick bekommen zu haben.

In der Mona Lisa war  Licht und ein Auto mit Schweizer Kenntafel stand startklar am Eingang. Kari und sein Freund Josi wurden um halb fünf von Stefan abgeholt für einen Morgenansitz aber von dem wusste ich zu dem Zeitpunkt nichts und suchte erstmal das warme Bett auf. Nur kurz war mir der Schlaf gegönnt denn um 8.00 Uhr musste ich bereits wieder die Rosmarie abholen, die die ganze Nacht auf der "Tirolerkanzel" verbracht hatte.

Alle erstmal unter die Dusche und dann ab zum Frühstück. Und wer saß dort bereits und hat den ganzen Kaffee ausgetrunken und die Eier verschlungen !?!? Natürlich die Schweizer Kari und Josi :-). Nach einer netten Begrüßung und einem Weidmannheil haben wir es uns alle bei Tisch gemütlich gemacht.

Pfingstsamstag und auf dem Grillplatz waren bereits die Letzten geladenen Jäger eingetroffen. Der offene Grill war 24 Stunden rund um die Uhr, mit sehr viel leckeren, vom Stefan selbst marinierten, Wild-Grill-Fleisch belegt. Ich rührte meinen faulen Arsch nur dann um ein paar Bierchen aus der Kiste zu holen und genoss den ganzen Tag die wunderschöne Atmosphäre die dort herrschte. Das Wetter war schön, die Stimmung gigantisch und ich wollte vom Jagen schon fast gar nichts mehr wissen. Doch als der Abend kam, erwachte in uns wieder der Jäger. „Komm Linde aufgeats, du muasch ins ausi fiarn mir welln an Bock schiaßn“ sagte Walter und Rosmarie lachend zu mir, ließen mich aber das letzte Bierchen austrinken und noch eine Kleinigkeit essen. Erneut brachte ich sie zum Ansitz. Eigentlich wollte ich mich an dem Abend ein wenig aufs Ohr hauen, um dann einen Nachtansitz auf Sauen zu machen. Doch beim Gespräch mit Stefan machte Letzterer mir einen Ansitz an einer Eckwiese schmackhaft. Am anderen Ende der Wiese oder Felder stand die letzte Eckwieskanzel und dort saß 400m entfernt der Kari. Im Rücken und etwas oberhalb von mir im Wald saß der Josi.

Ich war natürlich wieder der Letzte der seine Kanzel bezog. Bereits beim Angehen sah ich mehrere Rehe, aber nur mehr von hinten. Per SMS verständigte ich noch den Walter, dass nun auch ich sitzen würde und das ich Sie um 23.00 Uhr abholen würde. Das SMS war raus, ich steckte das Handy in eine Seitentasche der Hose und blickte in die Wiese. Das gibt es ja nicht!!! Da steht jetzt auf 10m ein Reh !? Wie aus dem nichts. Beim ersten Schritt das das Reh machte merkte ich bereits wie krank das Geschöpf war. Erst im Glas vom Zielfernrohr sah ich, dass es auch noch ein Knopfbock war und kurz darauf brach der erlösende Schuss. Geschätzte 7 kg, voller Zecken und Rachenbremsen und beim Aufbrechen begegnete ich noch einem wässrigem Darm. Per SMS machte ich noch Meldung an den Stefan, welcher die Jagd die ganze Nacht verfolgte und telefonisch koordinierte. Kurz darauf brach ein Schuss welcher mich fast von der Kanzel schmiss. Der Schweizer Josi hatte einen Rehbock erlegt. Mit seiner Wetterby schoss er in meine Richtung und ihr könnt euch vorstellen wie das knallte. Links im Hafer hatte ich etwas später eine Ricke. In der Verbindungswiese zum Kari hin dann noch eine weitere mit Kitz und eine Schmalgeiß. Aber da steht ja noch ein viertes Stück dachte ich mir und nahm den Auszieher an mich. Ein Lauscher hoher, untersetzter Bock stand auf knappe 250m im hohen Gras und zog in meine Richtung. Ich richtete mich auf einen Schuss ein und schaute mit dem Fernglas immer wieder nach dem Bock. Dann muss der Besagte wohl in den Weizen eingezogen sein, denn ich konnte ihn nirgends mehr finden. Ich glaste nun systematisch die Felder ab und da war er. Oder etwa nicht!? Nein das ist ja viel zu weit weg dachte ich. Müsste ungefähr in der Höhe vom Kari seiner Kanzel sein. Aber was ist es denn. Sieht aus wie ein Hund! Aber im Weizen!? Ich nahm das Spektiv und traute meinen Augen nicht. Da stand doch direkt eine Sau im Weizen und daneben auch noch eine zweite. Rabenschwarz sah man nur ab und zu die Teller und das Haupt. Dann sah ich plötzlich den Stefan und einen anderen Jäger die durch das Weizenfeld auf die Sauen zu zogen um Sie zu vergrämen. Recht viel mehr möchte ich dazu nicht schreiben um der Erzählung von Kari nicht zu vor zu kommen.

Um halb elf stand ich an den Kanzeln, welche Walter und Rosmarie bezogen hatten. Ganz aufgeregt berichtet Walter, dass die Rosmarie eine Sau im Getreide beschossen hat. Es waren 6 gleich große Sauen im letzten Licht ausgetreten und eine davon hat nun die Rosmarie beschossen. Beide standen schon ganz aufgeregt am Feldrand und wollten bereits durchs hohe Gras zum Getreideacker um nach der Sau zu schauen, als ich sie bat sich etwas zu gedulden. Ich nahm das Glas von meiner Waffe, stopfte sie und nahm eine starke Taschenlampe zur Hand. Mein weiß ja nie.  Zielgenau spazierte Rosmarie zu der Stelle wo Sie den Anschuss in etwa vermutete und da lag der Überläufer auch schon gestreckt mit einem sauberen Schuss.

Natürlich ließen der Walter und ich es uns nicht nehmen die Schützin erstmal zu drücken und zu küssen bevor wir Ihr ein kräftiges Weidmansheil aussprachen. Schnell war der Stefan und der Wolfgang avisiert und schon kam ein Bergungstrupp an.

Noch kurz ging es hoch zum Grillplatz wo schon einige Jäger eingetroffen waren. Wir ließen die Rosmarie noch hochleben und begaben uns dann zum Zerwirkraum im Dorf, wo die Sau erst mal versorgt werden musste. Bei so einer tollen Mannschaft von Jägern, die der Stefan um sich versammelt hatte, brauchten wir uns die Hände gar nicht schmutzig zu machen. Wolfgang erledigte die rote Arbeit fachmännisch. Es war bereits 1 Uhr früh und der lange Tag sowie die Aufregung haben natürlich an unserer Substanz gezehrt.  Aber die Suhle war immer in meinem Hinterkopf. Ich fragte noch den Stefan und den Wolfgang ob es zeitlich noch funktionieren könnte eine Sau zu schießen. „Komm mach dich doch noch hoch an die Suhle Christian,“ waren die Worte von Stefan. Ooooh wie gern ich das hörte :-). Doch soweit sollte es gar nicht erst kommen. Nur das allerwichtigste nahm ich mit als ich ein paar hundert Meter vor der Kirrung den Wagen abstellte. Mit einer kleinen Taschenlampe pirschte ich nun schnell und leise um die Kirrung herum an die Leiter. Ich hatte bereits die Suhle auf meiner Höhe, als das warnende blasen einer Sau mir den Atem kostete und mich an Ort und Stelle gefrieren ließ. Mamma mia, was war das!? Auf der nahe liegenden Straße fuhr nun auch noch ein Auto vorbei und das Licht vom Wagen viel sporadisch in den Wald. Ich konnte aber nichts erkennen. Regungslos stand ich nun da, mitten im schwarz dunklen Wald und hörte wie mein Puls pochte. Ich hatte schon Angst das mir das Herz aus der Brust springen würde. Es war ruhig, kein Blatt rührte sich und nun hatten sich auch meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt. Langsam versuchte ich ohne Taschenlampe ein paar Schritte weiter zu kommen um vielleicht Einblick auf die Kirrung zu haben. Und da war es wieder, eindeutig das Blasen einer Sau und schon kam Bewegung in den Wald. Mit dem Fernglas konnte ich aus dieser Position einen Teil der Suhle sehen und da stand auch die Sau und sicherte zu mir. Es waren vielleicht fünfzehn Meter die mich von der Sau trennten und ich kann euch sagen solche jagdliche Emotionen habe ich noch nie erfahren. Plötzlich schob sich auch noch eine zweite Sau dazu die nun breit zu mir stand. Beide dieselbe Größe, grau braun von der Schwarte und um die 30 kg. Langsam nehme ich meine Merkel in die Hand. Der Leuchtpunkt stand bereits an und beim auffahren schob ich behutsam den Handspanner nach vorne. Zittrig vor Aufregung suchte ich in dem bißchen Mondlicht das Blatt und ließ fliegen.  Die 270 Win hat beide Schulterblätter durchbohrt und die Sau an Ort und Stelle gebunden. Die Aufregungen die ich bis dahin verspürte, waren aber nur die Vorwehen :-) unmittelbar nach dem Schuss musste ich mich erst mal setzen. Dann versuchte ich den Stefan telefonisch zu erreichen aber ohne Erfolg. Kurz darauf stand der Wolfgang bei mir und half mir bei der Bergung. Schnell war die Sau versorgt aber dann war auch ich platt. Um 8.00 Uhr morgens klopfte es bereits an die Wohnungstür und da war auch schon der Stefan der mir ein aufrichtiges Weidmannsheil aussprach.

Eigentlich wollten wir am Sonntag abreißen aber bereits beim geselligen Frühstück mit den Schweizern beschlossen wir zu bleiben. Auch der Kari und der Josi ließen es sich nicht nehmen noch einen Tag anzuhängen und blieben. Schließlich musste unser Walter ja noch zu seinem Abschuss kommen. Jedenfalls saßen wir gemütlich nach dem Frühstück bei einen kühlen Bierchen und stießen auf die zwei Sauen und dem reifen sowie starken Rehbock vom Josi an.

Grilltag Nummer zwei: zu Mittag trafen wir alle wieder am Grillplatz ein und unterhielten uns den ganzen Tag noch besser als am Tage zuvor und der schien schon nicht mehr zu toppen. Die Preisverteilung vom Luftgewehrschießen stand an, aber leider haben uns die verrückten Schweizer in Grund und Boden geschossen.

Am Abend ging es dann wieder auf Ansitz und ich brachte den Walter auf seine Kanzel. Stefan brachte mich und den Kari in die Mitte des Reviers. Ich bezog bereits um 18 Uhr eine Kanzel wie sie im Bilderbuch von uns Jägern steht!!!!! Traumhaft!!! Nein unvorstellbar traumhaft !!! Ich saß hoch in einer sehr gemütlichen und sauberen Kanzel an, mit den Rücken am Waldrand. Die Jagdeinrichtung befand sich auf einem kleinen Anhöhe und ich konnte nach vorne weg ca. 100 Hektar Felder einsehen. Rüben, Mais,Weizen, Gerste und Heuwiesen in den verschiedensten Farben und Formen. An meiner Rechten hatte ich auch noch das Glück eine Wiese vorzufinden welche bereits geschnitten und nun mit frischem, kurzem Grün bedeckt war. Ich habe natürlich nur den Streifen 300m links sowie 300m rechts von mir im Auge behalten und war gespannt was aus dem Wald austreten würde. Ich weiß nicht ob es dem Stefan recht ist oder ob es überhaupt glaubwürdig erscheint wenn ich Euch mitteile was ich an dem Abend in Anblick bekommen habe.!? Eines möchte ich aber vorausschicken: der Stefan ist in meinen Augen ein Rehwild Experte und hegt und pflegt sein Revier in Zusammenarbeit mit seinen Jägern wie nur wenig Andere. In den wenigen Stunden in denen das Licht es zuließ habe ich von der Theoboldkanzel aus 12 Geißen, 7 Kitze, 5 Böcke (zwei davon sehr starke, brave Böcke) 8 Feldhasen, und 1 Altfuchs in Anblick genommen.

Um 23.00 Uhr stand ich an der Kanzel von Walter. Ich hatte bereits per SMS erfahren, dass er Jagdglück hatte und nun sah ich bereits beim Anfahren den glücklichen Jäger wie er mit dem Hut wedelte. Walter hatte den Bock bereits fachgerecht ausgenommen und nach einem Händedruck und einem Weidmannsheil luden wir die Beute in den Wagen und brachten sie zum Grillplatz.

Am Pfingstmontag, den letzten Tag unseres Auslandsaufenthaltes, blieben wir morgens natürlich im Bett, denn mittlerweile hatten wir ja alle drei Jagderfolg. Um 8.00 Uhr war Frühstück und zu unserer Freude hatte nun auch der Kari Jagderfolg (ich hoffe dazu mehr in seiner Erzählung!?).

 

Um 9.00 Uhr große Streckelegung in einem Innenhof. Noch ein paar Erinnerungsfotos, eine dicke  Umarmung, ein paar Freudenstränen und dann ging es mit Sauen und Böcken wieder Richtung Südtirol.

 

Auf diesem Wege nochmals ein großes Lob und einen Dank meinerseits an die Silvie, den Stefan und an den Wolfgang, sowie allen die mitgeholfen und sich so liebevoll um uns gekümmert haben.

 

Grüße auch an die Schweizer Gebirgsjäger

 

Weidmannsheil

 


                                                                                                                                                                                    Bericht: Christian Lindner (Platzhirsch)

                                                                                                                                                                                    Fotos: PW Südtiroler Jagdportal

 

 

 

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