BERICHT 52: Kahlwildabschuss bei der Bockjagd

Am Sonntag, 14. August war ich am Nachmittag wieder im Revier unterwegs um Ausschau nach einen passenden Rehbock zu halten. Da ich heuer einen Bock zum Abschuss frei hatte, war ich mit Jagdbeginn (bei uns heuer erst am 13. August), ständig im Revier unterwegs. Bei diesem Pirschgang begleitete mich mein Jagdkollege Claudio, dem am Vormittag sein Bockabschuss gelungen war. Wir starteten gegen 16 Uhr und überlegten lange wo wir hingehen könnten. Schlussendlich entschieden wir uns für den Hochsitz auf Fallegg, ein Gebiet das vom Rehwild gerne angenommen wird und wo man auch ständig mit Rotwild rechnen kann. Gegen 17 Uhr bezogen wir den Hochsitz und richteten uns für den abendlichen Ansitz ein: Auflage fürs Gewehr, Entfernungsmesser, Spektiv usw. Gegen halb 6 Uhr entdeckten wir plötzlich einen kleinen roten Fleck in den Hecken knappe 150 Meter neben dem Hochsitz. Mit dem Spektiv konnten wir eine Rehgeiß ansprechen und somit begann das Warten ob nicht doch noch ein Bock bei der Geiß stehen würde. Die Zeit verging und leider ließ sich kein Bock blicken und die Geiß verzog sich wieder in die Hecken. Wir gaben aber noch nicht auf und suchten weiterhin das Gebiet  nach Wild ab. Gegen 18.30 Uhr wurden wir dann von einem heftigem Gewitter überrascht, es regnete in Strömen und es blitze und donnerte gewaltig. Nach einer knappen Stunde verzog sich das Gewitter wieder und wir

suchten wieder das Gebiet nach Wild ab. Die Sicht ist nach so einem Regen ja immer hervorragend, das grün der Bergwiesen leuchtet frisch und die Luft ist einmalig. Gegen 20 Uhr sahen wir wieder plötzlich knappe 100 Meter links von uns ein Stück Rotwild austreten. Unser erster Gedanke nach dem Blick durchs Fernrohr war, dass dies wohl ein Schmaltier sein muss. Schnell das Spektiv zur Hand und wir waren uns ziemlich sicher, dass dies ein passender Abschuss sein müsste. Es dauerte allerdings einige Minuten, bis sich das Stück endlich abdrehte und wir freie Sicht zwischen die Hinterläufe hatten, wo wir erwartungsgemäß keine Gesäuge feststellen konnten. Schnell wechselte ich das Spektiv mit der Büchse und richtete mich ein. Leider zog das Schmaltier nun wieder Richtung Wald, drehte sich dann aber blitzschnell um und stand nun spitz zu uns. Irgendetwas musste das Stück bemerkt haben, denn es äugte gute 10 Minuten, ohne auch nur einen Tritt zu machen zu uns herüber. Der Hochsitz bot uns allerdings gute Tarnung und der Wind zog auch in unserer Richtung. Somit hieß es ruhig und geduldig bleiben. Ich hatte das Gewehr bereits im Anschlag, entsichert und eingestochen und das Stück im Fadenkreuz, denn wir mussten damit rechnen dass das Stück womöglich mit einem Satz wieder im Wald verschwinden könnte. Wie aus dem nichts drehte sich das Stück plötzlich ab und in dem Moment lies ich den Schuss brechen. Das Stück lag im Feuer und rollte einige Meter den Hang hinunter und blieb in einigen Sträuchern hängen. Nach einem tiefen Atemzug beruhigten wir uns, denn es war doch alles sehr schnell gegangen. Wir packten unser Zeug zusammen und gingen zum Anschuss, dort musste ich leider feststellen, dass das Stück noch am Leben war. Schnell gingen wir einige Meter zurück und ich trug dem Stück den Fangschuss aufs Blatt an. Anschließend gingen wir zum verendeten Stück und konnten feststellen, dass der erste Schuss hoch ober dem Blatt das Kreuz durchschossen hatte, das Stück wäre sicherlich in wenigen Minuten verendet, aber es tat mir im Herzen weh, als ich das Stück noch lebend vor mir liegen sah. In dem Moment zählen für mich nicht die kg des Wildbrettes, sondern dass das Stück nicht länger leiden muss. Anschließend erledigten wir die rote Arbeit und zogen das Schmaltier gemeinsam zum Auto. Bereits beim Aufbrechen stellten wir fest, dass es sich um ein recht schwaches Stück handelte, was uns dann auch die Gewichtabnahme in unserer Kühlzelle bestätigte. Das Stück brachte lediglich 33 kg auf die Waage. Nachdem wir alles weitere erledigt hatten, fuhren wir glücklich und zufrieden nach Hause.

Leider hatte ich auch in den darauffolgenden Tagen kein Glück bei der Bockjagd und somit muss ich aufs nächste Jahr hoffen, denn mittlerweile ist der Abschussplan für die Böcke im Revier erfüllt.

 

Weidmannsheil

 

                                                                                         Bericht und Fotos: Höllrigl Martin – Revier Schlanders

 

 

 

nach oben