BERICHT 83: Ein traumhafter Tag bei der Gamsjagd!

Am Samstag, 29. Oktober war ich wieder einmal mit meinem Jagdkollegen und Gamsbegleiter Herbert verabredet. Wir wollten einen letzten Versuch unternehmen um vielleicht doch noch, die mir heuer zugeteilte Gamsgeiß zu erlegen. Ich hatte bereits 9 Pirschgänge auf die Geiß hinter mir, einer schöner wie der andere, aber leider war mir der Hl. Hubertus noch nicht gut gesinnt. Entweder wir kamen nicht auf Schussdistanz an eine passende Geiß heran, oder wir hatten nur führende Geißen im Anblick und einmal war wohl ich etwas zu unruhig und fehlte eine gute Geiß. Bei einigen Pirschgängen begleiteten uns auch andere Jagdkollegen, die einen Bock oder einen Jahrling zum Abschuss frei hatten. Beide hatten bisher mehr Glück und so konnte der eine einen starken Bock und der andere einen Jahrling erlegen. Aber trotzdem wollten wir noch einen schönen Tag auf der Gamsjagd verbringen uns so holte ich Herbert gegen 6.30 Uhr ab und wir fuhren ins schöne „Schlandrauntal“.

Gegen 7.15 Uhr hatten wir unseren Ausgangspunkt erreicht und starteten zu Fuß weiter Richtung „Kortscher Berg“. So langsam wurde es Tag und wir suchten den vor uns liegenden Talkessel nach Gamswild ab. Es dauerte nicht lange und wir hatten 3 Geißen mit ihren Kitzen sowie 5 Steinböcke im Anblick. Nach wenigen Minuten marschierten wir wieder los, um ein etwas höher gelegenes „Stuanmandl“ zu erreichen, von wo aus man einen herrlichen Rundblick zum Hoch Alt, Rappenspitze und Rappenscharte hat. Auf dem Weg dorthin sahen wir drei jüngere Böcke, die sich aber nicht weiter von uns stören ließen. Als wir unser Ziel erreicht hatten, bot sich ein atemberaubendes Bergpanorama - die Sonne ließ die bereits verschneiten Gipfel erleuchten – die Ruhe und die Freiheit die man dort oben spürt sind wohl einige der schönsten Seiten der Jagd, da ist der gewünschte Abschuss oft zweitrangig. Wir setzten uns in die Sonne, genossen die wärmenden Strahlen und suchten nebenbei das Gebiet nach Gamsen ab. Gegen 10 Uhr konnten wir ein kleineres Rudel Gamsen hoch oben unter dem Gipfel der Rappenspitze ausmachen. Wir beschlossen ein Stück weiter zu gehen um näher an die Gamsen heranzukommen, denn auf dieser großen Distanz konnte man kein genaueres Ansprechen durchführen. Nach einer guten halben Stunde waren wir ca. 500 Meter unterhalb der Gamsen und legten uns hinter einem kleinen Hügel nieder, um das kleine Rudel genauer anzusprechen. Es waren einige Geißen mit Kitzen sowie eine passende Geiß für mich dabei – was bereits etwas Hoffnung in mir aufkommen ließ. Da  aber Tagsüber die Luft Bergwärts zieht, konnten wir nicht näher an die Gamsen heranpirschen und mussten somit abwarten und hoffen, dass die Gamsen am späteren Nachmittag weiter Talwärts ziehen würden. So genossen wir zwischenzeitlich den wohlverdienten Halbmittag. Gegen 13 Uhr stiegen die Gamsen bereits so langsam aus den Wänden und zogen nach und nach dem Talboden entgegen – soweit verlief alles so wie wir es erhofft hatten, aber die Luft machte uns einen Strich durch die Rechnung. Als das Rudel knappe 300 Meter oberhalb von uns auf dem Boden war, muss eine Geiß wohl Wind von uns bekommen haben und nach einem Pfiff hatten sich die Gamsen schnell wieder in die Wände zurückgezogen. Zu allem Überfluss mussten wir mit ansehen, dass sie sogar über den Bergrücken hinüber in einen anderen kleineren Kessel wechselten. Das passte wieder sehr gut zu meiner heurigen Gamsjagd dachte ich mir bereits, aber Herbert wollte nichts unversucht lassen und so umgingen wir den Bergrücken und hofften die Gamsen auf der anderen Seite wieder anzutreffen. Nach einer guten Stunde Fußmarsch in teils sehr unwegsamen Gelände hatten wir einen Teil des Rudels im Anblick und zu unserer Freude war auch die passende Geiß dabei. Es war bereits gegen 16.45 Uhr und sehr viel Zeit hatten wir nicht mehr, um nicht in der Dunkelheit den Heimweg antreten zu müssen. Da wir aber immer noch 280 Meter von der Geiß entfernt waren, versuchten wir noch näher an die Geiß heranzukommen, sollte es „meine Geiß“ sein, so wird es uns gelingen und sonst eben nicht, dachten wir uns und pirschten sehr langsam und vorsichtig durch das steile und felsige Gelände weiter. Als wir nach einigen Minuten den erhofften Felsen erreicht hatten, ästen die Gamsen knappe 140 Meter vor uns. Sofort sah sich Herbert die auserwählte Geiß noch einmal genauer an und nebenher versuchte ich mir eine Auflage zu richten. Etwas musste eine der Gamsen aber bemerkt haben, denn schnell kam Unruhe ins kleine Rudel und die Gamsen zogen rasch Bergwärts. Als sie kurz verhofften, war die Geiß von einem Kitz verdeckt und so konnte ich noch keinen Schuss anbringen. Die Anspannung stieg mit jeder Sekunde, denn die Gamsen zogen weiter und einige waren bereits über die nächste Felskante gewechselt. Ich begleitete die Geiß mit dem Fadenkreuz bei jedem Schritt und hoffte, dass sie noch einmal verharren würde, bevor auch sie über die Felskante und somit aus unserem Blickfeld verschwinden würde. Als ob sie meine Gedanken lesen konnte, verharrte sie genau auf der Felskante, drehte sich leicht ab und sah zu uns herunter. In dem Moment riss sie die Kugel meiner BBF zu Boden und sie verschwand hinter der Felskante. Es dauerte einige Sekunden bis sich das Jagdfieber ein wenig legte. Schnell nahm ich das Fernglas zur Hand und suchte die Gamsen. Das Lächeln in Herberts Gesicht lies Gutes erahnen und nach einigen Minuten konnten wir die restliche Gamsen weiter oben in den Felsen erblicken, meine Geiß war aber nicht mehr dabei. Schnell packten wir unser Zeug zusammen und Herbert ging voraus zum Anschuss, während ich noch abwartete um die Situation zu beobachten. Nach wenigen Minuten war Herbert am Anschuss und deutete mir an, dass alles in Ordnung sei und ich nachkommen könnte. Kurze Zeit später stand ich überglücklich vor meiner Geiß – nach einem kurzen Verweilen am Stück wünschte mir Herbert ein herzliches Weidmannsheil. Anschließend konnten wir gemeinsam 11 Jahresringe von der guten,

weit ausgelegten Krucke der Geiß abzählen. Ich glaube man konnte mir die Freude über den gelungenen Abschuss ansehen und nach einigen Erinnerungsfotos erledigten wir rasch die rote Arbeit und gegen 17.45 Uhr hatten wir allerhöchste Zeit den Heimweg anzutreten. Zumindest den gefährlicheren Teil des Rückweges konnten wir noch bei etwas Tageslicht zurücklegen, die letzte Stunde leuchteten uns dann die Stirnlampen den Weg aus. Endlich kamen wir gegen 19.30 Uhr beim Auto an, legten die Geiß mit einigen Zirmästen in den Kofferraum und fuhren glücklich nach Hause. Anschließend hängten wir die Geiß in die Kühlzelle und bei einem guten und wohlverdienten Bier ließen wir den Abend ausklingen.

Auf diesem Wege möchte ich mich bei meinem Begleiter Herbert noch einmal herzlich bedanken. Weidmannsheil und Weidmannsdank.

   

  

                                                                                                Bericht und Fotos: Höllrigl Martin – Revier Schlanders

 

 

 

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