| BERICHT 87: Mein ungerader Gamsbock |
Wie
gewöhnlich begann meine Hochjagd schon
anfangs Juni, mit dem ausbessern der
Ansitzposten.
Dieses
Jahr wurde von der Jagdabteilung
verordnet das alle Posten nur noch mit
an Ort und Stelle aufgefundenem
Baumaterial aufgebaut werden durften,
verarbeitetes Holz musste entfernt
werden, Blechdächer wurden ebenfalls
nicht mehr geduldet.
So
hatte ich meine Ansitzposten schon recht
früh Regelkonform aufgebaut, denn mein
Programm mit der Jagd beim Stefan Möndel,
den Ferien in der Toskana, dem Jährling
den ich im Südtirol jagen wollte und
meinen zwei Steinwildabschüssen liess
mir den 19. Sept. schon recht nahe
rücken.
So
besammelte sich unsere Jagdgruppe
bestehend aus sechs Jägern und zwei
Sherpas am 18.09.11 nach der Messe im
Restaurant zum Apero.
Zum
Mittagessen konnten wir uns an den Tisch
in Tonis Hütte setzen, seine Frau Susi
stimmte uns mit einem schmackhaften
Wildschweinpfeffer auf die Jagd ein.
Gegen
16.30 Uhr fuhr mich dann Uli unser
genialer Sherpa , Koch und Hundehüter
ein Stück den Berg hoch. Mit einem
Waidmannsheil verabschiedete er mich,
mein Rucksack war auch schon schwerer
gewesen als jetzt, war ich doch vor
einer Woche nochmals mit Kollege Hans
oben beim Zelt, um Lebensmittel und
Mineralwasser hoch zu tragen.
Ich
war keine 10 Min. unterwegs fiel mir ein
das ich kein Brot mit hatte, ja und
dachte ich mir, mit etwas Glück kannst
ja morgen mit einem Stück Rotwild wieder
nach unten. Nach ¾ Std Marsch stand ich
neben dem Zelt, wechselte noch mein
verschwitztes Unterzeug, um wenig später
auf dem Posten nach Wild Ausschau zu
halten.
War in
den letzten Tagen noch Spätsommerwetter,
blies jetzt ein kalter Wind vom Pass
her, für den Montagmorgen wurde sogar
Schnee angesagt.
Das
Wild hat sich sicher vor dem recht
heftigem Wind in Sicherheit gebracht ,
den Anblick hatte ich keinen.
Nur
kein Brot ist hartes Brot, fiel mir beim
essen des Fleischkäses ein und musste zu
mir selbst lachen.
Hier im
Lärchenwald wo das Zelt stand war der
Wind nicht so heftig wie auf dem Fels wo
der Ansitzposten stand.
Bald
einmal verzog ich mich in den
Schlafsack.
Als ich
um 06.00 Uhr das Zelt öffnete blies mir
eine Böe Schnee ins Gesicht, na sehr
freundlich morgend`s um diese Zeit.
Da ich
mitten im Hirschgebiet war, wartete ich
das Tageslicht ab, bevor ich das Zelt
verliess, wollte ich mir doch nicht das
Wild vergrämen und zum Ansitz hatte ich
ja keine Hundert Meter zu gehen.
Der
Schnee wurde vom starken Wind wagrecht
nach Süden getrieben, zudem merkte ich
bald einmal beim stillsitzen die Kälte,
gegen 10.00 Uhr hielt ich es nicht mehr
aus, kein Anblick der Hall von Schüssen
war auch spärlich gewesen. So entschloss
ich mich meine kalten Glieder durch
einen Pirschgang aufzuwärmen. Nur mit
der Büchse ausgerüstet verliess ich
meinen Posten, nach kurzem Marsch
zitterte mein Handy im Hosensack, hatte
einer meiner Kollegen bereits
Waidmannsheil. Eine ehemalige
Arbeitskollegin wollte mir Weidmannsheil
wünschen, dass passt mir gut meinte ich
zu Ihr, hatte ich doch schon öfters
Waidmannsheil nachdem sie angerufen
hatte.
Mit
Waidmannsdank verabschiedete ich mich,
keine Minute später stand ich auf einem
Felsen, 80 Meter vor mir äste ein
Gamsbock, durch den Wirbelwind hatte er
mich schon vermerkt. Hatte mich jedoch
noch nicht erblickt, so liess ich mich
langsam nieder. Durch mein Zielfernrohr
schätzte ich den Bock auf 3 bis
5
Jahre, er suchte mich in der
Windrichtung als er einwenig nach unten
stieg, liess ich fliegen. Der Bock lag
im Feuer, durchs schlegeln rutschte er
ein paar Meter ab, schnell merkte ich
mir noch den Baum wo das Stück liegen
sollte.
Da
ich noch ein Stück zurück musste, um
sicher zur Beute zu gelangen, konnte
ich mir die Wartezeit ersparen.
Eine
Pause legte ich doch noch ein, um meiner
Glücksfee den Erfolg zu melden.
Dann
machte ich mich auf, den Bock zu suchen.
Nach ein paar Fehlversuchen, konnte ich
endlich ein Lauf der aus den Alpenrosen
Stauden lugte sichten, beim hingehen
stolperte ich noch über eine
Abwurfstange, die von den Mäusen schon
recht verfressen war.
An dem
Hinterlauf zog ich nun den Bock aus dem
Alpenrosen. 3 ½ Jährig mit einem recht
starken Krumm, nach einer Weile der
Besinnung erledigte ich die Büroarbeit,
anschliessend die Rotarbeit.
Jetzt
war ich wieder aufgewärmt, an den Kruken
hängte ich den Bock an einen Lärchenen
Ast, stülpte das Fliegennetz noch
drüber, auch wenn bei dieser Kälte
sicher wenige oder gar keine Fliegen
umher schwirren.
Langsam
und mit innerer Zufriedenheit stieg ich
nun wieder hinauf zu meinem Posten.
Inzwischen war es Mittag geworden, nach
einem Glas Wein und einer weiteren
Büchse Fleisch gönnte ich mir ein
Mittagsschlaf.
Gegen
15.30 Uhr bezog ich wieder meinen Posten
auf dem Fels, immer noch blies ein
frostiger Wind aber ohne Schnee.
Ausser
einem 6 bis 7 Jährigen Gamsbock dem ich
fast 3 Std beim äsen zusehen konnte,
hatte ich keinen Anblick, so entschloss
ich mich eine weitere Nacht hier oben zu
bleiben, ausser Brot fehlte es mir an
nichts.
Schade
war es so bitter kalt, gerne hätte ich
noch ein Glas Wein auf dem Felsvorsprung
genossen.
So
schlüpfte ich in den Schlafsack und muss
wohl kurze Zeit nachher eingeschlafen
sein, erwachte einmal um 04.00 Uhr
schlief jedoch gleich wieder ein.
Voller
Hoffnung heute Rotwild in Anblick zu
bekommen, gegen 07.30 Uhr endlich eine
Bewegung tief unter mir, zu meinem
Leidwesen hatte ein Jäger den Aufstieg
über den Hirschwechsel gewählt hatte.
Das war es dachte ich, zur besten Zeit,
zog doch das Rotwild zurück in die
Tageseinstände.
Ohne
Eile packte ich meine sieben Sachen,
heute am Mittag wollte ich warm Essen.
Dem
Gamsbock war im natürlichen Kühlschrank
nichts passiert, so hob ich ihn auf den
Rücken und ging langsam Bergabwärts.
Ich
hatte ja Zeit, war ich doch auf der Jagd
und nicht auf der Flucht.
Unterwegs fand ich noch eine weitere
Abwurfstange. Da ich bis um 11.30 Uhr
auf dieser Nebenstrasse nicht fahren
durfte, machte ich es in der inzwischen
warmen Sonne gemütlich. Der Bock lag
hinter mir im Schatten einer Tanne, die
beiden Abwurfstangen lagen daneben.
Nach
einer Weile näherten sich mir 3 Jäger,
Sie waren dermassen in ein Gespräch
vertieft, hätte ich mich nicht im
letzten Moment bemerkbar gemacht, währ
der eine wohl über mich gefallen, nach
kurzem erschrecken lachten wir alle.
Einer wünschte mir gleich darauf
Waidmannsheil zum ungeraden Zehnender,
krumm vor lachen löste ich den Irrtum
auf, aus dem Ungeraden wurde wieder ein
Gamsbock.
Kurz
darauf wurde ich von Uli abgeholt.
Bericht und Fotos: Kari Schmid |