BERICHT 90: Weidmannsglück
Am dritten Jagdtag war es nichts mehr mit schlafen bis um 06.00 Uhr, bereits um 05.00 Uhr wurden wir aus den Federn gerufen.
Nach einer heissen Tasse Kaffee und einer Schnitte Brot war ich aber hellwach.
Mit hoffnungsvollem Gefühl fuhr ich dann zum geerbten Ansitzposten, der Jagdkollege der die ersten zwei Tage hier auf der Lauer gelegen hatte, konnte ausser dem Kalb kein Rotwild mehr erlegen, hatte er sein Waidmannsheil mit einem Stier und einem Kahlwild.
War über Nacht Rotwild eingewechselt, hatte ich nun die Chance.
Um 06.15 versuchte ich mit dem Glas in der Dunkelheit die noch herrschte etwas zu erkennen, musste aber einsehen das dies zwecklos war.
Im ersten Jahr als ich hier sass und auf das morgengrauen wartete pochte mir mein Puls fast durch den Hals, so aufgeregt war ich damals.
Endlich wurde es jetzt immer Heller, die bizarren Gestalten wurden zu Büschen oder Steinen.
Bis um 09.00 tat sich nichts vor mir, jedoch meldete sich mein Magen, so wurde also der Rucksack geplündert.
Als ich den Rest wieder verstauen wollte, sah ich unten am Bach einen roten Fleck. Mit dem Glas konnte ich ein Kahlwild erkennen. Schnell bettete ich mir mit dem Rucksack eine Auflage, das Kahlwild zog nun den Hang hinauf.
Als ich jetzt durchs ZF schaute wurde ich dermassen von der tiefstehenden Sonne geblendet, dass ich nicht zielen konnte.
Ich hatte nichts zur Hand mit dem ich mir das ZF in den Schatten bringen konnte. Zeit zum Überlegen blieb keine, so stand ich auf um mit dem ZF unter das Dach in den Schatten zu kommen. Das Kahlwild stand breit als ich mit dem Fadenkreuz drauf war, nur nicht verziehen schon brach der Schuss. Durch die Rauchwolke in der tiefstehenden Sonne konnte ich gar nichts mehr sehen, als diese verflogen war hatte ich auch kein Anblick mehr. War  das Geschoss daneben gegangen? Nochmals ging ich die Situation durch, als der Schuss ausgelöst wurde, war ich auf dem Wild.
Nach einer zermürbenden halben Stunde suchte ich die Anschuss Stelle nach Pirschzeichen ab. Ausser der Fluchtrichtung hinunter zum Bach fand ich keinerlei Spuren, weder Schweiss noch Schnitthaare.
Nach einer weiteren Suche und einer Rücksprache mit dem Wildhüter brach ich die Suche ab.
Am frühen Nachmittag entschlossen wir uns das Gebiet mit meinen Jagdkollegen durchzutreiben, zu Zweit besetzten wir die üblichen Wildwechsel. Der Rest schickte sich an den Erlenwald zu bezwingen. Nichts bewegte sich und ausser den Treibern vernahm ich auch nichts.
Ich hatte mein Handy im Auto liegen gelassen, so hatte ich keine Verbindung mit den Kollegen.
Einmal hörte ich ein Juchzer, dachte aber auch so kann man Wild aufscheuchen, kurze Zeit Später kam Uli ob mir aus dem Lärchenwald. Meine Hoffnung schwand. Der Trieb war zu ende.
Als er bei mir war, wünschte er mir Waidmannsheil, ich verstand die Welt nicht mehr. Warum er mir Waidmannsheil wünsche, ich hatte ja gar nicht geschossen. Niemand habe geschossen, aber gefunden meinte er zu mir.
Langsam dämmerte es mir, der Juchzer vorhin, galt als Freudenlaut.  Keine 100 Meter von uns weg hatte ein Kollege das Stück Kahlwild gefunden.
Die Kugel hatte das Stück Weich durchschlagen. Sicher war dass kranke Stück auch weiter in den Erlenwald geflüchtet und erst nachher ans Wasser zurück gekehrt, wo es dann im Wundbett verendete.
Nach der Büro-, und Rotarbeit die ich mit erleichtertem Herzen erledigte, begann die Bergung aus dem Erlendickicht, am Rande des Baches zogen wir dann das Stück zu Dritt, immer wieder die Seite wechselnd, da manche Stellen unpassierbar waren bis wenige Meter unterhalb der Jagdhütte. Fast 2 Std Bergungsarbeit macht einen höllischen Durst, mit einem oder zwei Bier wurde auf die gemeinsame Beute angestossen.
 
Waidmannsdank meinen Jagdkollegen.

 

                                                                                                                      Bericht und Fotos: Kari Schmid

 

 

 

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