BERICHT 95: Marder Abschuss in Oberösterreich  


 

Nachdem zu Beginn des heurigen Winters die Marder die ihnen vorgelegten Rosinen bereits sehr gut angenommen haben, beschlossen wir einen kleinen Gemeinschaftsansitz und besetzten die unserer Meinung nach 4 sichersten Plätze.
Bereits nach kurzer Zeit bekam war ich der Meinung, den Schuss einer meiner Kollegen vernommen zu haben.

Wie sich einige Stunden später herausstellte, war dem auch so – alle 3 weiteren Jäger konnten einen Steinmarder zur strecke bringen. Nur die von mir besetzte Kirrung blieb vom Marder an diesem Abend unbesucht und ich kehrte mit leeren Händen nach Hause.
Bereits am nächsten Abend beschloss ich jedoch, mein Glück noch einmal zu versuchen. Am Ansitzplatz vor einem alten Wirtschaftsgebäuden angekommen, richtete ich mich gemütlich ein, um bei einbrechender Dunkelheit bereits gerüstet zu sein.
Es war erst wenige Zeit vergangen, als ich am hintersten Eck des Gebäudes eine Bewegung vermutete - ca. 3m von den vorgelegten Rosinen entfernt. Vorsichtig brachte ich meine Bockbüchsflinte in Anschlag und richtete diese langsam in
Richtung der Rosinen. Ein Blick durch das Zielfernrohr ließ meine Hoffnung jedoch gleich wieder schwinden – es war nichts zu sehen – ich musst mich wohn wieder einmal getäuscht haben.
Bevor ich jedoch meine BBF wieder abnahm, konnte ich wieder einen Schatten am ca. 35m entfernten Eck wahrnehmen.
Der erneute Blick durch das Zielfernrohr ließ mein Herz diesmal höher Schlagen – ein kleiner schlanker Wildkörper ragte kurz um das Eck, verschwand aber immer gleich wieder. Vorsichtig schob ich den Spannschieber meiner BBF nach vorne.
Der Marder lief in Folge mehrmals kurz um das Eck, verschwand aber immer wieder. Nun hieß es abwarten.
Kurz darauf, erschien er wiederum, blieb jedoch diesmal kurz sitzen. Nachdem ich ihn auf diese Distanz nur breit beschießen wollte, hielt ich den Schuss zurück. Als er sich aufrichtete, ein Männchen machte und in Richtung Rosinen verhoffte, nutzte ich
meine Chance und ließ die Schrote in Richtung dem weißen Kehlfleck fliegen.
Ich konnte den beschossenen Marder in Folge des Mündungsfeuers momentan nicht mehr sehen.
Ich begab mich zum Anschuss und musste feststellen, dass dort lediglich die einige Einschläge meiner Schroten sowie einiges an Wolle vorzufinden war. Nachdem ich den Anschuss genauer begutachtet hatte, konnte ich einige feine Schweißspritzer im Schnee finden. Eine Schleifspur führte, durch leichte Schweißspritzer gesäumt, in Richtung dem 5m entfernten Holzstoß.
Ich umschlug den Holzstoß und stellte fest, dass der Marder nicht ausgewechselt war.
Der Holzstoß bestand aus 4m langen Pfosten und Latten und war entlang einer Mauer aufgeschlichtet.
Ich durchleuchtete so ziemlich jede Spalte des Stoßes, bis ich unter dem Stoß, genau im hintersten Eck einen Teil des Balges wahrnehmen konnte. Alle Versuche, den Marder aus dem schmalen Spalt zu bekommen, scheiterten.
Ich kontaktierte einen Jagdkollegen telefonisch und bat diesen, ob er mich eventuell mit seinem Hugo – einem Rauhaardackel – unterstützen wurde. Nach Schilderung der Geschichte machte sich mein Kollege sofort auf den Weg und traf nach
15 Minuten bei mir ein. Vorerst waren wir der Meinung, Huge würde uns den Marder schon bringen – dem war aber
nicht so.
Huge lag 1m vor dem Marder und knurrte diesen an, konnte aber sichtlich auch nicht näher an den Marder heran.
Wir diskutierten mit einem inzwischen weiters hinzu gekommenen Freund über die weitere Vorgehensweise und handelten wie folgt.
Wir holten unsere beiden Wagenheber. Hugo war nicht gerade erfreut, dass er einstweilen beim PKW warten musste.
Wir stellten die beiden Wagenheber unter den Holzstoß und hoben diesen etwas an. Nach Überprüfung der Standfestigkeit des angehobenen Stoßes kam Hugo wieder zum Einsatz.
Nun gelang es ihm zum Marder zu gelangen. Dort angelangt, half auch unser langes Bitten und Betteln nichts – Hugo ignorierte uns komplett – er musste verständlicherweise den verendeten Marder erst kräftig schütteln.
Als er nach einiger Zeit den Marder aus dem Stoß geschliffen hatte, freuten wir uns über die erfolgreiche Bergung.
Wir ließen den Abend anschließend mit eigenen Flachen Bier ausklingen.
Ohne Huge hätte ich wohl den gesamten Stoß umschlichten müssen.

Weidmannsheil!

 

                                                                                                       Bericht und Fotos: Manuel Blöchl, Oberösterreich

 

 

 

nach oben