BERICHT 01: Auf Sau im Schnee

 

Liebe Leser & Leserinnen, nachdem ich im letzten Jahr keine Erzählung ins Netz gestellt habe, möchte ich heuer wieder versuchen, mich etwas aktiver auf dieser wohl besuchten Plattform zu bewegen. Irgendwie finde ich es schade dass, nur noch wenige sich hier mit einer Erzählung identifizieren. Natürlich ist es nicht einfach eine nette Geschichte auf Papier zu bringen. Schließlich sind wir ja Großteils nur Leihen und keine Schriftführer. Die Kritik die man beim kleinsten Fehler erntet, ist natürlich auch nicht vorteilhaft. Ich denke genau Letzterer ist der Grund für das spärliche Erscheinen der Erzählungen. Vielen sind solche Jagderzählungen einfach ein Dorn im Auge. Kann ich verstehen, ist aber meines Erachtens, in diesem digitalem Zeitalter aber nicht aufzuhalten. Jeder nutzt heut zu Tage die Möglichkeit der digitalen Kommunikation, aber vorallem auch die Möglichkeit, sich im Netz Informationen einzuholen. Es liegt also an uns, welche Art an Informationen wir preis geben. Die Art und Weise einer Jagd, aber viel mehr das veröffentlichte Bild sollte gut gewählt sein. Nehmen wir doch als Beispiel ein Bild eines tollen Rindergullasch oder eines zum Grillen abgelichteten Fleischstücks. Schön präpariert auf einem Teller, dekoriert mit den verschiedensten Kräutern und eingepackt in Beschreibungen wie, günstig, schmackhaft, biologisch. Keinem Fleischesser wird so ein Bild ein Dorn im Auge sein. Stellen wir uns aber doch mal ein Bild, eines geschlachteten Rindes vor. Natürlich würde uns der Anblick  nicht das Wasser im Munde zusammen laufen lassen. Aber die artgerechte Schlachtung gehört nun mal dazu, um damit das Produkt Fleisch, auch in den Teller kommt. Ich bin der Meinung wir müssen, oder sollten uns als Jäger nicht verstecken. Auch wird es nicht vom Vorteil sein immer nur Kritik auszuüben. Wir werden versuchen müssen einander auf gemachte Fehler aufmerksam zu machen, von Letzteren zu lernen, um gemeinsam auch morgen, einen ansehbaren Platz im Netz einnehmen zu können.

 

So, nun aber zum eigentlichem Grund dieser Erzählung. Der Mond im Dezember fiel auf die besinnliche Zeit, doch immer wieder schweifte mein Blick in den Himmel. Wie hell es Nachts war. Wie viel Licht die kalte Kugel spendete. Den nächsten Mond wollte ich unbedingt für einen Nachtansitz nutzen. Das Schwarzwild war im Herbst nur spärlich an den Kirrungen anzutreffen. Der Grund war wohl die starke Eichelmast. Jetzt sind die Böden zugefroren, teilweise liegt bereits Schnee und die Sauen laufen auch wieder die Ablenkfütterungen an. Kurzerhand wird der Termin mit unseren Jagdkollegen in Nordhein Westfalen abgesprochen. Acht Stunden Fahrt, um dann bei eisiger Kälte, nachts im Freien auszuharren. Ja man muss schon sehr passioniert, oder verrückt sein, um die Strapazen einer solchen Schwarzwildjagd auf sich zu nehmen. Punkt 20 Uhr beziehen meine treue Begleiterin und ich, die uns zugeteilte Kanzel. Es liegt Schnee und der Mond wird in wenigen Tagen voll sein. Es ist sehr hell. Zu hell für meinen Geschmack. Und wie sich später herausstellt, zu hell auch für das Schwarzwild. Wir genossen trotzdem die Stille und lauschten zusammengekuschelt in warmen Ansitzsäcken, in die noch junge Nacht. Ab und zu zog Rehwild an die Kirrung und versuchte vergeblich an den Mais unter den Steinen zu gelangen. Das bellen eines wohl ranzigen Fuchses begleitete uns eine Zeit lang. Dann wurde es wieder still. Ab und zu riss uns ein knacken aus dem Halbschlaf. War es Rehwild oder stehen Sauen im Bestand. Dann das rollen eines Steines im Gegenhang. Der Puls stieg. Dann, unendliche Minuten später, das vertraute grunsen einer Sau. Noch stand das Schwarzwild im von uns nicht einsehbaren Gegenhang. Wenig später vernahmen wir das Geräusch nicht weit von der Kirrung entfernt. Hörte sich an wie das Brechen einer Sau. Ab und zu vernahm man deutlich das knacken der Eicheln, die Letztere wohl im Schutz der Bäume aufnahm. Lange haben wir ausgeharrt aber die Kirrung blieb in dieser Nacht unberührt. Früh am Morgen genehmigten wir uns noch eine Brotzeit und einen heißen Kaffee, am offenen Kamin, bevor wir fix und fertig den Federball aufsuchten. Bis Mittag hielten wir es im warmen Bett aus, schließlich hatten wir ja Nachholbedarf.

Die zuständigen Jäger waren bereits ausgeflogen um die Kirrungen zu kontrollieren. Zwei waren aber noch im Jagdhaus und wollten uns nun mitnehmen ins Revier. Die Stände für die morgige Drückjagd sollten markiert werden, doch wir lehnten dankend ab. Der lange Ansitz lag uns noch in den Knochen. Wir machten einen Spaziergang, besorgten das Abendbrot und haben dann in der Stadt lecker zu Mittag gegessen. Die Zeit verging in Windeseile und so war es wieder  18 Uhr. Alle Jäger waren wieder im Jagdhaus zusammengekommen und berichteten von den Kirrungen. Bei einer Tasse heißen Kaffee wurde der bevorstehende Ansitz besprochen. Die Fütterung an der ich hin sollte, war letzte Nacht von einer Rotte Sauen verwüstet worden. Die Vorfreude stieg. Jetzt war auch der Herr Beständer eingetroffen und nach einer netten Begrüßung und einem kurzen „Ratscher“ ging es auf ins Revier. Es war bereits 20 Uhr, als wir unsere Kanzel bezogen. Lisi, meine Begleiterin, hatte es sich wohl etwas zu gemütlich eingerichtet. Nach nur kurzer Zeit schlief sie tief und fest. Bereits den ganzen Tag über, wurde in den lokalen Nachrichten vor Blitzeis gewarnt. Gegen 22 Uhr, war die dafür verantwortliche Regenfront eingetroffen. So etwas haben wir noch nicht erlebt. In nur wenigen Minuten verwandelte sich die gesamte Umgebung in eine Eisdecke. Wir bekamen anfangs gar nichts mit. Die restlichen Jäger haben uns per SMS benachrichtigt dass, sie versuchen werden noch das Jagdhaus zu erreichen, solange die Straßen noch befahrbar wären. Einige mussten den Geländewagen im Wald stehen lassen und auch zu Fuß war es kein Leichtes, sich fort zu bewegen. Kurz vor elf zog ein Rehbock an die Salzlecke. Wir wollten ihn gerade durch das Fernglas etwas näher betrachten, als der Bock schreckend absprang. Kurze Zeit später standen sie da. Die von uns so begehrte Beute. Es waren drei Frischlinge um die 25 Kg, welche nun am Dickungsrand inne hielten und sich nicht so recht an die Kirrung wagten. Tausend Gedanken durchflogen mich. Ist die Bache mit dabei, oder hat sie den Nachwuchs bereits abgeschlagen. Vielleicht läuft ja ein Überläufer mit, oder es steht sogar ein Keiler bei der Rotte. Nun endlich wagen sich die drei „Wuzis“ an die Kirrung. Doch nur einem gelingt es ein paar Körner Mais aufzunehmen und schon waren sie wieder verschwunden. Für einen Augenblick aber zeigte mir einer der drei, noch seine ganze Seite, bevor er im Unterholz verschwand. Diesen Wimpernschlag nutze ich nun doch, um ihm eine Kugel anzutragen. Die Freude war selbstverständlich groß, als wir an der erlegten Sau standen. Nach viel Arbeit und einer Schlittenpartie mit dem Wagen, saßen wir alle glücklich und zufrieden im Jagdhaus und genossen eine heiße Tasse Tee.

Samstag Morgen. Endlich war er da, der so lang ersehnte Tag der Drückjagd. Zehn Schützen, eine Hand voll Treiber und ein paar Hunde. Es wurden im kleinen Rahmen, drei Treiben an verschiedenen Dickungen durchgeführt. Strategisch abgestellt warteten wir das Wild anwechselte. Fuchs, weibliches Rehwild und Schwarzwild war das Ziel dieser Jagd. Ich war noch nicht eingerichtet als bereits ein Fuchs anwechselte. Letzterer hat das Treiben wohl frühzeitig verlassen wollen und schnürte nun direkt auf uns zu. Lisi, die ihn gesehen und mich avisierte hatte, stand noch zwischen uns und so hieß es erst mal regungslos stehen bleiben. Nur wenige Meter über uns , schlich der kleine Räuber, im leicht verschneiten Hochwald vorbei. Ich kniete noch am Boden und beschäftigte mich mit dem Rucksack ,während die bereits geladene Waffe an der dicken Buche anlehnte. Als der Fuchs uns passiert hatte und auch der Kugelfang passte, kam ich hoch und nahm die Waffe an mich. Reineke hat davon nichts mehr mitbekommen. Lisi und mir war die Aufregung jetzt deutlich anzusehen. So nah ist das Wild an uns vorbei. So früh hatten wir bereits Anlauf und Jagderfolg. Es roch nach Schmauch und meine Hände zitterten. Die Aufregung war nur von kurzer Dauer. Im Gegenhang wechselte Rehwild an und es hieß Nerven bewahren. Ricke mit Kitz. Ich musste warten bis ich das Kitz sicher ansprechen konnte. Leiser Pfiff, die Rehe hielten kurz inne und die       270. WIN lies das Geißkitz im Kugelschlag verenden. Wieder hatten wir nur kurz Zeit um uns über den gelungenen Abschuss zu freuen und den eigenen Puls zu senken. Ein weiterer Fuchs kam in hoher Flucht einen Wechsel entlang. Weit hinten, war das Geläut eines Hundes zu hören, welches wohl dem anwechselnden Fuchs galt. Das Vorhaltemaß wurde überschätzt und so fliegt die schnelle Kugel auf diese kurze Distanz, vor den Fuchs. Sekunden später ereilte ihn jedoch die zweite und bannte den starken Rüden an den Wechsel. So, jetzt zitterten auch die Hände meiner Begleiterin. Ich war sprachlos von dem vielen Jagdglück in der kurzen Zeit. Mit einem ehrlichen Weidmannsheil viel mir Lisi jetzt erst mal in die Arme. Einen dicken Kuss drückte sie dann, dem glücklichen Jäger auf die Lippen, mit den Worten „super Schuss Schotz“! In diesem Moment war ich wohl der stolzeste Jäger der ganzen Welt. „Und jetzt noch eine einzelne passende Sau, welche in diesem leicht verschneiten Unterholz anwechselt, wäre doch die Krönung dieses Tages.“ Mit diesen Worten, oder viel mehr lauten Träumen, legte ich wieder neue Munition in die Waffe. Immer wieder drehte ich mich zu Elisabeth um, schüttelte lachend den Kopf. Welch ein Glück. Es war, außer den unseren, noch kein Schuss gefallen als es plötzlich knackste. Auf der Kante im Gegenhang steuerte jetzt im Galopp ein schwarzer Klumpen, den Hang herunter ins Tal, direkt auf uns zu. Ich konnte es kaum glauben. Ein Überlauferkeiler. In halber Höhe zum Hang nahm er nun den Haubtwechsel an und trollte jetzt auf 25 Meter, im Schnee an uns vorbei. Der rote Punkt meiner Drückjagdoptik lief ruhig auf der Schulter der Sau mit, als der Schuss sich löste. Der tödlich getroffene Keiler brach in sich zusammen und rutschte nun den Steilhang zu uns herunter. Nur wenige Meter vor uns, verfing er sich an einem Baum. Also jetzt war es um uns geschehen. Wir haben uns gefreut wie Kinder vor der Bescherung. Nun klingelte mein Handy Sturm. Ich war immer noch ohne Worte, aber eines stand schon mal fest, alleine kriegen wir diese Strecke nicht geborgen. Noch zwei weitere Treiben folgten bei denen Jagdkollege Christian einen Kugelfuchs der Strecke beisteuerte und im Letzten Treiben gelang es dem Jäger Gerd, seine erste Drückjagd Sau zu strecken. Einen Keiler mit 60 Kg und unser aller Freude war groß. Die Treiber haben ganze Arbeit geleistet und wir waren alle stolz auf sie. Streckelegung, Bruchübergabe und zurück ins Jagdhaus. Dort wurden wir bereits von der Hausherrin erwartet, welche in der Zwischenzeit deftig aufgekocht hatte. Ein Fass Kölsch stand auch schon bereit und bis spät in die Nacht haben wir in super geselliger Runde zusammengesessen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei allen Jagdfreunden für die Mühen an den Kirrungen, für die gute Organisation, bis hin zur Bergung recht herzlich bedanken. Dem Jagdherrn und seiner Familie natürlich auch ein aufrichtiges danke schön für Ihre Gastfreundschaft.

 

Weidmannsheil und Weidmannsdank

 

                                                                                                               Bericht und Foto: Lisi & Christian Südtirol