BERICHT 03: Interessant wie auf so wenig Erde, so viele Eindrücke entstehen können…

Gamsjagd in den Pfunderer Bergen: Das Jungjägerjahr neigt sich dem Ende. Auf den Pirschgängen konnte ich viele Gamsanblicke erleben: Da war die Geis oberhalb des roten Beiles an der Reviergrenze, die sicher 2 stellige unterm Grubachspitz, die enghornate unterm kloan Keile die entgegen mehreren Behauptungen auf einmal ein Kitz saugen ließ, die „lonkhornate Zuntowendn“ die vom Gamshirte gehütet wurde und  bei der mein Pirschführer eine Spinne gesehen zu haben meinte obwohl kein Kitz in Anblick kam, dann war noch die nicht ansprechbare, lange Schläuche mit fast keiner Krümmung, kurzer Pinsel und das Kurzwildbret war nicht zu erkennen, sonst im reifen Alter laut Zügel und Decke.
Am letzten Novemberwochenende war wieder Gamsjagd angesagt, und weil von der internen Jagdordnung so vorgesehen,  im Gebiet Richtung  Gitsch Grentn. Immer wieder beeindruckt von der Naturkulisse der Pfunderer Berge mit mit Sicht in die bleichen Berge  und wahrlich eines der schönsten Stückchen Erdenparadies, ging es bei herrlichem Herbstbergwetter mit kaltem Nordwind über dem klirrenden Festschnee mit endenden Eisfenstern südlich vom Riegler Joch durch die Keilgräben, wo die Trittsiegel von Schneehühnern querten, auf die Buckel unterm Gitsch. Wohl ahnend dass hinterm Nordsüdgrad Gamswild in Anblick kommen wird konnte das Gratschen durch das Pirschen auf der teils Schneebedeckten Wildweide nicht verhindert werden, und da war dann noch das ständige Vibrieren in der Jackentasche, weil ein Schaffreund nicht verstehen konnte dass es außerhalb von geschlossenen Räumen in freier Natur auch Situationen gibt wo man beim Besten Willen nicht abnehmen kann. Beim Abglasen des Südhanges und immer weiterem Vorrücken kam Gamswild in Anblick. Eine echt spannende Augenweide für leidenschaftliche Gamsjäger, interessant wie auf so wenig Erde, so viele Eindrücke entstehen können.

Sofort wurde die ganze Ausrüstung in Anschlag gebracht und gegenseitig Informationen zugeflüstert: 207 m Geis, 2 junge Böcke, Hüterbock. Jahrlinge, 2 alte Geisen mit 2 Kitzen…, immer weiter nach vorne zog uns die Neugierde und da war da noch eine Geis mit Kitz in Anblick gekommen auf gute 14 Schritt, die uns wohl schon eine Weile erlauscht hatte. Ein Pfiff und der ganze Südhang wurde informiert über die Anwesenheit zweier von  Genen  und Paleo angetriebenen Jägern in  Bergrevier Pfunders. So schien es jedenfalls. Nur zwei Geisen ganz oben unterm Nordgrad. in einer vonder letzten Eiszeit geformten Mulde schienen nichts mitbekommen zu haben, ansonsten wechselte alles wegwerts und verschwand im nicht einsehbarem Bereichen. Nach nicht ausgesprochenen, von Mimik untermauerten, Schuldzuweisungen und der Versuch rückwärts abzupirschen um an die zwei noch verbliebenen Geisen näher heranzukommen bekamen auch die Licht und die Freude über den Anblick und wohlmöglichen Beuteerfolg war weggewischt, die jagdliche Stimmung am Boden und die Luft dick und kalt… Was nun: Einen geeignete Ansitzstplatz suchen, abwarten und hoffen auf die Rückkehr der Stücke, so der gemeinsame Nenner. Schon auf dem Pirschgang Richtung Osten zum Ansitzplatz kamen auf dem weit entfernten Grad wieder Gämsen in den Himmel hoch. Leichtes aufatmen und verspüren von weit entferntem Jagderfolg war verspürbar. Allem Einschein nach hat ein Prunftbock einen Teil der Gamskollonie zum Richtungswechsel gezwungen. Das Ansprechen ging wieder los:  Zwei Geisen sind dabei, ein Kitz! Nachdem das Kitz sich zu der nach unten wechselnden Geis begab, schien sich die Vermutung dass die obere Geis nicht führt zu bestätigen. Büchse in Anschlag! 376m plus hohe Gefahr des weiten Absturzes: „ Wenne do schioß kommschise untn an do Ascht zomklaubm und zin Plottna innetrogn, ausodem ischs zi weit…!“ 246 m: Schon besser, doch weil die Wechselrichtung der Geis zu mir war, besser noch abwarten…. 186m: fast ideal. 2 Jungböcke kommen von unten und folgen Ihrem Fortpflanzungsdrang… die Geis wird leicht unruhig… warten. Weiteres heranwechseln auf 156m… ideal und fast schon hätte der Finger angezogen. Da kamen die Böcke der Geis anscheinend doch zu Nahe und Sie wechselte weiter, mein Pirschführer versuchte noch durch Pfeifen ein Anstehen zu erreichen, die abweisende Haltung den Böcken gegenüber war jedoch stärker und da verschwand sie hinter den Felsfratten! Der zweite Stimmungsdämpfer kehrte blitzartig ins unmittelbare Umfeld… kein Wort, der Blick schleifte über die Horizonte, die Kälte unterstützte die Umstände…

Nach einer ratlosen Weile konnte man jedoch am Felsfrattenkamm Krukken wackeln sehen… Als die Gämse hoch ging und ganz in Anblick kam, die gute Gewissheit: Das ist die richtige: 96 m, unterhalb eine Mulde und schön ruhiges, bergaufes äsen… Der Schuß brach durch die Weite ganz sanft, das tötende Geschoß brachte das Stück genau in die mit Schnee gebettete Mulde und die Freude war groß. Erstmal Tee und Jägerjause, dann Zusammenpacken und Hingehen zur Feistgeis, die wohl durch Ihr ablehnendes Verhalten der Evolution gegenüber doch noch zur Strecke gebracht werden konnte. Voll Stolz und Genugtuung,  kamen wir bei der Geis an. Nach kurzer Kontrolle der Spinne gings an die Krucken ran: Auf geschätzte 8 Jahre konnten wir uns einigen. Nach der roten Arbeit, dem vergeblichen Suchen nach Bezoarsteinen, dem jagdlichem Zeremoniell und dem nicht gerade einfachem Abstieg über die Schneeverwehten Gräben und vereisten Wasserwaalen mit der Feistgeis im Rucksack  tranken wir im Dorftreff erstmal einen guten, großen Braunen. Der Revierleiter und ein zusätzlicher Jagdfreund trafen ein. Beim wiegen fiel dann irgendwie die zahl 3. Somit war die Gams wohl um 5 Jahre jünger als ursprünglich geschätzt. Die Trophehenschau wird Gewissheit bringen…

Waidmannsdank von den Gitsch- Grentn  in das Land im Gebirge

 

                                                                                                                 Bericht und Foto: Ebner Franz Josef