BERICHT Nr. 04: Hegeschau  Truppenübungsplatz Grafenwöhr & Umgebung

Zu einer besonderen Jagdmöglichkeit wurden wir im April geladen. Ziel der Jagd war das Schwarzwild, insbesondere Überläufer, um Schäden auf den Feldern zu minimieren. Meine treue Begleiterin und ich trafen bereits am frühen Nachmittag am Gutshof „Heringnohe“ bei Vilseck ein. Das Anwesen, welches von den Besitzern selbst in Schuss gehalten wird, war beeindruckend. Die Größe der sehr alten Gebäude, die Weitläufigkeit dieser komplexen Anlage, aber vor allem die Liebe zum Detail, welche bei der Erhaltung dieses Anwesens an den Tag gelegt wurde, waren vorbildhaft. In einer der riesigen Hallen, waren die Vorbereitungen für die wohl größte Rothirschhegeschau Deutschlands, im vollen Gange. Das gesamte Gebiet um Grafenwöhr präsentierte dort stolz die Trophäen der 2015 erlegten Rothirsche. Die Kulisse war einzigartig. Das alte, denkmalgeschützte Gebäude, indem alles stattfand war umwerfend. Die Größe, die Höhe, aber vor allem das überwältigende Gesperre des Dachstuhls waren ein Blickfang für sich. Die 150 Hirsche vom 2B bis hin zum 1A machten den Rest. Sechsender mit Auslagen bis zu einem Meter, abnorme Hirsche, bis hin zu 24zig-Ender vom 15. Kopf,  ließen jedes Jägerherz höher schlagen.

Nun aber kurz ein paar aufklärende Worte, zu dieser besagten Gegend. Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr liegt in der bayrischen Oberpfaltz und erstreckt sich über eine Fläche von 226 Quadratkilometer. Es ist der dritt größte Übungsplatz Europas, wo mit scharfer Munition geschossen wird. Ursprünglich wurde hier, ab dem Jahre 1907, unter dem damaligem Königreich Bayern, für die deutsche Armee, ein Übungs- bzw. Schießplatz eingerichtet. Nach dem zweiten Weltkrieg jedoch, übernahm die US-ARMY das Areal. In den achtziger Jahren war der Übungsplatz die modernste Schießeinrichtung der NATO! Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist mittlerweile Teil des Europäischen Biotopnetzverbundes Natura 2000, Fauna-Flora-Habitat und Vogelschutzgebiet. Die Vielfältigkeit dieser Landschaft ist mit Sicherheit der guten, jahrzentelangen Zusammenarbeit zwischen der Army und der Forstbehörde zu verdanken. Das Wild selbst, hat sich an die täglichen Tag- und Nachtübungen seit langem gewöhnt. Das Rotwild, welches hier die Hauptwildart ausmacht, ist sehr tagaktiv. Rudel mit einer Stückzahl von 100 Tieren sind keine Seltenheit. Die amerikanischen Soldaten benennen das Gebiet, seiner Artenvielfalt wegen, die Serengeti Deutschlands. Die Jagd, welche von den zuständigen Forstbeamten koordiniert wird, findet vor allem in Form von Gemeinschaftsansitzen statt. Wobei das Wild zeitgleich mit Treibern bewegt wird. Der Rest wird bei gezielten Einzelansitzen entnommen. Die Strecken bei solchen Bewegungsjagden betragen schon mal 150 Stück. Nur im Areal des Übungsplatzes, werden jährlich um die 1500 Stück Rotwild entnommen.

Unser Ansitz fand jedoch in einer privaten Jagd statt, welche direkt an den Übungsplatz angrenzte. Der erste Eindruck des Reviers war natürlich beeindruckend. Da der Truppenübungsplatz nicht wie gewohnt mit Kilometer langen Zäunen umgeben ist, wechselt hier das Wild aus den sicheren Beständen des Übungsplatzes aus, in die umliegenden Felder. Bereits beim ersten Ansitz waren wir von Anblick übersäht. Reh, jede Menge Rotwild und Raubwild  bescherten uns einen sehr abwechslungsreichen und spannenden Nachtansitz. Leider war keine Sau dabei und den zweiten Ansitz haben wir nicht wie geplant auf einer Kanzel, sondern im wunderschönen Wohnraum der Gastfamilie verbracht. Schließlich hatten wir an dem Tag nicht nur auf der Hegeschau bleibende Eindrücke eingefangen, sondern wir hatten die Ehre einer privaten Führung durch den Truppenübungsplatz. Um Punkt 9.00 Uhr morgens wurden wir von einem pensionierten Jagd & Forstbeamten begrüßt. Mit einem Frei-Pass ging es dann für Stunden durch das Areal. Panzerstraßen, Schießeinrichtungen, verschiedenste Trainingsareale, eingebettet in eine sich immer zu ändernde Landschaft. Seen, Bäche, Flüsse und Weiher mit einer unendlichen Vielfalt an Wasservögeln. Fichten und Kieferbestände, Mischwälder, Buchen und Eichenwälder umgeben von tausend Hektar Wiesen und Äsungsflächen. Dickicht und Einstände ohne Ende und dauernd Rotwild das sich von unserer Anwesenheit, sichtlich nicht beeindrucken oder stören lies. Alles war zu unserer Verwunderung super gepflegt. Eingriffe von schweren Panzerfahrzeugen kaum zu erkennen. Stunden lang lauschten Elisabeth und ich dem erfahrenen Jäger und Förster zu, während wir langsam vom Gastherrn durch den Übungsplatz kutschiert wurden. Traumhafte Erinnerungen und eine einzigartige, unvergessliche Erfahrung nahmen wir mit nach hause. Von einem der wohl schönsten, abwechslungsreichsten und nicht zuletzt wildreichsten Revieren Deutschlands.

 

In diesem Sinne möchten wir uns nochmals bei der Gastfamilie, für die Warmherzigkeit und die super Organisation bedanken.

 

Weidmannsheil Lisi & Linde

 

                                                                                                                   Fotos und Bericht: Christian Lindner