BERICHT-05: Grenzgänger im Jungforst

Vier Jahre sind mittlerweile vergangen als das erste Mal ein Sturm anfing ein etwa 1,5ha großes Waldstück dem Erdboden gleichzumachen. In den darauffolgenden Jahren waren es immer wieder orkanartige Winde die diesem Waldstück im letzten Jahr schließlich den Gnadenstoß versetzten. Bevor die fleißigen Hände der Waldbesitzer diese Fläche wieder aufforsten konnten mussten allerdings einige hundert Meter Windwurf aufgearbeitet werden. Verschieden Baumarten sollten dort wieder Fuß fassen und ein ähnliches Waldstück wie es vernichtet wurde entstehen lassen. 

Mein gutes Verhältnis mit den dort ansässigen Land und Forstwirten erlaubten mir in dieser Neuaufforstung an geeigneter Stelle einen Bodensitz zu errichten von dem aus ich das gesamte Gebiet einsehen konnte. Die neu gepflanzten Jungbäume wie Lärchen und Erlen wurden mit einem dafür vorgesehenen Gitter geschützt während bei Tannen und Fichten lediglich der Terminaltrieb behandelt wurde. Durch meinen neu erbauten kleinen Bodensitz könnte ich nun auch einen kleinen Beitrag zum Schutz dieser Neuaufforstung leisten und das eine oder andere Stück Wild entnehmen. Wetterbedingt war der Mai jedoch nicht der Wonnemonat wie man ihn sich wünscht, erst jetzt Ende des Monats konnte man das passende Wetter wirklich zur Jagd nutzen.

 Es war der Freitag nach Fronleichnam als ich diesen Ansitz das erste Mal nutzte um eventuell ein Schmalreh oder einen Knopfbock zu erlegen. Zudem liegt dieser Revierteil in unmittelbarer Nähe zur Grenze der Bundesforste sodass ich hier Stücke entnehme die im Winter auch meine Fütterungen besuchen und ich dabei kein schlechtes Gewissen haben muss. Wettermäßig konnte es nicht besser passen, von Schlag her weht mir eine leichte Prise durch das offene Fenster ins Gesicht und ich konzentriere mich auf den mitten im Schlag liegenden feuchten etwa 100m² großen Wiesenfleck.

Knapp zwei Stunden saß ich in meiner kleinen Bodenkanzel während hinter mir auf einer großen Wiese das frischgemähte Grün zu Ballen gepresst und zum Hof verbracht wurden.

Und das Brummen der beiden großen Traktoren hinderte eine hochbeschlagene Gais und ein Schmalreh nicht von der nahen Grenze auf den Schlag auszuziehen. Aber anstatt auf kleinen grünen Fläche zu äsen machten sich beide zielstrebig an den mit Gitter geschützten Erlen und Lärchen zu schaffen. Konzentriert zupften beide an den kleinen Blättern die das Gitter bereits durchwachsen haben während das Absehen meiner Mannlicher Büchse bereits kurz hinterm Blatt des Schmalrehs stand. Auf etwa 110m konnte ich schließlich dem Schmalreh die Kugel antragen, mit einem mächtiger Satz in die Höhe und ein paar verhaltene Fluchten kam sie an einer Fichte zu liegen. Während ich das Stück berge ändert sich auch das Wetter immer schneller zum Schlechteren, also mache ich das ich nach Hause komme. Nachdem ich die rote Arbeit zu Hause erledigt hatte stellte ich fest mir fehlt etwas. Ein Spektiv und eine Fototasche sollte man nicht am Ansitz liegen lassen und Tür und Fenster sollte man tunlichst auch schließen bei der Kanzel. Dafür wurde ich mit einem ordentlichen Regenguss bestraft als ich noch einmal zum Ansitz ging um die Sachen in Sicherheit zu bringen. Mein erstes Waidmanns Heil im Heurigen Jagdjahr, ich war froh das es endlich geklappt hat und auch der Landwirt zeigte sich erleichtert als ich ihm vom Abschuss erzählte.

Vieleicht kann ich ja jetzt im Juni dort auch einen passenden Bock zur Strecke bringen, mit Sicherheit werde ich aber dieses Fleckchen Revier im Auge behalten.

  

Waidmann´s Heil                                                                                   Bericht und Fotos: Hermann Großalber