BERICHT 07:  - Die Morgenpirsch - Maisjagd der Extraklasse – Nur knapp dem Tod entronnen

Keine Kurzgeschichte:

Zu einer ganz besonderen Drückjagd wurde ich im August geladen. Letztere fand im wunderschönen „Spessart“, im unterfränkischen Bayern statt. Der Spessart, welcher als das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas (Mitteleuropa) gehandelt wird, zählt zu den wohl wildreichsten Gegenden Deutschlands. Hugo, der Jagdpächter, hielt mich bereits im Vorfeld immer auf dem Laufenden und so stieg die Vorfreude, auf ein paar wunderschöne Jagdtage, ins unermessliche. Die Sauen waren da, sie standen bereits im Mais, welcher teilweise schon mit kilometerlangen Elektrozäunen umspannt war und sorgten bereits für beträchtlichen Schaden an der Frucht. Da es sich bei der Auslandsjagd um meinen Sommerurlaub handelte, war die ganze Familie mit dabei. Wir hatten in der kleinen idyllischen Ortschaft eine Ferienwohnung angemietet und die Erlaubnis von Hugo, uns an den Tagen nach dem Treiben, jagdlich frei zu bewegen.

 

Als wir am frühen Nachmittag eintrafen und die Wohnung bezogen, waren die Kinder schon mal aus dem Häuschen. Das Paar, welches die Anlage vermietete, hatte ein besonders  geschicktes Händchen was die Einrichtung anbelangte. Mit kleinen Aufmerksamkeiten und viel Liebe zum Detail entpuppte sich die Ferienwohnung schon mal als Volltreffer. Große Überraschung war dann, als wir von dem hauseigenen Pool erfuhren und prompt die Erlaubnis erhielten, ihn zu nutzen. Ich war natürlich schon mal sehr erleichtert. Der Urlaub sollte natürlich auch der Lissy und den Kid's Freude bereiten. Die Kinder waren schon heiß auf die Revierrundfahrt und standen kurz nachdem sie ihre Zimmer bezogen hatten, in voller Jagdmondur vor uns. Nach einer herzigen Begrüßung bei Hugo und seiner Familie war es dann endlich soweit. Wir durften uns zusammen mit dem erfahrenen Sauenjäger einen ersten Überblick im Revier verschaffen.

Am Abend trafen auch der Rest der Jäger ein, welche von auswärts anreisen mussten. Einen Teil der Mannschaft kannten Lissy und ich bereits aus einem gemeinsamen Sauenansitz im Winter. Die Freude alle diese bekannten Gesichter wieder zu sehen war natürlich groß. In einer netten Wirtschaft am Rande der Ortschaft saßen wir zusammen und haben uns kulinarisch, mit den dort ortstypischen Gerichten, verwöhnen lassen. An einer Wiese die etwas oberhalb am Waldrand lag, erspähte bereits sehr früh am Abend, die Kleinste von uns ein Reh. Jetzt war auch für die drei kleinen Jäger der Abend ein Erfolg. Ab in den Wagen zu den Ferngläsern und auf zur Pirsch hieß die Devise. Erst als es eindunkelte erschienen die drei kleinen Jäger wieder im Lokal. Mit funkelnden Augen erzählten sie nun, voller Emotionen der versammelten Jagdmannschaft, von ihren Anblicken. 14 verschiedene Rehe hatten sie gesehen, darunter einen starken Bock, der es sich mit einer Ricke am Waldrand vertriebt. Für die dort Ansässigen war so ein Anblick natürlich ganz normal, erzählt von den Kleinen aber ein Highlight.

Nun aber zum eigentlichem Teil der Erzählung. Samstag morgen 8.30 Uhr und alle Jäger standen bereits um den Jagdherrn Hugo verteilt am Sammelplatz. Das Wetter war hervorragend, die Laune des Gastgebers blendend, als Letzterer in meine Richtung schmunzelte und uns auf einen herannahenden Subaru aufmerksam machte. Mit einem Lachen im Gesicht, welches sich schelmisch unter einen Strohhut mit einer aufgesteckten Blume versteckte, gab mir Hugo nun mit einem Nicken zu verstehen wer da kam. Stefans Hundemeute war eingetroffen. Ich kannte die wohl beste Meute der Umgebung, wenn nicht sogar Deutschlands, bereits aus dem Internet. Gespannt warteten wir nun darauf was folgen würde. Ein unscheinbarer, lustiger Mann, mit Schnurrbart, stieg aus dem Wagen, begrüßte lautstark die Versammelten und öffnete den Kofferraumdeckel seines Wagens. 17 Hunde, ein Großteil Jagdterrier, standen nun an der Kante des Kofferraums und äugten zu uns heraus. Auf den Befehl vom Hundeführer hin „bleib“, rührten sie sich nicht von der Stelle. Ein unvorstellbarer Anblick. Die Arbeit der Hunde im Revier mehr als vorbildhaft. Wie vernarrt waren unsere Kid's in die Vierbeiner und so durften wir auf die Bitte der Kleinen hin, der Meute auch einen Besuch zu Hause abstatten und mit ihnen Gassi gehen. Einfach unvorstellbar....  (gerne könnt Ihr euch auch selbst ein Bild von dem Gehorchsam der Hunde machen unter DJZ-TV: Stefans Meute, oder auch, die Sauhats 1 und 2, auf You Tube. Nun aber wieder zurück zur Treibjagd. Hugo der Beständer, hielt die Ansprache und begrüßte alle Jäger, aber vor allem die Treiber, ganz herzlich. Einen besonderen Gruß richtete er freundlicher Weise an die vom weitesten angereisten Südtiroler. Zu unserer aller Freude bestätigte er uns das Vorkommen der Sauen im Mais. Insgesamt werden heute 4 Treiben an verschiedenen Maisbeständen abgehalten, so Hugo. Zwei davon am Vormittag.

  Dann Treffpunkt an der Kapelle, mitten in den Feldern, auf einer wunderschönen Anhöhe. Gemeinsames Mittagessen und dann zwei Treiben am Nachmittag. Nach genauen Anweisungen an die Sicherheitsbestimmungen wurden die Jäger in zwei Gruppen eingeteilt. Rot und gelb. Ein guter Jagdfreund von Hugo, der Thomas, bekannt als der Sauenspezialist, übernahm die Einteilung und Aufstellung der roten Gruppe, welcher ich zugeteilt wurde. Hugo selbst stellte unterhalb des ersten Maisackers auf. Zeitgleich starteten die beiden Gruppen und umschlugen die 6 ha große Frucht. Immer wieder wurde leise einer abgestellt. Ich war einer der Letzten ganz oben am Waldrand. Mit einem Weidmannsheil und den letzten Verhaltensanweisungen verabschiedete sich Thomas und verschwand mit dem Letzten von zwei Jägern im Wald. Den Sauenschreck „Raudi“ haben sie mir noch übergeben. Raudi war ein Jagdterrier und ich hatte die Aufgabe ihn in den Mais vor mir zu schicken,

sobald das Treiben angeblasen wurde. Die Waffe war geladen, der Leuchtpunkt in der Drückjagdoptik eingeschalten und ich war relativ entspannt. Das sollte sich aber schlagartig ändern. Ich war ja schon an einigen Treib- und Drückjagden dabei, aber diese Jagd hatte es dann definitiv in sich. Das Treiben, welches vorbildhaftlicher nicht organisiert hätte sein können, wurde angeblasen. Bereits nach Sekunden standen die Hunde an den ersten Sauen. Die Treiber schrien laut „Achtung Sauen“, während über zwanzig Hunde bereits Hatz-Laut von sich gaben. Standlaut, dann Sauen klagen, dann wieder Hundegeläut, Kugelhagel an der unteren Front. Dann die Treiberkette wieder in voller Euphorie „Achtung Sauen nach oben“. Ich hatte von oben teilweise Überblick über das gesamte Maisfeld. Der Meter hohe Mais wackelte nun überall wo Sauen liefen. Dann kam etwas Großes direkt auf mich zu. Das Hundegeläut direkt dahinter. In den Mais konnte ich natürlich weder sehen noch schießen. Zehn Meter vor mir stellte sich nun die Sau den Hunden. Keine Ahnung waren es vier oder fünf Hunde, ich hatte das Gefühl es wären 100. Immer wenn sich die Sau drehte, flogen die hohen Maispflanzen in alle Richtungen. Es war ein unbeschreibliches Spektakel. Ich konnte zwar weder Hunde noch Sauen sehen, aber ich wusste, sobald die Sau den Kopf aus dem Mais stecken würde, war ich an der Reihe. Dann brach die Sau wieder aus, zu meinem Glück nach unten. An schießen war gar nicht mehr zu denken. Der Puls schlug mir in alle Glieder. O mein Gott dachte ich nur. Was für ein Spektakel! Immer wieder Schüsse und jetzt wieder Sauen in meine Richtung. Ein Überläuferkeiler krachte nun durch den Elektrozaun nur einige Meter vor mir und versuchte den schützenden Wald zu erreichen. Das konnte ich dem Lümmel natürlich nicht erlauben und habe ihn gestreckt. Nur in diesem einen Treiben konnten 12 Sauen erlegt werden. Als dann erstmals Hahn in Ruh ertönte, hörte man die Hunde immer noch hinter Sauen her jagen. Auch die Nachbarschützen hatten bereits entladen und kamen nun auf mich zu. Zusammen haben wir meine erlegte Sau geborgen, als plötzlich ein 80 kg Keiler direkt vor uns aus dem Mais kam und über die freie Fläche, in den sicheren Bestand, flüchtete. Beim Rückmarsch zur Sammelstelle kamen mir bereits die Kinder entgegen mit den Worten“ Tata des wor der Wahnsinn“. Hugo hatte nämlich auch Lissy mit den Kleinen in einer sicheren Entfernung auf einer Anhöhe platziert. Von dort aus konnten sie das Treiben einsehen und alles mitverfolgen. Als die Kid's erfuhren, dass ich bereits das Glück hatte beim ersten Trieb eine Sau zu strecken, waren sie natürlich aus dem Häuschen. Alle weiteren Treiben liefen reibungslos, die Strecke konnte sich sehen lassen und am Ende bedankte sich Hugo nochmals bei allen für den reibungslosen Ablauf, für die Disziplin, aber vor allem bei den Hundeführern für die hervorragende Arbeit. Zu Hause beim Jagdherrn ließen wir alle gemeinsam diesen, einmalig schönen, Jagdtag ausklingen. Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen auch selbst ein paar Worte an den Hugo zu richten. „Vorbildlich hoch 10, wunderbare Revierführung, topp Organisation, vielen lieben Dank für die Einladung und danke vor allen deiner lieben Frau Gabi,  für Speis und Trank  „!

 

Bitterer Beigeschmack dieses rund um geglückten Jagdtages, war der Herzinfarkt eines Jagdgastes.

Meine Familie und ich standen noch am Sammelplatz als der Jäger Gerd mit dem Wagen vorfuhr. Er blieb bei uns stehen und bat mich dem Hugo auszurichten, er würde wohl nicht zum Schüsseltreiben kommen. Der mir nur vom Vorabend her bekannte Jäger, hatte Schweißperlen auf der Stirn, eine stark gerötetes Gesicht und etwas Atemnot. Nach einem kurzen Gespräch und etwas Wasser schien es ihm etwas besser zu gehen. Durch die Sonne und den steilen letzten Aufstieg nach dem Treiben, vermuteten wir der Kreislauf oder die Hitze, wären wohl der Grund für seine Beschwerden. Seine Pension war nur 2 km entfernt und seine Frau war Krankenschwester. Sie war jedoch noch mit dem Fahrrad unterwegs. Gerd wollte jetzt, verständlicher Weise, so schnell wie möglich in die Pension und erst mal die Füße flach legen. Aber sein ständiger Griff an die Brust beim Atmen und der leichte Druck, den er dort verspürte, lies mich an einem normalen Kreislaufproblem zweifeln. Ich insistierte also inständig ihn selbst in die Pension zu fahren. Wir haben Gerd auf den Beifahrer Sitz gesetzt, ihn in eine angenehme Position gebracht und ich habe mich ans Steuer seines Wagens gesetzt. Elisabeth fuhr mit den Kindern hinterher. Kurz nur war die Fahrt, die Pension noch nicht in Sicht, als ich gegen den Willen des lieben Jagdkollegen, einen Notruf setzte. In der Pension angekommen ermahnte ich Gerd noch im Wagen zu bleiben, sorgte für genügend Luft für den sichtlich immer härter atmenden Patienten. Bei meinen Notruf habe ich zum großen Glück, den starken Verdacht auf Herzinfarkt  zum Ausdruck gebracht. Nach nur wenigen Minuten traf nicht nur der Rettungswagen, sondern fast zeitgleich der Notart ein. Mit den Worten an Gerd, mach Dir mal keine Sorgen, Du bist jetzt in guten Händen, informierte ich mich noch über seinen Zustand und fragte den Arzt, in welches Krankenhaus er gebracht werde. Wir saßen noch bei Hugo, als spät in der Nacht, die Frau von Gerd zu uns stoß. Sie berichtete kurz über die geglückte Operation am Herzen und bedankte sich bei uns ganz herzlich für unsere Mühen. Die Kardiologen hatten Ihr bestätigt, dass so ein Infarkt, sofern nicht schnellstens Hilfe eintritt, tödlich endet. Erst als wir wieder zu Hause in Südtirol waren und ich meine E-Mails kontrollierte, wurde mir bewusst  wie viel Glück Gerd hatte. :“Lieber Christian, durch dein konsequentes und strukturiertes Handeln hast du mir das Leben gerettet. Dafür bin ich dir unendlich dankbar“. So die netten Worte von Gerd, welche uns dann noch zu Tränen gerührt haben. Bei der Gelegenheit wünsche ich in meinem Namen, aber auch im Namen meiner ganzen Familie, dir lieber Gerd, die aller besten Genesungswünsche!! 

Die Maisjagd war zu Ende, wir hatten nach langem alle mal richtig ausgeschlafen und einer erneuten Revierrundfahrt stand nichts im Wege. Hugo erlaubte mir auf Rehbock zu jagen und wies mich an verschieden Plätzen ein. Der erste Ansitz am Abend war zwar vielversprechend, aber ich habe die Kanzel nicht des Bockes wegen, sonder wegen der Eingriffe des Schwarzwildes in einer Waldwiese gewählt. Alles war dort frisch gebrochen, aber das Treiben am Vortag hat die Sauen wohl etwas in die Schranken gewiesen :-)  Trotzten verlief kein Ansitz, an dem wir nicht Unmengen an Rehwild vor hatten. Die starken Böcke, welche aber zu dieser Zeit sichtlich von der Blattzeit erschöpft waren, lagen wohl nur im Bestand herum. Eine Morgenpirsch mit meiner kleinen Julia war dann doch noch von Jagderfolg gekrönt. Unterhalb der Felder, standen wir bereits im Dunkeln an der Waldkante. Wir wollten dort eigentlich Sauen abfangen, welche von den Feldern oberhalb, nach unten in den Bestand einwechselten. Wie der Jagdfilmer der DJZ immer zu sagen pflegt „Fuchs kann immer kommen“, jagten wir also auf Sau, unter dem Motto, „Bock kann immer kommen.“ Ja und so war es dann auch. Es war schon hell als wir uns im Schutze einer hinter uns stehenden Frucht, einer Geländekante näherten. Ich war beschäftigt den vor uns liegenden Teil eines Feldes abzuglasen, als die kleine Jägerin ganz aufgeregt an meiner Weste zog. Oberhalb von uns, in einem Weizenfeld, hatte uns ein Kitz bemerkt, und sprang in hohen Fluchten von uns ab.  Ab und zu blieb es stehen, verhoffte nach uns, um dann wieder im Weizen elegant zu verschwinden. Doch dann eine Bewegung etwas oberhalb. Ein kleiner Streifen Wiese stand zwischen den Weizenfeldern.

Saftig grün, aber nur teilweise durch eine Hecke einsehbar. Und ja jetzt war sie wieder da, die Bewegung von vorhin. Im Fernglas dann die Bestätigung. Eine Ricke. Wahrscheinlich gehörte das Kitz unterhalb zu ihr. Dann aber ein zweites Stück. Ein Bock! Stark und gedrungen im Körper. Auch der Trägeransatz passte zum Gesicht, welches ich schon mal auf nicht mehr jung deutete. Die Trophäe konnte ich zwar nicht richtig erkennen, aber der Bock passte schon mal. Dann ging alles sehr schnell. Der Bock, welcher uns nicht bemerkt hatte, war wohl satt von dem vielen Grün und entschied sich für den Einstand. Zielsicher kam er nun auf 100m auf uns zu. An ein Schießen in dieser Position war aber nicht zu denken. Kurzum legte ich den Rucksack vor mich auf den Boden, schmiss mich darauf und schon hatte das Absehen den kräftigen Bock an der Brust gepackt.Der Bock hatte diese Bewegung natürlich mitbekommen und blieb stehen, hatte aber vom darauf folgenden Schuss nichts mehr mitbekommen und lag im Feuer. Durch den Knall geweckt wurde auch ein Fasanenhahn, welcher nur 10m vor uns aus dem Weizen flog und schimpfte. Etwas oberhalb ging er wieder zu Boden und setzte seine Proteste gegen uns Friedensstörer lautstark fort. Die Julia war begeistert. Ich natürlich auch. Was für ein toller Anblick. Wir blieben noch eine Weile stehen, ließen der Ricke mit Kitz Zeit sich zu entfernen und dem Hahn sich zu beruhigen. Dann gingen wir gemeinsam hinauf zum erbeuteten Stück um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Julia pflückte bei Weg hin ein paar Blumen, welche sie dann liebevoll und andächtig dem Bock als letzten Bissen in den Äser steckte. Die Trophäe selbst hatte ich nicht so stark eingeschätzt. Jetzt, am erlegten Stück, traute ich meinen Augen nicht. Hugo machte später nur einen flüchtigen Blick darauf, wusste genau in welchem Revierteil ich Beute gemacht hatte und bestätigte meine Vermutung, dass der Bock alt sei.

 

Mit ganz tollen Eindrücken und wunderbaren Jagderlebnissen, mussten wir dann doch irgendwann wieder abreisen. Dem Hugo und seiner Familie nochmals, von uns allen, ein herzliches Vergelt's Gott für die Gastfreundschaft und die Jagdmöglichkeit!!

 

Weidmannsheil

 

                                                                                                                                     Bericht und Fotos: Christian Lindner