Hahnenbalz am Staller Sattel

Nachdem der erste Versuch auf den kleinen Hahn nicht den gewünschten Erfolg, aber dennoch ein tolles Erlebnis mit sich gebracht hat, muss der Wecker wieder auf 02:15 Uhr gestellt werden. Treffpunkt mit Alex ist um 02:50 Uhr vor dem Hotel Edelweiß in Prags, von wo aus die Fahrt auf den Staller Sattel losgeht. Noch in stockfinsterer Nacht überqueren wir kurz nach dem Sattel die Talsohle, um auf dem steilen gegenüberliegenden Hang aufzusteigen. Da kein Wanderweg, sondern nur Almrosen und Wacholder im Lichtkegel der Stirnlampen den Boden bedecken, verursachen die Höhenmeter eine angenehme Körperwärme, welche den Ansitz im Dunkeln, eingewickelt im Lodenmantel, bequemer macht. So langsam erkennt man hinter felsigem Horizont im Osten, dass der Tag erwacht. In absoluter Stille nehmen die Gipfel rund um unseren „Hahnplatz“ Form an, es ist wie in einem Märchen. Um 04:28 Uhr ertönt dann im Finsteren, wenige Dutzend Meter unter uns plötzlich das ersehnte „tschiuwschhhhhh“! Das Licht ist noch zu spärlich, um den Hahn zu erkennen, welcher sich langsam einstimmt. Nach den ersten Kullerstrophen bewegt sich dann auch einer der vielen schwarzen Flecke neben einem Schneefeld, im Fernglas sind bald auch die weißen Stoßfedern klar erkenntlich. Aufgeregt flattert der Hahn über den Boden hin und her. Nun ist es heller geworden und im Spektiv ist zu erkennen, dass es ein sehr starker Hahn ist, die Stoßfedern streifen seitlich hinter ihm über den Boden. Die zuvor bereits eingerichtete Sako .22-250 Rem. liegt ruhig auf den Sandsäcken, Alex ist schon einige Minuten im Anschlag, als der Schuss über den Balzplatz peitscht und in den Bergen vor uns wieder hallt.

Ungestört balzen die mittlerweile anderen eingeflogenen Hähne weiter, und wir genießen noch das Naturschauspiel, welches – auch wenn es alle Jahre beobachtet wird – jedes Jägerherz höher schlagen lässt. Wenige Minuten nachdem die Sonne auf die Gipfel scheint, erreicht sie auch uns, und wir genießen die wärmenden Strahlen im Gesicht. Nun steigen wir zum erlegten Hahn ab, er liegt in noch braunem Gras welches an den Herbst erinnert. Die feuerroten Balzrosen und der blauschimmernde Glanz sowie die breiten, langen Sicheln - 4 auf jeder Seite - ein wahrer Prachthahn! Das kleine Messinggeschoss hat absolut saubere Arbeit geleistet, weder Ein- noch Ausschuss sind am Hahn zu erkennen, der Präparator wird sich darüber freuen. Während dem Abstieg sehen und hören wir noch weitere Birkhähne, ein wahrlich wunderschöner Hahnmorgen neigt sich dem Ende zu. Bevor wir zum Fahrzeug gelangen, werden aber noch einige Bilder geknipst. Dieses Erlebnis von seinem ersten erlegten Spielhahn wird Alex sein Leben lang mit sich tragen, Waidmannsheil!

 

                                                                                Bericht und Fotos: Fabian F. – Jagdrevier Innichen