Die ALTE vom Schlag

Wenn die Mischwälder anfangen ihr herbstliches Farbenspiel zu beginnen ist es Zeit in unserem Revier an die vollständige Erfüllung des Abschussplanes zu denken. Selbstverständlich ist der Großteil der Abschüsse zu dieser Zeit schon getätigt, lediglich zwei bis drei Stücke bleiben noch offen für eine kleine Gesellschaftsjagd mit den Jägern unseres Revierteils. Mein Weg führte mich heute Abend zum Ansitz in einen Schlag um dort nach Gais und Bockkitz Ausschau zu halten. Das Kitz wollte ich für unseren traditionellen Rehschmaus zum Jahresabschluss mit unseren Jagdgenossen erlegen.

Noch bevor ich Bockkitz und Gaiß in Anblick bekam zog die Altgaiß aus dem Bestand in den Schlag aus, auch sie kannte ich schon den ganzen Sommer von meinen unzähligen Ansitzen. Irgendetwas war aber heute an dem Stück ungewöhnlich, an der linken Seite hing etwas das aussah als hätte sie eine Forkelverletzung bei der die Decke aufgerissen wurde. Genaueres konnte ich durch die mittlerweile schlechten Lichtverhältnisse nicht mehr erkennen, auch die beiden Stücke die ausgezogen waren während ich die Gaiß beobachtete konnte ich nicht mehr ansprechen, vermutlich waren es Gaiß und das Bockkitz das ich erlegen wollte.

Der Zustand der Altgaiß ließ mir keine Ruhe weil ich wirklich nicht wusste was mit dem Stück geschehen war. So entschloss ich mich am nächsten Morgen zeitig am Ansitz zu sein, gesagt getan. Noch bei stockdunkler Nacht machte ich mich morgens auf den Weg ins Revier, der Weg vom Auto zum Ansitz war nicht allzu weit sodass ich ohne viel Lärm zu machen dort ankam.

Allerdings merkte ich während ich mich einrichtete das ich mein Glas vergessen hatte, also zurück zum Auto und ab nach Hause. Ich schaffte das Ganze in knapp einer Viertelstunde und die Nacht war immer noch die gleiche als ich wieder im Schlag ankam. Kurz vor sechs Uhr konnte ich dann  die ersten Umrisse der mächtigen vom Käfer befallenen Fichten erkennen aber zum Ansprechen eines Stück Wildes noch lange keine Möglichkeit. Bis zum passenden Licht nutzte ich die Zeit noch für etwas Augenpflege und machte noch ein Nickerchen um bereit zu sein wenn endlich der Tag in die Gänge kommt.

Dann waren plötzlich beide da, die Gaiß im Schlag und der Tag war auch bei mir im Ansitz mit passenden Licht angekommen. Leider zog das Stück dann wieder bergwärts sodass ich keine Sicht auf das kuriose Anhängsel hatte so musste ich eine Weile warten bis sie sich entschloss doch talwärts zu ziehen. Jetzt noch einmal ansprechen was das wohl an der Decke sein könnte, trotz Spektiv war ich mir nicht im Klaren was das komische "ETWAS" sein könnte, eine Verletzung schloss ich immer noch nicht aus obwohl kein Schweiß zu erkennen war. Schlussendlich erleichterte mir das Alter der Gaiß - ich schätzte sie auf 4 bis 5 Jahre - und die Tatsache das sie nicht führend war den Entschluss sie zu erlegen. Trotz eines passenden Treffers wie er besser nicht sein hätte können ging das Reh noch an die 80m. Schließlich löste sich das Rätsel um das eigenartige Anhängsel. Vermutlich hat sich das Reh auf ein stark verharztes Stück Baumrinde nieder getan das dann an der Decke festklebte und sich jetzt langsam samt Nadeln von der Decke löste. Gott sei Dank war es keine Verletzung wie ich anfangs dachte.

Vom Alter der Gaiß möge sich jeder eine eigene Meinung bilden, ich glaube das sie die von mir geschätzten 4 bis 5 Jahre doch um einiges übertrifft. 

 

 

Waidmann´s Heil                                         Bericht u. Fotos: Hermann Großalber