Hüttenfuchs

Es ist die letzte Novemberwoche, Schnee war gefallen, nicht viel aber es reicht für eine geschlossene Schneedecke. Die winterlichen Verhältnisse schreien geradezu nach Jagd. Eine passende Situation um unseren Abschussplan auf dem noch zwei Stück Rehwild fehlen zu erfüllen. Ein kleines Waldstück ist unser Ziel zudem es normal nicht mehr als drei Jäger braucht. Vorweg sei gesagt das ein vierter diesmal von Vorteil gewesen wäre.

Ich machte mich schon kurz nach dem Mittagessen auf den Weg zur Jagdhütte von deren integrierten Ansitz ich die ausziehenden Rehe bejagen wollte. Um den Abschluss in der Jagdhütte gemütlich zu gestalten machte ich Feuer im kleinen Ofen das schließlich  auch für mich den Vorteil hatte das ich es im Ansitz der vom Inneren der Hütte zu besteigen ist warm hatte. Dass es bei der Jagd nicht immer so läuft wie man es geplant hat mussten diesmal auch Hans, Willi und ich zur Kenntnis nehmen. Wieder waren drei Schneider geboren. Nichts desto trotz hatten wir dann ein paar gemütliche Stunden in unserer Hütte verbracht in der ich auch den Entschluss fasste die kommende Nacht in dieser zu verbringen um Reinecke aufzulauern.

Doch vorher musste ich noch einmal nach Hause um die passende Büchse zu holen, etwas für das leibliche Wohl und natürlich ein Frühstück für den nächsten Morgen einzupacken. Doch vorher bekam auch der kleine Ofen noch Futter damit ich es bei meiner Rückkehr wieder warm hatte.

Nach einer knappen Stunde war ich wieder zurück, wie erwartet immer noch wohlig warm in der kleinen Stube in der ich mich für die kommende Nacht einrichtete. Der Tag hatte inzwischen mit der anbrechenden Nacht gewechselt aber trotz der geschlossenen Wolkendecke einen Tag vor Vollmond und dank der Schneelage konnte ich bis auf ca. 170m alles ansprechen was auf den Läufen war. Zwischenzeitlich war es neun Uhr abends geworden und ich schaffte es kaum noch meine Augen offen zu halten und so entschloss ich mich für ein paar Stunden auf das Sofa in der Stube nieder zu tun. Ob ich einen Fuchs in dieser Zeit verpasse war mir zu diesem Zeitpunkt egal, ob ich ihn  oben am Ansitz oder unten auf der Couch verschlafe bleibt sich gleich. Genau um Mitternacht hat mich meine innere Uhr geweckt und ich war fit für die zweite Nachthälfte.

Das ich mir in dieser Zeit den Hintern platt sitzen würde ohne Anblick von Raubwild zu haben konnte ich nicht ahnen. Aber das ist eben Raubwildjagd und kein Ansitz auf Rehe. Diese kamen vereinzelt bis auf wenige Meter an die Hütte heran und trieben mir so die Langeweile aus dem Gesicht. Auch Hasen die ich sonst immer in Anblick hatte wollten heute Nacht nicht in ihrer Ruhe gestört werden obwohl das Wetter besser hätte nicht sein können. Und so verging die Nacht und ich wurde in Punkto Ausdauer wieder einmal ordentlich auf die Probe gestellt.

Der Übergang von der Nacht zum Tag war kaum zu merken und ich freute mich schon auf mein Frühstück in der warmen Stube. Kurz vor Sieben wollte ich absteigen um mir Kaffe und Käsebrot schmecken zu lassen, nicht aber ohne vorher noch einen Blick in die steile Wiese vor mir zu machen auf der in ca. 130m Entfernung eine umgestürzte Esche lag. Um diese Zeit hatte ich nicht mehr mit Anblick gerechnet doch da schnürt direkt am Stamm der Esche ein Fuchs Richtung Wiese. Mein Mäuseln  lässt ihn kurz inne halten. Breit stehend traf ihn die Kugel meiner Mannlicher 5,6 x 57 worauf er noch eine kurze Flucht Richtung dicht verwachsenen Waldrand schaffte wo er schließlich verendet liegen blieb.

Ich hatte schon befürchtet den Fuchs gefehlt zu haben weil er überhaupt nicht gezeichnet hatte, war dann aber erleichtert als ich in die Nähe vom Anschuss kam und die Schweißspur sah. Eine lange Durststreck war jetzt zu Ende und eine Raubwildstrecke beginnt hoffentlich zu wachsen.

 

Waidmann´s Heil                                                                Bericht u. Fotos: Hermann Großalber