Sturmgeprüfter Räuber

Bevor der kommende Föhnsturm mir wieder den ganzen Schnee von den Wiesen holt wollte ich mein Glück auf die Rotjacken noch einmal versuchen. Der Abschuss von vorgestern hatte das Jagdfieber wieder geweckt in mir. Hatte mich doch den ganzen Herbst über das Jagdglück auf diese roten Gesellen verlassen. Also machte ich mich heute auf ins Revier um vielleicht noch einen aus der roten Garde mit nach Hause zu nehmen. Ich ließ mir Zeit und fuhr erst gegen 20:00 Uhr ins Revier weil Vollmond schon zwei Tage zurücklag und deswegen der Mond erst später aufgehen wird. Eine steife Brise wehte mir ins Gesicht als ich aus dem Auto ausstieg und ich dachte mir in diesem Augenblick ob es überhaupt Sinn machte zum Ansitz zu gehen der doch einen dreiviertel Kilometer entfernt war. Beim Blick durch mein Fernglas zeigten sich ein paar Rehe und ein Hase auf der schneebedeckten Wiese und ich dachte mir warum sollte nicht auch ein Fuchs ausziehen und sich vielleicht nach einem Hasen umsehen. Also machte ich mich auf den Weg zum Ansitz um mir dort ein paar Stunden um die Ohren zu schlagen. Die Temperaturen waren leicht zu ertragen, sie hielten sich leicht über Null lediglich der Wind war störend weil Wild beim Anwechseln nicht wahrzunehmen war. Mittlerweile hatte die steife Brise einen leicht stürmischen Charakter angenommen und ich war wieder skeptisch heute Erfolg zu haben. Auch an meiner Kanzel rüttelte es oft so dass ich zeitweise keinen Schuss hätte anbringen können. Aber im Ansitz konnten mir die äußeren Bedingungen nichts anhaben und außerdem hatte ich für solche Fälle meine Kuscheldecke dabei. Mein kleiner Ofen denn ich dort montiert hatte war mittlerweile auch warm geworden und ich konnte mir dort wenn notwendig meine Hände wärmen.  Aber jetzt ging's ans Beobachten der noch verschneiten Wiese, das Licht wurde mit jeder Minute besser und mein Mauspfeifchen lockte wie wild. Die beiden Hasen unter der großen Fichte mitten auf der Weide störte das weniger diese ästen auf den von Rehen freigeschlagenen Flächen. Zu den Beiden gesellte sich nach einiger Zeit ein dritter dazu, von einer Rotjacke wegen derer ich eigentlich da war weit und breit nichts zu sehen. Würden drei Waidmänner so beisammen stehen wie es jetzt die Hasen gerade machten würde man meinen da gibt's wieder viel Jägerlatein zu erzählen. Nur würden sich Jäger nicht so schnell trennen wie es die drei Langohren eben gemacht hatten. Im Höchsttempo sind die drei über die Wiese geflüchtet und ich wusste was jetzt kommen müsste denn solche Situationen hab ich nicht erst einmal erlebt.
Und ich hatte recht denn nur nach gefühlten zwei Minuten stand Reinecke 20m vor meiner Kanzel und ich hatte wieder einmal das Nachsehen mit meinem Repetierer. Zügig schnürte er an der Kanzel vorbei ohne das ich aktiv werden konnte, ich wollte ihn nicht verschrecken, vielleicht könnte ich ihn noch einmal heranlocken.
Nachdem ich ihn aus den Augen verloren hatte gab ich ihm etwas Zeit und ließ dann das  Mauspfeifchen etwas aggressiver ertönen weil er ja gegen den Wind verschwunden war. Gut dachte ich mir der erste ist dir durch Lappen gegangen und aufgeben tut man nur einen Brief, zeitlich war es ja auch noch lange vor Mitternacht. Umso mehr überrascht war ich als er nach drei Minuten wieder da war und ich ihn auf ca. 90m mit meiner Mauspfeife zum Anhalten überzeugen konnte. So eilig er es zuvor hatte so ließ er sich jetzt Zeit und gab mir die Möglichkeit meine Büchse in Anschlag zu bringen und ihm die Kugel anzutragen. Eine kurze Flucht von etwa 5m endete im angrenzenden Graben den ich nicht einsehen konnte. Nach wenigen Minuten am Anschuss angekommen musste ich leider noch einen Fangschuss setzen.

 

   Waidmann´s Heil                                                                                Bericht u. Foto: Hermann Großalber