Hirschkalb bei Gewitter…

 

Der Wind wurde in den letzten Jahren schon immer schwieriger für die Jagd, aber heuer mit den Unwettern bei uns (Steiermark, Bez. Murau massive Schäden) ist es  noch schlechter  und auch gefährlicher geworden. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich heuer schon abgebaumt habe, weil das Gewitter anders als in allen „zuverlässigen Wetterberichten“ früher und schneller da war, als erwartet.

Auch vergangen Samstag hat es den ganzen Tag geschüttet, der Boden kann nichts mehr aufnehmen, und im Nachbartal gingen schon wieder Muren ab. Wie jedes Jahr um die Zeit stehen für ein paar Wochen ein paar Stücke Kahlwild in unserem Revier. Viele regen sich auf, wenn man ein Kalb noch mit Flecken erlegt, aber wir haben nur jetzt die Chance, Rotwild zu erlegen.
Beim letzten mal pirschen erblickte ich ein Tier 40 Meter ober mir in der Jungkultur. Vom Haupt her eindeutig ein älteres Stück, aber mehr konnte man in der Position nicht ansprechen, es sicherte bereits zu mir her und nach kurzer Zeit verwand es in der Kultur, in dem Moment konnte ich noch das Kalb nachziehen sehen.
So hatte ich für diesen Samstag mit meinem Vater und meiner Freundin ausgemacht, dass wir uns dort in dem Bereich verteilt ansetzen, irgenwo würden sie vorbeiwechseln. Der Regen wurde am späteren Nachmittag jedoch stärker und die Lust meines Vaters und meiner Freundin sank mit der Zunahme der Regenschauer immer mehr. Im Endeffekt ging ich alleine, nicht einmal Sissi (meine Brandlbracken-Hündin) war aus dem Auto zu bekommen. Wie ich den langen Weg zum Sitz rauf bin, hat es richtig geschüttet und ich hoffte, dass es bald nachlässt und richtiges Rotwildwetter aufkommt. Wie ich so gehe, dachte ich noch an das, was meine nicht so wetterfesten Mitjäger gesagt hatten. Meine Freundin:“Schieß a Kalb, die Gefriertruhe leert sich… , Weidmannsheil“, mein Vater etwas zynisch:“Schiaß an Hirsch, guaten Anblick bei dem Wolkenbruch“!. Ja Danke, ihr sitzt jetzt unten im Ort im Dorflokal bei einem Bier und so langsam bin ich mir auch nicht mehr sicher, ob das bei dem Wetter so klug war, der Regen wurde sogar noch mehr, was ich kaum für möglich gehalten habe. Nach einer Stunde am Sitz das bekannte Spiel, Blitz, mitzählen… 1..2..3..4..12…13…14 ok, weit genug weg und der Wind geht weg von mir Richtung Süden, also das Gewitter erwischt mich nicht. Das Spiel wiederholte ich dann mehrmals, und meine Sicht beschränkte sich nur mehr auf ein paar Meter, weil der Regen so stark war und Nebel auch noch aufzog. Ich dachte mir noch, wenn der Regen jetzt weniger wird und der Wildhüter ein wenig aufreißt, dann ist es perfektes Rotwildwetter. Auf einmal wurde es innerhalb von Sekunden dunkel, dann alles erhellt von einem starken Blitz… 1…2…3… Mist, ein Kilometer, ab nach Hause, jetzt reicht es sogar mir. Soll ich das Gewehr inzwischen am Sitz lassen und es später holen? Beim Gewitter ist sonst eh niemand so deppat wie ich und hier heroben unterwegs. Nein, ich nehme es mit, aber was ist jetzt wieder? Der Regen lässt nach und es hellt auf, das alles hat sich innerhalb weniger Minuten abgespielt, einfach verrückt. Gut, jetzt habe ich schon alles eingepackt und den Wetterfleck drüber. Ich werde einfach den längeren Weg zum Auto zurückpirschen durch das hohe Holz, der Wind passt gut, das Gewitter jetzt sollte nicht mehr drehen und eigentlich war ich eh schon durchnass. Ich pirsche zwar ein wenig gedankenverloren aber mit allen anderen Sinnen wach vor mich hin, als ich plötzlich im Augenwinkel eine Bewegung wahrnehme. Tier auf 70 Meter unterhalb im Holz, es äst vertraut dahin, da folgt schon das Kalb. Ich unterrichte schon lange in meinen Jagdkursen, dass es immer Nachwuchs vor Muttertier sein muss, aber einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich anders handeln soll und das Tier vorher erlegen soll, damit ich beide bekomme. Der Gedanke war nach 2 Sekunden wieder verworfen und wird es auch bleiben, wie sich kurz darauf herausstellen sollte. Ich nahm mein Gewehr langsam in Anschlag, öffnete den Objektivschutz, fuhr langsam knapp hinter das Blatt vom Kalb. Der Regen tropfte auf meinen Hut und das Zielfernrohr, als ich langsam den Druck auf das Züngel meines R93 erhöhte. Als der Schuss brach, sah ich das Kalb schon im Feuer zusammenbrechen, und noch während ich repetierte und zum Tier fahre, sehe ich dieses flüchtig abgehen. Schade dachte ich mir... jetzt fahre ich wieder zurück, das Kalb liegt verendet unten, auf einmal brechen aus der Kultur dahinter noch ein Tier und ein Kalb aus… In dem Moment dachte ich gar nicht an einen weiteren Schuss, sondern ich war froh, dass ich weidgerecht gejagt und das Kalb vorher erlegt habe. Hätte ich wirklich auf das Tier geschossen, und wäre dieses im Feuer gelegen, dann hätte das zweite flüchtende Tier mit seinem Kalb auch das Kalb von dem Tier mitgenommen. Ich überlegte mir dann, ob ich nicht warten sollte, denn das Tier kommt sicher zurück sein Kalb suchen, aber 1…2…3…8…9… ach ja, doch wieder näher, also doch aufbrechen.

Wie ich mit der roten Arbeit fertig war, hat es wieder richtig geschüttet, aber das Wild war sauber versorgt, Leber und Nieren im Rucksack, Pansen zerschnitten für die Hunde im Sack, Schweiß für Übungsfährten in der Flasche auch im Rucksack. In dem Moment sehe ich oberhalb, wo ich weggeschossen habe, eine Bewegung und dann nur mehr lautes Knacksen… Das Tier hatte mich also umschlagen und kam von oben das Kalb suchen.

Leider bekam ich das Tier am nächsten Morgen nicht mehr in den Anblick, obwohl es in der Nacht noch stark unterwegs war, aber ich werde es am Wochenende wieder versuchen, da ich unter der Woche leider dienstlich in Graz bin…

 

WMH aus der Steiermark und ich hoffe, wieder mehr Jagderzählungen auf Eurer Seite lesen zu können. Eigentlich wollte ich als Steirer keine schicken, aber ich vermisse Eure Erzählungen! Bitte verzeiht die Unschärfe vom Bild, aber ein besseres war bei dem Regen nicht möglich…

 

                                                                   Foto und Bericht: Roland Wachter aus der Steiermark