Zwei schwache Stücke

 

................ sitze seit etwa einer halben Stunde an einem Bodensitz am Waldrand, vor mir eine Viehweide die vor kurzem gemäht wurde. Wie immer wenn ich von einer frisch gemähten Wiese weiß wähle ich diese um den Füchsen und Dachsen nachzustellen. Raubwild hatte ich an diesem Abend leider nicht im Anblick dafür aber eine Gaiß mit ihrem Kitz welche meine Aufmerksamkeit erweckten, dazu wollte ich nächsten Abend einen anderen Bodensitz in etwa 350m Entfernung nutzen. Gesagt, getan setze ich mich am frühen Abend des nächsten Tages dort an um die Beiden genauer anzusprechen. Doch statt Gaiß und Kitz stand plötzlich ein mächtiger Traktor mit zwei riesigen Mähwerken vor meinen Ansitz und begann die Wiese auf der ich die beiden Stücke erwartete niederzumähen. Hier brauchte ich nicht mehr auf Wild warten, zum nach  Hause gehen war es auch noch zu früh, also hab ich meine sieben Sachen zusammen gepackt und hab mich auf einen Pirschrunde gemacht, leider ohne Anblick.

Die beiden Stücke wollte ich aber nicht aus den Augen verlieren, kamen sie mir doch beim ersten Anblick eher schwach vor weshalb ich sie noch einmal genauer ansprechen wollte. So blieb mir nichts anderes übrig als meinen Ansitz am nächsten Abend wieder zu wechseln und an einem Hochsitz aufzubaumen

(dummerweise hat mir der Sturm tags darauf diesen Ansitz umgeblasen), dort wo noch saftiges Grün in Hülle und Fülle vorhanden war. Zuversichtlich und gespannt baumte ich dann am nächsten Tag früh genug an dieser Einrichtung auf um gerüstet zu sein wenn sie auszogen. Zwangsweise mussten sie wenn sie Äsung aufnehmen  wollten an dieser Wiese ausziehen weil sonst ringsum keine Äsungsmöglichkeiten gegeben war. Es sah gut aus, nach einer halben Stunde war der Jahrlingsgabler aus den Haselstauden die zwei Grundstücke trennten ausgezogen.

Der Bock hatte nichts zu befürchten, er konnte unbeschwert seine Äsung aufnehmen, ich wartete auf besagtes Paar, Gaiß und Kitz. Völlig überraschend stand plötzlich die Gaiß neben dem Jährling, vom Kitz weit und breit keine Spur.

Der Entschluss die Gaiß zu erlegen hatte ich nach kurzer Ansprache gefasst, jetzt hoffte ich dass das Kitz auftauchte bevor das Muttertier wieder einzog. Nach nur kurzer Zeit konnte ich das Kitz durch die Äste einer vor mir stehenden Esche erblicken, es hatte aber keine Eile zur Mutter zu kommen, wieder warten. Inzwischen hatte ich Zeit meine Kamera einzurichten um das Geschehen fest zuhalten. Unvorsichtiger Weise hatte ich ein paar Metallteile meiner Kamerahalterung zusammengeschlagen vorauf das schwache Kitz einige Fluchten zur Gaiß machte und somit frei und zugleich breit stand. Jetzt kam beinahe Hektik auf, Kamera bereitmachen Büchse richten, aber es klappte alles und das 10gr Geschoss bannte das Stück am Anschuss. Während der Bock in hohen Fluchten in den Haselstauden verschwand wusste die Gaiß nicht recht wie ihr geschah, nach ein paar Fluchten wieder ein Haberl, ein Blick zurück zum verendeten Kitz und ich musste warten bis das Stück endlich passend stand was mir wie eine Ewigkeit vorkam. Doch bevor sie von der großen Esche verdeckt wurde konnte ich ihr eine sichere Kugel antragen worauf sie in einen tiefen Graben stürzte und ich beim bergen wieder einmal so richtig ins Schwitzen kam auch wenn die "KAPITALEN" Stücke zusammen nur 16,5Kg auf die Waage brachten.

 

Waidmann´s Heil                                          Bericht und Foto: Hermann Großalber