Die Gamslan schworz und braun.....

Der erste August war verstrichen und nun war jagdliche Hochsaison! Alle Tage gegen Abend und auch am Morgen wenn ich Zeit hatte machte ich meine obligatorische Runde um die Gegend abzuglasen und nach einem passenden Hirsch Ausschau zu halten. Es war mittlerweile der 20.August und wieder war ich am schönen Antholzer See. Mit dem Fernglas glaste ich mehrere Holzschläge und Lahner ab. Gämsen hatte ich reichlich im Anblick ,jedoch nur junge Böcke und Scharwild, nichts aufregendes. Ich nahm nicht mal das Spektiv weil es eh alles nur Junge Stücke waren. Nach einer Weile wechselte ein einzelnes Stück in einem alten Holzschlag und plötzlich wurde ich nervös! Vom ersten Augenblick gefiehl mir diese Gämse. Schnell richtete ich Rucksack und Spektiv um die Gämse genauer anzusprechen und was ich dann sah lies meinen Puls höher schlagen! Verwaschene Zügel, kurzer Wedel und ein etwas durchhängender Rücken- eine alte Tante hatte ich im Glas, dessen war ich mir zu 100% sicher. Schnell versuchte ich einen Gamsbegleiter zu erreichen und es klappte schneller als gedacht. Schon 10min später traf mein Begleiter ein, er schaute sich noch schnell die Gais an und dann war der Entschluss gefasst dass wir es auf alle Fälle versuchen müssen auch wenn es schon ziemlich spät am Abend war. Schnell stiegen wir rechts der "Durraklomme" empor um eine geeignete Position zu finden von der aus wir die Gämse sehen und eventuell auch schiessen könnten. Als wir einen geeigneten Platz gefunden hatten konnte ich erst nicht schiessen da die Gais etwas verdeckt war und später wechselte sie über die Geländekante und entschwand unseren Blicken. Banges Warten begann da uns die Zeit davonlief und mit jeder Minute wurde das Licht schwächer und immer mehr viel die Nacht herein. Plötzlich stand sie wieder oben! Es war ein etwas weiter Schuss ziemlich steil nach oben, da ich vorher jedoch genügen Zeit hatte um mich in Position zu bringen wollte ich den Schuss wagen. Still stand das Fadenkreuz auf dem Blatt der Gais und langsam erhöhte ich den Druck auf den Abzug bis der Schuss brach. Auf den Schuss hin ging die Gais hochflüchtig ab und wechselte in den darunterliegenden Wald! Na super! Wir begaben uns zum Anschuss konnten dort aber nichts finden und da es jetzt auch schon stockdunkel war , haben wir die Suche aufgegeben. Für den nächsten Tag musste ich einen Hundeführer organisieren und somit notgedrungen von der Arbeit fern bleiben! Das ist sonst wirklich nicht meine Art aber das ist man den Tieren schuldig und dass sich das noch als sehr grosser Glücksgriff herausstellen würde konnte ich noch nicht ahnen, aber mehr zu diesem Thema in einer anderen Geschichte!

Kurzum, die Nachsuche verlief negativ, weder Schweiss noch sonst was haben wir gefunden und somit habe ich sicher danebengeschossen. Zwei Tage später schickte mir ein Jagdkamerad ein Foto von der Gais und somit war ich zu 100% sicher dass sie kerngesund war! Da ich mittlerweile den Hirsch geschossen hatte fuhr ich täglich hinauf um nach der alten Tante Ausschau zu halten. Wochen vergingen und eines Abends hatte ich sie wieder an derselben Stelle in Anblick, da ich jedoch keinen Begleiter finden konnte musste ich sie ziehen lassen. Jedoch wusste ich dass sie sich immer noch hier rumtreibt und somit war die Hoffnung gross sie doch noch zu bekommen. Dann war ein Tag wie er besser für die Jagd nicht hätte sein können! Es war mittlerweile der 12.September und es schüttete den ganzen Tag wie aus Kübeln dann kam auch noch der erste Schnee dazu. Jedoch am Nachmittag war der ganze Spuk vorbei und es wurde besser. Nebelfetzen hingen noch in den Wäldern und Bergen und wieder machte ich mich auf um nach der Gais Ausschau zu halten. Kaum nahm ich das Fernglas da sah ich auch schon eine Gämse, schnell habe ich sie mit dem Spektiv angesprochen und es war die erhoffte Gais! Nun packte ich schnell meine Sachen zusammen schulterte den Rucksack und stieg dem Ansitz entgegen. Ein Begleiter war auch schon informiert und so richtete ich mich her. Mittlerweile hatte sich die Gais niedergetan und so konnte ich meine Büchse in Position bringen. Alls sie hoch wurde war sie noch hinter einem Baumstumpf, aber langsam kam sie hinter diesem hervor. Als sie endlich frei und Blatt stand lies ich der Kugel freien Lauf. Die Gais zeichnete gut aber entschwand aus unseren Blicken. Lange warteten wir dann beschlossen wir zur Gais zu gehen solange es noch etwas hell ist. Alls wir oben ankamen fanden wir auch ziemlich schnell die mittlerweile verendete Gams. Ich griff ihr in die schwachen Krucken und konnte meinen Augen kaum glauben!! So viele Jahresringe hatte ich selten gesehen. Immer wieder zählte mein Begleiter die Ringe, das war zu schön um wahr zu sein!- Sie war mindestens 19Jahre!!!

Vielen Dank auf diesem Wege an meinen Begleiter 

 

Waidmannsheil

 

                                                                                       Bericht und Fotos: Peter Taferner