HIRSCH BEIM KIRCHGANG ERLEGT

Es ist der 21.August 04.00Uhr morgens und ich liege hellwach im Bett. Meine Gedanken kreisen um die von mir beschossene Gamsgais gestern Abend (ich habe in einer anderen Geschichte bereits davon berichtet). Wir konnten am Anschuss nichts finden und so musste ich heute sicherheitshalber eine Kontrollsuche mit einem Nachsuchegespann machen. Die Ungewissheit und das Mitleid mit einem eventuell verwundeten Wild machen mich immer sehr nachdenklich und so war an Schlaf nicht zu denken. Weiteres musste ich mich um einen Ersatz bei der Arbeit kümmern. Mitten in der Nacht einem Arbeitskollegen eine sms geschickt dass ich krank bin;-) alles andere wäre zu kompliziert zu erklären. So lag ich nun da und hing meinen Gedanken nach alls ich mir dachte: an Schlaf ist nicht mehr zu denken, "frei" hab ich ja auch und so kann ich eigentlich einen Sprung auf die Jagd gehen bis ich einen Hundeführer gefunden habe. Gesagt getan, nach einer Tasse schwarzen Kaffee packte ich meine Sachen ins Auto und fuhr Richtung "Hosslfeld". Ich wählte dieses Ziel, da ich dort am 1.Mai einen Hirsch gesehen hatte der schon beim schieben der Kronen war und später sah ich den selben Hirsch nochmal im Juni diesmal mit einem geringeren Beihirsch. Der Gedanke an diesen Hirsch lies mich nicht mehr los und ich fieberte dem 1.August entgegen, dem Beginn der Hirschjagd.

Immer hoffte ich das ich diesen Hirsch vielleicht nochmals sehen würde und dass er vielleicht sogar in der Nähe seinen Einstand hatte und nicht irgendwo in die Höhe in die Latschen gezogen ist um dort die Feistzeit zu verbringen! Immer wenn es sich morgens Zeitlich ausging fuhr ich zuerst zum Hosslfeld, glaste noch bei völliger Dunkelheit das Feld ab ob vielleicht ein Stück Rotwild drinnen ist, da dies nie der Fall war fuhr ich in einen anderen Revierteil um dort zu jagern. Nicht so heute! Im Hossfeld angekommen, nahm ich das Fernglas und schaute das sehr steile Feld dieses Bergbauernhofes hinauf und konnte ungefähr in der Mitte einen weißen Spiegel erkennen-Rotwild! Gleich war ich mir relativ sicher dass es sich nur um einen Hirsch handeln kann. Es war noch nicht Schusszeit da zog der Hirsch nach rechts zum Waldrand. Dort fegte er sein Geweih in einer Kranewittstaude und nun konnte ich dank des schwarzen Hintergrundes die ungefähre Höhe der Stangen erkennen. Nun kochte langsam das Blut in meinen Adern und ich hoffte, ja ich betete der Hirsch würde jetzt nicht auswechseln und meinen Blicken entschwinden. Kaum zu glauben er kam schön langsam wieder in die Mitte des Feldes. Ich richtete Rucksack, Spektiv und Büchse her. Mit dem Spektiv versuchte ich den Hirsch anzusprechen-vergebens! Ich konnte nichts erkennen. Es wurde zwar langsam etwas heller jedoch zog der Hirsch immer höher und so wurde die Entfernung immer grösser. Jetzt erreichte er den oberen Waldrand und er brauchte nur noch ein paar Schritte bis ihn der Wald verschlingen würde! Meine Anspannung stieg ins unermessliche, zum x-ten mal tauschte ich Spektiv gegen Büchse, aber ich konnte immer noch nichts erkennen, es war zum verzweifeln. Nun war meine Überlegung: Es ist ein Hirsch mit mächtigem Wildbret, die Stangen hoch und das Haupt beim tragen tief, der muss passen, da kann ich ja nicht ganz falsch liegen!? Der Entschluss war gefasst-den schiesse ich! Wieder legte ich das Spektiv beiseite und nahm das Gewehr in Anschlag. Es würde ein Schuss sehr steil nach oben werden. Langsam brachte ich das Fadenkreuz auf dem Blatt des Hirsches zu stehen, jetzt nur keinen Fehler machen! Ganz langsam erhöhte ich den Druck auf den Abzug und kurz darauf zeriss der Knall der 270Wby mag. die morgendliche Stille. Auf den Schuss war der Hirsch sein Geweih nach hinten und ging hochflüchtig ab. 

Kurz darauf war er im Wald verschwunden. Ich wartete noch ein wenig unddann hörte ich es krachen und knaxen dass ich mir ziemlich sicher war dass der Hirsch liegt! Mittlerweile war erst eine Viertelstunde Schusszeit. Ich packte meine Sachen zusammen und fuhr nach Hause. Während der Fahrt überkam mich erst richtig das Jagdfieber, die Anspannung der letzten Minuten fiel von mir und mich beutelte es nur so vor Kälte , ja ich hatte richtigen Schüttelfrost. Um ca.7.00Uhr war ich schon wieder im Bett mit einer Tasse Kaffee. Natürlich musste sich meine Frau die ganze Geschichte anhören und so verging die Zeit. Zwei Stunden später beschloss ich zum Hirsch zu gehen. Ich nahm nur Pirschstock und Gewehr uns so stieg ich gemächlich den steilen Fichtenwald empor. Tausend Gedanken umkreisten mich und auch Zweifel ob die Entscheidung zu schießen richtig war? Hat es mich getäuscht und es war nur ein geringer Hirsch? Plötzlich waren die Gedanken wie weggeblasen den ich hatte diesen ganz speziellen Geruch in der Nase. Den Geruch von Pansen rieche ich schon von weitem. Nun war ich mir zu 100% sicher dass er liegt. Ich nahm das Fernglas und schaute nach oben und plötzlich sah ich hinter einem dicken Baumstamm den Wildkörper eines Hirschen. Was ich dann sah lies mir das Blut in den Adern gefrieren. Hinter dem Hirsch sah ich die obere Hälfte einer Stange mit einer mächtigen Krone. Laut jauchzend stieg ich zum Hirsch empor. Dort angekommen sah ich erst welcher Bursche vor mir lag. Es war ein Hirsch stark im Wildbret ,ein gerader 10ender mit gewaltigen Kronen und zwei über einen Meter hohen Stangen! Ich war einfach nur glücklich!! Sofort wurden Kollegen angerufen die beim bergen halfen und natürlich kam auch das feiern nicht zu kurz! Nach einem solchen Abschuss ist man für lange Zeit auf Wolke sieben, immer wieder lässt man das Geschehene Revue passieren und erlebt die ganzen Gefühle noch einmal - ich liebe die Jagd!!!!

 

Waidmannsheil

 

                                                                                     Bericht und Fotos: Peter Taferner, Revier Antholz