NEWSLETTER vom 05. August 2016

  

Erfolg in Sachen Fuchsdekret: Gericht sagt NEIN zu Aussetzung des Dekrets 

 

Mitte Juli hat Landesrat Arnold Schuler ein Dekret zur Fuchsregulierung im Umkreis von Geflügelhaltungen erlassen. Das Dekret zielt auf die Reduzierung der Geflügelrisse, auf den Schutz der Waldhühner und auf die Vorbeugung des Fuchsbandwurms ab. Die LAV-Liga gegen Tierversuche hat vor Kurzem Rekurs gegen das Dekret eingereicht und die vorsorgliche Aussetzung  beantragt.Nachdem das Verwaltungsgericht zuletzt mehrmals die Rechtmäßigkeit der Regulierungsdekrete des zuständigen Landesrats bestätigt hatte, ließ sich der Südtiroler Jagdverband umgehend mit RA Dr. Alfred Mulser in das Verfahren ein. Er beantragte eine Anhörung vor dem Präsidenten des Verwaltungsgerichts. Dem Antrag wurde stattgegeben. Damit bot sich auch für uns die Gelegenheit zu einer ausführlichen Argumentation. Am 3. August gab das Verwaltungsgericht seine Entscheidung bekannt: Der Antrag auf Aussetzung der LAV wurde abgewiesen. Es ist erfreulich, dass unsere Aufmerksamkeit und unser Einsatz dazu beigetragen haben, dass zum ersten Mal die Aussetzung eines Dekretes verhindert werden konnte. Der Verfügung des Gerichtspräsidenten ist zu entnehmen, dass vor allem folgende Faktoren ausschlaggebend für den Entscheid waren: Die Wildbeobachtungsstelle der Autonomen Provinz Bozen sowie die höhere Anstalt für Umweltschutz und Forschung in Rom (ISPRA) hatten die vorgeschlagene Fuchsregulierung positiv bewertet. Die genannten Gutachten waren im Entnahmedekret exakt berücksichtigt worden, sprich: Die Entnahme wurde auf den Umkreis von 400 m um Geflügelhaltungen beschränkt. Das Gericht verweist in der Verfügung außerdem auf das letzte Urteil zur Fuchsregulierung vom Mai 2016, welches das Entnahmedekret aus dem Vorjahr für rechtens erklärt hatte.Der Fuchs nimmt im Ökosystem v.a. als Mäusejäger eine wichtige Rolle ein. Bei einer zu starken Vermehrung kann er allerdings zum Problemfall für Hausgeflügel und Biodiversität werden. Bei Nichtbejagung verliert der Kulturfolger Fuchs mitunter die natürliche Scheu und nähert sich auch tagsüber Siedlungsgebieten um Beute zu machen. Untersuchungen aus der Provinz Trient zeigen, dass sich eine ansteigende Fuchspopulation problematisch auf das Auerwild auswirkt. Eine aktuelle Studie aus dem Naturpark Paneveggio – Pale di San Martino zeigt, dass zwei Drittel der Verluste an Auerwildgelegen auf die Prädation durch Fuchs, Marderartige und Rabenvögel zurückzuführen sind. Dass sich eine gezielte Fuchsregulierung positiv auf den Auerwildbestand auswirken kann, lässt sich am Beispiel des Naturparks Trudner Horn festmachen. Eine Studie hatte gezeigt, dass trotz intensiver Lebensraumverbesserungen der Rückgang des Auerwildes nicht aufgehalten werden konnte. Die gezielte Regulierung des Fuchsbesatzes im Gebiet des Naturparks hat letzthin hingegen einen leichten Aufwärtstrend der Population erkennen lassen.

Publikation zu Flurnamen vorgestellt  

Bärenleger, Bockleger, Gamsbichl, Hirschbett, Eselsteig, Tröglegg. Unter Jägern dienen Flurnamen immer noch zur genauen Orientierung, in den Abschusslisten wird die Örtlichkeit stets festhalten. Viele Flurnamen sind allerdings in Vergessenheit geraten. Eine kürzlich vorgestellte Publikation zu den Flurnamen Südtirols könnte die eine oder andere Bezeichnung für eine Örtlichkeit im Gelände wieder ins Gedächtnis der Südtiroler Jäger rufen.20 Jahre lang haben Wissenschaftler gesammelt und geforscht, landauf landab Jäger, Bauern und Bevölkerung befragt. Frucht dieser Arbeit ist eine weltweit wohl einzigartige Sammlung mit über 170.000 Flurnamen. Hinter diesem Archiv stecken unzählige Arbeitsstunden. Die Autoren Johannes Ortner und Cäcilia Wegscheider haben den Großteil der Erhebungen durchgeführt und geleitet. Die Angaben stützen sich auf mehr als 1.000 Gewährspersonen.

„Auf diese Basis lässt sich aufbauen, wohlwissend, dass viele Flurnamen, die nur im Kreise der Familie in Gebrauch sind, bei den Erhebungen nicht genannt worden sind und somit noch fehlen. Auch der eine oder andere Fehler hat sich möglicherweise eingeschlichen. Wir freuen uns auf jede Ergänzung und Verbesserung“, meint Benno Baumgarten vom Naturmuseum, der die Datenbank künftig ergänzen und verbessern wird. Jeder Nutzer kann interaktiv Ergänzungen vorbringen.

Die Publikation besteht aus einem Begleitbuch, in welchem der Werdegang des Projektes nachgezeichnet wird, sowie aus zwei DVDs. Letztere ermöglichen einen virtuellen 3D-Flug über Südtirol sowie eine gezielte Suche nach bestimmten Namen. Die Datenträger können auch aufs Smartphone geladen werden.

„Mit der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse ist das Flurnamen-Projekt noch lange nicht abgeschlossen“, erklären die Autoren Johannes Ortner und Cäcilia Wegscheider. Über die Mailadresse flurnamen@naturmuseum.it können die Nutzer Verbesserungen und Anregungen mitteilen.

Die bemerkenswerte Publikation ist zu einem Preis von 19,80 Euro im Naturmuseum erhältlich. Eine lohnenswerte und bereichernde Investition für Jäger und Interessierte.

 

  Wildarten: Wieder ein Neubürger im Land 

 

Mitte Juni wurde auf der MEBO bei Gargazon ein Marderhund überfahren, die Medien berichteten ausführlich darüber. Es handelte sich um den ersten Nachweis eines Marderhundes in Südtirol und den erst zweiten gesicherten Nachweis staatsweit. Im Friaul war im Jahr 2005 der erste gesicherte Nachweis in Italien erbracht worden. Marderhunde sind sog. Neozoen, das sind Tiere, die ursprünglich in einem Gebiet nicht vorgekommen sind. Nach Goldschakal  und Waschbär, welche in Südtirol im Jahr 2009 nachgewiesen worden sind, ist der Marderhund der dritte große Neubürger unter den Säugetieren, der in den letzten Jahren seine Spuren hinterlassen hat.

In Deutschland sind Marderhunde neben Waschbären in aller Munde. Innerhalb von zwanzig Jahren haben sich hier die Bestände, trotz uneingeschränkter Bejagung, vervielfacht. In Deutschland kamen im Vorjahr 24.000 Marderhunde und 116.000 Waschbären zur Strecke, vor 20 Jahren waren es lediglich je 300 landesweit.

In der Schweiz sind in den vergangenen sechs Jahren sechs gesicherte Nachweise von Marderhunden und einzelne Waschbären-Nachweise erbracht worden, in Österreich sind Marderhund und Waschbär bereits weiter verbreitet und dürfen auch bejagt werden. In Österreichs Jagdstatistik des Vorjahres scheinen 49 Marderhunde und 8 Waschbären auf.

In Italien und so auch in Südtirol sind Marderhund und Waschbär nicht jagdbar.

 

Liebe Bezieher der Newsletter, ich danke Euch für Euren Einsatz für unser Wild, für unsere Jagd, und grüße Euch mit einem herzlichen

 

Weidmannsheil

 

Berthold Marx – Landesjägermeister