NEWSLETTER vom 30. September 2016

 

Wölfe, Bären, Rotwild, Rehe ...

Dass unserem Wild zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt würde, kann man nun wirklich nicht behaupten. In den Medien überschlagen sich die Berichte, und wie immer ist die Haltung zu den Wildtieren äußerst unterschiedlich. Bär und Wolf besorgen all jene, welche diese Tiere in ihrer Nähe haben, und je weiter weg man davon lebt, desto wohlwollender sieht man die großen Beutegreifer. Angesichts der möglichen Szenarien verschiebt sich die Aufmerksamkeit zwar vom Schalenwild weg, aber jagdliche Themen sind weiterhin im Umlauf. Ihr habt vielleicht eine Nachricht aus unserem Nachbarland Österreich verfolgt. Dort wehrt sich ein Waldeigentümer vor dem Verfassungsgerichtshof gegen die Jagd und behauptet, erst die Jäger hätten ein Vielfaches an Schalenwild herangezüchtet. Das sei völlig unnatürlich, die Natur verlange nach natürlichen Beutegreifern. Die Geschäftsführerin der Kärntner Jägerschaft hat sich mit guten Argumenten gegen diese falschen Verallgemeinerungen gewehrt.

Gute Argumente gehen uns aber aus, wenn die schlechten Botschaften aus den eigenen Reihen kommen. Ich hoffe, Ihr habt das entsetzliche Murmeltiervideo nicht gesehen, in der in Zeitlupe die Geschosswirkung auf unterschiedliche Entfernungen und mit verschiedenen Kalibern gezeigt wurde. Die Murmeltiere werden ohnedies sehr unterschiedlich gesehen, Tierschützer machen mit den niedlich wirkenden Tieren Stimmung gegen die Jagd.

In unserem Land fand vor kurzem eine Plakataktion gegen die Murmeltierregulierung statt. Der Protestmarsch ins Pfossental, zu dem WWF und LAV aufgerufen hatten, war dem Fernsehen eine längere Berichterstattung wert. Dabei ging es allerdings um das von diesen Tierschutzorganisationen angestrebte Jagdverbot in Naturparks. Nur ganz wenige Personen waren dem Aufruf gefolgt. In welcher Welt leben wir, frage wahrscheinlich nicht nur ich mich. Damit leite ich zum nächsten Thema über, zur ernüchternden Ablehnung der Murmeltierentnahme.

  

Amt für Jagd und Fischerei: ISPRA gibt kein positives Gutachten zur Murmeltierentnahme

Wie das Amt für Jagd und Fischerei berichtet, hat die Höhere Anstalt für Umweltschutz und Forschung in Rom (ISPRA) kein positives Gutachten zur geplanten Murmeltierregulierung abgegeben.

Es ist völlig unverständlich, dass das ISPRA zu diesem Ergebnis gekommen ist. In den vergangenen zwei Jahren hatte das ISPRA die vorgeschlagene Murmeltierentnahme stets positiv bewertet. Hinzu kommt, dass der Vertreter der ISPRA, der in der Wildbeobachtungsstelle des Landes sitzt, vor vier Monaten grünes Licht für die Murmeltierregulierung nach vorausgehender Schadensmeldung und anschließender Überprüfung der Schäden gegeben hat. Woher der plötzliche Meinungsumschwung des staatlichen Fachorgans herrührt, ist nicht bekannt.

Es liegt aber die Vermutung nahe, dass eine Einflussnahme stattgefunden hat. Fest steht, dass bestimmten Kreisen die Erfolge, die letzthin im Zusammenhang mit der Murmeltierentnahme eingefahren wurden, nicht geschmeckt haben. Das Verwaltungsgericht hatte zuletzt mehrmals die Rechtmäßigkeit der Entnahmedekrete bestätigt und sogar die Rekurssteller zur Kostenrückerstattung verurteilt. Nachdem somit der Rechtsweg wenig aussichtsreich erschien, dürfte man sich nach anderen Möglichkeiten umgesehen haben, um die Murmeltierregulierung zu verhindern.

Das Land hatte, nicht zuletzt wegen möglicher Schadensersatzforderungen des Rechnungshofes, letzthin mehr und mehr versucht, das Dekret besser zu begründen als in den vorangegangenen Jahren. Unter anderem wurde heuer von Forstbeamten und Jagdaufsehern in Zusammenarbeit mit Studierenden einer Universität der Murmeltierbestand in den Schadgebieten erfasst. Wie bereits in den vorhergehenden Jahren wurden die Schadensmeldungen durch Forstbeamte genau überprüft. Die Regulierung hätte dann nur im unmittelbaren Umkreis von Schadflächen auf Mähwiesen stattgefunden. Viel Geld für nichts ausgegeben, lautet die ernüchternde Feststellung. 

 

Wild und Jagd in Südtirol

Vielleicht habt Ihr das Dolomiten-Sonderheft vom 20. September „Wild und Jagd in Südtirol“ gesehen. Wir sind im letzten Moment damit beauftragt worden. Und unsere Leute im Büro haben sich ins Zeug gelegt, den Bereich Wild und Jagd sympathisch darzustellen. Meiner Meinung nach ist das auch gelungen. Wir können auf viele Erfolge verweisen. Die Festigung der Wildbestände, die zurückgewonnene Vielfalt, der Steinbock ist ein Paradebeispiel dafür, die intensive Beobachtung durch die Jäger, die Rolle der Jagdaufsicht, nicht zuletzt bietet auch das Wildbret in einer sensibler gewordenen Gesellschaft ein optimales Nahrungsmittel. Wir wollen diese Themen weiterpflegen, müssen aber andere noch hinzufügen: die Vermeidung der Straßenunfälle mit Wildtieren, die Pflege der Lebensräume und die Schaffung von neuen Nischen für die Ansprüche bestimmter Wildtiere, die Jagd in der Volkskultur, die Traditionen, das Brauchtum … Ich freue mich schon, wenn es uns gelingt, entsprechende Akzente zu setzen und das eine und andere davon unter die Leute zu bringen. „Unter die Leute bringen“ heißt, die Themen nicht in unseren Reihen zu behalten, sondern sie nach außen zu tragen. Wir Jäger sind nur 1,3 Prozent der Südtiroler Bevölkerung. Wir müssen möglichst viele Mitbürgerinnen und Mitbürger mit unserer Botschaft erreichen.  

 

Jagdaufseherlehrgang steht an

Bereits im Frühjahr 2017 soll ein neuer Ausbildungskurs für Jagdaufseher anlaufen. Der entsprechende Beschluss der Landesregierung ist bereits in Ausarbeitung. Neu am Kurs wird sein, dass die Zugangskriterien genauer festgelegt und auch angehoben werden. Damit will man erreichen, dass die Jagdaufseher immer besser ausgebildet und auf die Anforderung ihres Berufes vorbereitet sind.

Die Ausschreibung wird bekanntgegeben, sobald wir Näheres wissen. 

 

Projekt Landschaft im Visier

Erstmals arbeitet unser Büro an einem Projekt mit, welches die EURAC zusammen mit der Universität Innsbruck und mit der Landesverwaltung in Angriff genommen hat. Es geht um unsere Landschaft, um die Auswirkungen der verschiedenen Tätigkeiten und somit auch um das Auf und Ab im Wildbestand im Laufe der Jahrzehnte. Wir liefern dazu alle verfügbaren Daten. Am Projekt sind auch Studenten beteiligt.  

 

Haselmaus

Um eine Forschungsarbeit geht es auch im Naturpark Trudner Horn. Zwei Biologen, Ivan Plasinger und Eva Ladurner, untersuchen die Verbreitung der Haselmaus in den Rentschwiesen in Truden. Als Jäger wissen wir, dass die Haselmaus zum Wild gehört, genauer zu den Bilchen. Es wäre nicht das erste Mal, dass wichtige Informationen zu Wildtieren auch von Jägerseite kommen. Schön finde ich es, wenn wir Jäger das Spektrum unserer Aufmerksamkeit auch ein wenig erweitern, denn unsere Natur ist vielfältig, und Vielfalt ist wichtig. Positiv verfolgt und aufgenommen werden zum Beispiel Meldungen über seltene oder selten gewordene Wildarten wie Iltis, Baummarder, Wildkatze, Fischotter, und auch in der Vogelwelt ist es wichtig zu wissen und zu kommunizieren, was es Neues gibt.  

 

Normen verbessern, wo notwendig und sinnvoll

Der politisch verwaltungsmäßige Schwenk in unserem Land hat unvermeidbar auch zu innovativen Ideen geführt. Die zuständigen Stellen denken an mögliche Gesetzesänderungen. Auch die Durchführungsverordnung zum Landesjagdgesetz wird an die Reihe kommen, und wir selbst sollten an unserer Satzung das eine und andere ändern, damit die Reviere sicherer arbeiten können, die Jäger untereinander friedlicher zusammenstehen, der Demokratie und Transparenz gedient ist. Die Ziele, die ich mir selbst gesetzt habe, sind alles andere als leicht und schnell auf den Weg zu bringen, denn Meinungsvielfalt verlangsamt manchmal halt auch die Abläufe. Wir werden in den nächsten Wochen für die Revierleiter Informationsveranstaltungen anbieten, in welchen wir diese Themen vertiefen und nach Möglichkeit einen Konsens erreichen wollen. Information ist wichtig, und ich begrüße alle entsprechenden Initiativen.

Ein positives Beispiel: Am Mittwoch, dem 12. Oktober 2016 veranstalten die Bezirke Bozen und Unterland einen Vortragsabend zu den Themen: „Neues zu den Wildkrankheiten in Südtirol“ und „Rotwild – weiterhin auf dem Vormarsch?“ Es referieren Dr. Karin Trevisol vom Tierseuchenbekämpfungsinstitut und Dr. Lothar Gerstgrasser vom Südtiroler Jagdverband. Die Veranstaltung findet um 20.00 Uhr im Gerätehaus der Freiw. Feuerwehr St. Anton in Kaltern statt.  

 

Fibel für Wildkrankheiten

An der Fibel über Wildkrankheiten wird gearbeitet. Ich hoffe, wir können sie bald einmal herausbringen.  

 

Ich wünsche Euch einen schönen Oktober, der ja zu den jagdlich interessantesten Monaten gehört. Seid Euch dessen bewusst, dass jagen auch Verantwortung ist, und zur Verantwortung gehört es, die jagdliche Planung nach bestem Wissen und Gewissen umzusetzen. Das ist unser Auftrag, und darin finden wir auch Genugtuung und Freude. Freude an der Jagd, am Wild möchte ich Euch allen weiterhin wünschen

 

Weidmannsheil

Berthold Marx – Landesjägermeister