NEWSLETTER vom 3. September 2015, von Landesjägermeister Berthold Marx

 

Polemik um Sonderdekrete

Ihr wisst es aus Erfahrung und auch aus der Tagespresse: Die Sonderdekrete des für die Jagd zuständigen Landesrates betreffend Abschüsse außerhalb der gesetzlichen Jagdzeit oder auf nicht jagdbare Arten stehen unter Beschuss. Tierrechtsverbände fechten die Dekrete an, in der Regel kommt es ohne Verhandlung zu einer vorläufigen Aussetzung. Bei der eigentlichen Verhandlung sind dann die Dekrete oft genug schon überholt. So liegt zum Beispiel vom Murmeltierdekret 2013 ein Urteil vor, welches die ordnungsgemäße Vorgangsweise des Amtes für Jagd und Fischerei bestätigt. Der Rekurs von 2014 ist noch gar nicht behandelt. Für heuer ist laut Auskunft des Amtes für Jagd und Fischerei zurzeit kein Dekret möglich, weil ein positives Gutachten des staatlichen Institutes für die Erforschung und den Schutz der Umwelt (ISPRA) noch nicht vorliegt. Ohne ein positives Gutachten ist es laut den bisher ergangenen Urteilen völlig aussichtslos, dass das Dekret einer Anfechtung standhält. Das Amt für Jagd und Fischerei hat das Dekret bereits vorbereitet, und es wird ein positives Gutachten des ISPRA erwartet. Das Dekret wird unterzeichnet, sobald dieses Gutachten einlangt. 

Schadensforderung

Wie folgenschwer die Anfechtungen sein können, zeigen uns die Nachrichten über Schadenersatzforderungen an die zuständigen Politiker und Beamten. Das alles zeigt einmal mehr auf, wie wichtig es ist, eine rechtliche Konsolidierung für Jagd und Wildschutz in unserem Land zu erreichen. Wir können nur das Beste hoffen. Jedenfalls haben wir alles Mögliche in diese Richtung getan. Allfällige Polemiken nützen recht wenig. Ich glaube, Ihr gebt mir recht, dass es mehr denn je an der Zeit ist, zusammenzustehen und unser System, das so viele gute Früchte gebracht hat, zu verteidigen.

 Fuchsjagd

Auf besonders wenig Verständnis stößt nicht nur in unseren Reihen die Schwierigkeit, den Fuchs angemessen bejagen zu können. Es bleibt zu hoffen, dass uns die Bemühungen um eine bessere autonome Absicherung unseres Jagdwesens in Zukunft mehr Möglichkeiten einräumen. Es muss angepeilt werden, dass wir wie früher die Fuchsjagd bereits ab Juli ausüben können. Das liegt sicher auch im Interesse der Landwirtschaft.

Begründen könnten wir unsere Forderungen auch mit besseren Erhebungen über die Krankheitsbelastung der Füchse. Es ist nicht auszuschließen, dass der Fuchsbandwurm, der in unserem Land bereits festgestellt wurde, stärker als bisher angenommen verbreitet ist. Ich habe bereits Kontakt mit den einzelnen Ämtern aufgenommen, um entsprechende Untersuchungen zu intensivieren. Jäger und vor allem Jagdaufseher sind besonders ausgesetzte Personengruppen. Für die Jagdaufseher denken wir an eine immunologische Untersuchung, welche ergründen soll, ob die Personen mit dem Fuchsbandwurm in Kontakt gekommen sind. Eine Studie aus Nordtirol in dieser Hinsicht hat mich aufhorchen lassen. Dort hat man bei Jägern Bandwurmbefall festgestellt. 

 Landtagsanfragen

Im allgemeinen jagdkritischen Klima, welches nicht nur bei uns, sondern weit darüber hinaus herrscht, nehmen auch grundsätzliche Infragestellungen zu. Eine jüngste Landtagsanfrage fordert zum Beispiel die Aussetzung der Jagd auf bestimmte Arten wie Spielhahn, Schneehuhn, Schnepfe und Schneehase, ein grundsätzliches Verbot der Jagd an Dienstagen und Freitagen, ein Verbot der Jagd auf Fuchs und Schalenwild in größeren, geschützten Biotopen und die Einrichtung von Schutzzonen mit Jagdverbot innerhalb der Naturparks. Wir arbeiten mit Landesverwaltung und Politik zusammen, um solchen Anfragen argumentativ begegnen zu können. Darüber hinaus gibt es aber auch Anfragen, die von jägerischer Seite genährt werden. Diese sind für uns besonders schmerzlich, da wir erkennen müssen, dass wir uns in den eigenen Reihen Schwierigkeiten bereiten.

Natura-2000-Gebiete und Jagd

Ende Oktober werden wir eine AGJSO-Tagung abhalten zum Thema: „Natura-2000-Gebiete und Jagd“. Als Hauptreferenten haben wir den Geschäftsführer der Vereinigung der europäischen Jagdverbände FACE Dr. Filippo Segato aus Brüssel gewinnen können. Mit dieser Tagung hoffen wir, auf die europaweiten Gepflogenheiten verweisen zu können, was unserer Argumentation sicher zuträglich ist. 

Situation der Gamsräude

Wir haben uns an den Professor für Veterinärmedizin und Jagdfachmann Armin Deutz aus der Steiermark gewandt. Er verfügt über großes veterinärmedizinisches Wissen und jagdliche Erfahrungen und wird uns beratend zur Seite stehen. Vor allem hoffen wir zu erfahren, inwieweit die positiven Lungenproben tatsächlich auf einen bevorstehenden Ausbruch der Gamsräude hinweisen. Das ist alles andere als sicher. Jedenfalls werden wir Informationsveranstaltungen zur Angelegenheit, vor allem im betroffenen Gebiet, abhalten.

 

 

Mit Weidmannsheil

Berthold Marx - Landesjägermeister

 

 

Diese Newsletter erhalten alle Revierleiter und ferner alle Interessierten, die darum angefragt haben.

 

WÜNSCHEN AUCH SIE DAS  RUNDSCHREIBEN DES SÜDTIROLER JAGDVERBANDES SO KLICKEN SIE HIER AUF DIE BLAUE SCHRIFT

 BITTE SCHICKEN SIE MIR DAS RUNDSCHREIBEN DES  SÜDTIROLER JAGDVERBANDES