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25 Jahre Internationales Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen |
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Vor 25 Jahren wurde in Morges am Genfersee das internationale Projekt
zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen gegründet. Das Ziel des
Projektes war, in den Alpen eine sich selbst erhaltende Population
aufzubauen. Dazu sollten Vögel nicht andernorts der Natur entnommen und
umgesiedelt, sondern im Zoo geboren, aufgezogen und dann in geeigneten
Lebensräumen freigesetzt werden. Zuerst wurde deshalb eine Zoopopulation
aufgebaut. In eigens dazu gegründeten Zuchtzentren in Haringsee/Wien, in
Hochsavoyen und im Natur- und Tierpark Goldau sowie in Kooperation mit
vielen Zoologischen Gärten wuchsen zahlreiche Bartgeier heran. Von ihnen
konnten ab 1986 insgesamt 121 Jungvögel in mehreren Natur- und
Nationalpärken der Alpen in die Natur entlassen werden. Aus dieser
grossen Zahl freigesetzter Bartgeier haben sich inzwischen mehrere Paare
gebildet. Mit Phénix, dem ersten in der Natur geschlüpften und
ausgeflogenen jungen Bartgeier, ging das Projekt 1997 in die
entscheidende Phase. Seither sind 15 junge Bartgeier in der Natur
geschlüpft und ausgeflogen. Noch ist das Projekt nicht zu Ende. Vielmehr
sind weiterhin grosse Anstrengungen erforderlich, um ausreichend
zoogeborene Tiere freizusetzen, die in der Natur lebenden Vögel zu
überwachen und die Öffentlichkeit auch künftig von der Harmlosigkeit
dieses grossen Knochenfressers zu überzeugen. Dies ist nur möglich dank
einer beispielhaften internationalen Kooperation, die nun schon 25 Jahre
dauert und an der gegen 50 Institutionen und mehrere hundert
Einzelpersonen beteiligt sind. Vor 25 Jahren, am 17. und 18. November 1978, trafen sich in Morges am Genfersee auf Einladung des WWF Schweiz und der IUCN (Internationale Naturschutzunion) 41 Vertreter von Naturschutzorganisationen, Amtsstellen, Universitäten, Nationalparks und Zoos, um das Projekt „Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen“ in Gang zu setzen.
Nachdem der Mensch diesen riesigen Greifvogel gegen Ende des 19. und zu
Beginn des 20. Jahrhunderts im Alpenraum ausgerottet hatte, entstand in
den frühen 70er Jahren vorerst eine französisch/schweizerische
Wiederansiedlungsinitiative, in der Natur gefangene Bartgeier aus
Afghanistan in den Alpen umzusiedeln. 1978 begann mit der Tagung in Morges das neue internationale Projekt, das sich zum Ziel setzte, in den Alpen eine sich selbst erhaltende Bartgeierpopulation aufzubauen. Unter den Tagungsteilnehmern herrschte Einigkeit darüber, die Bestandesgründung nicht mit Wildfängen aus anderen Teilen der Erde, sondern mit in Menschenobhut nachgezüchteten Jungvögeln vorzunehmen. So ging es zuerst darum, einen Zuchtstock heranzuziehen. Aufbauend auf den Erfahrungen im Alpenzoo Innsbruck, wo seit 1974 30 Jungvögel herangewachsen sind, hat der Wiener Tierarzt Hans Frey, zu Beginn gemeinsam mit dem Ingenieur Winfried Walter, mehrere Zuchtstationen gegründet oder gefördert und zahlreiche zoologische Gärten dazu gebracht, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Die erste grosse Zuchtstation in Haringseee bei Wien ist unter dem Namen Vienna Breeding Unit bekannt geworden und stellt auch heute noch die Mutterstation dar. In Hochsavoyen und im Natur- und Tierpark Goldau sind in der Zwischenzeit weitere Zuchtstationen aufgebaut worden. In den 80-er Jahren prüften die beiden Schweizer Wildtierbiologen Chasper Buchli und Hansueli Müller die potenziellen Auswilderungsregionen in den Alpen auf ihre ökologische Eignung hin. Die von ihnen definierten Vorzugsgebiete sind bis heute akzeptiert. 1986 wurden die ersten Bartgeier im Nationalpark Hohe Tauern, Österreich, freigesetzt. Ihnen folgten ab 1987 weitere in Hochsavoyen, ab 1991 im Schweizerischen Nationalpark, ab 1993 im französischen Nationalpark Mercantour, ab 1994 im italienischen Parco naturale delle Alpi marittime und ab 2000 im Nationalpark Stilfser Joch. Bis heute sind 121 nachgezüchtete Bartgeier in die Natur entlassen worden, 22 davon im Schweizerischen Nationalpark. Nach den Erhebungen des internationalen Monitorings leben noch etwa 80 Vögel. Nach vielen Jahren des Wartens ist 1997 in Frankreich das erste Bartgeierpaar in den Alpen erfolgreich zur Brut geschritten und hat Phénix hervorgebracht. Seither haben sich drei weitere Paare in Italien und ein Paar und ein Trio in Frankreich erfolgreich fortgepflanzt. Hinzu kommen Paare in Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz, die noch zu jung sind, um sich fortzupflanzen. Auf dem Weg zur sich selbst erhaltenden Alpenpopulation sind zwischen 1997 und 2003 insgesamt 15 junge Bartgeier in der Natur geschlüpft und nach der Nestlingszeit ausgeflogen.
Organisiert ist das internationale Wiederansiedlungsprojekt auf
verschiedenen Ebenen. Schon von Anfang an bestand eine internationale
Struktur im Bereich der Haltung und Zucht, das europäische
Erhaltungszuchtprogramm, an dem mehr als 35 Zoos und die drei
Zuchtstationen beteiligt sind. In unserem Land gehören der Natur- und
Tierpark Goldau und die Zoos von Basel, Bern und Le Vaud zu diesem
Netzwerk. Dann führen auf Länderebene autonome Organisationen die
Freisetzung und die Überwachung der Vögel durch. In der Schweiz ist dies
die Stiftung Pro Bartgeier in enger Zusammenarbeit mit dem
Schweizerischen Nationalpark, der Schweizerischen Vogelwarte und
weiteren Partnern. Diese verschiedenen Partner arbeiten auch in
grenzüberschreitenden Kooperationen, z. B. in Interreg-Projekten,
zusammen. Wirtschaftlich wird das Projekt getragen von Nichtregierungsorganisationen wie der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, den nationalen WWFs, von Zoos und Tierparks, zahlreichen Stiftungen wie der Stiftung Pro Bartgeier oder der Stiftung Schweizerische Vogelwarte, dann von Universitäten, Nationalparkverwaltungen, Unternehmen und Privaten. Insbesondere in der Startphase wurde das Projekt auch mit staatlichen Mitteln unterstützt. In der Schweiz z.B. wird es organisatorisch betreut von der Stiftung Pro Bartgeier unter ihrem Geschäftsführer Chasper Buchli. Noch ist das Projekt nicht zu Ende. Weitere Bartgeier sollen ausgesetzt werden, bis die Grösse der in der Natur lebenden Population ausreicht, um die Verluste wettzumachen. Diese Situation dürfte in etwa 10 Jahren eintreten. Zum 25-jährigen Bestehen des Wiederansiedlungsprojektes haben die drei Wildtierbiologen Klaus Robin, Jürg Paul Müller und Thomas Pachlatko einen grossformatigen Bildband über den Bartgeier und das Projekt veröffentlicht. Herausgegeben von der Robin Habitat AG fasst das prächtig bebilderte Buch die aktuellen Kenntnisse über den Bartgeier zusammen und berichtet über die Entwicklung und den Stand des Wiederansiedlungsprojektes. Das Buch ist zum Preis von CHF 85.00/€ 60.00 (zuzüglich Versandkosten) erhältlich über den Buchhandel oder direkt bei der Robin Habitat AG, Rickenstrasse 2, CH-8730 Uznach, ++41 55 285 30 50 Autor dieses Textes: Dr. K. Robin Robin Habitat AG Rickenstrasse 2 CH-8730 Uznach
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