Schlohwittchen
wird seit alters her von den Menschen als ein unerhört vornehmes
Tier angesehen. Ein fataler Vorzug, den es durch sein weiches
schmeichelndes Fell hat, das im Winter blendend weiß ist, bis
auf die schwarze Rutenspitze. Unter allen kostbaren Pelztieren
ist es einzigartig und unverwechselbar. Die schwarze Rutenspitze
auf dem weißen Fell dient den Menschen schon seit Jahrhunderten
nicht nur als ein besonderes Kennzeichen für das Hermelin:
Schlohwittchen ist auch mit Zepter und Krone, mit Gold und
Purpur, blitzenden Edelsteinen und Perlen ein Emblem der
höchsten irdischen Macht und Würde, als das Zeichen und die
Zierde von Kaisern und Königen. Da mögen die Throne auch wanken
und die Träger des Hermelin-Pelzes wechseln. Das Hermelin
alleine ist so hoch angesiedelt, um zwischen Thron und Krone zu
ruhen. Hermeline sind Luxusgeschöpfe, nicht erst, wenn man sie
als Stola über Perlen und Brillanten trägt. Wenn auch erst im
Tode, wird dem Hermelin Schlohwittchen, die höchste irdische
Ehre zuteil, die je einem Tier gegönnt wurde. So wissen also
auch wir heute über seinen einstigen protokollarischen Rang sehr
gut Bescheid.
Hermelin und
Mauswiesel ähneln sich
Im Sommer ist das Hermelin braun, mit weißer Unterseite. Da
könnte man es mit dem Mauswiesel verwechseln, das ganzjährig
sein Einheitskleid trägt. Aber das Hermelin hat jene schwarze
Schwanzspitze, die dem Wiesel fehlt. Auch ist es um die Hälfte
größer als jenes. Farbe und Haar sehen sich bei beiden sehr
ähnlich, denn beide haben jenen braunen bis rötlich braunen Pelz
nur auf der Oberseite. Die weiße Unterseite ist beim Hermelin
scharf abgesetzt, beim Wiesel ausgefranst.
Erst zu Beginn des Winters verwandelt sich das Hermelin. Es
zieht sein rein weißes bis elfenbein-weißes Winterkleid an, doch
die Schwanzspitze bleibt weiterhin schwarz. Bis Ende November
verfärbt es sich in die weiße Winterfarbe. Der Kleiderwechsel
verläuft ziemlich schnell. Südlich der Alpen bleiben viele, bei
uns nur einzelne jüngere Tiere, auch im Winter braun. Der
Haarwechsel im Frühjahr beginnt im März und er zieht sich lange,
oft bis weit gegen Ende April hin. So sind die Tierchen lange
gescheckt, genauso, wie zu dieser Zeit auch ihr Lebensraum. Ihr
weißes Winterkleid ist in mehreren Schichten aufgebaut mit
feiner weicher und luftiger Unterwolle, aber einem straffen
geraden Oberhaar, das Schnee und Nässe abhält.
Zur Biologie
der beiden Wieselarten
Das Hermelin ist rund um den Norden dieser Welt verbreitet, also
über Europa, Asien und Nordamerika. Die Überlebenschance der
Jungen hängt vom Mäuseangebot ab. Aber auch bei reichlicher
Beute und ohne den Einfluss von Menschen liegt die Lebensdauer
selten über 2-3 Jahre. Das Hermelin ist ein Tier meines Gartens,
wo es viele Mäuse gibt, doch fürchtet es die beiden Terrier und
verkriecht sich daher unter dem Gerätehäuschen.
Mit 24-31 cm Körperlänge und einem Schwanz von 9-14 cm ist das
Tier um die Hälfte länger als das Wiesel und der Schwanz ist gar
doppelt so lang. Der Hermelin-Rüde wiegt 440 g. Das ist mehr als
doppelt soviel wie ein Mauswiesel-Rüde, der etwa genauso viel
wiegt wie die Hermelin-Fähe.
Das Hermelin oder Großwiesel (Mustela erminea) ist der nächste
Verwandte des Mauswiesels (Mustela nivalis) und gehört zu den
Marder-Arten. Beide sind besonders gut an die Jagd in den
unterirdischen Mäusegängen angepasst. Bei Schlohwittchen, dem
Hermelin, beträgt die Kopf-Rumpf-Länge 24-31 cm, die
Schwanzlänge 9,5-14 cm. Beim Hermelin ist die Schwanzspitze
immer schwarz, beim Mauswiesel nie. Fähen sind deutlich kleiner
als Rüden.
Hauptnahrung sind für beide alle
Wühlmausarten, die sie bis in die Gänge verfolgen, gelegentlich
Vögel und Insekten. Örtlich sind Wildkaninchen eine Ersatzbeute,
doch lässt sich sonst die behauptete Jagdschädlichkeit im
behaupteten Umfang durch Magenuntersuchungen nicht beweisen.
Entgegen der Darstellung in vielen Büchern, erfolgt die Ranz
beim Hermelin im Hochsommer. Die Entwicklung der Jungen erfolgt
erst nach einer Keimruhe im Spätwinter. Die 6-7 Jungen werden
meist im Mai geboren und sind weiß. Mit 5-6 Wochen öffnen sie
die Augen, und mit 3-4 Monaten werden sie selbständig.

ller Anmut,
aber ein gnadenloser Jäger
Neben dem nahen Verwandten, dem Wiesel, ist kaum ein anderes
Tier als das Hermelin dazu ausersehen, den Menschen in
allerhöchstes Erstaunen und Entzücken zu versetzen.
Schlohwittchen hat die Gabe der Allgegenwart, aber es scheint
Tarnkappen zu tragen. Es ist in einer intakten Natur
allgegenwärtig, aber man sieht es selten. Es kann überraschend
erscheinen und spurlos verschwinden.
Es
lebt oft mit uns im Einklang und im gleichen Haus, in Schuppen
und Scheunen. Falls man es überhaupt sieht, ist es
blitzesschnell wieder fort. Mehr noch als das Wiesel turnt und
klettert es nach Marderart auch in Büschen und Bäumen, in Felsen
und Steinhaufen, altem Gemäuer, Heuhaufen und Holzstapeln. Es
richtet sich auf Mäusejahre ein, folgt den Spuren von Ratten und
Mäusen zu Land und im Wasser. Es ist ein Jäger mit ganz feinen
Sinnen, wie sie ein Jäger braucht, der von der Jagd leben muss.
Rasch entschlossen und verwegen, voller Passion und
Jagdbegierde.
Schon Konrad Geßner weiß in seinem 1551-1558 veröffentlichten
zoologischen Monumentalwerk Historia animalium von Angriffen des
Hermelins auf Hasen zu berichten: "Den Hasen soll er listiglich
nachstellen, dann es spilt und schimpft ein weyl mit jm, un so
er müd, sich der feyndschafft nit versiht, so springt es jm an
seinen halß und gurgel, hangt, truckt und erwürgt jn, ob er
gleich in dem lauff ist."
Dass es gelegentlich Junghasen reißt, will ich gelten lassen.
Althasen, die an Parasiten oder vielerlei Krankheiten leiden und
darum nicht flüchten, weiß es sicher auch von gesunden Hasen zu
unterscheiden. Es wäre denkbar, dass es diese ohnehin
todgeweihten Hasen reißen könnte. Ob es den Todesritt auf dem
flüchtenden Hasen mit einem in den Hals verbissenem Wiesel
wirklich gibt, ist zweifelhaft. Ich fürchte daher, dass die
Legende von Geßner immer wieder abgeschrieben wurde. Doch
existieren noch mehr solche Schauergeschichten, so die vom
Bussard, der ein Hermelin schlagen wollte und selber auf der
Strecke blieb. Da wird vom Teichhuhn geschrieben, das selbst
nicht viel schwerer ist als ein Hermelin und mit ihm durch die
Lüfte gesegelt sein soll. Da ist die Geschichte vom Adler, der
verdammt ist bis an das Ende seiner Tage einen in Hals oder
Brust verbissenen gebleichten Hermelin-Schädel mit zu tragen.
Tollkühne Jäger sind sie ja, und einen Löwenmut haben sie auch,
so dass sie vor wenigem zurückschrecken. Ganz sicher schlüpfen
sie auch in die Baue von Wildkaninchen, um die Jungen aus dem
Nest zu holen. Doch kann ihnen eine agressive Kaninchenmutter
schon ganz schönen Ärger bereiten, wenn sie um ihre Kinder
kämpft. Dennoch gibt es Gegenden, in denen das Hermelin
überwiegend von Wildkaninchen lebt, weil es dort wenig andere
Beute gibt. Die normale Nahrung sind aber alle Wühlmausarten bis
zur großen Wühlmaus, die auch Wasserratte heißt und der sie bis
in den Bau am Wassersaum folgt. Auch die Wanderratte hat gegen
ihren blitzschnellen Biss ins Genick keine Chance. Wer ein
Hermelin in Haus und Garten hat, der darf sich glücklich
schätzen, weil sie die allernützlichsten Tiere sind, die den
Garten frei von Wühlmäusen halten und den Kompost von Ratten
säubern. Man sollte sich an die Zeiten der Völkerwanderung
erinnern, als es noch keine Hauskatzen gab. Damals waren alleine
Mauswiesel und Hermelin die Freunde des Menschen, weil sie seine
Vorräte geschützt haben.
Krieg gegen
Schlohwittchen
Das scheint heute vergessen zu sein. Denn der allergrößte Feind
von Wiesel und Hermelin, Fuchs und Luchs, Wildkatze und Marder,
Greifvogel und Eule, sind ausgerechnet jene Menschen, die als
besonders naturverbunden gelten: Waldbesitzer und Forstleute.
Anstatt auf ihre natürlichen Helfer zu vertrauen, haben sie sich
in der Forstschule von irgendwelchen Theoretikern beibringen
lassen, dass man Mäuse in den Neupflanzungen im Wald massiv mit
Gift bekämpfen müsse, um den geplanten naturnahen Wald
hochzubringen. Offenbar haben sie über ihrem Naturwald die
Tiere, die darin leben, total vergessen. So sterben ihre besten
Helfer im Wald kläglich an dem Gift, das sie zusammen mit den
geschädigten Mäusen aufnehmen. Nicht nur durch Schrot und Falle,
sondern durch Gift stirbt vor allem auch Schlohwittchen ganz
leise und kläglich, ohne das auch nur ein einziger Schuss
gefallen ist, am Mäusegift mit den Beutetieren.
ier werden sie aus Gedankenlosigkeit gefährdet. Doch auch unter
den Jägern gibt es eine Gruppe, welche die Unebenheiten der
Natur ganz bewusst wie ein grüner Gott regulieren will und auch
stolz darauf ist. Sie übertragen das Prinzip der
industrialisierten Landwirtschaft mit ihrer Schädlingsbekämpfung
in Monokulturen auch auf die Natur, um neben die Monokultur in
Wald und Flur auch noch die jagdliche Monokultur zu stellen.
Schlohwittchen wird oft entgegen dem Gesetz sogar unter
Missachtung von Schonzeiten bekämpft. Eine kleine Anzahl von
Niederwildjägern will die Tiere mit allen sich bietenden Mitteln
vernichten. Ihr Ziel sind höhere Abschusszahlen: mehr Rebhühner,
mehr Fasane und noch mehr Hasen. Jagdversender bieten das
Werkzeug dafür an: Fangeisen und Wippbrettfallen. Die
Wippbrettfalle gibt es im Dutzend billiger. Zusammen mit der
Betriebsanleitung wird verkündet, wie viele davon man auf
welcher Fläche verteilen soll, um die höheren Niederwildstrecken
zu erreichen. All das geschieht, obwohl man aus Blases Lehrbuch
für die Jägerprüfung eigentlich doch gelernt haben müsste, dass
diese Fallenart nach dem Bundesjagdgesetz verboten ist, da sie
weder unversehrt fängt, noch sofort tötet. Dort wird auch
erläutert, dass in der Falle das Hermelin im engen Fangraum
binnen einer halben Stunde einen mehr oder weniger qualvollen
Tod am Adrenalinschock stirbt oder verdurstet. Obwohl das den
Jagdherren bekannt ist, erhalten manche Berufsjäger in ihren
Anstellungsverträgen die Zahl der zu vernichtenden Hermeline
vorgeschrieben. Wenn sie zu ihrem spärlichen Gehalt einigermaßen
dazuverdienen wollen, sind sie auf die zusätzlichen Fangprämien
ihrer Jagdherren angewiesen, und wer nicht spurt, fliegt ohnehin
raus. Neuerdings müssen Fallensteller in Bayern einen gesetzlich
vorgeschriebenen Kurs besuchen und eine Prüfung ablegen. Das
ökologische Grundproblem wird damit freilich nicht gelöst, dass
man das Lebensrecht einer so nützlichen Tierart infragestellt.
Dieser bezaubernde Charme von Schlohwittchen sollte eigentlich
genügen zu zeigen, daß die ehrliche Jagd die Liebe zu allem
Lebendigen ist. Beim Hochwildjäger wird durchwegs der Krieg
gegen Schlohwittchen abgelehnt. Kritik an der Wippbrettfalle
bedeutet auch keinen Vorwurf gegen den, der einmal im Jahr mit
der Waffe ein Hermelin überlistet und erlegt, denn es wird den
Bestand dieser Tiere nicht gefährden. Der grüne Jäger muss sich
nur bewusst sein, dass es um das Naturerlebnis der Jagd auf den
weißen Kollegen Jäger geht, den er überlistet. Dass diese Jagd
biologisch nicht notwendig ist, sollte er wissen, dass er also
in der Natur mit seinen Wünschen nur geduldet ist. Einige Länder
der EU haben die Konsequenz schon gezogen. Die Mäuse- und
Rattenfänger Wiesel und Hermelin haben dort ganzjährige
Schonzeit. Auch wer ein Niederwildrevier hat und sich nicht
fügen will, sollte bedenken, dass es nichts hilft in einem
Gebiet ein biologisches Vakuum zu schaffen, das sich aus der
Zuwanderung in die frei gewordenen Reviere immer wieder
auffüllen wird.
Wo
es kein Hermelin mehr gibt, ist auch die Jagd des Jägers zu Ende
Wo das Hermelin jagt, haben die Wühlmäuse keine Chance mehr.
Wenn der Lebensraum in Ordnung ist, es noch oder wieder Hecken
gibt und Steinhaufen, da spielt das Großwiesel eine
untergeordnete Rolle, denn es ist genug Beute für alle da. Dort
in dem Dickicht lebt es gerne, unter Brombeeren, Weißdorn und
Heckenkirschen, Schlehen und Hasel, denn da finden sie neben
Mäusen und nochmals Mäusen auch Vogelbrut im Überfluss,
Eidechsen, Käfer, Grillen und andere Insekten. Sie leiden dort
auch im Winter nicht Hunger und essen doch dem Jäger nichts weg.
Da mag der in der Wildkirsche sitzende Turmfalk vielleicht
ärgerlich werden, wenn das Hermelin vor seinem Schnabel
schneller ist und zufasst, noch ehe der Rüttler sich
entschließt. Eben noch hat das schlanke Hermelin wie ein Pfahl
sichernd Männchen gemacht, schon ist es mit einem Satz des sich
wie ein Flitzebogen krümmenden Rückens vor die Maus geschnellt
und fasst mit nadelspitzen Zähnen zu. Kaum ist das weiße Tier im
Schnee zu sehen, denn nur die blanken Kulleraugen blitzen
verwegen, das Näschen ist braun und schwarz das Schwänzchen,
aber sonst ist Tarnfarbe angesagt. Mit der Maus im Fang hüpft
das Großwiesel im Schnee weiter. Bei jedem Hüpfer setzt es die
Pfötchen paarweise in den Schnee, und es springt auch mit den
Hinterpfötchen exakt in die Paarspur der Vorderpfötchen. So eine
Hermelin-Spur im Schnee ist unverwechselbar. Dort wo die
Schneeschicht ein wenig fester ist und eben, lässt
Schlohwittchen die Maus noch einmal rennen, rein aus sportlichen
Gründen, denn die hat keine Chance zu entkommen. Ein, zwei, drei
Sprünge, und schon hat das Hermelin sie wieder erhascht. Das
ganze Spiel wiederholt es mehrfach, ein grausames Spiel für die
Maus, doch ein Fangtraining für den Jäger. Er hat wohl auch
keinen Hunger und verschwindet mit der Beute in seiner
Vorratskammer im Steinhaufen. Da lagert Beute für kühle, nasse
und windige Tage in einem alten Drainagerohr. Wenn die Beute
nicht sichtbar ist und das Wiesel nicht jagen kann, lebt es aus
seinem Kühlschrank und muss nicht hungern. Dann hopst es weiter,
richtet sich immer wieder sichernd wie ein weißes Schlänglein
auf und mustert die Umgebung aus den dunklen funkelnden blanken
Knopfaugen. Es hüpft wieder weiter, sichert abermals hoch
aufgerichtet, und wiederholt das ständig, buckelig hopsen und
dazwischen immer wieder sichern. Wo die Brücke über den
Bach geht, haben im Herbst die Mähdrescher Körner verloren, und
der Platz ist schneefrei. Dort versammeln sich gerne einige
ziehende Feldlerchen, die früh von der Reise zurück sind.
Schlohwittchen macht einen blitzschnellen Sprung. Mit
Angstschrei toben die Lerchen davon, aber eine davon endet
todsicher zwischen den spitzen Zähnen des Großwiesels, das die
Beute wieder im Steinhaufen verstaut für die erwähnte
unfreundliche Witterung an kalten Tagen. Weiter geht der
Jagdausflug. In der Randfurche am Acker hopst es in der Deckung
lang. Da, ein schwarzer Schatten, aber es erschrickt nur vor
einer Saatkrähe, die dort herumstochert. So sucht es jetzt
Deckung unter einer großen Scholle, aber die Krähe interessiert
sich nicht. Da verschwindet das Wiesel noch einmal, doch jetzt
unter dem Schnee in einem Mäusegang, kommt heraus und sichert
wieder, um abermals unter den Schnee abzutauchen. Das wiederholt
sich. Für die Jagd in den Gängen ist das Hermelin perfekt
gebaut. Ihre kurzen Beine und der schmale Körper werden durch
die Länge mehr als ausgeglichen. Sie können wie eine
Würgeschlange auch eine Beute mit ihrem Körper umschlingen und
besser festhalten, wenn es sein muss. Der überschlanke Körper
ist behende und von einer unfassbaren Geschmeidigkeit. Alles an
diesem eleganten Räuber ist Muskel, ist Sehne, Biegsamkeit und
Kraft. Der Hals hebt sich kaum ab. Wenn es rennt, biegt und
streckt sich der Rücken wie ein Bogen, der das Tier in weiten
Sprüngen blitzschnell dahin schießen lässt, dass es dem Auge
schwer fällt ihm zu folgen. So fängt es die schwerfällige
Wanderratte immer und tötet sie mit raschem und sicherem Biss
ins Genick.
Bei Magenuntersuchungen hat sich
gezeigt, dass sie Mäuse, Mäuse und nochmals Mäuse darin hatten,
doch auch Reste von Käfern, Heuhüpfern, Fliegen und deren Maden,
aber auch die dicken Eulen-Schmetterlinge. Die Frage nach der
Jagdschädlichkeit hat sich nur in ganz wenigen Fällen bestätigen
lassen, und auch da ist nicht sicher, wie krank die erjagten
Tiere waren. Großwiesel jagen bei Tage und Nacht, doch
überwiegend tagsüber. In der weißen Pracht, die alles Leben im
Winter verbirgt, ist es gar nicht so einfach, den weißen Tieren
mit den Blicken zu folgen. Einen Tag später, nachdem der Föhn
Tauwetter bringt und den Schnee fortgewischt hat, ändert sich
das. Dann hat die weiße Tarnung ihren Sinn verloren, denn das
Wiesel ist auf braunen oder grünen Wiesen kilometerweit zu
sehen. Jetzt muss das Hermelin schon sehr aufpassen, dass es
nicht zu weit hinausgeht, denn sonst fängt es der Habicht. Der
kann ihm schon gefährlich werden, und da hilft Selbstbewusstsein
und Tollkühnheit ihm nichts mehr.
Es hat Feinde, aber keinen Feind,
der ihm wirklich Furcht einflößt, und die Kampfbereitschaft ist
auch in der Not ungebrochen. Doch ist es wohl ein Schock, der
die sonst nur für die Reviermarkierung gebrauchte Stinkdrüse
veranlasst, sich schlagartig zu entleeren. Ein penetranter
Mardergestank, der Jagdhunde mit Ekel erfüllt. Mein Jagdterrier
Clown hat ein Hermelin vor Jahren wenigstens 10 x um einen Baum
gejagt und es damit wirklich in panische Schrecken versetzt,
denn es bellte, stank infernalisch und schrie keckernd, dass es
sich anhörte wie das Scheckern einer Elster. Da hat das Wiesel
sich schließlich hinter einen Zaun retten können und erst einmal
hechelnd gerastet. Als ich drüberschaute und es trösten wollte,
hat es mich angefaucht und gezischt wie eine Schlange.
Den Menschen gegenüber ist das
wild lebende Hermelin oft von einer faszinierenden Vertrautheit.
Wir haben in den Südalpen eine Zeitlang eine Hütte auf 2000 m
Höhe bewohnt. Diese Hirtenhütte haben wir mit Schlohwittchen
geteilt. Es hauste im Holzkeller, unter der Holzterrasse im
Gerümpel aber auch im Holzstapel davor. Morgens ist es
herausgeschlüpft und auf die Jagd gegangen. Nachmittags, wenn
wir auf der Terrasse saßen und Kaffee tranken, kam es zurück, um
ohne Scheu vor uns in sein Nachtlager zu schlüpfen. Es kam immer
am Zaun entlang und über den Holzstapel, zögerte kurz, richtete
sich sichernd auf und verschwand direkt unter unseren Füßen.
Zuweilen habe auch ich Großwiesel
heran gemäuselt. Dazu muss ich die Lippen spitzen, mit der Hand
abschirmen und die Luft zwitschernd zwischen Lippen und Zähnen
durchziehen. Das klingt dann wie das Zwitschern der Mäuse. Da
eilt Schlohwittchen zuweilen ganz nahe heran und verhofft auf
drei Schritte vor dem Menschen, um auf den nächsten Mäusepfiff
zu warten und zuzustoßen. Natürlich kommt der Pfiff nicht mehr,
und es merkt auch, dass es unheimlich stark nach Menschen
riecht.
Der Drang von uns Menschen, uns mit den schönsten
und liebenswertesten Tieren zu verbinden, ist so alt wie die
Menschheitsgeschichte. Ohne Scheu und Furcht nebeneinander zu
leben, ist etwas wundervolles, je bezaubernder so ein Tier ist.
Schlohwittchen, das Hermelin, kann diese große Sehnsucht nach
der harmonischen Zwiesprache zwischen Mensch und Tier erfüllen.
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Fotos A. Limbrunner und W. A. Bajohr
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Bericht:
Wolfgang Alexander Bajohr
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