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Es
ist still auf der Alm. Auf einmal lugt ein braunes spitznasiges
Köpfchen mitten aus dem Geröll hervor. Es ist flach und kaum größer
als der Kopf einer Eidechse. Der Kopf mit den lüstern funkelnden
schwarzen Äuglein verschwindet, und plötzlich kommt ein
spannenlanges braunes gestrecktes Tier heraus. Einen Augenblick lang
richtet sich das Hermännchen auf und steht als Pfahl, die
Vorderpfötchen hat es auf den schlohweißen Bauch gelegt. Es sichert
unbeweglich zu uns her. Als es ein wenig bucklig weiterhoppelt,
springt unser Terrier mit einem mächtigen Satz hinterher. Aber
gedankenschnell verschwindet das Mauswiesel in einer Felsspalte.
Bald höre ich ein Rascheln im Laub, und ein kleines braunes
Schlänglein richtet sich wie ein Pfahl auf, der sich windet wie eine
tanzende Schlange.
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Es ist flink,
hurtig und wendig wie eine Eidechse, doch furchtsam wie eine Maus,
aber man sagt ihm auch nach, dass es blutrünstig sei, weil es sogar
Ratten fängt. Nadelscharf und fürchterlich ist das Gebiss für die
Beutetiere. Mit dem überschlanken Körper schlängelt es sich durch
Spalten und Risse, die gerade 2 cm breit sind, behende und von einer
unfassbaren Geschmeidigkeit. Alles an diesem winzigen Räuberchen ist
Muskel, ist Sehne, ist Biegsamkeit und Kraft. Auch der Kopf geht
ohne Halsansatz direkt in den Körper über. Diese muskelbepackte
Zweckform ist verbunden mit einer rastlosen Beweglichkeit und
behender Unternehmungslust. Mit seinem tollkühnen Mut, ja einer
schier ungestümen Tapferkeit folgt es seiner Beute in deren
finsteren Erdbau. Den Mäusen sind sie in den dunklen Gängen der
Schrecken selbst, stets überlegen gegen jeden in der Kleintierwelt.
Selbst die Ratten rasen in Panik davon, wenn sie ein Mauswiesel nur
wittern, und sie haben auch allen Grund dazu. Denn auch ein nur 75
Gramm schweres Mauswieselweibchen beißt sich dort fest, wo die
Wirbelsäule am Kopf der Ratte ansetzt. Manchmal beißen sie die Kehle
durch, aber es stimmt nicht, dass sie den Opfern das Blut nach
Vampirart aussaugen. Bedacht warten sie die Lücke der Verteidigung
ab. Ihr Zugriff erfolgt dann so rasch, dass dem Opfer auch nicht die
geringste Chance zur Gegenwehr bleibt.
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Wissenschaftler
zählen Mauswiesel zu den Raubtieren. Sie sind unsere kleinsten
Marder, nur 17-23 cm lang. Ein Rüde wiegt 75-130, die Fähe nur 45-75
g. Von ihren Beutetieren bringen es Feldmaus, Schneemaus oder
Gelbhalsmaus auf 45 g, die große Wühlmaus auf 180 g und Wanderratten
gar auf 250 bis 500 g. Nur die 28 g leichte Waldmaus kann oft
entkommen, aber sie ist ja selber ein Räuber. Meist flieht sie und
katapultiert sich mit einem Heuhüpfersprung aus dem Blickfeld und
rast davon. Im Bau aber hat auch sie keine Chance. Denn im Mäusenest
verzehrt das Wiesel schmatzend die rosafarbenen Jungen, um danach
gleich selbst im Nest zu schlafen. Doch wenn Wiesel satt sind,
dulden sie, dass die Mäuse vor ihrer Nase tanzen, ohne dass sie
zugreifen.
Sitzt eine Wieselfähe bucklig da, ist sie selber kaum größer als
eine Maus, und streckt sie sich, ist sie gerade um die Hälfte
länger. Viele sehr gute Naturbeobachter, Forstleute und Jäger können
Mauswieselbeobachtungen ihres ganzen Lebens an einer einzigen Hand
abzählen. So anmutig und flink sie auch sind, für viele bleiben sie
unsichtbar, obwohl sie meist tagaktiv sind und gerne in alten
Ställen und Bauernhäusern unter den Dielen direkt beim Menschen
leben.
Heißhungriger
Mäusejäger bevorzugt Wühlmäuse
Bewerte ich ihren Anmut, sind sie die faszinierendsten Beutegreifer.
Viele Jäger hatten noch nie den Wunsch, eines zu erbeuten. Das ist
mit der Waffe auch gar nicht so einfach, und alleine das wäre
waidgerecht, weil die Chance für ein Entkommen gewaltig ist. Sie
lassen sich herbei mäuseln. Gewöhnlich fällt es dem Zwerg gar nicht
ein, vor still sitzenden Menschen zu fliehen. Dann steht er
aufgerichtet kaum 10 Schritte vor uns, ohne sich zu fürchten. Mal
ist er dreist näher zu hüpfen, ein anderes Mal furchtsam, dass es
verschwindet. Steckt man einen Finger in so ein Loch, so stößt er
blitzschnell trommelnd zu und versucht fauchend und keckernd zu
beißen, denn das Wieselchen will sich verteidigen. Doch geschwind
ist es wieder unter den Felsen, im Mäusegang oder im dürren Falllaub
verschwunden. Stets ist es im entscheidenden Moment eilfertig fort.
Genauso aber jagt es auch, als ob immer Heißhunger es verfolgt, denn
es ist ganz sicher, dass ihr quecksilbriges Wesen einen großen
Fresser mit knurrendem Magen antreibt. Nicht ohne Grund, denn das
Mauswiesel ist in so hohem Maße auf die Jagd nach Feld- und
Rötelmäusen spezialisiert, dass die Körperform vorsieht, dass sie
der Beute bis in die entlegensten Gänge folgen können. Diese
Fähigkeit setzt die langgestreckte zylindrische Form des Mauswiesels
voraus. Um durch die Gänge zu schlüpfen ohne stecken zu bleiben,
muss es dünner sein als Mäusebaue im Querschnitt. Daher haben sie
eine im Verhältnis zum Gewicht der Tiere ungünstige Oberfläche, die
viel Wärme abstrahlt. Darum würden sie eigentlich dicke Fettpolster
brauchen, aber die können sie sich nicht leisten, weil sie dann
nicht mehr in die Gänge passen. Um Energieverluste auszugleichen,
hat das Mauswiesel einen hohen Grundumsatz.
Unter ihren
Beutetieren machen Vögel nur 15 % aus. Meist sind es Bodenbrüter und
deren Junge, denn gute Kletterer sind Mauswiesel trotz ihrer
nadelspitzen Krallen nicht. Alle Mäusearten bis hin zur Wanderratte,
sind mit 80 % ihre Hauptbeute. Nur wo es Wildkaninchen gibt,
schlüpfen sie auch in deren Baue und räumen dort mal ein Babynest
aus. Da kann der Beuteanteil bis zu 20 % betragen. Für eine
Jagdschädlichkeit bleibt bei dieser Beutezusammensetzung kein Raum.
Das Hermännchen
fühlt sich stark
Wer sich stark fühlt, ist auch unternehmungslustig. So gibt es kaum
ein anderes Tier bei uns, das sich mit einem Mauswiesel messen
könnte. Was der Winzling irgend bewältigen kann, das greift er sich.
Meist sind es die Mäuse, und an einer vorher lädierten Maus lernen
auch die Jungen schon das Fangen. Weit kommt das Mäuschen nicht,
dann wird es mit Gepfeife und Gezwitscher verzehrt. Die zierliche
spitzköpfige Mama schaut ihnen dabei zu. Wie kleine haselbraune
Schlänglein huscht die lustige Gesellschaft davon und zurück in den
Steinhaufen. Wenn eines Männchen macht, dann sieht man die
schneeweiße Unterseite, die gegen das Braun nicht sehr scharf,
sondern etwas ausgefranst abgegrenzt ist, im Gegensatz zum Hermelin
mit scharfer Farbabgrenzung. Im Unterschied zu dem fehlt die
schwarze Schwanzspitze. Ihr Zottelschwänzchen ist kürzer und
einfarbig braun. Und noch etwas unterscheidet sie: Schlohwittchen
wird im Winter weiß, aber das Mauswiesel bleibt in Mitteleuropa
braun.
Jagd auf Vorrat
Fällt die Beute reich aus, verstauen Wiesel sie gerne als Vorrat im
Steinhaufen und heben sie für Regentage auf. Da kann es dann schon
vorkommen, dass die Wieselmutter und der Wieselrüde sich gegenseitig
Mäuse klauen. Dann ist ein helles zorniges Trillern zu hören. Genauso
rufen sie aber auch, wenn sie sich in den finsteren Gängen begegnen,
wenn sie Revier oder Schlafplatz für sich alleine beanspruchen. Dann
muss einer von beiden umdrehen und weichen. Mich fasziniert immer
wieder, dass sie es schaffen, sogar in einer Röhre mit einem
Innendurchmesser von nur 3 cm zu wenden.
Nachwuchs gibt es im Frühling ab März, aber auch bis August sind noch
trächtige Weibchen gefangen worden. Denn in guten Mäusejahren kann es 2
Würfe mit jeweils 4-6 Jungen geben. In guten Mäusejahren sind Junge
sogar im Winter beobachtet worden. Man kann sich gut vorstellen, wie
viele Junge verhungert sind, weil ihre Mutter gefangen wurde. Trächtig
sind sie 35 Tage. Ihre Augen öffnen sie erst mit 21-25 Tagen, so dass
die Mutter sie lange unbesorgt alleine lassen kann, während sie jagen
geht. Denn sie säugt bis etwa zum 28. Tag. Endlich geht die ganze
Familie gemeinsam auf Jagd. Etwa bis zum 3. Monat lernen sie von der
Mutter die Mäusejagd. Mit einem Jahr werden sie geschlechtsreif sein,
und wenn alles gut geht, haben sie 7-8 Jahre vor sich.
Lebensraum sichert
Überleben
Ihr Überleben aber hängt nicht nur vom Menschen ab oder von den Mäusen.
Auch der Fuchs verwechselt sie mit einer Maus und fängt schon mal ein
Wiesel, aber auch der große Bruder Hermelin fängt Mauswiesel, ebenso
Wildkatze, Baummarder, Habicht oder Waldkauz. Fällt ein Flügelschatten
eines vorüberstreichenden Greifvogels auf den Boden, wimmelt es gleich
überall, dass es den Greif verstört und verwirrt. Die quecksilbrige
Familie ist verschwunden, lugt aber gleich unter einer Wurzel, hier aus
schmalem Spalt im Steinhaufen, dort aus einem Mäuseloch wieder heraus,
ob Entwarnung angesagt ist. So spielen sie den langen Tag, mitten im
Spiel wird Beute gemacht, und so ist die Jagd eigentlich nur ein Spiel,
wenn auch zuweilen ein gefährliches, weil auch Fuchs und Habicht Beute
brauchen, um ihre Kinder zu versorgen. Vielleicht packt sie auch
Goldhals der Baummarder oder Weißkehlchen der Steinmarder, die Wildkatze
oder eine Eule. Aber sie kennen nicht Sorge, nicht Ruhe und nicht
Beschaulichkeit. Denn ein Mauswiesel ist immer voller Freude, Lust und
Passion. Ihr Lebensmut ist ungeheuer, aber auch ihre Fähigkeit, sich
unsichtbar zu machen. Oft ist es schwer, ihnen mit den Augen zu folgen,
mehr noch mit der Schärfe einer Kamera. Viele Tierfreunde, selbst
solche, die viel draußen sind, haben noch nie ein Mauswiesel gesehen.
Jäger kennen es meist nur tot, wenn sie es aus der Falle schütteln.
Dabei sind Mauswiesel Nacht- und Tagaktiv. Am Holzstoß sind sie zu
finden, im Langholz, im Steinhaufen, in der alten Baumhecke am Feldrand,
wo es genügend Höhlen gibt, an Waldhütten und bei den Rötelmäusen auf
dem Kahlschlag.
Jagdliche Bekämpfung
der Mauswiesel ist nicht vertretbar!
Für den Menschen und seine durch Nager gefährdete Vorratswirtschaft,
sind Mauswiesel die allernützlichsten Tiere, die man sich vorstellen
kann. Schon vor 3500 Jahren haben die Ägypter das Mauswiesel für heilig
erklärt. Unsere Vorfahren haben es schon im keltisch/römischen Rätien
anstatt der Hauskatze gehalten und von kaum einem Tier weiß Sage und
Mythologie soviel zu berichten. Niemand wäre auf die Idee gekommen,
ihnen ein Leid anzutun, um damit einen Einfluss auf Populationen von
Nutzwildarten auszuüben. Einst haben die Bauern dem Wieselchen ein
Schüsselchen mit Milch hingestellt, die es gerne getrunken hat. Dafür
hat es sich mit dem Fangen von Mäusen revanchiert.
In einigen Ländern Europas haben Mauswiesel und Hermelin das ganze Jahr
Schonzeit. Einige deutsche Bundesländer verschonen nur das Mauswiesel
und verlangen, dass in der Wippbrettfalle ein Schlupfloch von 21-23 mm
ist, durch das die Mauswiesel entkommen sollen. Alleine im Bundesland
Sachsen fordert der Landesjagdverband die Jäger auf, Mauswiesel zu
verschonen, weil sie kurz vor dem Aussterben stehen.
Bundesweit wird noch
immer eine Art von Krieg gegen beide Wieselarten mit der Wippbrettfalle
geführt. Am leichtesten zu fangen sind sie in den Monaten August bis
Oktober. Also teilweise trotz Schonzeit und in einem Zeitraum, wenn
Mauswiesel noch Junge säugen. Das geschieht, obwohl das Fell nicht
einmal verwertbar ist. Es wird mit der klassischen Niederwildhege
begründet, um Verluste beim Jungwild von Nutzwildarten zu vermeiden und
die Herbststrecken zu erhöhen. Unerfindlich bleibt, warum dann auch der
Maus- und Rattenfresser Mauswiesel sterben soll.
Man fängt Mauswiesel durchwegs in der Wippbrettfalle, zu der Blases
Lehrbuch für die Jägerprüfung schreibt: "Sie ist nach 19 BJG eindeutig
verboten, da sie weder sofort tötend noch sicher unversehrt fängt. Die
meisten Wiesel sterben in dem viel zu engen Fangraum mehr oder weniger
qualvoll an einem Adrenalinschock." Manche verdursten. Dennoch wird
diese Falle noch immer, im Dutzend billiger, verkauft. Nicht leicht zu
verstehen ist darum, dass ausgerechnet Niederwild-Berufsjäger diesen
Vernichtungsfeldzug als "Hege" verteidigen und zu rechtfertigen
versuchen. Leider fasst die Jagdstatistik Iltis, Hermelin und Mauswiesel
zusammen und weist insgesamt rund 100.000 Tiere aus. Nach Ermittlungen
entfallen auf das Hermelin 60% auf Mauswiesel 26 % und auf den
Rattenfänger Iltis 14 %. Man muss sich schon wundern, dass man ein Tier
bekämpft, ohne Bestand und Zuwachs zu kennen. Bei Reh und Hirsch würde
das keinem Jäger einfallen. Hier wird ein Tier vernichtend verfolgt,
über dessen Biologie Jagdzeitschriften während der letzten 50 Jahre fast
nie informiert haben.
Auch in Gebieten, in
denen Mauswiesel noch vorkommen, wird ihre Verbreitung maßlos
überschätzt. Natürlicher Weise wird ihre Anzahl alleine von der
Wühlmausdichte reguliert. Bei einem Wühlmaus-Vorkommen von 100-500
Mäusen pro Hektar, begnügt sich das Mauswiesel mit einem Revier von 1-5
ha. Gibt es pro ha nur 20-40 Mäuse, dehnen Wiesel ihr Jagdgebiet auf 15
ha aus. Dabei beanspruchen sie ein immer gleich bleibendes Territorium,
in dem sie festen Jagdrouten folgen. Rüden haben größere Reviere als
Fähen, ähnlich wie bei anderen Marderarten. Von denen ist im Schnee die
kleine Zweiersprungspur deutlich zu unterscheiden. Sie ist aber auch
leicht auszugehen, und so ist erkennbar, dass sie am Tag Entfernungen
von etwa 2 km zurücklegen, um ihr ganzes Revier zu kontrollieren und zu
bejagen.
Wieselhege mit
Steinhaufen
Grund zur Sorge haben wir beim Mauswiesel nicht nur wegen der "Hege".
Weit mehr noch wegen der Lebensräume. Denn wo man die Hecken aus der
Feldflur entfernt hat und Wiesen zu Ackerland umbricht, verschwindet mit
der Feldmaus auch das Mauswiesel. Selbst im Wald hat es sinkende Chancen
zu überleben. Auf Kahlschlägen, die mit Laubholz aufgeforstet werden,
setzt man massiv Gift gegen Rötelmäuse ein. Zusammen mit denen stirbt
aber ganz still und leise auch Mäusebussard, Rauhfußkauz und Waldkauz,
Waldohreule, und alle Marderarten einschließlich der beiden Wieselarten.
Das erste Mauswiesel, das man mir in unserem Landkreis noch lebend
gebracht hat, lag in Sterben. Es krümmte sich vor Schmerzen schreiend
auf dem Boden einer Schachtel, und auch kein Tierarzt konnte ihm helfen,
denn es starb an Rattengift. Um auch den Wieseln zu helfen, haben wir in
unserer Feldflur alleine 35 Steinhaufen als Wohnraum errichtet. Dort
kann man sie beobachten, unsere kleinsten Beutegreifer, die zutraulichen
Mauswiesel.
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Bericht und Fotos: Wolfgang Alexander Bajohr
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