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Diplombiologe
Fasel Michael
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Kirchstr. 35
9490 Vaduz / Liechtenstein
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Tel.00423– 366405 (g)00423–232
09 23
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eMail:
michael.fasel@awnl.llv.li
Michael Fasel, Jahrgang 1957, ist Biologe / Zoologe und hat sich vor allem
spezialisiert für Fragen der alpinen Ökologie.
Er arbeitet seit 19 Jahren
auf dem Amt für Wald, Natur und Landschaft der Regierung des Fürstentums
Liechtensteins. Dort ist er zuständig für die Abteilung Naturschutz und
naturkundliche Forschung. Während der letzten 16 Jahre leitete er auch die
Abteilung Jagd und war zuständig für die Jägerausbildung. Er hat also das
Privileg, seine berufliche Tätigkeit in einem Dreieck aus Wald,
Naturschutz und Jagd auszuführen, eine Kombination, die erfahrungsgemäss
ein hohes Potenial an Konflikten aufweist. Konflikte, die häufig auf
gegenseitiger Intoleranz oder auf Unkenntnis beruhen. Michael Fasel ist
mit Leib und Seele Jäger
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„Hin und wieder will ich mal was
Rechtes schiessen“ antwortete mir ein Jägerkollege auf die Frage,
was für ihn denn bei der heutigen Jagdausübung das Besondere
darstelle. Kahlwild, Spiesser, Jährlinge und Rehgeissen zu jagen sei
ja gut und recht und auch notwendig, aber wirkliche Freude kommt
auf, wenn das geschossene Stück eine ansprechende „Krone“ trägt. So
wie meinem Kollegen, geht es vielen anderen Jägern auch. Der
Trophäenwunsch hat eine erstaunlich starke Wirkung auf die
Aktivitäten der Jägerinnen und Jäger aber auch auf behördliche
Jagdvorschriften. Die staatliche Festlegung von Abschussplänen in
einigen deutschsprachigen Ländern richtet sich in unterschiedlich
starkem Masse auf die „Hege“ von Trophäenträgern aus. Auf die Frage,
ob das sinnvoll und in der Praxis auch durchführbar ist, soll in
diesem Beitrag eingegangen werden. Besprochen wird hier beispielhaft
die Situation bei den Cerviden Rothirsch und
Reh
Trophäensehnsucht: In allen
deutschsprachigen Ländern haben die Jagdvereinigungen auf direktem oder
indirektem Weg ein gewisses Mitspracherecht bei der Festlegung von
Abschussplänen und bei der Formulierung von jagdlichen Richtlinien. Die
Wünsche und Vorstellungen von Jägern prägen also bis zu einem gewissen
Grad den Inhalt der staatlichen Jagdvorschriften. Alle Jäger und
Jägerinnen mit einer mehrjährigen Erfahrung wissen, dass die Mysthik von
Hörnern und Geweihen, die Anerkennung die eine kapitale Trophäe dem
Erleger einbringt, Triebfedern für ein jagdliches Verhalten sind, das sich
nach Kriterien menschlicher Wunschvorstellungen richtet und weniger nach
den effektiven Bedürfnissen und Vorgaben der Wildtiere. Dabei soll hier
der Trophäe keineswegs die Faszination abgesprochen werden, die sie ja in
Wirklichkeit hat. Aber es erscheint mir von grosser Wichtigkeit zu sein,
dass diejenigen Aspekte der Jagd und der Hege, die nichts mit Trophäen zu
tun haben, mindestens ebenso ernst genommen werden – und dieser Aspekt ist
in jagdlichen Kreisen oft zu vermissen, oder wird nur als Alibifunktion
ausgeübt.
Mittelklasse schonen:
In allen mir
bekannten staatlichen Jagdvorschriften werden die Abschusspläne der
männlichen Cerviden detaillierter geregelt als beim weiblichen Wild. In
erster Linie geht es darum, Jäger und Jägerinnen dazu zu bringen, ihre
Abschüsse in einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis und in den
richtigen Altersklassen zu tätigen. Es wird in der Regel nicht verhindert,
dass die Grösse und die Form der Trophäe zum entscheidenden Faktor für die
Auswahl des Abschusses wird. Die heute noch üblichen Vorschriften über die
Einhaltung von Altersklassen beim Abschuss von Trophäenträgern, sind
während des
Jagdbetriebes nur in beschränktem
Masse durchführbar. Deshalb sollten sie möglichst einfach sein, das gesteckte Ziel erreichen und von allen Jagdausübenden praktizierbar
sein.
Beispiel
Kanton Graubünden:
Der Kanton
Graubünden in der Schweiz, ein ausgesprochener Gebirgskanton, gibt
hier ein gutes Beispiel. Seit 1992 sind dort alle doppelseitigen
Kronenhirsche (und die
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Hirschspiesser mit Überlauscherlänge) geschont, alle anderen Hirsche
(Geweihträger) sind frei.Mit dieser
Beschränkung sollen aber nicht die Kronenhirsche gefördert werden.
Das Ziel dieser Vorschrift ist die möglichst einfache und eindeutige
Ansprache eines Stückes und die Schonung der Mittelklassehirsche.
Im System der Patentjagd, bei der
in Graubünden jedes Jahr im September
während drei Wochen über fünftausend Jäger unterwegs sind und
hauptsächlich Bewegungsjagd betrieben wird, ist eine
zuverlässige Methode des Ansprechens notwendig um die Zahl der
Fehlabschüsse zu minimieren. Immerhin werden in diesen drei
Wochen über dreitausend Stück Rotwild erlegt. Bezogen auf das Rotwildareal des Kantons ergibt dies über 2
erlegte Stücke pro hundert Hektar. Die Analyse einer grossen Menge von
Hirschtrophäen aus diesem Kanton hat ergeben, dass knapp vierzig Prozent
der Mittelklassehirsche doppelseitige Kronen aufweisen. Dadurch, dass die
Jäger auf der Bewegungsjagd gezwungen werden, die Geweihe vor dem Schuss
auf Kronen zu kontrollieren, kann auch mancher mittelalte Hirsch
entkommen, der nicht mit zwei Kronen ausgestattet ist. Die Auswertung der
Jagdstrecken (Grünvorlage) zeigt, dass durch eine simple Regelung das Ziel
erreicht wird, rund siebzig Prozent der Mittelklassehirsche zu schonen.
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Die heute in Graubünden lebenden alten Hirsche erreichen ohne
Winterfütterung Geweihgewichte von sieben und mehr Kilogramm –
und das im Hochgebirge! Der stärkste „Fehlabschuss“ des
vergangenen Jagdjahres war ein mittelalter 26-Ender. Länder mit Revierjagdsystem können sich in der Regel aufwendigere
Vorschriften leisten als Patentjagdgebiete. Revierjäger haben
mehrere Monate Jagdzeit zur Verfügung und ein begrenzteres und
dadurch überschaubares Jagdrevier, in dem sie „ihr“ Wild beobachten
und bejagen können, ohne dass unbeteiligte Jäger dazwischenkommen.
Ob dabei gut veranlagte Träger von Zukunftstrophäen geschont werden
sollen oder nicht, bleibt jedem Jäger selbst zu entscheiden – aus
wildbiologischen Gründen
ist
es völlig unnötig und sollte deshalb behördlich nicht vorgeschrieben
werden. Im Gegenteil, starke und schwere Geweihe sind für jeden
Hirsch eine Behinderung und eine hohe Beanspruchung seiner
Nahrungsreserven. Aus
Nordamerika wissen wir, dass nicht die alten, sondern die stärksten
Geweihträger unter den |
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Fotograf und Copyright:
Beatrix Dällenbach |
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Wapitihirschen neben den Kälbern die häufigste
Beute von Wölfen ausmachen.
Zahl
vor Wahl auch bei Hirschen: In den
meisten mir bekannten Abschussregelungen verschiedener Länder werden die
Hirsche eingeteilt in Jugend-, Mittel- und Altersklasse. Wenige andere
nehmen noch eine zusätzliche Zweiteilung der Mittelklasse vor. Einige
verleihen den einzelnen Klassen noch das Prädikat A- oder B-Qualität. Aus
meiner jägerischen und aus wildbiologischer Sichtweise geht diese Art von
Klassierung einen ähnlichen Weg wie die Viehschauen auf
landwirtschaftlichen Messen. Es grenzt für mich an landwirtschaftliche
Zuchtwahl, wenn die Qualität eines Wildtieres so stark auf die Form und
die Grösse seines Geweihes reduziert wird. Als Jäger finde ich diese
Vorgehensweise verwerflich und dem Wildtier gegenüber respektlos. Dabei
ist diese Art der Alters- und Qualitätseinteilung während der Jagd nur
schwer durchzuführen und deshalb doppelt sinnlos. Trotz meiner etwa
dreissigjährigen Erfahrung als Rotwildjäger und –beobachter kann ich heute
immer noch nicht mit Bestimmtheit sagen, ob ein Hirsch vor meinem Ansitz
sechs, acht oder zehn Jahre alt ist. Und ich weiss, dass es auch anderen,
erfahreneren Leuten als mir, ähnlich geht. Körperliche Verfassung,
Verhalten, Verhärung, Mähne, Stellung der Stirnzapfen und viele andere
Merkmale sind auf der Jagd meist so unzuverlässig, dass ich mich darauf
beschränke, zu sagen: „es ist ein alter Hirsch oder, es ist ein junger
Hirsch“ – in der Regel ist es ein junger! Anders mag es für einen
Berufsjäger gelten, der „seine“ Hirsche jeden Winter an der Fütterung
beobachtet und vielleicht Serien von Abwurfstangen besitzt. Der
Durchschnittsjäger ist aber nicht in dieser Situation, wenn er alleine
entscheiden muss, ob der Hirsch da vor ihm schussbar ist oder nicht. Die
Lösung für dieses Problem könnte in einer Vereinfachung der Vorschriften
liegen: |
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Sieben
Thesen: Abschussplanung für Hirsche |
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1. |
Verbindliche Festlegung der Gesamtzahl des
Abschusses und des Geschlechterverhältnisses. |
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2. |
Weibliche und männliche Kälber, Schmaltiere, Spiesser und Tiere
bilden eine Klasse.
(Anteil am Gesamtabschuss 70%) |
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3. |
Jugendklassehirsche sind diejenigen vom 2. bis inklusive 4.
Kopf.
(Anteil am Gesamtabschuss 20%) |
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4. |
Altersklassehirsche sind diejenigen vom 5. Kopf
und alle älteren.
(Anteil am Gesamtabschuss 10%) |
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5. |
Die Unterscheidung zwischen Mittel- und
Altersklasse entfällt. |
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6. |
Verbindliche Festlegung der Anzahl freigegebener
Hirsche in der Jugend- und Altersklasse pro Revier oder
Hegegemeinschaft. |
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7. |
Keine weiteren Einschränkungen aufgrund der Form
oder Grösse der Trophäe – behördlicher Nachweis jedes erlegten
Stückes in geeigneter Form. |
Es ist
jedem Rotwildjäger zuzumuten, einen wirklich jungen Hirsch bis zum 4. Kopf
als solchen zu erkennen. In der Regel sind die Trophäen in diesem Alter
noch nicht stark ausgebildet. Die Stirnzapfen sind hoch und gut erkennbar.
Die Körpergestalt ist jugendlich, die Mähne fehlt weitgehend oder ist nur
schwach ausgebildet. Die Körperhaltung, die Postur und das Verhalten sind
ebenfalls eindeutig. Eine schwache, relativ hohe Stimme bei der Brunft
muss nicht unbedingt zu einem jungen Hirsch gehören. Die Tiefe der Stimme
hängt nicht vom Alter ab sondern weitgehend davon, wieviel der
Brunfthirsch bereits geschrien hat. Vor allem ganz alte Hirsche können
eine sehr jugendlich anmutende Stimme haben. Ob der junge Hirsch nun
zwanzig Enden trägt, eine weite Auslage hat oder sonst irgendwelche
„Kapitalien“ besitzt, ist aus wildbiologischer Sicht völlig egal. Dies
gilt auch für den alten Hirsch. Ich jedenfalls würde mich freuen, einmal
einen wirklich alten Hirsch zu schiessen, dessen Geweih nur vier, sechs
oder acht Enden trägt. Zwischen fünftem und
siebtem Kopf wird der Hirsch auch in seinem Äusseren vollständig
erwachsen. Meist macht das Wachstum seiner Trophäe in dieser Zeit einen
markanten „Sprung“ nach oben und kann bereits beträchtliche Ausmasse
annehmen.
Die jugendlichen Körpermerkmale verschwinden. Bis etwa zum elften
oder zwölften Kopf ist nun der Hirsch ein „starker“ Hirsch, oder ein
sogenannter „Braver“. Die Entwicklungsphasen sind in diesem Alter
aber von Hirsch zu Hirsch sehr verschieden, sodass das eindeutige
Unterscheiden von unterer und oberer Mittelklasse sehr schwierig
wird. Trophäenschauen landauf und landab zeigen, dass die meisten
„alten“ Hirsche in der Regel zu jung sind. Ein wirklich alter Hirsch
ist älter als 12. Kopf – dies zeigt auch die neueste Untersuchung
von erlegten Hirschen im Kanton Graubünden. Und wer einen so alten
Hirsch in Anblick hat, muss die Altersmerkmale nicht mehr suchen,
sie sind dann
sehr eindeutig zu sehen. Daraus können wir die Regel ableiten: Ein
Hirsch, bei dem man die Merkmale für hohes Alter suchen muss, ist in
der Regel zu jung!
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Nachvollziehbare
Vorschriften: Was passiert
nun, wenn wir die Altersklasseneinteilung wie oben aufgeführt festlegen?
Zuerst einmal würde es möglich, die Vorschriften bezüglich Altersklassen
einzuhalten, weil diese auch wirklich erkannt werden können. Warum wollen
Sie einen Jäger bestrafen, der einen zu jungen oder zu alten Hirsch
geschossen hat, wenn er Ihnen beweisen kann, dass auf der Jagd die
einwandfreie Altersansprache auf drei, vier oder fünf Jahre genau nicht
für alle Jagdberechtigten möglich ist? Was nützt es, wenn wir einem Jäger
das Resultat eines wissenschaftlich durchgeführten Zahnschliffes unter die
Nase halten? Der Hirsch zeigt uns seine Zähne nicht, bevor wir ihn
erlegen. Gesetzliche Vorschriften müssen für alle Beteiligten einwandfrei
nachvollziehbar sein um sie einhalten zu können – die Altersansprache, vor
allem der fünf bis zwölfjährigen Hirsche, gehört nicht zu den eindeutig
nachvollziehbaren Vorschriften. Des weiteren würde die Jagd einfacher und
mancher Jäger müsste sich seine Freude über den Abschuss eines mittelalten
Kronenhirsches nicht mehr verderben lassen. Hat er einen Hirsch der Klasse
5. Kopf und älter frei, |
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Foto und Copyright:
Rüdiger Schön |
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kann er
nach seinem eigenen Gusto entscheiden, was ihm gefällt und was nicht.
Schiesst er einen Hirsch der unteren Mittelklasse, so wird der alte
Hirsch ein Jahr älter und umgekehrt. Mehr Alte
im Revier: Durch die
vorgeschlagene Regelung wird der Anteil der alten Hirsche im Revier
zunehmen, weil sie weniger leicht aufzuspüren sind als die mittelalten. In
welchem Rotwildrevier wäre man nicht froh, es gäbe mehr echte
Altersklassehirsche? Und welcher Jäger würde sich nicht freuen, einen
wirklich alten oder zurückgesetzten Sechser oder Gabler zu erlegen? Die
Abschusserfüllung beansprucht durch die vorgeschlagene Erleichterung des
Ansprechens weniger Ansitze und Pirschgänge und verursacht dadurch weniger
Störung im Revier. Bei dieser Art der erleichterten Abschussvorschriften
ist es von grösster Wichtigkeit, dass die Anzahl freigegebener Stücke in
beiden Klassen der Hirsche strikte eingehalten wird. Nur so bleibt es auch
weiterhin möglich, die Mittelklasse in genügendem Masse zu schonen. Zuviel
erlegte Hirsche können dadurch „korrigiert“ werden, dass im folgenden Jahr
deren Abschussplan reduziert oder ganz gestrichen wird. Wo liegen die
Nachteile dieser Art von Altersklasseneinteilung? Ich habe bis jetzt noch
keine wesentlichen gefunden – ausser wir führen die Diskussion um die
Trophäenhege. Dass der Trophäe eine zu grosse Bedeutung gegeben wird zeigt
die Tatsache, dass bei den weiblichen Tieren normalerweise nicht so ein
Aufsehen um die Einteilung in Altersklassen gemacht wird obwohl sie für
den Aufbau der Population die wichtigere Rolle spielen als die Hirsche.
Die Aufzucht der Kälber und die Führung der Einjährigen hat massgebenden
Einfluss auf die Qualität der künftigen Population. Dominante Tiere und
Leittiere sind es, die die Trophäengrösse der Spiesser und jungen Hirsche
positiv beeinflussen und dafür sind „geordnete“ Populationsstrukturen und
eine Rangordnung im Rudel notwendig. |
Noch
einfacher bei den Rehen: Im Vergleich zum Hirschwild sind Rehe rund vier bis fünf mal leichter,
sind früher geschlechtsreif, werden weniger alt, produzieren mehr
Nachwuchs, sind territorial und keine ausgesprochenen Rudeltiere. Die
Trophäe der Rehböcke nimmt nicht stetig mit den Jahren an Grösse und
Volumen zu wie bei den Hirschen. Die Rehkrone erreicht mit zwei Jahren
eine Stärke, die in den Folgejahren selten mehr als
10-15 Gramm Zuwachs aufweist. Auch bei dieser
Wildart stellt sich die Frage, wie sinnvoll es wohl sein mag, die
männlichen Stücke in verschiedene Altersklassen, in Zukunfts- und
Abschussböcke einzuteilen. Aus wildbiologischer Sicht spielt das Alter und
die Trophäengrösse eines Rehbockes für seine Aufgaben in der Population
kaum eine Rolle. Der Rehwildbestand kann also gut mit jüngeren oder mit
älteren Böcken leben, mit Böcken guter oder geringer Trophäe. Beim
Rudeltier Rotwild, mit einem ausgeprägteren sozialen Gefüge, spielt der
Altersaufbau der Population hingegen eine viel wichtigere Rolle. Ob durch
die Jagd nun die Zukunftsböcke geschont werden oder nicht, kann den Jägern
überlassen werden, Sinn macht es keinen und soll deswegen wie bei den
Hirschen nicht behördlich verordnet werden. Zusätzlich muss klar
festgehalten werden, dass die Altersansprache bei den Rehböcken noch
weniger möglich ist, als bei den Mittelklassehirschen. Die Körpermerkmale
die der Schätzung des Alters am lebenden Tier dienen, sind weniger stark
ausgeprägt als bei den Hirschen.
Während für ein Hirschleben rund fünfzehn
Jahre gerechnet werden können, ist ein sechs Jahre altes Reh bereits ein
altes Stück. Die Altersmerkmale sind also auf viel weniger Jahre
„zusammengedrängt“ als beim Hirsch. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass
ich zufrieden sein muss, unterscheiden zu können, ob ich einen Jährling,
einen eher jungen oder einen eher alten Rehbock vor mir habe. Am erlegten
Stück, wo Zahnabschliff und die Höhe der inneren Schambeinnaht Hilfe für
die Altersansprache bieten, habe ich bereits so viele Überraschungen
erlebt, dass ich die an den Jagdlehrkursen gelernten Merkmale für die
Unterscheidung von zwei-, drei- oder vierjährigen Böcken über Bord
geworfen habe. Seitdem jage ich unbeschwerter.
Bewährte
Methode in Liechtenstein: In
Liechtenstein wird die Jagdplanung auf Hirsche nach hier vorgelegtem Muster
betrieben. Auch wurde ab 1998 die Jagd auf Rehwild wesentlich vereinfacht.
Die Abschussplanung unterscheidet nur noch jeweils zwei Klassen beim
weiblichen und beim männlichen Rehwild. Die erste Klasse erfasst Kitze und
Einjährige, die zweite Klasse die Zweijährigen und Älteren. Durch die
Markierung von über hundert Rehkitzen und die anschliessend erhaltenen
Trophäen und Unterkiefer dieser Tiere konnte bewiesen werden, dass die
Altersschätzung der hierzu befragten Fachleute so stark von der
Wirklichkeit abwichen, dass es sinnlos erschien, weitere Altersklassen
aufrecht zu erhalten. Zudem wurde für Böcke und Geissen eine einheitliche
Jagdzeit erlassen, die vom 1. Juni bis zum 31. Dezember dauert. Vor dem
Jahre 2000 galt für die Böcke eine kürzere Jagdzeit (bis 15. Oktober) um
Rücksicht auf die im Herbst abgeworfenen Trophäen zu nehmen. In diesem Zusammenhang möchte ich noch zu bedenken geben,
dass bei Wildarten ohne Kopftrophäe, wie Füchse, Hasen oder Enten,
keine Alters- oder Veranlagungskriterien angewendet werden. Warum
machen wir das nicht auch bei den Rehen?
Was
„Rechtes“ schiessen:
Zurück
zum Anfang. „Was Rechtes schiessen“ wollen wir alle Jäger und Jägerinnen.
Was nun aber recht ist und was nicht, müssen alle die jagen für sich
selber entscheiden. Wir wissen: „Die Jagd verdirbt nicht den Charakter,
aber sie offenbart ihn“! Somit wird das Weidwerk auch zu einer
Charakterfrage. Eigenverantwortung ist gefragt. „Gemachte“ Meinungen
schmälern die eigene Freiheit und schränken das jagdliche Erleben ein.
Komplizierte Jagdvorschriften, die auf alles und jeden Rücksicht nehmen
wollen, widersprechen dem eigentlichen Wesen der Jagd. Ein Stück
jagdlicher Freiheit liegt meiner Meinung nach darin, dass jeder Jäger und
jede Jägerin soviel Erleben und Entdecken kann wie er oder sie will. Und
all das Erlebte und Entdeckte kann von jedem selbst erfahren,
interpretiert und bewertet werden. Die Natur, der Wald, die Wildtiere,
auch die nicht jagdbaren Arten, bieten einen unendlich grossen und
unerschöpflich reichen Fundus für alle wachen Sinne. Ob wir nun das Spiel
von jungen Füchsen oder Rehkitzen beobachten, uns neben einem erlegten
Bock fotografieren lassen oder uns mit mit einem Kollegen freuen, der den
lange Zeit von uns selbst ersehnten Bock vor unserer Nase weggeschossen
hat, spielt meiner Meinung nach keine grosse Rolle. All dies ist schöpfen
aus der gleichen Quelle. Selbstverantwortung und Glaubhaftigkeit im
eigenen Tun sind ein möglicher Weg aus der Fremdbestimmung durch
Überreglementierung oder Trophäensehnsucht. Dieser Weg wird umso kürzer
und einfacher, je mehr wir die Masstäbe der Wildtiere und der Natur
anwenden und je weniger wir persönliche Eigeninteressen in den Vordergrund
stellen. Der schlechteste aller Masstäbe ist die Form und grösse der
Trophäen – oder
nicht?
Dieser
Bericht wurde und freundlicherweise vom
Diplombiologe
Herrn
Fasel Michael zur Verfügung gestellt
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