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Gemessen
am Naturerlebnis und an den Spannungen bei der Jagd verblaßt
jede Bewertung von Trophäen. Als Teil erfüllten Jagens sind sie
nur eine bleibende Erinnerung. Von der Natur sind sie nicht als
Wandschmuck für Jäger vorgesehen. Der Jagdgast kann sie beim
Gams nicht erhegen, ja es gibt Zweifel ob beim Gams die
Trophäenmerkmale erblich sind. Ein gut ernährter Bock. der eine
gesunde Mutter mit guter Milchleistung hatte, war für
Berufsjäger seit jeher das Ziel seiner Wünsche, wenn er richtig
alt war. Bei einer alten Gams nahm der Jäger den natürlichen
Tod, der nahe schien, vorweg. „Waidgerecht” wäre damit: als
Jäger so zu jagen, wie auch die Natur jagen würde. Formwert und
Stellung der Stangen, die wir bei der Trophäenbewertung
heranziehen und nach unseren Vorstellungen zu züchten
versuchten, sagen doch über die Lebens- und Überlebensfähigkeit
im Hochgebirge gar nichts aus. Wir wissen nicht einmal, ob
eine enge oder weite Stellung der Schläuche, das gut oder
weniger gut Gehakelte, überhaupt erblich sind. Ganz sicher ist
es, daß in dem langen und rauhen Bergwinter nur sehr starkes
und körperlich gesundes Wild übersteht. Dabei nutzt dem Gams die
gut gehakelte Krucke, die weit ausgestellte Trophäe, der dicke
und pechige Schlauch herzlich wenig.
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Unsere Bewertungsmerkmale
sagen auch nichts aus über die soziale Stellung des
Trophäenträgers innerhalb der Wildgemeinschaft. Doch sind die
Tiere mit dem besten Bart, zugleich auch die mit dem
gesündesten Haarkleid und für die Art die erhaltungswürdigsten.
Man schiesst nicht kerngesunde mittelalte Böcken, nur weil sie
die besten Bärte haben!
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Die zauberhaften und anmutigen
Gazellen der Berge sind keine Ansammlung von Trophäenträgern,
sondern Lebensgemeinschaften, die in echter Harmonie mit der
Umwelt, der sie umgebenden Natur leben. Natürlich sollen
bevorzugt die Besseren von ihnen die volle Reife erreichen, da
die Ernährungskapazität nun einmal im Winter begrenzt ist. Denn
genau genommen brauchen Gams den Menschen nicht um zu leben und
auch nicht um zu sterben. Wann darf der Mensch sie überhaupt
töten?
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Wer glaubt daß er den
Reduktionsabschuß dem Wald zuliebe braucht, könnte dabei
natürlich schon nach Trophäengesichts- punkten ausscheiden.
Weil er dann ohnehin in die Jugendklasse regulierend
eingreifen muß. Um jene Übervermehrung zu vermeiden, kann er
genauso gut in dieser Jugendklasse das ausscheiden, was er
später in der Altersklasse nicht haben will.
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Alle Geißen ab 4. Jahr und alle
Böcke ab 5. Jahr sind die Träger der Population, und es wäre zu
wünschen, wenn sie wenigstens 50% des Gesamtbestandes ausmachten.
Abschüsse in diesem Lebensalter sollten die seltene Ausnahme sein
und nur bei schlechter Verfärbung und kranker Konstitution erfolgen.
Die bisherige Bejagungspraxis ab 5. Lebensjahr hat zwangsläufig zu
desorganisierten Beständen geführt, also zu "Waldfressern" durch
unser unbiologisches jagen.
Gamsjagd
ersetzt keine Beutegreifer, vergessen wir ruhig den Ersatzwolf
Jäger, denn das Raubwild profitiert allenfalls vom Fallwild.
Reguliert hat zu allen Zeiten nur der Winter. Dass die
Selbstregulation funktioniert, zeigt sich im Gran Paradiso, wo man
seit 80 Jahren ohne Jäger auskommt und wo auch der Lärchenbergwald
nicht aufgefressen wurde. Allerdings ist das kein Wirtschaftswald.
Wenn wir aber bei der Jagd in den Bergen vor allem das Naturerlebnis
suchen, die Gams eine Regulierung aber nicht brauchen, dann bleibt
die Frage, wieviel des Zuwachses wir entnehmen dürfen. Meist gingt
man von einer Wilddichte bei Gams von ca. 8 Tieren auf 100 ha aus.
Das hat sich in den Großrevieren bewährt. In den
Wirtschaftswaldgebieten strebt man wegen der bei Gams recht
erheblichen Verbissbelastung eine geringere Dichte an. Eine
biologisch tragbare Wilddichte gibt es aus Menschensicht nicht,
allenfalls eine dem Wirtschaftswald angepaßte. Die
Entscheidung über Leben und Tod ist schwer- wiegend und sollte als
Revier oder Hegegemeinschaft auf 20-30000 ha überall gleich sein.
Die Jährlinge sind eine gute Kontrolle für den
tatsächlichen
Zuwachs. Er dürfte selten über 25% bis 45% aller
fortpflanzungsfähigen Geißen oder 15% des Gesamtbestandes liegen.
Die fortpflanzungsfähigen Geißen nehmen meist ab 3 1/2 Jahre (42.
Lebensmonate) an der Brunft teil und setzen mit 4 Jahren (48
Monaten) erstmals. Es gibt aber auch frühreife Jährlingsgeissen, die
schon erfolgreich an der Brunft teilnehmen.
Böcke nehmen mit 4 1/2 Jahren (54
Monaten) erstmals an der Brunft teil. Das deckt sich mit der
Altersgrenze und der Faustregel, dass ein Bock, dessen Pinsel zu
erkennen ist, älter als 5 Jahre sei. Ausnahmen bestätigen bei beiden
Geschlechtern alle diese Regeln. Da auch bei einem ausgeglichenen
Geschlechterverhältnis die Lebenserwartung der Geißen höher ist,
kann bei dieser Wildart ein Verhältnis Bock: Geiß von 1 : 1,2 bis 1
: 1,3 sinnvoll sein. Ein höherer Geißenanteil führt während der
Brunft zwangsläufig zu einer Schwächung der Böcke und damit zu
Winterverlusten, die sich vermeiden liessen.
Klasse 3. Jugendklasse
Böcke mit 1 bis 4 vollendeten
Jahren 20-30 % Abschuss (in der Brunft also 4
1/2 Jahre)
Geißen mit 1 bis 3
vollendeten Jahren 20-30 % Abschuss (in der Brunft
also 3 1/2 Jahre)
Klasse 2.
Mittelklasse=Schonklasse
Abschuß nur in Ausnahmefällen,
alleine durch Krankheit oder schlechte Konstitution veranlaßt.
Bestandsanteil sollte 50 % des Gesamtbestandes bleiben!!!
Böcke mit 5-9 vollendeten Jahren
allenfalls: 20 bis 30% Abschuß
In der Brunft also min. 9 1/2
Jahre alt. Geissen mit 4-11 vollende- ten Jahren, allenfalls 10-30 %
Abschuß In der Brunft also mind. 11 1/2
Jahre
Klasse 1. Ernteklasse oder
Altersklasse
Böcke 10 Jahre und
älter 50 - 70 %
Geissen 12 Jahr und
älter 50-70 %
Fehlabschuß immer zu Lasten der
begehrten Klasse I.
Mit wachsendem Anteil der über
10-jährigen Böcke wächst auch die Chance daß Einzelne
eigenmächtig noch älter werden und damit als Jagdbeute für den
Jäger noch begehrter sind. Es sei nochmals betont, daß Geißen
zwischen dem 4. und 12. Jahr und Böcke zwischen dem 5. und 9.
Jahr auf Grund ihrer sozialen Reife und körperlichen Hochform
die eigentlichen Träger der Population und Garanten der
Arterhaltung sind. Sie sollten mindestens 50% des Wildstandes
ausmachen. Reduktionsabschuß der Kitze wird für bedenklich
gehalten, „Gelt”-Geißen unter dem vorgesehenen Höchstalter sollte
man nicht schießen da sie selten wirklich gelt sind, meist nur
ihr Kitz verloren haben, oder ein Jahr aussetzen um dann
wieder ein besonders starkes Kitz zu führen. Bei den gemeinsamen
Hegeschauen könnte es hilfreich sein den roten Punkt wieder
einzuführen. Das soll keine Maßregelung sein, sondern ein
Hilfsmittel der Belehrung für alle. In seiner Geschichte hat der
Mensch wiederholt Wildtierarten systematisch ausgerottet. Selbst der
edle "Wilde" hat häufig nicht so ökologisch gejagt wie man es heute
darstellt. Ökologisches Bewusstsein ist eine Sache der Ethik und des
Verstandes. Es ist nicht Sache des Jägers Gams zu vernichten, wenn
sie sich am Bergwald vergreifen. Denn ein Bergwald ohne Gams wäre
ein armer Bergwald. Der Jäger des Hochgebirges will sich an allem
freuen. Er will die Gämsen (wie die neue Rechtschreibung sagt) auch
für kommende Generationen erhalten und dazu gehört die angeregte
naturnähere Bejagung. In vielen Revieren des privaten
Großgrundbesitzes ist niemals anders auf Gämsen gejagt worden.
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Bericht und Fotos: Wolfgang Alexander Bajohr
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