Hamburg,
12. März 2009.
Wenn Hasen
jetzt vor Ostern Hochzeit feiern, geht es auf dem Acker hoch
her. Die Häsin lässt sich nicht so leicht beeindrucken.
„Mehrere
Männchen buhlen um das Weibchen“, sagt Andreas Kinser,
Diplom-Forstwirt und Feldhasenexperte der Deutschen Wildtier
Stiftung. „Und wenn SIE nicht zufrieden ist, gibt es was auf die
Löffel: Die
Häsin stellt sich auf die Hinterbeine und boxt das Männchen so
lange, bis die Fellfetzen fliegen.“ Auf dem Acker ist
Emanzipation also kein Diskussionsthema: „Hasen-Frauen sind den
Rammlern nicht nur körperlich gewachsen“, betont Andreas Kinser.
„Resolut wählt sie die Partner aus und wird ihnen schnell
untreu“.
Die
Hasensterblichkeit ist in der Kinderstube groß. Deshalb hat die
Häsin bei der Fortpflanzung noch einen natürlichen
Befruchtungs-Trick drauf: Die Superfötation! Andreas Kinser:
„Der Samen bleibt nach der Begattung im Körper der Häsin eine
Weile aktiv. Während sie noch trächtig ist, können
so schon wieder Eier befruchtet werden. Daher können
Hasen-Frauen ihre Jungen in verschiedenen Entwicklungsstadien
austragen.“
Gleich
nach der Geburt verschwindet die Hasenmutter und lässt die
Jungen allein in der Sasse zurück. „Dabei ist sie keine
Rabenmutter“, sagt Andreas Kinser. „Ganz im Gegenteil: Mit ihrem
Geruch würde das Muttertier Fressfeinde anlocken. Die Kleinen
sind hingegen nahezu geruchlos – und damit für Feinde am Boden
unauffindbar. Morgens und abends kehrt die Hasenmutter zum
Säugen zurück zur Sasse. Kinser: „Ihre Muttermilch ist viermal
so Fett wie Kuhmilch und damit sehr nahrhaft.“
T
rotzdem
überleben nur wenige Jungtiere. Andreas Kinser von der Deutschen
Wildtier Stiftung: „Bis zu 80 Prozent fallen Hasenkrankheiten
und Fressfeinden wie Füchsen, Krähen, Elstern und Greifvögeln
zum Opfer.
Dazu kommen sehr viele Tiere, die der intensiven Bewirtschaftung
der Felder zum Opfer fallen.“ Auch starke Regenfälle und
niedrige Temperaturen sind tödlich für kleine Hasen. „Das Fell
wird nicht richtig trocken, die Tiere kühlen leicht aus und
sterben.“ Der Nachwuchs braucht ein trockenes Frühjahr, um
heranwachsen zu können.
Feldhasen
sind in Deutschland nicht akut gefährdet, allerdings gibt es
heute sehr viel weniger als noch vor dreißig Jahren. Der Grund
für diesen Rückgang liegt hauptsächlich im Schwinden geeigneter
Lebensräume und in der Intensivierung der Landwirtschaft.
Fakten
zum Feldhasen: Vom Osterhasen bis zum Spitzensportler ein
Meisterwerk
|
1) |
Wegen der mehrfachen Trächtigkeit der Häsinnen ist
die Fruchtbarkeit des Feldhasen schon seit der
Antike legendär. |
|
2) |
Feldhasen sind Spitzensportler auf dem Acker: Auf
der Flucht erreichen sie Spitzengeschwindigkeiten
bis zu 80 km/h, sie können zwei Meter hoch und drei
Meter weit springen. |
|
3) |
Besonders auffallend sind bei Feldhasen die bis zu
15 Zentimeter langen Ohren, die sogenannten Löffel.
Sie dienen als Schalltrichter, aber auch zur Kühlung
an heißen Tagen. Kaninchen haben im Vergleich viel
kleinere Ohren. |
|
4) |
Als typische Fluchttiere haben Feldhasen den
perfekten Überblick. Ihre Augen stehen seitlich und
so können sie einen Bereich von nahezu 360 Grad
überblicken. |
|
5) |
Feldhasen sind Feinschmecker: Klatschmohn, Kräuter
und Knospen auf dem Speiseplan. |
Bericht:
Eva Goris
Kommunikation
Deutsche
Wildtier Stiftung Billbrookdeich 216 22113 Hamburg