Ohne eine möglichst hoch entwickelte Optik ist die Jagd undenkbar. Jeder Jäger benutzt zumindest ein Fernglas ein Spektiv und ein Zielfernrohr. Sie haben den Zweck, durch ihre Vergrößerung entfernte Gegenstände zur besseren Beobachtung an das Auge heranzuholen. Damit wird es  möglich, Einzelheiten auf größere Entfernung sowie bei schlechten Lichtverhältnissen (Dämmerung) besser zu erkennen. Die dazu nötigen Investitionen sind beträchtlich. Umso erstaunlicher ist es, dass die Kenntnisse über die Vorgänge beim Sehen und die Grundlagen für die richtige Bedienung der Sehhilfen oft unzureichend sind.

Für eine waidgerechte Jagd bei unterschiedlichsten Licht- und Klimaverhältnissen muss man sich gerade auf die Qualität des Zielfernrohres verlassen können. Jäger und Schützen legen daher größten Wert auf eine vernünftige Optik, ohne die die beste Waffe keinen Erfolg bringen würde. Durch ständige Innovationsprozesse, intensive Forschung sind die heutigen Produkte auf der modernsten Technik 

FERNGLÄSER -

Ferngläser (Jagdgläser, Feldstecher) sind heute durchwegs Prismengläser. Sie sind wesentlich leistungsfähiger als die früheren Linsenferngläser. Je nach Aufbau des Prismensystems haben Ferngläser mehr breite, gedrungene oder längliche, schlanke Form.

Die wesentlichen Merkmale eines guten Glases sind die Vergrößerung und der Objektivdurchmesser (das Objektiv ist der dem Objekt zugewandte Linsenteil). Aus diesen beiden Werten lassen sich sowohl die Dämmerungszahl also auch die geometrische Lichtstärke jedes Glases errechnen. Vergrößerung und Objektivdurchmesser sind auf jedem Fernglas angegeben. Die erste Zahl gibt die Vergrößerung an, die zweite den Objektivdurchmesser in Millimeter (z.B 8 x 56). 

SPEKTIV -

Darunter versteht man ein stark vergrößerndes Ausziehfernrohr zum genauen Ansprechen beim Hegeabschuß (Gamsabschuss) wie sie im Hochgebirge, aber auch in manchen Flachlandrevieren gegeben sind. Die starke Vergrößerung bedingt geringere Lichtstärke und Dämmerungsleistung, deshalb bevorzugt man Spektive mit variabler, etwa 25 - bis 60 facher Vergrößerung. Neuere Modelle haben große Objektive bis zu 75 mm Durchmesser. Ihr Dämmerungswert entspricht bei 30facher Vergrößerung dem eines guten Jagdglases. Sie erfordern zwar eine entsprechen größere und schwerere Bauart, doch erweist sich ihre Überlegenheit beim ansprechen in der Dämmerung und bei Schlechtwetter.

ZIELFERNROHR  - Unter einer Fülle von unterschiedlichsten Modellen und Fabrikaten kann der Jäger sich das für seinen Zweck am besten geeignete Zielfernrohr auswählen. Es gibt Zielfernrohre mit konstanter und solche mit variabler Vergrößerung. Bei letzteren kann man je nach dem Verwendungszweck die geeignete Vergrößerung einstellen, z.B. bei einem weiten Punktschuß 6fache oder beim Schuß auf flüchtiges Wild nur 2fache Vergrößerung.

Wesentlicher Bestandteil eines Zielfernrohres ist das Absehen, eine Zielmarke im optischen Zentrum des Glases. Es handle sich um ein Fadenkreuz, einen Zielstachel oder Punkteabsehen.  Zu einem guten Zielfernrohr gehört eine einwandfreie Montage, damit sein Sitz auf dem Gewehr auch nach wiederholtem Abnehmen absolut konstant bleibt. Neben einigen Spezialmontagen gibt es die Einhakmontage, die Schwenkmontage und die Aufschubmontage (siehe Bericht).

Die Ursache für eine schlechte Schußleistung liegt überwiegend an qualitativ nicht einwandfreier Montagen. Die beste Waffe und das teuerste Zielfernrohr sind relativ wertlos, wenn das Montage-Gesteck mangelhaft ist oder die Montage handwerklich schlecht ausgeführt wurde. 

1 Zielstachel
2. Stachel
3 Leuchtpunkt
4 Leuchtkreuz- (Fadenkreuz mit Stachel)
5 Leuchtpunkt mit Zielstachel
6 Fadenkreuz

Ein paar optische Grundlagen: 

Vergrößerung

Der Vergrößerungsfaktor eines Fernglases oder Ziefernrohres sagt ihnen, um wieviel mal das betreffende Glas den Bock, den Sie gerade ansprechen wollen, optisch vergrößert. Steht auf Ihrem Fernglas ein Vergrößerungsfaktor 8x, dann heißt das praktisch: Das Glas vergrößert den anvisierten Bock 8 x. Man kann die Sache auch anders ausdrücken: Ein Bock, den Sie auf 160 m anvisieren erscheint Ihnen so nah, als ob er 160m : 8 = 20 m entfernt wäre.

Die Öffnung, also das Objektiv
Das Objektiv, also die vordere Linse des Fernrohres oder Zielfernrohres wird auch in Anlehung an das Auge als die Eintittspupille bezeichnet. Bei einem Glas 8x40 hat das Objektiv (also die Einrittspupille) einen Durchmesser von 40 mm.

Geometrische Lichtstärke
Sie wird errechnet, indem man den Durchmesser der Austrittspupille ins Quadrat setzt, also mit sich selbst multipliziert. Wird der Durchmesser der Austrittspupille eines Fernglases vom Hersteller mit 5 angegeben, so hat das Fernglas eine rechnerische Lichtstärke von 5 x 5 = 25.
Errechnet wird die Austrittspupille, indem man den Objektivdurchmesser durch die Vergrößerung des Fernglases dividiert.   (Beim 8x40-Glas geht das so: 40: 8 = 5  ,   5 x 5 = Lichtstärke 25 )

Dämmerungszahl
Auch die Dämersungszahl ist ein mathematischer Wert, der als Indiz/Anzeige für die optische Leistung eines Fernglases  herangezogen wird. Vereinfachend kann man sagen: Je höher die Dämmerungszahl, desto höher ist die Fernglasleistung bei schlechtem Licht.
Eine hohe Dämmerungszahl trägt zu einer guten Fernglasleistung bei schwachem Licht bei.
Zur Berechnung wird der Objektivdurchmesser multipliziert mit der Vergrößerung. Aus dem Ergebnis wird die Quadratwurzel gezogen.

Beispiel : 8 x 40 = 320  Die Wurzel aus 320 ist   rund 18. Das ist die Dämmerungszahl des 8x40-Glases.

Rein rechnerisch  erreicht ein Billig-Glas die gleiche Dämmerungsleistung wie ein Spitzenglas. Hier hilft nur der direkte Vergleich unter vergleichbaren Bedingungen.

Die nachfolgende Tabelle zeigt deutlich, dass die rechnerische Lichtstärke als Kriterium für di Leistung eines Glases bei schlechten Lichtverhältnissen keine richtige Wertung erlaubt. Ein 8x56 leistet bei geringerer rechnerischer Lichtstärke deutlich mehr, als ein 7x-50-Glas.

Die Eignung der verschiedenen Gläser ( T=Tag, D=Dämmerung, N=Nacht)

  8 x 22 8 x 30 8 x 40 7 x 50 8 x 56 9 x 63 15 x 60
Lichtstärke 7,6 14 25 51 49 49 16
Dämmerungs-
leistung
13,3 15,5 17,9 18,7 21,1 23,8 30
  T T TD TDN TDN TDN TD

Rein rechnerisch sind starke Gläser wie 15x60 hervorragende Gläser für Dämmerungs- und Nachtansitz. Aber: Abgesehen von glasklaren Mondnächten hat man mit diesen Gläsern ganz einfach Handhabungsprobleme. Die Gläser ergeben nur aufgelegt ein ruhiges Bild. Ihr Blickwinkel ist sehr klein. Sie finden sich mit dem engen Blickwinkel nur sehr schwer zurecht. Praktisch heißt das: Sie kriegen Ihren Rehbock nicht ins Glas.

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