 |
EINLEITUNG:
Luchse gehören zur einheimischen Fauna. Sie wurden ausgerottet, in einigen
Ländern erfolgreich wiedereingebürgert. Das Ziel einer flächendeckenden
Wiederbesiedelung ist noch nicht erreicht. Viele sind für den Luchs,
andere dagegen. Die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern sind nicht
tief aber trotzdem schwer begehbar. Die Argumente sind meist emotionaler
Natur, Debatten sind die Regel anstelle sachlicher Diskussion. Die
häufigsten Gegenargumente von seiten der Jäger in den deutschsprachigen
Gebieten der Alpenländer werden hier aufgeführt und kommentiert von einem,
der sich im „Bermudadreieck“ von Forst, Jagd und Naturschutz, wo die
sachlichen Argumente häufig in den Tiefen des Meeres verloren gehen, gut
auskennt.
NICHT NUR DER LUCHS:
Unter den freilebenden Wildtieren in den Ländern des Alpenbogens gibt es
zahlreiche Arten, die vom Menschen durch ihr Nahrungsverhalten als Räuber,
als Schädlinge oder als Konkurrenten betrachtet werden. Kormorane,
Graureiher, Haubentaucher und Gänsesäger als Fischjäger, Rabenvögel als
Nesträuber von Singvögeln, Steinadler als Konkurrent des Jägers, Bartgeier
in früheren Zeiten als Kinderräuber, Fischotter als Konkurrenz der
Fischer, Bär und Wolf als Haustierräuber, Wildschweine als Schädlinge in
der Landwirtschaft, Hirsche als Vernichter von Wäldern und so weiter.
Diese und noch weitere Tierarten stehen in Konkurrenz mit
Nutzungsinteressen des Menschen. Sie werden bekämpft, einige wurden
ausgerottet, die Lebensräume dieser Arten leiden weitgehend unter
zivilisatorischen Einflüssen. Aber niemand spricht in diesem Zusammenhang
zum Beispiel von den vielen Arten, die sich von Insekten ernähren, auch
wenn es sich um seltene oder gefährdete Insekten der Roten Listen handelt
– sie liegen nicht im Bereich menschlicher Nutzungsinteressen! Und wer
spricht von der immensen Raubtierdichte in und um unsere Siedlungen,
verursacht durch die von uns gehaltenen Hunde und Katzen und deren
Einfluss auf Eidechsen und Kleinvögel, (ganz abzusehen von der
Verschmutzung durch Kot)? Bei fast all diesen Konflikten ist es bis heute
nicht gelungen, ein friedliches Zusammengehen zwischen wildlebender
Tierart und den Interessen des Menschen herzustellen. Es ist jedoch eine
zentrale Forderung des Naturschutzes: Alle einheimischen Tierarten und
deren Lebensräume zu
erhalten
BETROFFEN SIND JÄGER UND
BAUERN: Der Luchs wurde in den
Alpen durch den Menschen ausgerottet. Seit gut 30 Jahren laufen
erfolgreiche Aktionen zur Wiedereinbürgerung dieser Tierart. Die
Befürworter der Rückkehr des Luchses sind in der Mehrzahl. Politische
Instanzen, die Mehrheit der Bevölkerung
in den Alpenländern, Naturschutzorganisationen,
Wildtierbiologen und auch die Mehrheit der aktiven Jäger akzeptieren
den Luchs als Bestandteil der wildlebenden Fauna.
Aber
es ist auch eine trotzige Anti-Haltung im Geiste vergangener
Jahrhunderte zum Thema Luchs deutlich spürbar. Am klarsten ist diese
in jenen Kreisen zu spüren, die ein Nutzungsinteresse an Tierarten
haben, die dem Luchs als Nahrung dienen – in erster Linie betrifft
dies in den Alpenländern Rehe, zu einem kleinen Teil auch Gämsen und
andere Wildarten. Schafe machen einen relativ unbedeutenden Teil der
Nahrung aus – im Normalfall sind dies weniger als ein Schaf pro
Luchs und Jahr. Betroffen sind Bauern und Jäger. Dass Luchse
gefährlich seien für den Menschen gehört ins Reich der Märchen und
wird hier nicht mehr weiter
angesprochen.
EIN PAAR WORTE ZU DEN
SCHAFEN:
In unterschiedlicher Art und Weise versuchen
Länderregierungen Schäden an Haustieren, die von Luchsen gerissen werden,
mit Entschädigungszahlungen zu kompensieren. |
|
Dies mag in vielen aber nicht in allen Fällen den materiellen
Verlust zu ersetzen. Aber für einen Bauern, dem der Luchs sein bestes
Zuchtschaf gerissen hat, hilft das Geld nicht in genügendem Masse.
Damit wird das „Luchsproblem“ zu einer Frage der wirtschaftlichen
Existenz und es wird auch zu einem psychologischen Problem. Weil dieser Bauer teilweise aus seiner eigenen
Tasche für den Luchs bezahlen muss wird es schweirig sein, ihm in
dieser Situation zu erklären, dass der Luchs aus ökologischen
Gründen eine Existenzberechtigung hat. Wer von ihnen hätte Freude daran, wenn ihre
geliebte Hauskatze eines nachts von einem Fuchs oder sogar von einem Luchs
gefressen wird? Der Vergleich mag hinken, aus emotionaler Sicht ist er
aber berechtigt. Und Emotionen entscheiden häufig über die Akzeptanz des
Luchses. Das ökologische Argument für die Daseinsberechtigung des Luchses
ist sehr schwach. Vielleicht können wir sogar sagen, dass wir den Luchs
aus ökologischen Gründen nicht brauchen. Auch nicht den Wolf und nicht den
Bären. Aber wir wollen den Luchs, weil er ein Bestandteil unserer
einheimischen Fauna ist und weil wir Menschen nicht das Recht haben, Arten
auszurotten. Damit sind wir bei einem ethisch-moralischen Aspekt und hier
reichen wissenschaftliche Begründungen weniger weit als emotionale
Argumente
ARGUMENTE GEGEN DEN LUCHS:
Der Jäger
stellt sich ähnliche Fragen wie der Bauer. Er stellt in seinem Jagdrevier
fest, dass Luchse einige der Rehe oder Gemsen töten, von denen sich der
Jäger erhofft hat, diese selber zu jagen und zu töten. Der Jäger „Luchs“
wird zum direkten Konkurrenten des Jägers „Mensch“. Hier ist festzuhalten,
dass der Jäger nicht aus existentiellen wirtschaftlichen Gründen gegen den
Luchs sein kann, weil die heutige Jagd in der Regel ein Freizeitvergnügen
ist. Ich kenne keinen Jäger in den Alpen, der in seiner Existenz bedroht
ist, weil der Luchs einige seiner Rehe gefressen hat. Die Erfahrung die
ich mit zahlreichen Jägern in verschiedenen Ländern des Alpenraumes
gemacht habe zeigt mir, dass der Grossteil dieser Leute grundsätzlich
positiv zum Vorkommen des Luchses eingestellt ist. Eine Minderheit pflegt
aber sorgsam alte Feindbilder. Der Kampf um die Akzeptanz des Luchses ist
also noch nicht abgeschlossen. Betrachten wir die häufig gehörten
Argumente von denjenigen Jägern, die sich gegen den Luchs äussern:
- Die
heutige Landschaft in den Alpen ist für den Luchs nicht geeignet. Die
menschenleeren, natürlichen Lebensräume seien zu klein für die Existenz
von Luchsen.
- Wo
der Luchs vorkommt, gelangen Rehbestände an den Rand der Ausrottung,
sodass die Jagd nicht mehr möglich ist.
- Luchse
fressen nur frische Beute und reissen bei jeder Mahlzeit ein neues Stück
Wild. Sie kehren nicht an den gerissenen Kadaver zurück. Oder: Luchse
treDiplombiologe
Fasel Michael nnen den Kopf eines Rehes ab und lassen den Rest des Tieres ungenutzt
zurück.
- Luchse
fressen nicht nur schwache Tiere sondern auch sogenannte „Zukunftstiere“,
solche, die der Jäger für die Fortpflanzung im Wildbestand erhalten
möchte.
- Der
Luchs sei eine existentielle Gefahr für seltene und bedrohte Tierarten wie
zum Beispiel Auer-, Hasel- oder Birkhuhn.
|
 |
Ich
bin für den Luchs, wenn er von selber kommt – aber ich bin gegen das
aktive Einsetzen von
Luchsen
Diese am häufigsten gehörten Argumente zeigen uns einige Aspekte der
Jäger-Psychologie und der Einstellung von Jägern zum wildlebenden Tier.
Diese Einstellung mag uns an diejenigen Bauern erinnern, die eine
emotionale Verbindung zu ihren Haustieren haben. Oft unterscheidet sich
die Fürsorge von Jägern für die Wildtiere nur wenig von der Fürsorge des
Bauern für sein Vieh. Die Einstellung von Luchsgegnern unter den Jägern
basiert auf Parolen sehr alter Schriftsteller und nicht auf dem Wissen von
heute. Es gibt Jäger, die gar nicht wissen wollen, was der Luchs wirklich
ist, weil egoistische Besitzansprüche an das Wild im Vordergrund stehen.
Viele Jäger argumentieren über den Luchs, aber nur sehr wenige haben
jemals einen gesehen oder haben in einem Gebiet gejagt, wo der Luchs
vorkommt
ZUR FRAGE: GEEIGNETE LEBENSRÄUME:
Wir
wissen heute durch die Telemetrie von Luchsen, dass diese Tiere Gebiete
die vom Menschen besiedelt und intensiv genutzt werden nicht generell
meidet. Die Zivilisation oder die Kultulandschaft muss also kein
Hindernisgrund für das Vorkommen von Luchsen sein. Wir wissen, dass in den
Alpenländern genügend Lebensraum für Luchse vorhanden ist. Verkehrswege
(Strassen und Eisenbahnen) sowie die Tötung von Luchsen durch Menschen
scheinen ein grösseres Gewicht zu haben. |
| Quelle: Zeitschrift Anblick - Fotograf:
M. Breuer |
ZUM THEMA: DEZIMIERUNG VON WILDBESTÄNDEN:
Wir wissen:
Wo der Luchs vorkommt, gelangen Reh- und Gamsbestände nicht an der Rand
der Ausrottung.Wir wissen aber auch, dass sich das Verhalten der
Rehe und Gämsen ändert. Die Tiere werden scheuer, vorsichtiger, sie sind
weniger sichtbar und sie werden mobiler und beweglicher. Das Reh ist ein
Meister des Versteckens und versteht es somit ausgezeichnet, auch für den
Jäger sehr heimlich zu werden. Das ist der entscheidende Punkt für die
Ablehnung des Luchses gewisser Jäger: Sie müssen mehr Zeit und mehr Können
aufweisen, um weiterhin erfolgreich jagen zu können, und vielen
praktizierenden Jägern fehlt es an beidem: Genügend Zeit und Können. Wenn
wir versuchen, einen Rehbestand in einem teilweise bewaldeten Jagdrevier
zu zählen, so müssen wir damit rechnen, die sichtbaren Rehe mit dem Faktor
1,5 oder 2 (oder mehr) zu multiplizieren, um auf den effektiven Bestand
schliessen zu können. Dies gilt, wenn keine Luchse in einem Gebiet
vorhanden sind. Bei der Präsenz des Luchses ist dieser Faktor höher. Ein
Luchs frisst in Gebieten der Schweiz, die mit Liechtenstein vergleichbar
sind ungefähr 50 Rehe, 10 Gemsen und ein paar kleinere Tiere pro Jahr.
Vergleicht man das mit den von den Jägern geschossenen Rehen und Gemsen im
gleich grossen Gebiet in Liechtenstein, kommt man zum Schluss, dass im
Durchschnitt jeder Jäger alle drei Jahre auf ein Reh zugunsten des Luchses
verzichten müsste und alle zehn Jahre auf einen
Gams
WIR JÄGER MÜSSEN UNS ÄNDERN:
Wenn der
Luchs auftaucht tut das Reh das, was alle wildlebenden Tiere tun – es
versucht, sich den verändernden Voraussetzungen anzupassen. Der
durchschnittliche Jäger tut sich generell schwer, sich zu ändern und seine
gewohnten Jagdaktivitäten den geänderten äusseren Bedingungen anzupassen.
Im Falle der Rehbejagung muss sich der Jäger aber umstellen und vermehrt
Bewegungsjagden und Intervalljagden veranstalten, anstatt auf einem Ansitz
auf die regelmässige Zuwanderung von bestimmten Rehen zu warten. Der Jäger
muss sich noch in einem weiteren Punkt anpassen, in welchem er ein gutes
Beispiel am Luchs nehmen kann. Er darf sich nicht anmassen zu erkennen,
welches Reh ein gutes Reh ist, das nicht geschossen wird und welches ein
schlechtes Reh ist, das geschossen werden muss. Diese Unterscheidung ist
in der Regel nicht möglich, bei der Trophäenhege mag sie eingeschränkt
anwendbar sein. Einem Jäger, der behauptet dass diese Unterscheidung
sowohl möglich als auch wichtig sei antworte ich: Warum machst Du diese
Unterscheidung nicht beim Fuchs oder beim Feldhasen, bei der Stockente
oder der Taube, ganz zu schweigen beim Wildschwein? Konsequent einzuhalten
sind selbstverständlich die Aufteilung der Abschüsse nach Geschlecht und
Altersklasse. In Liechtenstein kennt man für die Abschussplanung nur noch
zwei solcher Klassen: Kitze/Jährlinge und ältere Rehe. Es gilt bei der
Rehjagd ganz eindeutig die Regel: Zahl vor Wahl. Alles andere ist Mumpitz
oder kann nur noch mit dem Ziel der Trophäenhege begründet werden. Und
mancher Jäger wird wie ich feststellen, nachdem er die Abschüsse beim Reh
erhöht hat oder nachdem ihm der Luchs dabei „geholfen“ hat, dass während
der ganzen Zeit in der er gejagt hat, viel mehr Rehe dagewesen sind, als
er geglaubt hat, er hat sie einfach nicht gesehen. Ein Luchs frisst also
nicht nur von denjenigen Rehen, die der Jäger für sich selber haben
möchte, sondern auch von denen, die der Jäger gar nie sieht. Und noch
etwas muss angesprochen werden: Falls Rehe von Herbst bis in den Frühling
gefüttert werden, wofür es in der Regel kein stichhaltiges Argument gibt,
ist eine solche Konzentration von Rehen auf engem Raum ein „gefundenes
Fressen“ für die Luchse, und dies muss verhindert werden. Rehfütterung
bedeutet gleichzeitig auch Luchsfütterung |
 |
ZUR FRAGE: EIN
RISS PRO MAHLZEIT:
Wenn
man die zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen liest, findet man
klare Beweise dafür, dass Luchse oft an ein gerissenes Stück Wild
zurückkommen, um mehrere Tage lang daran zu fressen. Warum sollte der
Luchs dies nicht tun? Nur eine archaische, mystische Vorstellungskraft,
die für gewisse Jäger nicht untypisch ist, mag solche Äusserungen
verursachen und gipfelt in der Bahuptung, dass Luchse auf Rehköpfe
spezialisiert sein sollen. Luchse sind keine Kopf-Freaks, aber Füchse sind
es! Fallwildrehe, denen der Kopf fehlt, sind keine Seltenheit, gehen aber
auf das Konto von Füchsen oder Hunden. Solche Argumente sind völlig
entlarvend, weil sie beweisen, dass sie nicht auf Beobachtungen beruhen,
sondern auf Behauptungen, die die Grenze zur Lüge überschreiten. Die Natur
ist ein Ort der Imagination und der Inspiration. Auf der Jagd ist der
Jäger oft allein, er hat keine Zeugen für das was er gesehen haben will,
und jeder der einem Jäger nicht glaubt muss entweder schweigen oder er
muss ihm das Gegenteil beweisen. Darin liegt die erbärmliche „Stärke“
solcher Argumente
GEFÄHRDUNG SELTENER VOGELARTEN:
In den
Karpaten oder in Skandinavien mag der Anteil der Rauhfusshühner in der
Nahrung des Luchses einen gewissen Anteil ausmachen. Dort sind diese
Hühner aber auch in grösseren Beständen vorhanden als in den Alpen. In der
Schweiz wurde nachgewiesen, dass Auerhuhn und Birkhuhn in der Nahrung von
24 telemetrierten Luchsen während mehreren Jahren je einmal vorkamen.
Dabei finden wir gute Luchsbestände deckungsgleich mit guten
Auerhuhngebieten im Schweizer Jura oder in der Nordostschweiz. Wir wissen,
dass Fuchs, Wildschwein, Habicht oder verwilderte Hauskatzen die
gewichtigeren Feinde dieser Hühnerarten sind als der Luchs. n
Liechtenstein, wo es noch keine Luchse gibt, und wo der Auerhuhnbestand
sehr gering ist, wird im Durchschnitt einmal pro Jahr ein totes Exemplar
des Auerhuhns auf einem Areal von rund 10'000 Hektaren gefunden.
|
|
Foto und Copyright N V H
|
|
IDie
Ursachen sind in der Rangfolge: Grosse Fensterscheiben von waldnahen
Gebäuden, Risse durch Raubvögel oder Füchse, zerstörte Gelege durch
Waldarbeiten und Strassenverkehr
EIN BISSCHEN DAFÜR UND EIN BISSCHEN DAGEGEN:
Mehr
häufig drücken Jäger ihr Wohlwollen gegenüber dem Luchs dadurch aus, dass
sie sagen, sie hätten nichts gegen den Luchs im Generellen. Er sei ein
Bestandteil der einheimischen Fauna und ein „rechter“ Jäger und Heger
könne gar nichts gegen diese Wildart haben. Sie seien aber ganz und gar
gegen die künstliche Verbreitung und Aussetzung durch den Menschen. Nicht
selten drücken auch staatliche oder Länderverwaltungen, die für die Jagd
zuständig sind, die gleiche Haltung aus, und geben dies auch in
offiziellen Stellungnahmen zum Besten. Wer einigermassen genau die
Ökologie des Luchses kennt und sein Ausbreitungsverhalten studiert, sieht,
dass diese „eingeschränkt befürwortende“ Haltung zum Luchs eigentlich
nichts anderes ist als eine ganz faule Ausrede. Man schliesst sich mit
dieser Haltung brav und leise den Argumenten derjenigen Leute an, die sich
voll und ganz für die Wiederbesiedelung der Alpen durch den Luchs
einsetzen. Man wird damit als eigentlicher Luchsgegner teilweise
ökologisch akzeptierbar. Auf der anderen Seite weicht man den häufig
vehement plakatierten Argumenten der Luchsgegner aus, indem man doch nicht
so ganz für den Luchs ist. Denn wir wissen aus den bisherigen Erfahrungen
der Wiederaussetzungen von Luchsen in den Alpenländern, dass diese Tierart
in den meisten Fällen sich nicht von selbst über weite Strecken
ausbreitet. Luchse sind keine guten Pioniere und Besiedler, die von selber
den ganzen Alpenraum erschliessen würden. Zu gross sind die vom Menschen
geschaffenen Barrieren in der Landschaft und zu gering ist der
Ausbreitungsdruck der bestehenden Luchspopulationen. Aus diesem Grund sind
Umsiedlungsprojekte notwendig. Und das scheinen diejenigen Leute, die zu
den „eingeschränkt Befürwortenden“ gehören, genau zu wissen. Deshalb ist
es wichtig, sich klar und deutlich zu entscheiden, auf welche Seite man
gehören will. Entweder befürwortet man den Luchs und damit auch die
Aussetzungen, oder man ist gegen beides
DIE HEGE: DAS HÖCHSTE JÄGERZIEL?
Welche Regeln
für die Jagd gibt sich der Jäger selbst? In den Lehrbüchern der Jungjäger
ist der Begriff „Hege“ definiert. „Hege“ ist für alle Jäger die ich kenne,
das selbstgesteckte, höchste Ziel. Das „Jagdlexikon“, Standardliteratur
der praktizierenden Jäger, beschreibt „Hege“ folgendermassen (Auszug):
- Erhaltung eines Wildbestandes,
der den landestypischen Verhältnissen angepasst
ist, der artenreich
und gesund ist.
- Pflege
und Sicherung der Lebensgrundlagen des Wildes.
- Verhinderung
von Wildschäden am Wald.
Diese
Definition spricht von Jagdpflege, Erhaltung, Artenreichtum, Lebensräumen,
Lebensgrundlagen und ein paar Dingen mehr. Sie sagt nichts aus über
Schiessen, Trophäen, übergrosse Wildbestände oder Eliminierung von
Raubtierarten. Ich kenne keinen Jäger, der nicht mit Stolz behauptet, dass
er ein Heger ist. Ich kenne aber viele Jäger, die eine individuelle und
sehr subjektive Auslegung von Hege praktizieren. Die altbackene Definition
deutscher Prägung „Flinte, Falle, Futtersack“ als Beschreibung für den
Begriff „Hege“ gehört in diejenigen Zeiten der Vergangenheit, wo der Jäger
es sich noch leisten durfte, sowohl beim Wild wie am Wald aus dem Vollen
zu schöpfen. Der heutige Jäger muss den Lebensraum der wildlebenden Tiere
bewahren und für seine Erhaltung kämpfen, wenn er weiterhin jagen will.
Sonst werden dies andere Leute tun, die kein Interesse an der Jagd
haben
ZUM SCHLUSS:
Zusammenfassend können wir sagen, dass die Argumente von Gegnern des
Luchses, die aus Jägerkreisen stammen, auf persönlichen Ängsten beruhen,
dass der Luchs ihnen etwas nehmen könnte, wofür sie Geld, Zeit und
Liebhaberei investiert haben. Viele Jäger haben auch Angst davor, dass
wenn der Luchs einmal da sei, für sie keinerlei Handlungs- und
Mitsprachespielraum mehr bleiben würde. Wissenschaftliche Argumente, die
konträr zu den eigenen Argumenten stehen, lassen diese Personen nicht
gelten. Es gelingt Ihnen, mit emotionalen Argumenten gegen die
Wissenschaft zu konkurrieren. Die Öffentlichkeit ist über die jagdlichen
und wildbiologischen Verhältnisse zu wenig gut informiert, um zwischen
guten und schlechten Argumenten unterscheiden zu können. Oft befinden sich
politische Entscheidungsträger in der gleichen Situation. Viele Jäger
flüchten in eine „eingeschränkt befürwortende“ Haltung zum Luchs – nicht
Fisch und nicht
Vogel
WAS TUN?
Es ist
notwendig, das Gespräch zwischen Luchsforschern und Jägern so oft wie
möglich zu suchen und zu führen. Dies gilt im Planungsstadium von
Aussetzungsprojekten wie auch zu Zeiten, wenn sich die Luchse bereits in
einem Gebiet etabliert haben. Dabei ist es nicht wichtig, den Jägern die
wissenschaftliche Seite zu erklären, diese kennen sie in der Regel
bereits. Es ist viel wichtiger, den Jägern zuzuhören und Verständnis für
ihre Meinungen, Anliegen und Ängste zu zeigen. Emotionale Argumente gegen
den Luchs, und das sind im Endeffekt die meisten jägerischen Argumente,
können am besten mit emotionalem Verständnis aufgefangen werden. Einzelne
„schwarze Schafe“ werden niemals von ihrer Meinung abkommen. Das ist aber
in allen menschlichen Belangen der Fall.
Jagdverbände
und Jägerorganisationen müssen alles in ihrer Macht stehende tun, um
illegale Abschüsse von Luchsen zu verhindern. Es genügt nicht zu sagen,
Luchswilderer seien eben Wilderer und keine Jäger! Das ist eine gut
gemeinte Feststellung aber es ist nicht die Lösung für das Problem. Die
Jagdverbände müssen sich zu einem klaren Statement durchringen – sei es
klar für oder klar gegen den Luchs und die Aussetzungen. Und sie müssen
rigoros solche Leute aus ihrem Verband ausschliessen, die aktiv gegen die
Verbandsmeinung verstossen. Ein Vorgehen, das vielerorts auch die
öffentliche Meinung über die Jäger ausbessern würde. Illegale Aussetzungen
von Luchsen sind auf jeden Fall abzulehnen. Es erscheint
mir wichtig, in allen Fällen, wo es um die Aussetzung oder die Verbreitung
von Luchsen geht, die Frage einer späteren „Regulierung“ durch Abschuss
nie auszuschliessen. Es bedarf einer klaren Regelung von vornherein, in
der festgehalten wird, dass der Abschuss von Einzeltieren immer diskutabel
bleibt, wenn „zu grosse“ Schäden nachgewiesen werden können. Die
schweizerische Regelung mag hier ein Beispiel sein.
Ein grosses
Potential bietet auch die Ausbildung der Jungjäger. Hier besteht die
Möglichkeit, die richtigen, wissenschaftlichen Informationen anzubringen
und konservierte Vorurteile auszumerzen und den Nährboden für sachliche
Diskussionen und Auseinandersetzungen zu schaffen.
Ich
bin auch der Meinung, dass die viel kritisierte offizielle
Abschussgenehmigung einzelner Luchse, die zahlreiche Schäden unter
Haustieren angerichtet haben, besser zu akzeptieren ist, als unerlaubt
vergiftete Luchse tolerieren zu
müssen
DIE JÄGER SIND WICHTIG:
Schlussendlich wird die Mehrheit der Öffentlichkeit auf demokratischem
Wege über das Für und Wider des Luchses entscheiden. Die Jäger bilden nur
ein bis zwei Prozent dieser Öffentlichkeit, die militanten Luchsgegner
unter diesen stellen eine winzige Minderheit dar. Die Meinung der
Öffentlichkeit wird wichtiger sein als die Meinung der Jäger. Es erscheint
mir aber sehr wichtig, die Jäger nicht aus diesem Bereich auszuschliessen.
Sie stellen eine Gruppe von Personen dar, die der Wildbiologie eine
äusserst wertvolle Hilfe sein können. Die meisten Jäger verbringen viel
Zeit in Wald und Feld, sie beobachten viel, sie sehen viel und tragen
meist eine grossen Schatz an Erfahrung mit sich. Für die Mehrzahl der
wildbiologischen Forschungsarbeiten war und ist dieses Wissen der Jäger
ein unverzichtbarer Bestandteil. Aus diesem Grund muss das zentrale
Anliegen sein, auf jeden Fall das Gespräch und die Zusammenarbeit zwischen
Jagd und Forschung aufrechtzuerhalten oder zu verbessern. Von beiden
Seiten ist Toleranz und Verständnis für die Anliegen des Andern
gefragt
Wenn sie
spannende und aktuelle Informationen über die neueste Luchsumsiedlung in
der Schweiz haben wollen, schauen sie nach unter:
http://www.luno.ch
Dieser
Bericht wurde und freundlicherweise vom
Diplombiologe
Herrn
Fasel Michael zur Verfügung gestellt
|
|