Rettung von Jungwild vor dem sicheren Mähtod!

Im Mai/Juni  beginnt wieder die Zeit, in der jährlich Tausende von Rehkitzen, Junghasen und Bodenbrütern ausgemäht werden. Wie viele es genau sind, die auf diese Weise umkommen, weiß zwar niemand, man kann aber davon ausgehen, dass ihre Zahl jeweils mehr als 100.000 Stück pro Jahr nur in Deutschland ausmacht. Da längst nicht alle Tiere, die in die Messer eines Kreiselmähers geraten, sofort tot sind, sondern zum Teil nur mehr oder weniger schwer verletzt werden, handelt es sich beim Ausmähen unter anderem um ein gravierendes Tierschutzproblem. Immer schnellere Landmaschinen und moderne Erntemethoden lassen unserem Niederwild kaum eine Chance zum Überleben.

Allerdings entstehen nicht nur beim Mähen von Wiesen und Weiden Verluste unter dem Wild, sondern auch bei der Durchführung anderer landwirtschaftlicher Arbeiten. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang das Walzen der Grünlandflächen im Frühjahr, das Pressen von Stroh und das Roden von Rüben. Die hierbei auftretenden Verluste sind jedoch bei weitem nicht so hoch wie die Verluste durch Mähen. Tötung und Verstümmelung von Wild beim Mähen von Wiesen gibt es aber nicht erst seit dem Einsatz der Kreisel- und Rotormäher, sondern es hat sie auch früher schon gegeben, als die betreffenden Flächen noch mit von Pferden gezogenen Mähmaschinen gemäht wurden. Sie werden sogar schon erwähnt, als Sensen im Einsatz waren. Allerdings waren die Verluste seinerzeit deutlich geringer als heute. Ferner betrafen sie damals auch ausschließlich ganz junges Wild und Gelege. Erwachsene Hasen, Dreiläufer und schon etwas ältere Rehkitze wurden früher selten ausgemäht, da sie sich durch Flucht immer rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Die ganz kleinen Junghasen sowie die erst wenige Tage alten Rehkitze vermögen sich einer drohenden Gefahr jedoch noch nicht durch Flucht zu entziehen, sondern reagieren darauf durch noch stärkeres Sich-Drücken. Von daher erlitten sie auch früher schon den Mähtod. Bei den heute eingesetzten breiten Mähgeräten, die zudem eine hohe  Arbeitsgeschwindigkeit von bis zu mehr als 15 Kilometer pro Stunde erlauben, sind vom Mähtod aber aucherwachsene Hasen sowie bereits ältere Rehkitze betroffen und vor allem weit mehr als früher brütende Fasanen- und Rebhennen.

Auch werden heute unstrittig mehr Junghasen ausgemäht als früher. Das hängt allerdings nicht so sehr mit der großen Arbeitsbreite und der hohen Geschwindigkeit der Mähgeräte zusammen, sondern ist in erster Linie eine Folge der Situation, dass Wiesen und Weiden heute zum Teil alle sechs bis sieben Wochen gemäht werden. Früher gab es nur zwei Schnitte, und zwar einen Heu- und einen Grummetschnitt. Der Heuschnitt erfolgte Ende Mai/Anfang Juni, der Grummetschnitt im August. Damit waren seinerzeit die Junghasen, die im April gesetzt und in einer Wiese abgelegt wurden sowie die Ende Juni/Anfang Juli geborenen vor den Messern der Mähmaschine sicher. Heute wird jedoch fast nur noch Silage gemacht. Das bedeutet, dass eine Wiese vier bis fünfmal im Sommerhalbjahr gemäht wird. Damit wird heutzutage fast jeder Junghase, der in einer Wiese abgelegt wird, vom Mähtod erwischt. Naturgemäß wählt die Ricke den richtigen Platz für das Setzen der Kitze und deren erste Lebenswochen. Im dichten Gras sind die neugeborenen Kitze nahezu unsichtbar. Auch der Fuchs macht hier wenig Beute, weil er sich scheut, im dichten Graswuchs auf Beutezug zu gehen. Er bevorzugt weniger dichten Bewuchs. Ohne Absprache mit den Landwirten während der Wiesenmahd ist eine effektive Jungwildrettung nicht durchführbar. Dem Jäger sollten die voraussichtlichen Mähtermine so früh wie möglich bekannt sein. Natürlich geschieht die Kontaktaufnahme durch die Initiative des Jägers. Zunächst sollen die weniger gefährdeten Flächen gemäht werden um dem Niederwildheger Zeit und Möglichkeit zu geben, die vom Niederwild gern aufgesuchten Flächen vor dem Mähen gründlich abzusuchen. Der Schutz vor dem Ausmähen kann durch vorbeugende Maßnahmen wie durch das Aufstellen von Wildscheuchen, das Verstänkern gern aufgesuchter Flächen oder durch zweimaliges Absuchen der Flächen erfolgen. Am wirkungsvollsten ist es in jedem Fall, die unterschiedlichen Möglichkeiten zu kombinieren, da es z. B. beim

Ausbringen von Wildscheuchen und dem Verstänkern von Flächen keine hundertprozentige Garantie gibt.  Der Landwirt kann die Jungwildrettung unterstützen, indem er die Wiesen von innen nach außen mäht und dem Wild so die Möglichkeit gibt nach außen zu flüchten und es nicht zum Ende der zu mähenden Fläche in einem immer schmaler werdenden Deckungsstreifen „zusammentreibt“. In keinem Fall lässt sich das Absuchen der Fläche durch das Aufstellen von Wildscheuchen etc. ersetzen! Das Absuchen der Wiesen erfolgt frühestes 1 Tag vor der Mahd, hier gilt es, alles Jungwild in der Fläche zu finden und in Sicherheit zu bringen. Das Auffinden von Rehkitzen kann sich der Heger mittels eines einfachen Tricks erleichtern, indem er mit einem Blattinstrument das Angstgeschrei eines Rehkitzes nachahmt und so die Ricke veranlasst, ihr abgelegtes Kitz sofort aufzusuchen um nach dem Rechten zu sehen. So hilft uns die Rehgeiß, unbewusst ihrem Nachwuchs das Leben zu „retten“. Um das gefundene Jungwild daran zu hindern, wieder in die Wiesen zurück zuwechseln, muss man es während der Dauer des Mähens sicher unterbringen. Dies geschieht am besten in einer mit Grass ausgelegten Obstkiste die, um das Wild zu beruhigen, mit einem Jutesack abgedunkelt und an einem schattigen Platz abgestellt wird.

 Selbstverständlich muss der Körperkontakt mit dem Jungwild so gering wie möglich ausfallen, so wird das Wild nie mit bloßen Händen angefasst, sondern immer mit ausgerissenen Grassbüscheln!  Jeder Kontakt mit dem Wild bedeutet Stress und die Muttertiere könnten ihren Nachwuchs wegen des ihnen anhaftenden menschlichen Geruches verweisen.

Das Absuchen der Wiesen erfordert eine intensive Vorbereitung. Wenn genügend Helfer zur Verfügung stehen, bildet man am besten eine Reihe mit möglichst geringen Abständen der einzelnen Personen zueinander, denn ein Junghase ist schnell übersehen! Der Einsatz guter Vorstehhunde hat sich bewährt. Voraussetzung ist jedoch der absolute Gehorsam des Hundes am Wild. Man führt den Hund am besten an einer langen Feldleine und sucht, um dem vierbeinigen Gehilfen die Arbeit zu erleichtern, gegen den Wind.

Erlahmendes Interesse der JägerWenn man sich die skizzierten hohen Verluste durch das Ausmähen unter den Rehkitzen und Junghasen sowie den Bodenbrütern, von denen einige sogar in ihrem Vorkommen bedroht sind, vor Augen hält, muss es überraschen, dass das Interesse an der Rettung von Wild vor dem Mähtod in den letzten Jahren zunehmend mehr erlahmt ist. Dabei müsste dieses Problem vor dem Hintergrund des Anstiegs dieser Verluste mehr denn je ein zentrales Anliegen sowohl der Jäger als auch des Natur- und Tierschutzes sein.


Insgesamt hat das Problem des Ausmähens derzeit jedoch, wie bereits erwähnt, nicht mehr den Stellenwert, den es vor etwa zwanzig Jahren gehabt hat. Als Beweis für diese Situation ist anzuführen, dass es zum Beispiel im vergangenen Jahr in den Jagdzeitschriften keine Inserate über Wildretter gegeben hat, während vor etwa zwanzig Jahren mehrere Firmen mit ihren diesbezüglichen Konstruktionen warben. Lediglich zur Kitzsuche wird noch ein Gerät angepriesen, das auf der Basis der Wärmeabstrahlung arbeitet. Diese Situation, dass auf Seiten der Jäger der Wildrettung im Moment weitgehend „ade“ gesagt wird, überrascht, denn es profitiert letztlich in erster Linie der Jäger, primär der Revierinhaber, von Maßnahmen zur Minderung dieser Verluste.

Text zum Teil entnommen aus:  Landesjagdverband Hessen und  Deutsche Jagdzeitung  

nach oben