Ist eine Entnahme von  Spielhahnen für den Bestand und für die Entwicklung der Birkhühner verträglich?

 

Unter den – im Anhang I der Richtlinie 79/409/EG des Rates der Europäischen Gemeinschaften vom 2. April 1979 aufgelisteten – Rauhfußhühner scheint auch das Birkwild (Tetrao tetrix tetrix) auf; von diesem ist gemäß den Bestimmungen von Artikel 4  Absatz 1 Buchstabe f) und Artikel 27 Absatz 1 des LG Nr. 14/87 im Zeitraum vom 15. Oktober bis zum 15. Dezember nur der Hahn jagdbar, wobei alljährlich ein Abschussplan zu erstellen ist, Die jagdliche Nutzung dieser Vogelart unterliegt somit der Beurteilung über die Verträglichkeit der Entnahme, welch erstere mit der – durch das  LG Nr. 10 vom 12. Oktober 2007 vorgenommenen  – Novellierung des Landesjagdgesetzes eingeführt worden ist.

 

Da es sich um die Erstanwendung einer neuen Bestimmung handelt, stehen natürlich nicht alle zweckdienlichen Daten für eine  genaue Beschreibung der jetzigen Situation zur Verfügung; teilweise  muss deshalb auf Schätzungen aufgrund verschiedener Weiser zurückgegriffen werden. Unabdingbar erachtet man jedenfalls eine Abgrenzung des Verbreitungsgebietes des Birkwildes, die Erhebung der bekannten Balzplätze sowie die Zählung der dort während der Frühjahrsbalz vorhandenen Stücke. Aufgrund dieser Überlegungen hat das Amt für  Jagd und Fischerei in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Jagdverband (SJV) und mit Unterstützung der hauptberuflichen Jagdaufseher alle bekannten Balzplätze erhoben; dabei werden landesweit 1085 gezählt, hauptsächlich  in den nördlichen Landesteilen  d. h. in den Bergen nördlich der Vinschger und Pusterer Talfurche sowie in den Sarntaler Alpen. Ein gut zusammenhängendes Verbreitungsgebiet des Spielwildes ist weiters auch in den beiden Bergketten entlang des oberen und mittleren Ultentales festgestellt worden. In den oben beschriebenen Landesteilen sind natürlich während der Bestandserhebung zwischen dem 20. April und Anfang Juni auch die mesiten Birkhähne und –hennen  gezählt worden, im Detail  2047 der landesweit insgesamt 2557 bestätigten Hähne. Für die Reviere im obigen Gebiet – im Bericht „Stand des Birkwildes  im August 2008 und Reproduktinsbereichnung nach Reimoser“  wird dieses in die  Bewirtschaftungseinheiten Rhätische und Ötztaler Alpen, Texelgruppe, Stubaier- Zillertaler- und Sarntaler Alpen sowie Drei Seen Gebiet/Maddalene unterteilt – kann somit die Entnahme eines Kontingentes von Spielhahnen als veträglich beurteilt werden. Weiters ist man der Ansicht, dass die Reproduktionsberechnung nach  Reimoser – diese wird in dem oben genannten technischen Bericht verdeutlicht, welchen das Amt für  Jagd und Fischerei gemeinsam mit dem SJV erstellt hat – als Grundlage für die Planung der Abschüsse dienen kann, welche für die einzelnen Bewirtschaftungseinheiten zu genehmigen und dann auf die, in denselben gelegenen Reviere aufzuteilen sind.   

 

Im Wesentlichen mit der Situation im Alpenhauptkamm vergleichbar ist jene in den Pustertaler Dolomiten; diese  werden in dem oben genannten technischen Bericht in  einen östlichen und zentralen Abschnitt unterteilt. Auch in ihnen konnte nämlich bei der Frühjahrserhebung 2008 auf den Balzplätzen ein guter Hahnenbestand (insgesamt 444 Stück)  gezählt werden. Somit kann auch für die Reviere in diesem südostlichen Landesteil eine Spielhahnentnahme  nach den oben beschriebenen Kriterien als ökologisch vertretbar  beurteilt werden.

 

Anders hingegen ist die Verteilung des Spielwildes und somit auch sein Bestand im südlichen Südtirol, wo die meisten Balzplätze sich entlang der Landesgrenze befinden. Weiters sind dort insgesamt  nur 66 Spielhähne gezählt worden; zudem geht aus dem vom Amt für Jagd und Fischerei und dem SJV gemeinsam erarbeiteten technischen Bericht hervor, dass wir in den südlichen Dolomiten  mit einem Durchschnitt von 1,8 Hähnen pro Balzplatz die landesweite niedrigste Dichte haben. Deshalb ist man der Ansicht, dass in diesem Gebiet höchstens die Entnahme eines Spielhahnes  pro Revier und auch nur dann zuträglich  ist, wenn bei der Frühjahrszählung mindestens fünf Stück bestätigt worden sind.

 

All dies vorausgeschickt schätzt das Amt für Jagd und Fischerei, dass

 

1   folgenden Bewirtschaftungseinheiten  im Jahre 2008 eine Entnahme von Spielhähnen  im nachstehend angegebenem Ausmaß für den Erhalt und die Entwicklung des Bestandes verträglich ist:

 

- in den Rhätischen und Ötztaler Alpen (Reviere kraft Gesetzes Taufers, Graun, Mals, Matsch, Schluderns, Laas und Schlanders sowie Eigenjagd Marienberg) von   max.  34   Stück,

 

- in der Texelgruppe (Reviere kraft Gesetzes Schnals, Naturns, Partschins, Algund, Tirol, Riffian-Kuens, St. Martin   und Moos in Passeier sowie Eigenjagd Jufahl)                     von   max.  53  Stück,            

 

- in den Stubaier Alpen (Reviere  kraft Gesetzes Ridnaun, Ratschings, Mareit, Telfes, Sterzing und Brenner) von max. 33      Stück,

 

-  in den östlichen Zillertaler Alpen  (Reviere kraft Gesetzes Terenten, Pfalzen Gais, Mühwald, Lappach, Sand in Taufers, Luttach, St.Peter, St. Johann und St. Jakob in Ahrn, Prettau, Ahornach, Kematen, Rein, Percha, Taisten, St.Martin, St.Magdalena und Pichl in Gsies, Rasen, Antholz, Wahlen, und Vierschach/Winnebach sowie Eigenjagden Brugger, Heiss-, Oberhaidacher-, Putzen- und Winterstallalpe sowie Ochsenfeld) von max. 130  Stück ,           

 

- in den Sarntaler Alpen (Reviere kraft Gesetzes Hafling, Schenna, St. Leonhard in Passeier, Vöran, Mölten, Sarntal, Ritten, Barbian, Villanders, Klausen, Feldthurns, Pfeffersberg, Vahrn, Mittewald, Stilfes, Elzenbaum und Jaufental sowie Eigenjagden Heißhof, Inderst in Asten, Steinwend, Hinterflagger, Kühbergalm und Puntleid) von max. 92 Stück ,

 

- in den östlichen Dolomiten (Reviere kraft Gesetzes Sexten, Innichen, Toblach, Prags, Olang, Enneberg, Bruneck, Wengen und Abtei sowie Eigenjagden Gufidaun und Grünwald) von max. 37 Stück,

 

- in den mittleren Dolomiten  (Reviere kraft Gesetzes Corvara, Campill, St. Martin in Thurn, Welschellen, Rodeneck, Montal, Wolkenstein, St. Christina und St. Ulrich in Gröden, Villnöss, St.Andrä und Lüsen sowie Eigenjagden Mundevilla, Cuncan und Nivenol) von max. 59 Stück und

 

- in den beiden Gebirgszügen entlang des  Ultentales bzw. im Drei Seen Gebiet und in den Maddalene (Reviere kraft Gesetzes Ulten, St.Pankraz, Latsch, Kastelbell-Tschars, Naturns, Proveis, Laurein  U.lb. Frau im Walde  und Tisens) von max.      39 Stück.

 

2   immer im Jahr 2008 in den Revieren kraft Gesetzes, welche teilweise im Mendelzug bzw. in den südlichen Dolomiten liegen, die Entnahme jeweils eines Spielhahnes nur dann für den betreffenden Bestand verträglich ist, wenn im entsprechenden Wildbezirk während der Frühjahrszählung mindestens 5 Hähne bestätigt worden sind.

 

Bozen/Bolzano, 11.09.2008

                                                                               Bericht: Amtsdirektor Dr. Erhard (Amt für Jagd und Fischerei

 

 

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