Der Pudelpointer

 

 

Überblick:

 

Beim Pudelpointer handelt es sich weder um eine neue Rasse, noch um einen Mischling, wie es unbedarfte Hundefreunde gern mal meinen. Vielmehr handelt es sich um eine inzwischen schon traditionsreiche, damit auch nicht immer problemfreie, deutsche Jagdhundrasse. Das neue Hundebuch, ISBN 3-8068-0009,1986 erklärt kurz und bündig: „Eine Kreuzung von Pudel und englischem Pointer, um die Bringfreude des Pudels einerseits und die gute Nase des Pointers andererseits in einer Rasse zu vereinigen.“

Ebenso rasch ist in diesem Buch die Rolle des Jagd- und des Vorstehhundes erklärt. „Seit Jahrtausenden ist der Hund der Jagdgehilfe des Menschen. War er einst der mutige Angreifer … so erhielt er nach Erfindung des Schießgewehres andere Aufgaben.“ „Vorstehhunde nennt man solche Hunde, die bei der Suche durch Anhalten gefundenes Wild … anzeigen.“

Die Entstehung, über die manches kolportiert wird, lässt sich so zusammenfassen: Förster und Jäger kamen auf die Idee, dass aus der Kreuzung hochgezüchteter Vorsteh- und Feldspezialisten, englischer Pointer eben, und dem bewährten, scharfen Jagdgebrauchshund, der der damalige Großpudel noch war, wobei freilich die Verwendung als Haus- und Luxushund schon begonnen hatte, der vor allem als Wasserspezialist und Apporteur, neuhundedeutsch Retriever, zu gelten hatte, einen großartigen Allzweckjagdhund ergeben müsse.

Robust sollte er werden, rauhaarig, führig, wildscharf. Freilich wollte man dem Pudel kein Übergewicht geben, so dass von einem Mischungsverhältnis 7 : 3 Pointer zu Pudel gesprochen wird.

Rassegeschichtliches:

Informationen über den Pudelpointer sind z.B. neben einigermaßen brauchbaren Hundebüchern, Hunderassenführern über den Verein Pudelpointer e.V. im Jagdgebrauchshundverband (http://www.pudelpointer.de) zu erlangen.

 

Ob die Pudelpointerzucht ihren Ursprung einer guten Idee der Menschen oder dem Zufall bzw. dem natürlichen Trieb der Hunde verdankt, darüber gibt es verschiedene Meinungen bzw. Anekdoten, ich zitiere hier Hans Räber nach seiner Enzyklopädie der Rassehunde: „Der Anlass, eine Rasse mit dem Namen Pudelpointer zu züchten, war die Hündin „Juno“, die aus der Zufallspaarung eines braunen Großpudel-Rüden mit einer braunen Pointer-Hündin stammte… „Diese damals mit Entsetzen entdeckte Mesalliance datierte vom Manöver… Der Pudel war ein beim ganzen Jägerbataillon berühmter, kluger Kerl und Jagd- und Wasserhund zugleich, dabei selbstverständlich ein Apporteur par excellence.“ Die Hündin „Juno“ leistete hervorragende Arbeit als Verlorenbringer und als Schweißhund. Das bewog v. Zedlitz.. weitere solcher Hunde zu züchten.“ 

Nach Dr. Voswinckel fiel der 1. Wurf vom Wolfsdorf nach Pointer Tell aus Pudelhündin Molly 1881. Nach Hans von Mulert ist es das Jahr 1882, aber Hegewald selbst schreibt auch 1881.

Letzterer, Freiherr Sigismund von Zedlitz und Neukirch, war so überzeugt von dieser Idee, dass ihm sein Engagement einbrachte, dass man von Pudelpointern als von Hegewalds Raubärten sprach. Ihn unterstützte  Stiftsförster Walter aus Wolfdorf bei Goldberg – danach Cora vom Wolfsdorf, aus dem oben genannten ersten Wurf, von der Hegewald sagt: „ In Cora, ebenso wie in ihrem Wurfbruder Castro, hatte sich Pudelgelehrigkeit, Apportierlust, Verlorenapportierkunst und Folgsamkeit in ausgesprochener Harmonie mit der bekannt guten Nase, der unermüdlichen Ausdauer und dem herrlichen Temperament des Pointers vereinigt…“

Carl Rehfus, unter dem Pseudonym Oberländer bekannt, war dann ebenfalls von diesem Hundetyp überzeugt, wie auch aus seinem 1891 erstmals erschienenen Dressurbuch (Oberländer, Dressur und Führung des Gebrauchshundes, 10. Auflage, Neumann  - Neudamm Verlag 1926, steht in meinem Bücherschrank noch vom Opa her) hervorgeht.

Auf seinen Aufruf hin wurde der Verein am 17. Juli 1897 gegründet.  Ab 1924 werden nur noch Nachkommen von Pudelpointer-Eltern ins Stammbuch eingetragen. Bis dahin waren immer wieder Pointer eingekreuzt worden.

Doch eine interessante Entwicklung  in neuerer Zeit, beginnend 1990, es gibt einen Zuchtversuch, in dem neu Großpudel und Pointer gekreuzt werden.  Diese neue Linie, diese Blutauffrischung ist sicher nützlich für die Rasse.

Ähnlich wie die beiden anderen Rassen im Rauhaar – Reinzucht – Verband, Korthals – Griffon und Deutsch Stichelhaar, ist auch der Pudelpointer eine recht seltene Rasse geworden, hierzulande die mit weitem Abstand häufigste Vorstehhundrasse wurde der Deutsch Drahthaar, dessen Züchter ja eben die anderen Raubärte ohne Ansehen der Rassen nahmen und auf gute jagdliche Verwendbarkeit hin züchteten und damit großen Erfolg hatten und haben. Überraschenderweise ist der PP aber ebenfalls selten, doch bekannt in den angelsächsischen Ländern, es gibt kleine Zuchtbestände in den USA und Kanada. One man’s quest to find his perfect pointer erschien in Sporting Dog, es geht um schottische PPs!

Historisch waren die militärischen Abenteuer Deutschlands im letzten Jahrhundert, die Zeit zwischen 1933 – 1945, in der nicht nur Menschen, sondern auch Haustiere vereinheitlicht werden sollten und bevorzugte Rassen festgelegt wurden, die Trennung in zwei deutsche Staaten und damit die Auftrennung der PP-Zucht erhebliche Einbrüche, so dass z.B. Räber und Hauck die Rasse, was Einheitlichkeit und Durchzüchtung anbelangt, bis zu den 60er Jahren eher kritisch beurteilen, so meint letzterer gar „von Zeit zu Zeit kommt es zu einem Wiederaufblühen der Reinzucht“, was aber Räber immerhin kommentieren muss „Haucks Pessimismus in Bezug auf die Zukunft der Rasse hat sich .. vorläufig nicht bewahrheitet.“ Ähnlich kritisch Riesenthals Jagdlexikon, Neumann Neudamm 1916: „Die Pudelpointer zeigen äußerlich noch wenig einheitlichen Typus, viele von ihnen erscheinen als Pointer schweren Schlages in rauhem Gewande.“ Wobei hier zu fragen ist, was daran falsch oder nicht pudelpointergerecht sein soll? Bruce Fogle meint in seiner Enzyklopädie der Hunde (ISBN 3-405-15780-3, blv 1999) dagegen: „Aus  unerfindlichen Gründen ist der Pudelpointer, eine ausgezeichnete Rasse ohne größere Schwächen, in Deutschland und in anderen Ländern nie richtig populär geworden. … (Es) muss sich jedes Tier vor der Registrierung strengen Prüfungen für die Feld- und Wasserarbeit unterziehen. Der schöne, wetterfeste Hund gehört ausschließlich in die Hand des Jägers.“ E. Schneider-Leyer, Kosmos Franckh, Welcher Hund ist das in der dritten Auflage, 1967: „Der von deutschen Züchtern aus dem englischen Vollblutpointer und dem Pudel herausgezüchtete Jagdhund verbindet hervorragende Feldpassion, Suche und Vorstehen des englischen Pointers mit der Intelligenz und Jagdpassion des alten Großpudels. Die Leistungen der Nase im Vorstehen, die weit ausholenden Bewegungen, Schnelligkeit und Freude an der Bewegung sind besondere Vorzüge der Rasse. Dieser .. auf Gebrauch und Leistung gezüchtete Hund gehört nur in die Hand des Jägers.“ M.A. Stoneridge, Alles über den Familienhunde, Albert Müller Verlag 1983, schreibt: „ vom Pudel sieht man allerdings nicht mehr viel, der Hund gleicht mit seinem dichten, harten Rauhaar und dem bärtigen Gesicht weit eher einem Deutsch Drahthaar (mein Kommentar:  oder eben andersrum!), hat aber als Pointererbe einen gut markierten Stop.“ Anders als die meisten betont Das große Kosmos – Jagdlexikon, ISBN 3-440-09160-0, 2004, die Schärfe: „ Guter Stöberer, Leistet gute Schweißarbeit, Ruhig, spurlaut und scharf, geeignet als Jagdschutzhund.“ Die Jagd, 3-8331-1263-8, 2004, wiederum meint, dass „über 110 Jahre später .. dieses Zuchtziel weitgehend erreicht zu sein (scheint). Der Pudelpointer präsentiert sich heute als leistungsstarker Vollgebrauchshund mit hoher Leistungsdichte in der Feld- und Wasserarbeit.“

 

Rassekennzeichen:

Rüden 60 – 68, Hündinnen 55 – 63 cm Stockmaß, geschlossenes, hartes Stock- oder Rauhaar mit dichter Unterwolle, deutlicher Bart, stachelige Augenbrauen. Unerwünscht sind Hunde ohne Bart und Brauen sowie Hunde mit kurzem Haar.

Dunkelbraun, dürrlaubfarben oder schwarz ist zugelassen, kleine weiße Abzeichen sind ohne Belang

Ruhiges, ausgeglichenes Wesen, freundlich zu allen Familienmitgliedern, Wesensfestigkeit, Intelligenz, Frühreife, gute Lernfähigkeit, Dressurfähigkeit, Spurwille und -sicherheit, Spurlaut, Bringtreue, Stöberpassion, Wasserfreude, Wild- und Raubzeugschärfe, feiner Nase, schnelle, raumgreifende Suche, festes Vorstehen werden erwartet und gefördert.

 

Attina vom Schlüsselstein, genannt Rona

 

Ich mag so gut wie alle Hundetypen, speziell unter den Jagdhunden gibt es keine Rasse und keinen Schlag, den ich, immer eingedenk seiner eigentlichen Aufgaben, nicht großartig finde.

Aber nach dem obigen wird auch der Leser dieser Zeilen spüren, dass dem PP nicht viel fehlt, um als perfekter Jagdhund zu gelten, vielleicht mit Ausnahme der Baujagd.

Aber, ehrlich, das ist nur die Papierform! Ob jeder Hund das kann, bringt, so ist? Sicher nicht.

Wen interessiert, wie ich zu meiner Rona kam und was wir gemeinsam mit viel Unterstützung durch Fachleute erreicht haben, der lese: Die Pirsch, 22, 2007; der Pudelpointer, Mitteilungen des Verein Pudelpointer e.V. 164, Dez. 2007 (Titelbild: Suchensiegerin der Edgar Heyne Herbstzuchtprüfung, 187 Punkte, Attina  vom Schlüsselstein), 165, Juli 2007 ab S. 20, Suchensieger der Jugendprüfung der Landesgruppe Baden – Württemberg, 72 Punkte, spurlaut, Attina vom Schlüsselstein,161, Dez. 2006. S. 43, Unser Pudelpointernachwuchs zeigte sich von seiner stärksten Seite.

Ja, doch, die Brauchbarkeitsprüfung hat sie auch. Da gab’s nur keine Rangfolge. Ob ich gesehen hätte, wie uns ein Hase über die Schweißfährte - ? Nein, war zu sehr auf den Hund konzentriert. Der wie eine Einschienenbahn fungierte und geradenwegs zum Stück zog.

 

Ist Rona demnach der perfekte Hund? Na ja, einerseits – ja, für mich, klar. Andererseits: ihr Haar dürfte besser sein (angeblich hatte ihr Vater in seiner Jugend auch kein so dichtes Haar). Sie dürfte gegenüber Menschen etwas weniger scharf bzw. besser gesagt misstrauisch sein, sie ist hier sicher nicht der typische Pudelpointer. Sie könnte auch ein bisschen weniger eigensinnig sein, na ja, sogenannter Kopfhund, erste ihres Wurfes… sie folgt, ja, aber immer mal wieder müssen wirs ausdiskutieren und auf hundeplatzmäßige Genauigkeit beim Vorsitzen, bei Fuß gehen legt sie schon gar keinen Wert. Fremde Hunde sind kein Problem, sie ist kein Raufbold, eher souverän – solang die sich unterwerfen, gibt’s keine Diskussionen. Wenn nicht, bzw. wenn der andere Hund ihr dumm kommt, kann’s ungemütlich werden, wenn auch nicht mal immer: gegen kläffende Dackel und Terrier ist sie immun, da bleibt sie aufrecht schwanzwedelnd und scheint zu fragen, was das denn soll! Aber ein Terrier, der sie angreift, ein großer Hund, der sie anknurrt – da ists vorbei mit der Contenance.

 

Aber 20 km am Fahrrad (mit Pausen, bitte! Zum Trinken, schnüffeln, was machen) – kein Problem. Treibjagd, Suche – wunderbar, und der Hund kommt zurück. Sie geht nicht alleine Jagen, bleibt im Treiben oder kommt zu mit zurück, bringt, was geschossen wird, Enten aus eiskalten Fließgewässern (Winter 2007/08 hat der noch junge Hund zwei Erpel, die zugleich fielen, bei starker Strömung nacheinander eingeholt und raus gefischt!), Hasen liebend gerne, Fuchs z.B. aus Tobeln und sozusagen aus Versehen auch mal ein Kitz, schließlich kann man die genauso apportieren, hier sind wir noch am Üben. Schweißfährten einwandfrei, Verlorensuche – ich hätte schon mehr als nur einen Fuchs nicht gehabt, der weiterlief, 15 Min später ein Fuchs hundert Meter weiter in die andere Richtung wechselte – ohne Hund hätte ich geglaubt, ich hätte gefehlt, aber er lag!

Jagd ohne Hund ist Schund, altbekannt, Jagd ohne Rona* kann ich mir nicht mehr vorstellen. Es ist unglaublich viel Arbeit, den Hund selbst abzuführen, und ich kann nur jedem dringend ans Herz legen, diese sich anzutun, mit dem Hund auf den Hundeplatz zu gehen, Gehorsamstraining – das A und O – mit erfahrenen Hundeführern zu üben und nochmals zu üben, wenigstens einen Brauchbarkeitskursus zu belegen, wie er eigentlich überall angeboten wird. Was Hundchen nicht lernt… Hund muss gehorchen, Hund muss bringen, Hund muß – jetzt kommen seine Rechte – geliebt, gestreichelt, verwöhnt (ja doch! Aber das kommt nach gehorchen: in seinem erlaubten Bereich) werden, gutes Hundefressen (gern rohes Rind vom Metzger etc.), getreuliches Ausführen – und dann jagen. Dann hat man einen guten Hund, den man liebt – die Umkehrung ist so sprichwörtlich, dass man sie nicht zu erwähnen braucht.

Rona ist Maori, die Frau im Mond. Sie schimpfte und verfluchte gern, und so auch den Mond, der sie darauf packte und zu sich hochholte. Kia mahara ti ke he o rona, denkt immer daran, was Rona Schlimmes getan hat!

 

                                                     Bericht und Fotos: Thomas Peter Lanzinger & Attina vom Schlüsselstein

 

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