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Waidmannssprache oder Jägersprache
stellt mit Ihrem riesigen Wortschatz vom Mittelalter bis zur Gegenwart
die reichste Sondersprache dar. Sie entwickelt sich ständig weiter, die
neu hinzukommenden Ausdrücke verdrängen andere, die in unsere heutige
Sprache nicht mehr passen |
- Jägerlatein und Waidmannssprache
- Zwei Begriffe, die gern verwechselt
werden. Die Jägersprache hat überhaupt nichts mit dem
allseits bekannten "Jägerlatein" zu tun.
- Als Jägerlatein bezeichnet man die
selten ernst gemeinte Übertreibung oder das absichtliche
Schwindeln beim Erzählen von Jagd- und anderen Geschichten. Wer
drauf hereinfällt, muss sich selber bei der Nase nehmen.
- Ganz anders verhält es sich mit der
Waidmannssprache, der ältesten Fachsprache. Ihr bildhafter
Wortschatz gründet auf uralter Überlieferung, genauer
Beobachtung und dient der anschaulichen Beschreibung von Wild-
und Natur. Jeder gute Jäger versteht sich in der
Waidmannssprache auszudrücken. Dabei gibt es regionale
Ausprägungen. Die eigentliche Hochsprache ist in der alpinen
Jagd, einer ursprünglichen Jagd von Berglern, weniger geläufig.
Aber auch der einfache Bergjäger verfügt über einen reichen und
treffenden Wortschatz, der alten Traditionen entstammt.
Die Anfänge der Jägersprache lassen
sich bis ins 7. Jhdt. zurück verfolgen und sie zählt somit heute
zu den ältesten noch lebendigen Zunftsprachen. Weit über 3000
jagdliche Ausdrücke haben die Jäger in ihrem Wortschatz.
Und die Weidmänner sprechen diese Sprache nicht, um vielleicht
von Nichtjägern nicht verstanden zu werden oder gar, um sich von
diesen abzuheben. Vielmehr können mittels Jägersprache mit
wenigen Worten sehr präzise Angaben gemacht werden.
Ein Beispiel: "Der reife, noch
rote Eissprossenzehner zog orgelnd am Wechsel in den Einstand."
Gäbe es keine Jägersprache, müsste der Jäger statt dieses kurzen
Satzes folgende Erklärung abgeben: "Der etwa zehn- bis
zwölfjährige Hirsch, der noch das rote Sommerfell trug und ein
Geweih mit zehn Zacken hatte - das Geweih hatte noch die
Besonderheit, nach den jeweils untersten Zacken zwei verkümmerte
Zacken zu haben - ging langsam, immer wieder kräftige
Brunftlaute von sich gebend, auf dem Steig, den das Rotwild seit
eh und je benutzt, in jenen Waldteil, den der Hirsch jetzt in
der Brunftzeit als bevorzugten Tagesaufenthaltsort ausgesucht
hat."
Es hat also Sinn, dass die Jäger ihre
Zunftsprache pflegen. Die nachfolgenden Beispiele geben Ihnen
einen kleinen Eindruck von dieser lautmalerischen wie auch
bildhaften Sprache:Die Waidmannssprache ist wohl die älteste und
zugleich die größte Zunftsprache. Sie ist Kulturgut
und unabdingbar mit dem Waidwerk verbunden.
Der Jäger wollte sich in Kleidung, Gehabe und
natürlich auch durch seine Sprache als Mitglied
seines Standes vom Bürger und vom Bauern abheben. |
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Dass der Waidmannssprache
auch heute noch teilweise der Nimbus einer "Geheimsprache" anhaftet, hat
seine Wurzeln in jener Zeit.Die Jägersprache war nie etwas
Starres, sie hat sich laufend verändert. Sie musste sich auf neue
Jagdarten und neue Wildarten einstellen. Die heutige Jägersprache
orientiert sich dementsprechend an der modernen Jagdpraxis. Solange die Waidmannssprache nur
unter Jägern - und nicht im Gespräch mit Nichtjägern - benutzt wird,
bringt sie nachvollziehbare Vorteile: Sie fängt jagdlich wichtige
Feinheiten ein, die man mit der normalen Sprache kaum darstellen kann
und dient damit einer präzisen Verständigung der Jäger. Für jemanden, der sich zum ersten mal damit
beschäftigt, dürften diese Ausdrücke sehr verwirrend sein, zumal es für
ein und dasselbe mehrere verschiedene Begriffe etabliert haben, z.B. das
Fell des Rehs nennt sich Decke, Fell eines Raubwildes Bald,
während das Fell des Wildschweins sich Schwarte nennt. Nun darf man, wie bei jeder
Sprache, nicht für alle Dinge eine logische Erklärung suchen, man
wird sie nur schwerlich finden. Um sich genau in diesem
Wirrwarr zurecht zu finden, soll diese Aufbereitung hier im
Internet dienen.
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DIESER SEITE AUS DER CD: "Die Jägerschule" Landesbetrieb für Forst
- und Domänenverwaltung Bozen |
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