JAGDAUFSEHER

Der Gesetzgeber war vor allem bestrebt, den Jagdaufseherberuf in Südtirol durch eine solide Ausbildung aufzuwerten. In einem sechsmonatigen einschlägigen Schulungskurs erhalten deshalb die angehenden Jagdschutzorgane das nötige theoretische und praktische Wissen und müssen dann in einer speziellen Prüfung ihre Kenntnisse in Ökologie, Wildkunde und Jagdbetrieb unter Beweis stellen. Die bisherigen  in der Jägerschule Hahnenbaum gesammelten Erfahrungen, vor allem aber die festgestellte Bewährung beim Dienst im Revier bestätigen, dass der eingeschlagene Weg in die richtige Richtung weist.

Auf den 606.000  Hektar Revierfläche in Südtirol sind zur Zeit 73 Revierjagdaufseher und 7  Verbandsjagdaufseher und die sieben Bediensteten des Amtes für Jagd und Fischerei in dessen Außenstellen  angestellt. Somit trifft es pro Jagdaufseher eine Revierfläche von ca. 7.500 Hektar. Das Jagdgesetz sieht eine obere Grenze von 10.000 Hektar pro Aufseher vor.

JAGDAUFSEHER SOLL EIN FESTER UND SICHERER ARBEITSPLATZ SEIN 

Die beste Ausbildung und die große Begeisterung für den Wildschutz würden aber unserem Jagdsystem wenig nützen, wenn den Jagdaufsehern nicht ein sicherer und dauernder Arbeitsplatz geboten wird. Erstmals in Italien ist deshalb die Bestellpflicht für einen hauptberuflichen Jagdaufseher je 10.000 ha Jagdfläche vorgesehen und zudem als zusätzlicher Schutz die Klausel eingebaut worden, daß sowohl die Begründung als auch die Auflösung eines Dienstverhältnisses stets vom Südtiroler Jagdverband genehmigt werden muß. Nur in fünf Ausnahmefällen ist die zu betreuende Revierfläche geringfügig erhöht worden. Die einzelnen Reviere und Bezirke können somit Jagdaufseher nur mit dem Einverständnis des Jagdverbandes anstellen und was

Foto: Walter P. Webmaster "Südtiroler Jagdportal"

 für den Schutz des Arbeitsplatzes weit wichtiger ist, auch nur mit dessen Zustimmung wieder entlassen. Außerdem enthält das neue Gesetz gewissermaßen als letztes Druckmittel die Bestimmung, daß, bei Nichtgewährleistung eines ordnungsgemäßen Jagdschutzes über ein Jahr, das Amt für Jagd und Fischerei die ausgestellten Jagderlaubnisscheine zu wiederrufen hat. Und diese Maßnahme ist in den vergangenen Jahren auch bereits in zwölf Fällen angewandt worden mit dem Ergebnis, daß - trotz der anfänglichen Beteuerung, keinen geeigneten Aufseher zu finden - ein ausreichender Jagdschutz innerhalb kurzer Zeit gewährleistet war.

BEFUGNISSE DER JAGDAUFSEHER

Die Neuerungen im Bereich des Wildschutzes beschränken sich keineswegs allein auf die Sicherung des Arbeitsplatzes der Jagdaufseher, sondern betreffen auch die Befugnisse der Jagdschutzorgane selbst. Der Gesetzgeber war bemüht, die neueren Erkenntnisse der Wildbiologie sowie die berechtigte Forderungen des Tierschutzes ebenso zu berücksichtigen , sondern Schutz und Pflege aller Wildarten, einschließlich der Beutegreifer, ist nämlich das neue Hegeziel. Hauptberufliche Jagdaufseher können deshalb Haarraubwild nur mehr während der im Jagdkalender festgelegten Periode erlegen, während in der restlichen zeit des Jahres Schonung genießen. Und die Fallenjagd als nicht mehr zeitgemäße Jagdmethode ist inzwischen aufgrund des Jagdkalenders landesweit verboten. Anderseits hat man aber auch erkannt, daß ein wirksamer Jagdschutz sowie eine gerechte Ahndung von Jagdvergehen nur möglich ist, wenn die Aufseher mit bestimmten polizeilichen Befugnissen ausgestattet sind.

Foto: CD "Jägerschule" - Landesbetrieb für Forst- und Domänenverwaltung Bozen 

 Jagdaufseher können in Ausübung ihres Dienstes jede Person, die im Besitz jagdtauglicher Waffen oder Geräte oder von lebenden oder totem Wild oder beim Jagen bzw. in Jagdbereitschaft angetroffen wird, anhalten und ihre Identität überprüfen und sie auffordern, den Waffenschein, den Jagderlaubnisschein und die Jagdhaftversicherungspolizze vorzuweisen. Wird ein Verbot übertreten und wird eine entsprechende Vorhaltung gemacht, ist das Jagdschutzpersonal befugt, Wild, Waffen und Jagdmittel - mit Ausnahme des Hundes im Verwaltungswege zu beschlagnahmen und eine Niederschrift zu verfassen, von der eine Kopie dem Übertreter sofort zu übergeben oder, sollte dies nicht möglich sein, innerhalb 30 Tagen zuzustellen ist. Befindet sich unter den beschlagnahmten Sachen lebendiges Wild, sorgen die Jagdaufseher unverzüglich für dessen Freilassung an Ort und Stelle. Fahrzeuge dürfen vom Jagdaufseher nur im Beisein eines Polizeiorganes überprüft werden.

VORAUSSETZUNG FÜR DIE EINSTELLUNG
Zu hauptberuflichen Jagdaufsehern dürfen nur Personen bestellt werden die:
1.) italienische Staatsbürger sind und ein Abschlußzeugnis der Pflichtschule besitzen
2.) das 18. Lebensjahr vollendet haben;
3.) geistig und körperlich für die mit der Ausübung des Jagdschutzes verbundenen Aufgaben geeignet und verläßlich sind,
4.) die Jäger- und Jagdaufseherprüfung bestanden haben.

Die Bestellung zum Jagdaufseher kann nur von den Verwaltern der Jagdreviere kraft Gesetzes bzw. der Eigenjagdreviere beantragt werden!

Zur Vorbereitung auf letztere sind inzwischen im Ausbildungszentrum Hahnenbaum in Moos in Passeier schon mehrere sechsmonatige Schulungskurse abgehalten worden. Die Autonome Provinz Bozen hat somit nicht nur die gesetzlichen Voraussetzungen für eine zeitgemäße, ökologisch ausgerichtete Ausbildung der Jagdschutzorgane geschaffen, sondern auch die dazu nötigen Strukturen errichtet. Neben der theoretischen Einführung in Wildbiologie und Jagdwirtschaft sowie praktischer Revierarbeit ist dabei auch eine Einbindung in das von der Wildbiologischer Gesellschaft München betreute Rehprojekt Hahnenbaum gewährleistet. Südtirols Jagdaufseher dürfen somit für eine Wildtiermanagement gerüstet sein.   

Die hauptberuflichen  Jagdaufseher üben in der Regel den Dienst innerhalb des ihnen zugeteilten Gebietes aus.  Die hauptberuflichen Jagdaufseher sind ermächtigt, schwerkrankes Wild, einer Infektions- oder parasitären Krankheit verdächtiges, sowie Schwerverletztes jagdbares Wild jederzeit zu erlegen, um dessen Leiden zu verkürzen und die Ausbreitung ansteckender Krankheiten zu verhindern.  Ausserdem sind Jagdaufseher auch berechtigt in der Nachtzeit (auch mit Scheinwerfer) Raubwild zu erlegen.

Jäger dürfen auf KEINEN FALL schwer erkranktes Wild oder angeschossenes Wild ohne Zustimmung des Revierleiters oder dessen Aufsichtsperson erlegen. Es ist immer der Jagdaufseher zu verständigen der das Wild vom Leiden erlösen darf. 

JAGDKARTEN FÜR HAUPTBERUFLICHE AUFSEHER  

Hauptberufliche Jagdaufseher dürfen im eigenen Dienstbereich keine Jahreskarte erhalten. Sie können von Fall zu Fall ermächtigt werden, einzelne Abschüsse zu tätigen, indem ihnen eine Gastkarte oder eine Wochen- oder Tageskarte, wo vorgesehen samt Sonderbewilligung, ausgehändigt wird. Ob die hauptberuflichen Aufseher eine Genehmigung zum Abschuss einzelner Wildarten erhalten, entscheidet die Vollversammlung der Jahreskarteninhaber der betreffenden Reviere. Die Verbandsjagdaufseher dürfen innerhalb und außerhalb ihres direkten Zuständigkeitsbereiches höchstens eine Gastkarte erhalten. Auch darüber entscheiden die Vollversammlungen der entsprechenden Reviere. Einem hauptberuflichen Jagdaufseher steht nach eventueller Beendigung des Dienstverhältnisses der Wiedererhalt der Jahreskarte in einem Revier, für welches er bereits einmal die Jahreskarte besaß und für welches er den gesetzlichen Anspruch darauf hat, ohne neuerliche Bezahlung der Eintrittsgebühr zu. Im Sinne der Respektierung erworbener Rechte haben jene Verbandsjagdaufseher, welche bereits einmal Inhaber einer Jahreskarte oder Gastkarte in einem Revier kraft Gesetzes waren, weiterhin im betreffenden Revier Anrecht auf eine Gastkarte, welche zur selben Jagdausübung berechtigt wie eine Jahreskarte. Die Berechtigung gilt für ein einziges Revier.

Text: WILD UND WEIDWERK IN SÜDTIROL von Oswald Sailer

Foto: CD "Jägerschule" - Landesbetrieb für Forst- und Domänenverwaltung Bozen 

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