Bericht 01:  Südtiroler Jäger auf Wildschweinjagd  

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Die Nacht war kurz! Gleich zwei von meinen Kollegen haben Nachwuchs bekommen, und so mußte der obligatorische „Popelewein“ getrunken werden. Wein war es wohl keiner, aber zu viel Bier und zu wenig Schlaf haben mich dafür am Freitag, dem 8. Januar 2010, um 4 Uhr morgens schwer aus dem warmen Bett steigen lassen. Aber es mußte sein, denn um 5 Uhr morgens war ich mit dem Jagdkollegen Jakob verabredet. Wir waren zu einer Wildschweinjagd im Ausland verabredet. Zugleich mußte ich meinen 2. Preis beim Wettbewerb 2008 im Südtiroler Jagdportal einlösen.
Am Treffpunkt wartete bereits der „Lentsch“, welcher einen Kleinbus mit 9 Sitzplätzen organisiert hatte, so daß wir alle gemeinsam mit einem Auto fahren konnten. Bei der Autobahnausfahrt Klausen wartete schon der Toni aus Völs, der Hubert aus Tiers und der Organisator dieser Auslandsjagd, der „Walter“, auf unser Eintreffen.
Es schneite, die Straßen waren ziemlich schneebedeckt. Der Lentsch genoß diese nächtliche Fahrt auf der verschneiten Autobahn und fuhr mit dem Kleinbus wohl schneller als erlaubt. Erst als ihm der Jakob (Lanze) drohte, aus dem fahrenden Fahrzeug auszusteigen, wurde die Geschwindigkeit den winterlichen Verhältnissen angepaßt.
Ziel war ein 400 ha großes Waldrevier in der Nähe der slowakischen Grenze. Mein mitgebrachtes Navigationsgerät war nur kurz im Einsatz. Ich hatte vergessen, sowohl den Akku zu laden als auch den Ladestecker mitzunehmen. Immer wieder machten sich die Kollegen über mein Mißgeschick lustig – gerade dann, wenn ich mit der Landkarte in der Hand meine Schwierigkeiten hatte, dem Fahrer die richtige Straße anzusagen. Erst als ich Ihnen zusicherte, ein toller Straßenkarten-Leser zu sein, kehrte wieder Ruhe ein, und alle schenkten mir das Vertrauen. Irgendwann war plötzlich wieder Unruhe im Auto. Als wir kurz hinter Wien in die falsche Straße fuhren, hatten wir wieder kostbare Zeit verschwendet. Ich werde jetzt nicht zitieren, welche Unterstellungen mir wieder gemacht wurden. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, welchen Stellenwert ich von nun an in der Gruppe hatte. Das Reserverad wurde auf meinen Platz geschnürt, und ich mußte in den Kofferraum, denn das Vertrauen war wieder weg.
Bei starkem Schneefall hatten wir endlich gegen 14 Uhr das Forsthaus erreicht. Es war wirklich sehr schwierig, diesen Ort ohne Navigationsgerät zu finden. Aber mit unzähligen Telefonanrufen und vielen Fragen an liebe Mitmenschen konnten wir das Ziel unbeschadet erreichen.
Am Forsthaus angekommen, warteten schon der Oberförster und Revierverwalter „Herr Ing. Wolfgang Rauscher“ und seine Jagdbegleiter auf uns. Wir wurden sehr freundlich mit einem Waidmannsheil empfangen. Aber gleich war Hektik angesagt: sofort umziehen, die Begleiter wurden zugeteilt, Büchse und Rucksack geschultert und ab ins Revier. Während es immer noch unaufhörlich und große Flocken schneite, fuhren wir – ich war mit Krücken und Video-Kamera bewaffnet – zum Hochstand. Der Hochsitz hatte kein Dach. Wie zwei Schneemänner saßen wir mit roter Nase auf dem Hochsitz. Plötzlich Unruhe im Laubwald. Die Spannung stieg. Ein Keiler wechselte in unsere Richtung, aber für meine Geldtasche war er wohl etwas zu groß. Ich nahm heimlich meine Videokamera und filmte den Keiler fast 10 Minuten lang, während er bei der Kirrung nach Mais suchte. Das Tageslicht wich schon langsam der Dämmerung, als die ersten Schüsse brachen. Durch den Neuschnee hatten wir ziemlich lange Anblick. Als wir wieder beim Forsthaus ankamen, lagen schon vier erlegte Sauen vor uns. Auch der „Lentsch“ hatte nun endlich seine erste Wildsau erlegen können, einen Frischling mit fast 40 kg. Die Sauen wurden vom Jagdverwalter aufgebrochen und zum Auskühlen neben dem Forsthaus aufgehängt. Nach der Schweißarbeit blies der Jagdverwalter Wolfgang und ein Begleiter „Jagd vorbei“ und „Sau tot“. Nach einer kurzen Ansprache vom Wolfgang bedankten sich auch die Südtiroler Jäger für die Gastfreundlichkeit, indem der Lentsch auf dem Jagdhorn die „Begrüßung“ und das „Halali“ bließ. Nun wurden der Hubert und der Lentsch, die zum ersten Mal Schwarzwild erlegt hatten, vom Revierverwalter zum Sauenjäger geschlagen. Dazu mußten die beiden Jäger auf das erlegte Schwein knien und drei Fragen über das Schwarzwild beantworten. Anschließend erhielten sie mit dem Waidblatt einen sanften Schlag auf den Rücken.
Nach einer eher feuchten Runde fuhren wir in die Pension, um endlich die nassen Klamotten wechseln zu können. Der Einladung zum Abendessen folgten auch der Oberförster Wolfgang und die Jagdbegleiter. Der Gastwirt und seine Frau hatten schon alle Vorbereitungen getroffen, und wir wurden aufs Köstlichste versorgt. Bis spät in die Nacht saßen wir in feucht fröhlicher Runde zusammen und amüsierten uns göttlich. Gegen 11 Uhr abends bereitete uns die Gastwirtin noch eine Rollade, die sie uns anschließend servierte.
Am darauffolgenden Morgen lag wieder Neuschnee. Über Nacht hatte es einige Zentimeter geschneit. Schon am Vormittag fuhren wir gleich ins Revier, denn nach dem Schneefall besuchen die Sauen gerne die Kirrungen. Jakob hatte sofort Waidmannsheil. Zwei Sauen neben der Kirrung verweilenden Rotte konnte er strecken. Alle anderen Jäger hatten am Vormittag keinen Anblick, und so trafen wir uns wieder ein wenig enttäuscht beim Forsthaus. Abschließend stand uns nur noch der Nachmittag zur Verfügung, denn am Sonntagmorgen hatten wir die Abreise geplant.
Dann stand im Forsthaus erst einmal das Mittagessen an. Wein, Speck, Würste, Käse und alles, was wir so mitgebracht hatten, fand in geselliger Runde den Weg in die hungrigen Mägen.
Gegen 14 Uhr ging’s dann wieder mit unseren zugeteilten Begleitern ins Revier. Weil Jakob schon am Vormittag zu Schuß gekommen war, bestiegen wir auf meine Bitte hin somit zusammen mit dem Jagdbegleiter eine Kanzel. Wir waren sehr, sehr guter Dinge. Aber das war wohl den vielen Bierchen zu verdanken :-). Wir saßen da und starrten zunächst in die Leere. Aber nach ca. 2 Stunden Ansitz kam dann richtig Freude auf. Eine Überläuferbache und eine Leitbache mit Frischlingen wechselten vorsichtig auf die Straße. Der Anblick war gigantisch. Der Jakob war kurz vor dem Verzweifeln. Die Leitbache hatte wohl Wind bekommen und zog sich blasend in das Unterholz zurück. Etwas weiter unterhalb von uns, wo wir den Walter vermuteten, krachten zwei Schüsse in kurzen Abständen. Auch in unmittelbarer Nähe wurde geschossen.
Inzwischen war schon die Abenddämmerung hereingebrochen, als wir immer noch verweilten und auf den Erfolg hofften. Auf einmal vernahmen wir ein Blasen und reichlich Lärm aus dem Unterholz. Der Jagdbegleiter flüsterte: „Bache mit Frischlinge kommen!“ Plötzlich, genau in der Gegenrichtung erschienen in ca. 100 Meter Entfernung vier zirka 15 kg starke Frischlinge. Der Schuß brach, und der angeschossene Frischling flüchtete noch einige Meter weiter in Richtung Laubwald. Als wir anschließend zum Anschuß gingen, lag der kleine „Wuzel“ neben uns.
Bei vorangeschrittener Dunkelheit holte uns der Revierverwalter Wolfgang ab. Auf der Rückfahrt zur Sammelstätte konnten wir einen Damschaufler sehen, den ich noch mit der Filmkamera festhielt. Am Forsthaus angekommen, war die Überraschung groß. Da lagen weitere fünf Sauen, jede so um die 40 kg schwer. Der Walter hatte zwei Sauen geschossen. Der Hubert konnte eine angeschossene Bache um die 70 kg erlösen, die wahrscheinlich bei einer Treibjagd einige Tage vorher angeschossen worden war. Und auch der Toni hatte Jagderfolg. Weil ich von allen mit dem Frischling nur die geringste Jagdbeute erlegt hatte, war ich über den gesamten Abend Gegenstand von vielerlei Belustigungen. Walters Bemerkung: „die Linde hat einen Hilfeschrei erlegt!“ Ja sogar noch am darauffolgenden Morgen als die 13 Sauen in das Auto geladen wurden, kam plötzlich der Toni lachend aus seiner Zelle und warf meine Sau immer wieder in die Luft mit den Worten: „Von wem isch diese Maus“?
Am letzten Abend ließen wir im Wirtshaus unser Jagdglück bei Speis’ und Trank ausklingen. Jeder von uns hatte eine oder zwei Sauen geschossen bzw. sechs Südtiroler Jäger konnten 14 Sauen erlegen!
Jeden stand die Freunde ins Gesicht geschrieben, darum versteht sich wohl, dass wir bis später Stunde das Gastlokal mit Gesang, Witze und viel Humor unterhielten.  Gegen Mitternacht spielte der Lentsch auf seinem Jagdhorn einige Stücke und zum Abschluß sangen wir noch gemeinsam das Lied „Ein Waidmannsheil an unsere Freunde“.

Am Sonntagmorgen gestaltete sich die Heimfahrt wohl ähnlich wie die Anreise. Unser Kollege, Fahrer und Munitionsexperte Lentsch sprach nur über Waffen, Munition, Kaliber, Kalibrierungen, Geschosse, deren ballistische Eigenschaften und vieles, vieles mehr. Ja, der Lentsch war unermüdlich. Als wir sogar immer wieder im Auto dahin schliefen, philosophierte er weiter.

Auf diesem Wege möchten wir uns nochmals auf das Herzlichste beim Oberförster „Wolfgang“ und seiner Mannschaft für die Gastfreundlichkeit, den wunderschönen und erfolgreichen Jagdtagen sowie der vorbildlichen Organisation bedanken.

Bedanken möchten wir uns auch beim Autoverleih Toni Fäckl, der dem Lentsch bzw. uns kostenlos den Kleinbus zur Verfügung gestellt hatte.

Ein Dank auch dem Toni, der die Sauen herumtragen, auf- und abladen sowie auch ohne Hilfe eine Sau mit 100 kg von der Kühlzelle bis zum Auto tragen musste.

Ein Lob auch an den Walter für die vorbildliche Organisation und ein Dankeschön meinerseits für den

Toni warf immer wieder vom Christian erlegten Frischling in die Luft und schrie: „Von wem isch diese Maus“?
  von Ihm spendierten Abschuss (2 Platz Jagderzählungen 08) den ich bei dieser Gemeinschaftsjagd einlösen konnte, "klein aber fein"!
 
Waidmannsheil     

 

                                                                               Bericht: Christian Lindner und Foto: Jagdportal WP  & Lentsch  
 

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