Bericht 20: Gamspirsch im Pfossental
Am 12. August starteten Josi ,Uli mein Terrier Zicco und ich um 17.00 Uhr in Glis.
Da wir abwechslungsweise den Jeep steuerten kamen wir auch ohne Probleme gut voran. In der Gegend vom Gardasee mussten wir jedoch eine Zwangspause einlegen, nach einigen zaghaften Regentropfen fing es ernsthaft an zu regnen, schlussendlich goss es wie aus Kübeln, das Gewitter hatte uns voll erwischt. Die Blitze erhellten den Nachthimmel, den Scheibenwischern gelang es nicht einmal mehr bei stehendem Auto, das Wasser von der Scheibe zu wischen, nach einer Viertelstunde konnten wir weiterfahren.
Endlich erreichten wir Meran, dann hoch ins Schnalstal, die Steilheit der Strasse erstaunte uns schon recht. Gegen 23.00 Uhr hatten wir den Ort gefunden.
Hunger und Durst meldete sich, also ab ins nächste Hotel. Der Adler kam uns grad gelegen, jetzt war ein kühles Bier angesagt. Bei einem blieb es halt nicht, hatten wir doch gleich Kontakt mit den Einheimischen Gästen.
Bald einmal war klar, dass muss ein Schutzgebiet sein, wo ich am nächsten Tag jagen gehen durfte. Im Flug war es bereits 01.30 Uhr, jetzt mussten wir uns aber aufs Ohr hauen, um 05.00 Uhr waren wir ja mit dem Wildhüter Moritz
verabredet. Beim Abschied nehmen fragte der Markus, ob er uns ebenfalls begleiten könne, ja sicher, also dann um 05.00 Uhr beim Moritz.
Inzwischen hatte es auch hier angefangen zu regnen, die Lust auf zelten war schnell vorbei, somit beschlossen wir im Jeep zu schlafen. Nicht lange hat es gedauert, fingen meine zwei Freunde Uli und Josi mit der Arbeit "Schnarchen" an, ganze "Wälder wurden abgeholzt. Für mich gab es kein entrinnen, ich war froh als es endlich 04.15 Uhr war, geschlafen hatte ich wohl keine Minute. Jetzt konnte das Sägewerk abgestellt werden, Tagwacht,  mit einigem Widerwillen kletterten die zwei Sägen aus dem Jeep, der jetzt wieder in einen fahrbaren Untersatz  umgerüstet wurde.
Ein paar Minuten vor fünf erschien zuerst der Markus, gleich darauf ebenfalls der Pirschführer Moritz. Wieder musste im Jeep alles umgestellt werden, sodass alles verstaut werden konnte.
Was wird wohl auf mich zukommen, dachte ich zu mir. Nach einer halben Stunde Fahrt, erreichten wir einen Almhof im Pfossental. Den prüfenden Blick zum Himmel versprach einen schönen Tag.
In Gedanken prüfte ich nochmals ob Alles mit war, was mit sollte. Holmittag, Wein, Glas, Büchse genug Munition und der Zicco.
Noch im Dunkeln begannen wir mi dem Aufstieg, Moritz schlug einen mir angenehmen Schritt an. Nach 20 min. hatten wir schon einen guten Gamsbock vor uns. Für mich war aber ein Jährling reserviert, also weiter.
Nach und nach hatten wir immer wieder Gamsrudel im Anblick, die Jährlinge hatten sie aber wohl versteckt. Auf einem Sattel angekommen, konnten wir oben an der Bergflanke ein grosses Rudel Gams beobachten, auch vier Jährlinge ästen in der Mitte des Verbandes.
Um an das Gamsrudel zu gelangen mussten wir in der  Deckung eines Grabens hochklettern. Langsam aber sicher zog der Rucksack, da war zuviel Holmittag drin, die lange Anfahrtsreise, das Ankunftsbier und die schlaflose Nacht zeigten auch ihre Wirkung. Meine Oberschenkel waren Blau.
Am Ziel angekommen mussten wir feststellen das ich nie und nimmer unbemerkt auf Schussdistanz an die Jährlinge kommen konnte. Uli, Josi und ich waren uns einig noch nie so viele Gams am selben Berghang zusammen gesehen zu haben. Das Rudel war wohl an die 30 Stück stark, weiter rechts in dem Bergkessel waren nochmals zwei Rudel von wohl gleicher Stärke ausgemacht worden.
Zum Trost wurde erstmals der Rucksack geplündert, in guter Deckung hatten wir jedoch das Rudel an der wellenartigen Bergflanke im Anblick. Plötzlich geriet Bewegung in das Rudel, es kam mir vor als ob Ameisen von Senke zu Senke rasen würden, binnen weniger Augenblicke war das Rudel verschwunden.
Somit musste das nächste Rudel angepirscht werden, der wohl einfachere Weg zum Rudel, konnten wir abermals nicht gehen, ansonsten die Bühne wohl gleich wieder geräumt gewesen wäre.
Nach einer Weile meldeten sich wieder meine Oberschenkel, ich hatte Mühe mitzuhalten. Kollege Josi hatte erbarmen mit mir, ich konnte meinen zu schweren Rucksack ihm abgeben. Schrittweise quälte ich mich die Steinhalde hoch, so ist es wirklich kein Spass auf die Jagd zu gehen. Aber abbrechen kam auch nicht in Frage. Endlich erreichten wir die Anhöhe wo vor einer Stunde, das Rudel noch ästen. Weit und Breit war jedoch keine Gams auszumachen, Moritz meinte das wir nach Oben auf den Rücken müssten, na dann also weiter.
Auf dem Rücken angekommen wurde alles abgesehen, immer wieder zeigten sich Gämse, ein Jährling war aber nicht dabei. Etwa 60 Meter schräg unter uns hatte sich eine drei Jährige Gais zum Wiederkäuen auf einer Felsnase nieder getan. Es dauerte jedoch nicht lange kam sie wieder hoch und stieg langsam äsend in unsere Richtung. Keine 10 Meter vor dem Uli und dem Zicco kam sie zu stehen, irgendwas hatte sie wahrgenommen, konnte ihre Situation jedoch nicht einschätzen, mit zwei drei Sätzen über den Graben hat sie jedoch instinktiv richtig reagiert. Jetzt war sie auf unsere Spur gekommen, nach kurzem bewinden unserer Fährte, flüchtete Sie talabwärts.
Wieder machten wir uns über die Rucksäcke, allmählich wurde es richtig heiß, die Sonne brannte auf uns nieder. Zu allem Übel dass ich bis jetzt hatte, schmerzte nun auch noch mein Kopf.
In einiger Entfernung unter uns hatte ich mit dem Glas zwei Gams ausgemacht, Gais mit einem Jährling, wurden durch das Spektiv angesprochen. Als wir den Abstieg begannen, floh das Rudel das unter uns Mittagspause gemacht hatte, ein Jährling war tatsächlich nicht dabei.
Jetzt erst wurde mir bewusst warum Markus und der Moritz die Jagdstöcke dabei hatten, Ihr drittes Bein. Wir drei Walliser hatten wirklich Mühe in dem steinigen Gebiet den zwei einheimischen Jägern zu folgen, solch lockeres
Gestein waren wir uns ganz einfach nicht gewohnt zu begehen, was halt noch mehr Kraft verbrauchte.
Just als wir eine Ebene überquerten, machte ich in der Luft eine Bewegung aus, im ersten Augenblick dachte ich es sei ein Adler. Da der Vogel aber blos 30 Meter über uns war, konnte man deutlich den Bart erkennen. Noch nie
hatte ich einen Bartgeier in der Natur im Anblick, vor lauter Staunen vergass ich die vergangenen Strapazen. Lautlos, ohne auch nur ein Flügelschlag glitt der Bartgeier über uns, welch ein Anblick.
Der Jährling war ebenfalls weitergezogen. Die letzte Hoffnung war, dass wir das Duo doch noch auf der anderen Bergseite erreichen könnten. Wieder musste eine Flanke mit lockerer Steinsmasse schräg hoch gekrakelt  werden, Oben angekommen war ich sicher dass das für Heute mein letzter Aufstieg gewesen war, ich war Nudelfertig. Der Jährling war verschwunden, jetzt war es mir sogar Egal. Mein Kopf schmerzte das ich zeitweise glaubte mein Magen würde hochkommen. Von dem Grad aus konnte der Hof wo mein Jeep stand gesehen werden, am liebsten wäre ich jetzt da Unten.
Der Abstieg machte meinen Beinen weniger Mühe, auf halben Weg äugte ich in eine Bodensenkung, keine fünf Meter vor mir äste ein schöner Gamsbock. Zum Uli sagte ich, dass ich noch nie so viele Gamsen an einem Tag gesehen hätte.
Glücklich, endlich beim Gasthof angekommen zu sein, erkundigte ich mich beim Wirt ob er Kopfwehpillen hätte. Hilfsbereit wie die Südtiroler sind, holte er mir zwei Pastillen, in einer halben Stunde seien die Schmerzen weg meinte er und riet mir aber heute kein Gamspirsch im Pfossental!zu trinken.
Bereits auf der Rückfahrt merkte ich das die Schmerzen nachliessen, bald einmal waren sie ganz weg.
Der erste Jagdtag war also Erfolglos beendet, mit Moritz hatten wir uns um 05.30 Uhr für den Zweiten Tag verabredet.
Die Zelte wurden auf dem alten Sportplatz aufgestellt, nach einem vorzüglichen Nachtessen imHotel war Nachtruhe angesagt. Beim aufbauen der Zelte hab ich einen genügend grossen Abstand von den zwei Holzfällern gewählt. Etwas erholt schlüpfte ich in den Schlafsack, neben mich kuschelte sich Zicco, gleich schlief ich ein.
Gleich nachdem mein Handy-Wecker uns aus dem Schlaf holte, drängte Zicco schon nach draussen. Nichts leichter als das, sagte ich zu ihm und öffnete ihm den Reissverschluss des Zeltes, durch den Tau war das Aussenzelt nass, ein Blick zum Himmel verhieß nochmals einen herrlichen Tag, den ich heute bestimmt genießen konnte. Denn jetzt fühlte ich mich ausgeruht und wieder total Fit.
Auf der Fahrt ins Pfossental erklärte uns Moritz das wir heute auf der andern Seite des Tales unser Glück versuchen werden. Nachdem wir noch ein Kaffee im Gasthof genossen hatten, konnten wir den zweiten Jagdtag in Angriff nehmen.
Nachdem wir alle heil und trocken über den Bach kamen, konnte der Aufstieg im Graben noch oben losgehen. Es war schon ein ganz anderes Gefühl zum marschieren, ausgeruht, ohne eine Holzfäller Mannschaft dicht an den Ohren, natürlich auch ausgeschlafen.
So konnte man die Jagd sichtlich geniessen. Bald einmal war es schon Mittag, von einem Jährling keine Spur. Das Spiel sei noch jung meinte Josi, wir haben ja noch den Abend.
Moritz hatte uns in einen waren Adlerhorst geführt, rechts und links waren steile Abhänge, aber im Horst war es ganz einfach Fantastisch. Die Sonne meinte es gar gut mit uns und brannte auf uns nieder. Die Aussicht über das ganze Pfossental war genial. Immer wieder wurde Ausschau nach Gämsen gemacht, dazwischen der Rucksack geplündert, der heute auch sichtlich leichter bepackt wurde.
Natürlich wurden auch beiderseits Jagdgeschichten so wie Jagdbrauchtum ausgetauscht. Andere Länder andere Sitten.
Endlich wurde ein Rudel Gams gesichtet, mit zwei Jährlingen. Eile war keine geboten, es war ja erst 14.30 Uhr, also war anzunehmen dass das Rudel im Schatten des Bergbuckels verhoffte.
Unter der Führung vom Moritz stiegen wir den Abhang hinab, Vorsicht war geboten, ein Fehltritt oder ein  Ausrutscher hätte wohl fatale Folgen nach sich gezogen, sichtlich erleichtert schauten wir nach Oben, gut das man den Moritz mit hatte, der den Tritt herunter kannte.
Aber beim Rudel waren wir noch lange nicht, der abgeschmolzenen Moräne entlang zogen wir dem Rudel entgegen. Mal runter mal rauf, aber der Erfolg vor Augen lies nur kurze erschnaufpausen zu.
Wir waren noch nicht einmal 500 Meter am Rudel, wurden wir von einer alten Gais bereits gesichtet, steif und still behielt sie uns unter Kontrolle.
Die Jährlinge hatten wir nicht mehr im Anblick, wo hatten die sich verschanzt?
Die Gais lies uns nicht aus den Lichtern. Wir versuchten uns von unten um die Felsbrocken der unübersichtlichen Mulde anzupirschen, wo wir die Jährlinge vermuteten, nichts tat sich, also wieder hoch. Es sollte einfach nicht sein, dachte ich mir. Na ja dann kann ich ja nochmals in dieses fantastische Gamsbiotop auf die Jagd.
Es hat halt wirklich nicht sollen sein, beim nächsten Anblick der Jährlinge, waren Diese im Berghang auf gut 500 Meter, in Sicherheit. Ein anpirschen kam jetzt nicht mehr in Frage, bei dem nächsten Versuch, den wir in Ihre Richtung machten, floh das Rudel noch höher den Berg hinauf.
Hatte ich den ersten Tag noch gelitten, konnte ich den zweiten umso mehr genießen. Sicher nahmen wir den Abstieg hinunter zur Jause mit leichter Enttäuschung auf, jedoch mit der Gewissheit nochmals zu kommen, war der Jagdmisserfolg leichter zu verschmerzen. Uli und Josi waren derselben Meinung.
 
Ein recht herzliches Dankeschön dem Moritz und dem Markus.

Waidmannsheil und Waidmannsdank dem Walter, denn nur durch seinen Wettbewerb im Südtiroler Jagdportal,  hatte ich ja erst die Möglichkeit erhalten, im Pfossental auf die Jagd zu gehen.


Weidmannsheil

                                                                                                                           Bericht und Fotos:  Kari Schmid
 

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