- Am
12. August starteten Josi ,Uli mein Terrier Zicco und ich um
17.00 Uhr in Glis.
Da wir abwechslungsweise den Jeep steuerten kamen wir auch
ohne Probleme gut voran. In der Gegend vom Gardasee mussten
wir jedoch eine Zwangspause einlegen, nach einigen zaghaften
Regentropfen fing es ernsthaft an zu regnen, schlussendlich
goss es wie aus Kübeln, das Gewitter hatte uns voll
erwischt. Die Blitze erhellten den Nachthimmel, den
Scheibenwischern gelang es nicht einmal mehr bei stehendem
Auto, das Wasser von der Scheibe zu wischen, nach einer
Viertelstunde konnten wir weiterfahren.
Endlich
erreichten wir Meran, dann hoch ins Schnalstal, die
Steilheit der Strasse erstaunte uns schon recht. Gegen 23.00
Uhr hatten wir den Ort gefunden.
Hunger und Durst meldete sich, also ab ins nächste Hotel.
Der Adler kam uns grad gelegen, jetzt war ein kühles Bier
angesagt. Bei einem blieb es halt nicht, hatten wir doch
gleich Kontakt mit den Einheimischen Gästen.
Bald einmal war klar, dass muss ein Schutzgebiet sein, wo
ich am nächsten Tag jagen gehen durfte. Im Flug war es
bereits 01.30 Uhr, jetzt mussten wir uns aber aufs Ohr
hauen, um 05.00 Uhr waren wir ja mit dem Wildhüter Moritz
verabredet. Beim Abschied nehmen fragte der Markus, ob er
uns ebenfalls begleiten könne, ja sicher, also dann um 05.00
Uhr beim Moritz.
Inzwischen hatte es auch hier angefangen zu regnen, die Lust
auf zelten war schnell vorbei, somit beschlossen wir im Jeep
zu schlafen. Nicht lange hat es gedauert, fingen meine zwei
Freunde Uli und Josi mit der Arbeit "Schnarchen" an, ganze
"Wälder wurden abgeholzt. Für mich gab es kein entrinnen,
ich war froh als es endlich 04.15 Uhr war, geschlafen hatte
ich wohl keine Minute. Jetzt konnte das Sägewerk abgestellt
werden, Tagwacht, mit einigem Widerwillen kletterten die
zwei Sägen aus dem Jeep, der jetzt wieder in einen fahrbaren
Untersatz umgerüstet wurde.
Ein
paar Minuten vor fünf erschien zuerst der Markus, gleich
darauf ebenfalls der Pirschführer Moritz. Wieder musste im
Jeep alles umgestellt werden, sodass alles verstaut werden
konnte.
Was wird wohl auf mich zukommen, dachte ich zu mir. Nach
einer halben Stunde Fahrt, erreichten wir einen Almhof im
Pfossental. Den prüfenden Blick zum Himmel versprach einen
schönen Tag.
In Gedanken prüfte ich nochmals ob Alles mit war, was mit
sollte. Holmittag, Wein, Glas, Büchse genug Munition und der
Zicco.
Noch im Dunkeln begannen wir mi dem Aufstieg, Moritz schlug
einen mir angenehmen Schritt an. Nach 20 min. hatten wir
schon einen guten Gamsbock vor uns. Für mich war aber ein
Jährling reserviert, also weiter.
Nach und nach hatten wir immer wieder Gamsrudel im Anblick,
die Jährlinge hatten sie aber wohl versteckt. Auf einem
Sattel angekommen, konnten wir oben an der Bergflanke ein
grosses Rudel Gams beobachten, auch vier
Jährlinge ästen in der Mitte des Verbandes.
Um an das Gamsrudel zu gelangen mussten wir in der Deckung
eines Grabens hochklettern. Langsam aber sicher zog der
Rucksack, da war zuviel Holmittag drin, die lange
Anfahrtsreise, das Ankunftsbier und die schlaflose Nacht
zeigten auch ihre Wirkung. Meine Oberschenkel waren Blau.
Am
Ziel angekommen mussten wir feststellen das ich nie und
nimmer unbemerkt auf Schussdistanz an die Jährlinge kommen
konnte. Uli, Josi und ich waren uns einig noch nie so viele
Gams am selben Berghang zusammen gesehen zu haben. Das Rudel
war wohl an die 30 Stück stark, weiter rechts in dem
Bergkessel waren nochmals zwei Rudel von wohl gleicher
Stärke ausgemacht worden.
Zum Trost wurde erstmals der Rucksack geplündert, in guter
Deckung hatten wir jedoch das Rudel an der wellenartigen
Bergflanke im Anblick. Plötzlich geriet Bewegung in das
Rudel, es kam mir vor als ob Ameisen von Senke zu Senke
rasen würden, binnen weniger Augenblicke war das Rudel
verschwunden.
Somit musste das nächste Rudel angepirscht werden, der wohl
einfachere Weg zum Rudel, konnten wir abermals nicht gehen,
ansonsten die Bühne wohl gleich wieder geräumt gewesen wäre.
Nach einer Weile meldeten sich wieder meine Oberschenkel,
ich hatte Mühe mitzuhalten. Kollege Josi hatte erbarmen mit
mir, ich konnte meinen zu schweren Rucksack ihm abgeben.
Schrittweise quälte ich mich die Steinhalde hoch, so ist es
wirklich kein Spass auf die Jagd zu gehen. Aber abbrechen
kam auch nicht in Frage. Endlich erreichten wir die Anhöhe
wo vor einer Stunde, das Rudel noch ästen. Weit und Breit
war jedoch keine Gams auszumachen, Moritz meinte das wir
nach Oben auf den Rücken müssten, na dann also weiter.
Auf dem Rücken angekommen wurde alles abgesehen, immer
wieder zeigten sich Gämse, ein Jährling war aber nicht
dabei. Etwa 60 Meter schräg unter uns hatte sich eine drei
Jährige Gais zum Wiederkäuen auf einer Felsnase nieder
getan. Es dauerte jedoch nicht lange kam sie wieder hoch und
stieg langsam äsend in unsere Richtung. Keine 10 Meter vor
dem Uli und dem Zicco kam sie zu stehen, irgendwas hatte sie
wahrgenommen, konnte ihre Situation jedoch nicht
einschätzen, mit zwei drei Sätzen über den Graben hat sie
jedoch instinktiv richtig reagiert. Jetzt war sie auf unsere
Spur gekommen, nach kurzem bewinden unserer Fährte,
flüchtete Sie talabwärts.
Wieder machten wir uns über die Rucksäcke, allmählich wurde
es richtig heiß, die Sonne brannte auf uns nieder. Zu allem
Übel dass ich bis jetzt hatte, schmerzte nun auch noch mein
Kopf.
In
einiger Entfernung unter uns hatte ich mit dem Glas zwei
Gams ausgemacht, Gais mit einem Jährling, wurden durch das
Spektiv angesprochen. Als wir den Abstieg begannen, floh das
Rudel das unter uns Mittagspause gemacht hatte, ein Jährling
war tatsächlich nicht dabei.
Jetzt erst wurde mir bewusst warum Markus und der Moritz die
Jagdstöcke dabei hatten, Ihr drittes Bein. Wir drei Walliser
hatten wirklich Mühe in dem steinigen Gebiet den zwei
einheimischen Jägern zu folgen, solch lockeres
Gestein waren wir uns ganz einfach nicht gewohnt zu begehen,
was halt noch mehr Kraft verbrauchte.
Just als wir eine Ebene überquerten, machte ich in der Luft
eine Bewegung aus, im ersten Augenblick dachte ich es sei
ein Adler. Da der Vogel aber blos 30 Meter über uns war,
konnte man deutlich den Bart erkennen. Noch nie
hatte ich einen Bartgeier in der Natur im Anblick, vor
lauter Staunen vergass ich die vergangenen Strapazen.
Lautlos, ohne auch nur ein Flügelschlag glitt der Bartgeier
über uns, welch ein Anblick.
Der Jährling war ebenfalls weitergezogen. Die letzte
Hoffnung war, dass wir das Duo doch noch auf der anderen
Bergseite erreichen könnten. Wieder musste eine Flanke mit
lockerer Steinsmasse schräg hoch gekrakelt werden, Oben
angekommen
war ich sicher dass das für Heute mein letzter Aufstieg
gewesen war, ich war Nudelfertig. Der Jährling war
verschwunden, jetzt war es mir sogar Egal. Mein Kopf
schmerzte das ich zeitweise glaubte mein Magen würde
hochkommen. Von dem Grad aus konnte der Hof wo mein Jeep
stand gesehen werden, am liebsten wäre ich jetzt da Unten.
Der Abstieg machte meinen Beinen weniger Mühe, auf halben
Weg äugte ich in eine Bodensenkung, keine fünf Meter vor mir
äste ein schöner Gamsbock. Zum Uli sagte ich, dass ich noch
nie so viele Gamsen an einem Tag gesehen hätte.
Glücklich, endlich beim Gasthof angekommen zu sein,
erkundigte ich mich beim Wirt ob er Kopfwehpillen hätte.
Hilfsbereit wie die Südtiroler sind, holte er mir zwei
Pastillen, in einer halben Stunde seien die Schmerzen weg
meinte er und riet mir aber heute kein Gamspirsch im
Pfossental!zu trinken.
Bereits auf der Rückfahrt merkte ich das die Schmerzen
nachliessen, bald einmal waren sie ganz weg.
Der
erste Jagdtag war also Erfolglos beendet, mit Moritz hatten
wir uns um 05.30 Uhr für den Zweiten Tag verabredet.
Die Zelte wurden auf dem alten Sportplatz aufgestellt, nach
einem vorzüglichen Nachtessen imHotel war Nachtruhe
angesagt. Beim aufbauen der Zelte hab ich einen genügend
grossen Abstand von den zwei Holzfällern gewählt. Etwas
erholt schlüpfte ich in den Schlafsack, neben mich kuschelte
sich Zicco, gleich schlief ich ein.
Gleich nachdem mein Handy-Wecker uns aus dem Schlaf holte,
drängte Zicco schon nach draussen. Nichts leichter als das,
sagte ich zu ihm und öffnete ihm den Reissverschluss des
Zeltes, durch den Tau war das Aussenzelt nass,
ein Blick zum Himmel verhieß nochmals einen herrlichen Tag,
den ich heute bestimmt genießen konnte. Denn jetzt fühlte
ich mich ausgeruht und wieder total Fit.
Auf der Fahrt ins Pfossental erklärte uns Moritz das wir
heute auf der andern Seite des Tales unser Glück versuchen
werden. Nachdem wir noch ein Kaffee im Gasthof genossen
hatten, konnten wir den zweiten Jagdtag in
Angriff nehmen.
Nachdem wir alle heil und trocken über den Bach kamen,
konnte der Aufstieg im Graben noch oben losgehen. Es war
schon ein ganz anderes Gefühl zum marschieren, ausgeruht,
ohne eine Holzfäller Mannschaft dicht an den Ohren,
natürlich auch ausgeschlafen.
So konnte man die Jagd sichtlich geniessen. Bald einmal war
es schon Mittag, von einem Jährling keine Spur. Das Spiel
sei noch jung meinte Josi, wir haben ja noch den Abend.
Moritz hatte uns in einen waren Adlerhorst geführt, rechts
und links waren steile Abhänge, aber im Horst war es ganz
einfach Fantastisch. Die Sonne meinte es gar gut mit uns und
brannte auf uns nieder. Die Aussicht über das
ganze Pfossental war genial. Immer wieder wurde Ausschau
nach Gämsen gemacht, dazwischen der Rucksack geplündert, der
heute auch sichtlich leichter bepackt wurde.
Natürlich
wurden auch beiderseits Jagdgeschichten so wie Jagdbrauchtum
ausgetauscht. Andere Länder andere Sitten.
Endlich wurde ein Rudel Gams gesichtet, mit zwei Jährlingen.
Eile war keine geboten, es war ja erst 14.30 Uhr, also war
anzunehmen dass das Rudel im Schatten des Bergbuckels
verhoffte.
Unter der Führung vom Moritz stiegen wir den Abhang hinab,
Vorsicht war geboten, ein Fehltritt oder ein
Ausrutscher hätte wohl fatale Folgen nach sich gezogen,
sichtlich erleichtert schauten wir nach Oben, gut das man
den Moritz mit hatte, der den Tritt herunter kannte.
Aber beim Rudel waren wir noch lange nicht, der
abgeschmolzenen Moräne entlang zogen wir dem Rudel entgegen.
Mal runter mal rauf, aber der Erfolg vor Augen lies nur
kurze erschnaufpausen zu.
Wir waren noch nicht einmal 500 Meter am Rudel, wurden wir
von einer alten Gais bereits gesichtet, steif und still
behielt sie uns unter Kontrolle.
Die Jährlinge hatten wir nicht mehr im Anblick, wo hatten
die sich verschanzt?
Die Gais lies uns nicht aus den Lichtern. Wir versuchten uns
von unten um die Felsbrocken der unübersichtlichen Mulde
anzupirschen, wo wir die Jährlinge vermuteten, nichts tat
sich, also wieder hoch. Es sollte einfach
nicht sein, dachte ich mir. Na ja dann kann ich ja nochmals
in dieses
fantastische Gamsbiotop auf die Jagd.
Es hat halt wirklich nicht sollen sein, beim nächsten
Anblick der Jährlinge, waren Diese im Berghang auf gut 500
Meter, in Sicherheit. Ein anpirschen kam jetzt nicht mehr in
Frage, bei dem nächsten Versuch, den wir in Ihre
Richtung machten, floh das Rudel noch höher den Berg hinauf.
Hatte ich den ersten Tag noch gelitten, konnte ich den
zweiten umso mehr genießen. Sicher nahmen wir den Abstieg
hinunter zur Jause mit leichter Enttäuschung auf, jedoch mit
der Gewissheit nochmals zu kommen, war der
Jagdmisserfolg leichter zu verschmerzen. Uli und Josi waren
derselben Meinung.
- Ein recht herzliches
Dankeschön dem Moritz und dem Markus.
Waidmannsheil und Waidmannsdank dem Walter, denn nur durch
seinen Wettbewerb im Südtiroler Jagdportal, hatte ich ja
erst die Möglichkeit erhalten, im Pfossental auf die Jagd zu
gehen.
Weidmannsheil
Bericht und Fotos:
Kari Schmid
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