Bericht 30: Erfolgreiche Kahlwildjagd

 Am Samstagmorgen, 15. Mai war ich um 4.30 Uhr mit meinem Vater verabredet, um gemeinsam auf den Schlanderser Sonnenberg zu fahren und dort unser Glück bei der Rotwildjagd zu versuchen. Da heuer durch die recht widrigen Wetterbedingungen im Mai die Vegetation im „Hochberg“ noch nicht so weit fortgeschritten ist, sucht das Rotwild verständlicher Weise vermehrt die Mähwiesen der Bergbauern auf. Da es mitunter hier und dort doch zu Wildschäden kommt, wollten wir versuchen in den Wiesen ein Stück Rotwild zu erlegen, um den Bauern auch den Willen der Jäger zu zeigen, etwas gegen die Wildschäden zu unternehmen. Jeder der eine solche „Wiesenjagd“ erlebt hat, weis dass dies kein einfaches Unterfangen ist. Das Rotwild ist ja sehr scheu und so wie ich es in den vergangenen Jahren miterlebt habe, sehr lernfähig. Kaum bricht der Tag an, so sind kaum mehr Stücke in den Wiesen anzutreffen, denn sie haben schon vor Morgengrauen den Rückzug in den schützenden Wald angetreten. Trotzdem wollten wir nichts unversucht lassen und  kamen gegen 5 Uhr auf dem Berghof „Forra“ an. Es wurde so langsam heller und wir suchten mit dem Fernglas die Wiesen nach Rotwild ab. Einige Stücke konnten wir bereits oberhalb der Wiesen beim Rückzug in den Wald erkennen, aber einige Stücke ästen noch recht ruhig in Mitten der Wiesen. Da in diesen Wiesen heuer noch kein Abschuss getätigt wurde war das Rotwild scheinbar noch recht zutraulich. Wir versuchten etwas abseits der Wiese bis zu einer alten Lärche zu gelangen um dort ein wenig Deckung zu haben und dann von dort die Stücke anzusprechen. Wenige Minuten später waren wir bei dem Baum angelangt und richteten uns dort ein. Es waren noch 6 Stück Rotwild in Schussweite und wir konnten 3 Tiere und  3 Schmaltiere ansprechen. Da ich heuer schon einen Abschuss getätigt hatte, gab ich meinem Vater den Vorrang und er sollte ein Schmaltier erlegen. Er richtete sich eine gute Auflage für seine Blaser 7 mm Rem. und als das schwächste Stück Blatt zu uns stand krachte der Schuss und das Schmaltier lang am Anschuss im Feuer. Die restlichen Stücke flüchteten ca. 100 Meter weiter, verharrten dort dann kurz und äugten gespannt umher. Diese Zeit nutzte ich um mich mit meinem Gewehr einzurichten und wenige Augenblicke später hallte der zweite Schuss über die Wiesen. Das beschossene Schmaltier zeichnete stark, flüchtete mit den anderen Stücken, blieb dann aber zurück und tat  in mitten der Wiese nieder. Die Vermutung eines Weichschusses lag für uns beide sehr nahe und so beschlossen wir erstmal abzuwarten. Ständig beobachteten  wir das beschossene Schmaltier und es ergab für uns beide nicht den Anschein als würde es bald im Wundbett verenden, deshalb beschlossen wir, dass ich an unserem Ort bleibe und die Situation beobachte. Mein Vater hingegen versuchte sich ein wenig dem Schmaltier zu nähern und nach wenigen Minuten konnte er endlich das Stück erlösen und den Fangschuss anbringen. Mir fiel ein Stein vom Herzen als ich den Fangschuss hörte und somit das Schmaltier vom Leiden erlöst wurde. Ich packte meine Sachen zusammen und ging zu meinem Vater der vor dem erlegten Stück stand und meinen Schuss begutachtete. Unsere Vermutung wurde bestätigt, leider hatte ich das Stück „weich“ getroffen und deshalb begannen wir unverzüglich mit der Roten Arbeit. Zuerst aber wünschte mir mein Vater ein herzliches Weidmannsheil. Danach gingen wir zum erlegten Schmaltier meines Vaters, das ca. 100 Meter weiter am Anschuss lag. Dort wünschte ich ihm dann ein Weidmannsheil. Es war das erste mal, dass und miteinander jeweils ein Abschuss gelungen ist. Wir brachen das Stück auf und bargen die beiden Schmaltiere. Als wir am „Forrahof“ angekommen waren, wartete bereits die Bäuerin auf uns und sie zeigte sich sehr erfreut über die beiden Abschüsse und wünschte uns ein Weidmannsheil. Sie zeigte sich verständlich, dass das Rotwild derzeit verstärkt zur Äsungsaufnahme die Wiesen aufsucht, aber solange sich die Wildschäden im Rahmen halten und die Jäger bemüht sind etwas dagegen zu unternehmen wird man das Wild auf den Berghöfen auch akzeptieren. Anschließend verstauten wir alles in unserem Auto und fuhren zurück ins Dorf zur Kühlzelle. Dort erledigten wir die restlichen Arbeiten und kehrten dann zufrieden über die geglückten Abschüsse in den Bergwiesen nach Hause zurück. Die Schmaltiere brachten 27,5 kg (Schmaltier meines Vaters) und 34 kg (mein Schmaltier) auf die Waage.

 

Weidmannsheil

                                                                                  Bericht und Fotos:  Höllrigl Martin – Jagdrevier Schlanders

 

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