Bericht 37: "Der Junischlechtwetterbock"

In den Wochen der zweiten Maihälfte in denen ich vergeblich auf einen Knopfbock angesessen hatte konnte ich auch einen etwa 4 jährigen Gabler bestätigen, den ich mir für Anfang Juni vorgemerkte sollte er den im Revier bleiben. In der letzten Maiwoche in der ich unzählige Ansitze tätigte um endlich meinen Knöpfler zu kriegen zeigte sich jedes Mal auch jener Gabler weshalb ich den ersten Juni zuversichtlich entgegen sah, der Knöpfler aber blieb verschollen.

Die Wiesen waren jetzt im vollen saftigen Grün weshalb ich Angst hatte das der zuständige Besitzer diese noch vor dem ersten Juni mähen würde.

Die Wetterlage ließ eine Mahd aber dann nicht mehr zu und voller Erwartungen fieberte ich der beginnenden Schusszeit auf den 2er Bock entgegen. Wenn mir schon der Knopfbock verwehrt blieb wollte ich doch jetzt Anfang Juni einen 2er Bock erlegen, aber bei den derzeitigen Wetterkapriolen zweifelte ich ob mein Vorhaben gelingen würde.

Nachdem die letzten beiden Maitage ein trostloses Bild mit waagrecht daher kommenden Regen und Wind bis 60km/h boten, hoffte ich das sich die Lage bis 1.Juni zum besseren wendet.

Um 4:00Uhr holte mich dann der grausame Piepston meines Weckers aus den Federn und  während ich mir den Schlaf aus den Augen rieb tapste ich im Dunklen zum Fenster um mir ein Bild von der Wetterlage zu machen.

Was ich beim Blick aus  dem Fenster sah ließ mir schon jetzt die Gänsehaut den Rücken hinunterlaufen und ein Blick auf das Außenthermometer ließ mich zweifeln ob wirklich 1.Juni war. Trotz 7° beschloss ich mich für den Ansitz herzurichten um nach einem kurzen Frühstück ins Revier zu fahren. Ich hatte einen geschlossenen Bodensitz als Ziel gewählt der in einer eher Windruhigen Lage steht und außer einer Tür nur ein Fenster nach Süden hat.

Auf dem Weg zum Bodensitz machte ich mir Gedanken über die Sinnhaftigkeit des heutigen Ansitzes bei so einem Sauwetter. Als ich aber dann das Fenster öffnete und bereits einen Jährlingspießer beim äsen sah keimte wieder Hoffnung in mir.

Etwa eine halbe Stunde verging als ich von links kommend zwei Böcke sah, das gleiche Bild wie Ende Mai als ein Gabler jedes mal einen Jährlingssechser über die etwa 200m breite Wiese jagte. Nur war es diesmal nicht der Gabler sondern ein Sechser den ich noch nie gesehen hatte. Auf dem Rückweg ließ er mir nur sehr wenig Zeit ihn anzusprechen und schon gar keine für eine Schussabgabe. Bis halb acht blieb ich am Ansitz doch Gabler und auch der Neue kamen nicht wieder. Auch ein Abendansitz blieb erfolglos.

Also blieb mir – wollte ich den Gabler oder den Neuen haben – nichts anderes übrig als am nächsten Morgen noch einmal zum Ansitz.

Gleiches Szenario wie am Vortag: 4:00Uhr Aufstehen………………………………5:30Uhr zum Ansitz.

Wettermäßig hat sich nicht viel geändert außer das heute neben Dauerregen auch noch dichte Nebelschwaden über die ca. 3ha große Wiese zogen und mir immer wieder für Minuten die Sicht nahmen. Gegen 5:00Uhr das gleiche Bild wie gestern, zwei Böcke die ich wegen des Nebels nur schemenhaft erkennen konnte kamen wieder von links hochflüchtig über die Wiese und verschwanden ohne auch nur kurz zu verhoffen in den rechts angrenzenden Wald. Während ich mich richte falls er wieder zurück kommt machte ich mir aber auch Gedanken über das beinahe hüfthohe Gras das für einen Schuss alles andere als günstig war. Gut eine halbe Stunde verging  als ich ihn wieder am Waldrand auftauchen sah und diesmal konnte ich ihn durch mein Spektiv ansprechen und schätzte ihn auf 4-5 Jahre. Als er mir dann den Gefallen tat und am Gegenhang einer leichten Mulde in etwa 100m Entfernung vorbei zog, war auch das hohe Gras kein Hindernis mehr und ich konnte ihm die Kugel antragen worauf er noch am Anschuss verendete.

Das Bergen in der relativ flachen Wiese stellte auch kein Problem dar, nur das nasse  hohe Gras

bewirkte das ich nach zwanzig Meter bis zur Gürtellinie nass war als hätte man mich in einen Pool gestellt. Als ich aber dann bei meinen Bock stand war mir das egal, ich freute mich über einen reifen Sechser der noch nicht vollständig verfärbt hatte. Und vielleicht lässt sich ja auch der Gabler noch einmal blicken.

 

 

Waidmann´s Heil                                              

 

                                                                                       Bericht u. Fotos: Hermann Großalber OÖ

 

 

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