| Bericht 59: Der "Rote Geist" |
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Wie bereits die Tage zuvor, bepackte ich am 05. August um 04.25 Uhr meinen Jagdrucksack mit einer Jacke, dem Spektiv und etwas essbaren zusammen, um mich auf den Weg zu machen, in der Hoffnung einen passenden Rehbock ausfindig zu machen. Ich kontaktierte seit dem 01. August alle Tage unseren Jagdaufseher, um nachzufragen, wo und wer in unserem Jagdrevier bereits das Jagdglück auf seiner Seite hatte um einen passenden Trophäenbock zu erlegen. Ich konnte erfahren, dass die Böcke, die bereits erlegt wurden, heftig bei der Brunft beteiligt waren und alle im Wald beziehungsweise nicht an der Waldgrenze erlegt wurden. Also überlegte ich mir, wo ich im Hochsommer (Juli) einen Bock ausfindig machen konnte. Da ich mir meine Beobachtungen immer alle aufschreibe, hatte ich einige Informationen, die mir weiterhelfen konnten. Aus meiner Aufschrift habe ich herausgelesen, wo ein Bock sich Territorial aufhält und einige Merkmale vom Geweih (geperlt, kelchform). Also beschloss ich, diesen Bock anzugehen. Aufgrund der Örtlichkeit, wusste ich bereits vor der Jagd, dass ich im Wald Pirschen und zugleich Blatten muss, um den Bock herauszulocken. Im Wald um 05.15 Uhr angekommen, setzte ich mich hinter eine alte Lärche und wartete bis es hell wurde, es tröpfelte einwenig. Das Gelände, wo ich mich befand ist mässig steil, ein Lärchen - Fichtenwald, beigemischt mit einigen Laubholzarten und mit einem Unterwuchs von Almrosen und Preiselbeeren. Das Pirschen funktionierte an diesem Tag hervorragend, da es nass war und ich so Geräuschlos Schritt für Schritt mich fortbewegen konnte. Ich blattete mit meinem "Rottumthaler Rehblatter", wartete eine bestimmte Zeit ab, Pirschte etwas weiter, am Nächsten geeigneten Platz ging ich wieder in Position und Blattete wieder. Diese Jagdstrategie verfolgte ich bis 07.20 Uhr. Während dem Pirschen sah ich auf einmal etwas rotes bei mir vorbeiwischen, konnte aber nichts erkennen. Ein Leichter Nebel zog auf. Ich verweilte etwas, es tat sich nichts. Kaum wollte ich mich aufrichten, sah ich im Schleier des Nebels auf 50m etwas Rotes, "Rote Geist", vor mir stehen, nahm das Fernglas auf Augenhöhe, doch der "Rote Geist" war wieder verschwunden. Ich vernahm in den Almrosen das Geräusch eines Laufenden Wildes, konnte es aber nicht ausfindig machen, der Nebl war zu dicht. Ich nahm den Reh-Blatter in die Hand und ahmte eine Rehgeiss nach. Auf das Fiepen reagierte der "Rote Geist" und stand auf einigen Metern, ca 30m, eingebettet im lichten Nebel, vor mir, ich nahm vorsichtig, ohne hastige Bewegungen zu machen, meine R93 Freihändig in Anschlag, erkannte durch die Zielvorrichtung das Kelchförmige Geweih und liess die 270 WSM sprechen. Der "Rote Geist" brach im Feuer zusammen und sank in den Almrosen zu Boden. Nach dem erfolgreichen Schuss liess ich die Anspannung langsam los und begab mich zu meinem getätigtem Abschuss. Der erlegte "Rote Geist" ist der Kelchförmige Rehbock, den ich in meiner Aufschrift im Sommer ausfindig machen konnte. Nach der Roten Arbeit und dem Optimal versorgten Wild, steckte ich dem "Roten Geist" den Letzten Bissen zu. Nachdem ich den Jagdlichen Brauchtum erledigt hatte, setzte ich mich neben meine Jagdbeute, schenkte dem erlegtem Wild meine Aufmerksamkeit und den letzten Gedanke und dankte, so eine bereichernde Erfahrung erlebt haben zu dürfen. Nebenbei genoss ich ein kleines zünftiges Waldfrühstück.
Weidmannsheil
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